Oliver Auge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Oliver Auge (* 29. Mai 1971 in Göppingen) ist ein deutscher Historiker.

Leben[Bearbeiten]

Oliver Auge studierte von 1991 bis 1997 Geschichte und Lateinische Philologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seit seiner Promotion im Jahre 1998 am Tübinger Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften war Auge auch Stipendiat im Graduiertenkolleg Ars und Scientia im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. In seiner Dissertation erarbeitete Auge von 1998 bis 2001 das Thema Stiftsbiographien. Die Kleriker des Stuttgarter Heilig-Kreuz-Stifts (1250–1552). Diese Arbeit wurde mit dem Baden-Württembergischen Geschichtspreis ausgezeichnet.

Während der Promotionszeit hatte Auge bereits einen Lehrauftrag an der Tübinger Geschichtswissenschaftlichen Fakultät inne. Anfang 2001 wechselte er als wissenschaftlicher Assistent an den Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, in welcher Funktion er bis zum Sommersemester 2007 wirkte. Es folgten am selben Lehrstuhl sowohl eine Vertretungsprofessur im Wintersemester 2007/2008, als auch die Habilitation im Februar 2008 mit dem Thema Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter. Der südliche Ostseeraum von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die frühe Reformationszeit, woraufhin Auge für 6 Monate als Gastwissenschaftler an die Technische Universität Dresden in den Sonderforschungsbereich 537 Institutionalität und Geschichtlichkeit wechselte. Eine weitere Vertretungsprofessur hatte er im Wintersemester 2008/2009 für das Fachgebiet Hoch- und Spätmittelalter am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Georg-August-Universität Göttingen inne. Seit März 2009 ist Auge Professor am Lehrstuhl Regionalgeschichte mit dem Schwerpunkt Schleswig-Holstein im Mittelalter und Früher Neuzeit am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Einen Ruf 2013 an die Universität Salzburg auf eine Professur für Europäische Regionalgeschichte hat er abgelehnt.

Seine Forschung konzentriert sich auf Regional- und Landesgeschichte, Reichsgeschichte, Kirchengeschichte, Sozial- und Verfassungsgeschichte, sowie Stadtgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Dabei stehen die Regionen Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg im besonderen Mittelpunkt seines Interesses. Auge ist Mitglied der Historischen Kommission für Pommern.[1]

Schriften[Bearbeiten]

Monographien

  • Kleine Geschichte der Stuttgarter Stiftskirche, Leinfelden-Echterdingen 2009 (2., völlig neu überarbeitete und ergänzte Auflage).
  • Stiftsbiographien. Die Kleriker des Stuttgarter Heilig-Kreuz-Stifts (1250–1552) (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 38), Leinfelden-Echterdingen 2002 (Dissertation).
Dieses Buch bietet eine auf breiter Literatur- und Quellengrundlage basierende und die neuen Grabungsergebnisse einbeziehende moderne Darstellung der Geschichte des Stifts. Das Hauptaugenmerk des Autors gilt dabei den über 350 Klerikern des Stifts - Chorherren, Vikaren und Kaplänen. Er beleuchtet ihre Wege zur Pfründe und zeigt sie als kirchliche Aufgabenträger, als Wirtschafter und Eigentümer, als Diener weltlicher Herrschaft, als Gelehrte, als Gläubige und als "Privatpersonen". Durch diese umfassende Annäherung an "den" spätmittelalterlichen Stuttgarter Stiftsgeistlichen kommt er zu weitreichenden Ergebnissen, die auch für die Stiftsforschung insgesamt von Belang sind. (Rezension)
  • Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter. Der südliche Ostseeraum von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die frühe Reformationszeit (Mittelalter-Forschungen, 28), Ostfildern 2009 (Habilitation).
In der Adels- und Hofforschung stehen verfassungs-, sozial-, wirtschafts- oder kulturgeschichtliche geleitete Ansätze bisher meist unverbunden nebeneinander. Oliver Auge betritt somit wissenschaftliches Neuland, wenn er in seiner Habilitationsschrift die genauen Gesichtspunkte einander gleichrangig betrachtet, um so zu einer ganzheitlichen Sicht der Handlungsspielräume fürstliche Politik im Mittelalter zu gelangen. Als Untersuchungsobjekte dienen ihm die Fürsten des südlichen Ostseeraumes, die von der allgemeinen Forschung bisher vernachlässigt worden sind bzw. dem Paradigma unterliegen, mindermächtige Fürsten gewesen zu sein, denen gar keine Handlungsspielräume beschieden waren. (Rezension 1) (Rezension 2)
  • Kleine Geschichte der Stuttgarter Stiftskirche, Leinfelden-Echterdingen 2001.
  • Stift und Herrschaft. Eine Studie über die Instrumentalisierung von Weltklerus und Kirchengut für die Interessen der Herrschaft Württemberg anhand der Biographien Sindelfinger Pröpste (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Sindelfingen, 4), Sindelfingen 1996.

Herausgeberschaften

  • Fürsten an der Zeitenwende zwischen Gruppenbild und Individualität. Formen fürstlicher Selbstdarstellung und ihre Rezeption (1450-1550) (Residenzenforschung, 22), hrsg. von Oliver Auge, Ralf-Gunnar Werlich und Gabriel Zeilinger, Ostfildern 2009. (Rezension)
  • Glaube, Macht und Pracht. Geistliche Gemeinschaften des Ostseeraums im Zeitalter der Backsteingotik (Archäologie und Geschichte im Ostseeraum, 6), hrsg. von Oliver Auge, Felix Biermann und Christofer Herrmann, Rahden/Westf. 2009. (Rezension)
  • Bereit zum Konflikt. Strategien und Medien der Konflikterzeugung und Konfliktbewältigung im europäischen Mittelalter, hrsg. von Oliver Auge, Felix Biermann, Matthias Müller und Dirk Schultze (Mittelalter-Forschungen, 20), Ostfildern 2008.
  • Tübingen in Lehre und Forschung um 1500. Zur Geschichte der Eberhard Karls Universität, hrsg. von Sönke Lorenz, Dieter R. Bauer und Oliver Auge (Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte, 9), Ostfildern 2008.
  • Die Stiftskirche in Südwestdeutschland. Aufgaben und Perspektiven der Forschung, hrsg. von Sönke Lorenz und Oliver Auge (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, 35), Leinfelden-Echterdingen 2003. (Rezension)
  • Herrenberger Persönlichkeiten aus acht Jahrhunderten, hrsg. von Roman Janssen und Oliver Auge (Herrenberger Historische Schriften, 6), Herrenberg 1999.
  • Bartenbach – Die Geschichte eines Ortes im Wandel der Zeit, hrsg. von Oliver Auge und Martin Mundorff (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen, 38), Göppingen 1998.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Mitgliederverzeichnis auf der Webseite der Historischen Kommission.