Olfen (Oberzent)

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Olfen
Stadt Oberzent
Koordinaten: 49° 35′ 25″ N, 8° 53′ 36″ O
Höhe: 366 (353–525) m ü. NHN
Fläche: 4,4 km²[1]
Einwohner: 326 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Eingemeindet nach: Beerfelden
Postleitzahl: 64760
Vorwahl: 06068

Olfen ist ein Stadtteil von Oberzent im südhessischen Odenwaldkreis und hat rund 330 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Waldhufendorf Olfen ist der nordwestlichste Stadtteil der neuen Stadt Oberzent. Olfen liegt im Buntsandstein-Odenwald auf 396 m ü. NHN in einer Rodungsinsel als offenes Dorf mit regellosem Grundriss im Quellgebiet des südwärts dem Neckar zustrebenden Hinterbachs. Er entspringt nördlich des Ortes im unter Naturschutz stehenden Hochmoor Am Roten Wasser. Weiter abwärts in Finkenbach läuft er von rechts mit dem Falkengesäßerbach, benannt nach seinem Talort Falken-Gesäß, zum Finkenbach zusammen. Hier wurden für die Bäche die offiziellen Namen benutzt, jeder der beiden Quellbäche wird mancherorts auch als die (!) Finkenbach bezeichnet, die Olfener etwa nennen den Bach durch den eigenen Ort nur Finkenbach.

Die Landesstraße 3120 Affolterbach–Beerfelden quert den Ort im Norden. Hier liegt auch die regellose Siedlung Olfener Hof nördlich von Olfen auf Olfener Gemarkung, seit 1787 als Ulvenhöfe bekannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahre 1398 als Lehen des Pfalzgrafs Ruprecht an Schenk Eberhard von Erbach. Der Ortsname lautete damals Ulfen. Es wohnten hauptsächlich Hirten im Dorf. 1438 belehnt Pfalzgraf Otto Schenk Otto von Erbach mit 1/4 des Dorfs nebst Zubehör. 1488 werden zwei herrschaftliche Güter erwähnt. 1513 verzichtet Pfalzgraf Ludwig zugunsten Schenk Eberhards von Erbach auf die Jagd von den Olfener Wiesen bis an die Hinterbach und schenkt ihm das Herzogengut zu Olfen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg besiedelten Schweizer 1658 das wüst gefallene Dorf. 1806 gelangt der Ort mit dem Amt Freienstein an das Großherzogtum Hessen. 1939 hatte Olfen 199 Einwohner und gehörte zum Landkreis Erbach. Seit dem 16. Jahrhundert gehört Olfen zum Kirchspiel Güttersbach.[3]

Bis zum Jahr 2014 war der Ort ein anerkannter Erholungsort[4].

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Olfen am 1. Juli 1971 auf freiwilliger Basis in die Stadt Beerfelden eingegliedert,[5][6] die wiederum am 1. Januar 2018 mit weiteren Gemeinden die Stadt Oberzent bildete. Dabei wurde Olfen eigener Stadtteil der neuen Stadt Oberzent. Für Olfen wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1545: 8 wehrfähige Männer[1]
  • 1650: wüst[1]
  • 1961: 176 evangelische (= 89,80 %), 6 katholische (= 3,06 %) Einwohner[1]
Olfen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2018
Jahr  Einwohner
1834
  
263
1840
  
309
1846
  
336
1852
  
312
1858
  
306
1864
  
275
1871
  
274
1875
  
264
1885
  
264
1895
  
240
1905
  
238
1910
  
210
1925
  
238
1939
  
199
1946
  
272
1950
  
234
1956
  
202
1961
  
196
1967
  
224
1970
  
218
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
345
2018
  
326
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]; Zensus 2011[8]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die französische Gemeinde Trévignin im Département Savoie ist seit 1966 mit Olfen verschwistert. Erste Kontakte wurden bereits 1963 hergestellt. Die "Jumelage" gilt hinsichtlich der beteiligten Einwohner als die kleinste in Europa und wurde mit der Europafahne ausgezeichnet.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Männergesangsverein „Sängerbund 1911“ Olfen und die Theatergruppe THEO, die Kindertheatergruppe, die Gymnastikgruppe, der Skiclub und die Dorfgemeinschaft Olfen e.V. mit ihrem Dorftreff bereichern das kulturelle Leben im Dorf. Olfen hat seit 1961 ein in Selbsthilfe errichtetes und im Hessenprogramm "Soziale Aufrüstung des Dorfes" errichtetes Gemeinschaftshaus. Es wurde 2009 renoviert und ist barrierefrei. Der Dorfmittelpunkt bietet weiter der Freiwilligen Feuerwehr Olfen und dem Jugendtreff Platz. Es verfügt über eine Dorfkelter.

Mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Schnur (* 1942), ehemaliger Landrat des Odenwaldkreises

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Olfen, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Zahlen und Daten. In: Webauftritt. Stadt Oberzent, abgerufen im März 2019.
  3. Geschichte von Olfen (Memento vom 27. Januar 2016 im Internet Archive) auf der Website der Stadt Beerfelden, aufgerufen am 13. November 2016
  4. 79. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 21. November 2012. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 9, 2014, ISSN 0724-7885, S. 187.
  5. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 28, S. 1117, Punkt 988; Abs. 14. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,0 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 358.
  7. Hauptsatzung § 4. (PDF; 197 kB) Stadt Oberzent, abgerufen im Dezember 2020.
  8. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,9 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  9. Bericht über die Partnerschaft, abgerufen am 15. Oktober 2020

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]