Olga Hepnarová

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Olga Hepnarová (* 30. Juni 1951 in Prag; † 12. März 1975 ebenda) war eine tschechische Massenmörderin, die 1973 acht Menschen mit einem Lkw an einer Straßenbahnhaltestelle ermordete. Sie wurde wegen der Tat zum Tode verurteilt und 1975 hingerichtet. Sie war die letzte Frau, die in der Tschechoslowakei hingerichtet wurde, und zugleich eine der letzten, die beim Hängen den kurzen Fall ertragen mussten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hepnarová war die Tochter eines Bankangestellten und einer Zahnärztin. Sie war ein unauffälliges Kind, jedoch entwickelte sie später psychische Probleme. Im Jahr 1964 versuchte sie, mit einer Medikamentenüberdosis Suizid zu begehen und verbrachte in der Folge ein Jahr in einer psychiatrischen Abteilung in Opařany. Später arbeitete sie an verschiedenen Orten, wurde aber kurz nach ihrer Einstellung wieder entlassen. Schließlich wurde sie Lkw-Fahrerin.

Massenmord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Juli 1973 fuhr sie in Prag einen Lastwagen in eine Gruppe von etwa 25 Menschen, die am Strossmayerplatz auf eine Straßenbahn warteten.[1] Drei Menschen starben sofort, drei weitere später am selben Tag und zwei innerhalb weniger Tage (alle im Alter zwischen 60 und 79). Sechs wurden schwer verletzt, sechs leicht.

Vor dem Mord schickte sie einen Brief an zwei Zeitungen (Svobodné Slovo und Mladý Svět) und erklärte ihre Handlung als Rache für all den Hass gegen ihre Familie und die Welt. Wegen der Langsamkeit des Postwesens kamen die Briefe erst zwei Tage nach dem Massenmord an ihre Bestimmungsorte. Sie hatte die Rache gegen die Gesellschaft bereits seit langer Zeit geplant und unter anderem auch mit dem Gedanken gespielt, einen Zug entgleisen zu lassen oder eine Explosion herbeizuführen. Hierzu war sie jedoch nicht fähig. Den von ihr verschickten Briefen ist folgender Absatz zu entnehmen:

„Ich bin eine Einzelgängerin. Ein zerstörter Mensch. Ein von den Menschen zerstörter Mensch […] Ich habe die Wahl – mich zu töten oder andere zu töten. Ich wähle – die Rache an denen, die mich hassen. Es wäre zu einfach, diese Welt als unbekannte Selbstmörderin zu verlassen. Die Gesellschaft ist zu gleichgültig, zu Recht. Mein Urteil ist: Ich, Olga Hepnarová, das Opfer eurer Bestialität, verurteile sie zum Tode.“

Während der Untersuchung bestätigte Hepnarová, dass es ihre Absicht gewesen sei, so viele Menschen wie möglich zu töten. Sie zeigte keinerlei Reue. Psychologie-Experten befanden sie für voll und ganz verantwortlich für ihre Bluttat. Sie plante ihre Taten, denn sie suchte bewusst eine Haltestelle aus, die an einem Abhang lag. Das erlaubte ihr, mit hoher Geschwindigkeit für die maximale Zahl von Todesopfern zu sorgen. Die Kollision mit den acht Toten war ihr zweiter Versuch. Als sie das erste Mal zur Haltestelle fuhr, standen dort ihrer Meinung nach nicht genug Menschen, um die gewünschte Anzahl an Menschen zu töten.

Am 6. April 1974 wurde sie wegen Mordes zum Tode durch das Stadtgericht verurteilt. Die Strafe wurde durch höhere Instanz bestätigt; der Oberste Gerichtshof requalifizierte das Urteil auf Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, jedoch mit der gleichen Strafe – dem Tode – als Folge. Nach mehreren psychiatrischen Untersuchungen wurde sie als strafrechtlich verantwortlich für ihr Handeln befunden. Der Präsident, Ludvík Svoboda, krankheitsbedingt vertreten durch den Ministerpräsidenten Lubomír Štrougal, lehnte den Antrag auf Begnadigung ab. Die Hinrichtung fand am 12. März 1975 im Gefängnis Pankrác in Prag statt. Sie war die letzte Frau, die in der Tschechoslowakei hingerichtet wurde. Nach Angaben der Henker brach Hepnarová kurz vor der Vollstreckung des Urteils zusammen und musste zum Galgen geschleppt werden.

Literatur und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Berlinale 2016 wurde der biografische Film "Ich, Olga Hepnarova" uraufgeführt, der Ende des Jahres in die Kinos kommen soll.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Žena za volantem se pomstila lidem na refýži auf iDNES.cz, 17. Januar 2006 (aufgerufen am 22. Dezember 2015)