Oliver Decker

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Oliver Decker (* 1968) ist ein deutscher Sozialpsychologe, Soziologe und Rechtsextremismusforscher. Er ist Direktor des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Universität Leipzig [1] und Leiter des Forschungsbereichs an der dortigen Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie[2].

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1989 am Erasmus-Gymnasium Grevenbroich studierte Decker Psychologie, Soziologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin. Er schloss ads Studium als Diplom-Psychologe ab und wechselte zum Promotionsstudium zum Fachbereich Erziehungs- und Humanwissenschaften der Universität Kassel, wo er 2003 mit der Dissertation Der Prothesengott – Subjektivität und Transplantationsmedizin zum Dr. phil. promoviert wurde. 2010 habilitierte er sich am Institut für Soziologie der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover.

Akademische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Decker ist Leiter des Forschungsbereichs »Gesellschaftlicher und medizinischer Wandel« in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universität Leipzig. 2013 gründete er, unter anderem mit dem Politikwissenschaftler Gert Pickel und dem Sozialpsychologen Immo Fritsche das Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Universität Leipzig. Er ist seit 2018 zusammen mit der Politikwissenschaftlerin Gudrun Hentges Sprecher des Graduiertenkollegs Rechtspopulismus der Rosa-Luxemburg-Stiftung. 2015 war Decker Gastprofessor an der School of Visual Arts New York, Department of Critical Theory and the Arts. 2010 wurde er Privatdozent am Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover, von 2010 bis 2013 vertrat er die Professur für Sozialpsychologie an der Fakultät Bildung–Architektur–Künste der Universität Siegen, 2012 war er Honorary Fellow am Birkbeck College, University of London.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Forschungsschwerpunkt ist die Kritische Theorie der Gesellschaft. Entlang dieser Sozialtheorie untersucht Decker u. a. die Vergesellschaftung des Körpers und seine Bearbeitung durch die Medizin. Eine seiner wesentlichen Veröffentlichungen hierzu ist die Monografie Commodified Bodies (2014), in der es um eine Rekonstruktion von warenproduzierender Gesellschaft und moderner Medizin mittels der Benjamin’schen Montagetechnik ging. Dieser Studie ging die Monografie Der Prothesengott – Subjektivität der Transplanationsmedizin (2004) voraus, in der die Wirkung der Körperergänzung am Beispiel der Organtransplantation untersuchte.

Seit 2002 leitet er zusammen mit Elmar Brähler die als „Mitte-Studien zur rechtsextremen Einstellung in Deutschland“ bekannte Studienreihe. Diese in Tradition der „Studien zum Autoritären Charakter“ stehende Untersuchung basiert auf repräsentativen Erhebungen und Gruppendiskussionen. Es wird so die Verbreitung rechtsextremer Einstellungen und ihre Einflussfaktoren untersucht. Wesentliche Ergebnisse sind die Funktion der Wirtschaft in Nachkriegsdeutschland als einer „narzisstischen Plombe“, wie auch der Wirkung eines „sekundären Autoritarismus“ in Deutschland.

Gegenwärtig ist Decker als Gründungsmitglied des Netzwerkes „Integrations-, Fremdenfeindlichkeit- und Rechtsextremismusforschung in Sachsen“ (IFRiS)[3] an einer Untersuchung der Migration beteiligt. Er leitet zusammen mit dem Soziologen und Politikwissenschaftler Alexander Yendell die Forschungsprojekte „Konfliktraum Leipzig“[4] und „Jugendstudie Leipzig“.[5]

Zusammen mit Christoph Türcke veranstaltet er seit 2005 die Tagungsreihe „Kritische Theorie – Psychoanalytische Praxis“, in der verschiedene Themen, etwa Opfer, Geld und Ritual, diskutiert werden. Aus dem engen Kontakt zu Künstlern/innen entstand das Buch „Vom KZ zum Eigenheim – Bilder einer Mustersiedlung“, das 2016 erschien. Darin wird mit den Mitteln der Sozialforschung und der Autorenfotografie die gesellschaftspolitische Lage in Deutschland am Beispiel von Tröglitz erfasst. Das Buch war Leseempfehlung der Literaturredaktion Deutschlandradio Kultur im August 2016.

Decker ist Herausgeber der Zeitschrift Psychoanalyse – Texte zur Sozialforschung (seit 1998) und Mitherausgeber der Zeitschrift Psychosozial (seit 2014). Zuvor war er Mitherausgeber der Zeitschrift Psychotherapie & Sozialwissenschaft und Gastherausgeber weiterer Publikationen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Decker ist als Gutachter für verschiedene wissenschaftliche Zeitschriften tätig (u. a. für European Sociological Review, International Journal of Conflict & Violence, Journal für Psychologie, Journal of Applied Social Psychology, Social Psychology, Social Science Research, The Lancet Global Health, Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft). Er war ebenfalls Gutachter für Yale University Press und der DFG-Nachwuchsakademie Versorgungsforschung, als Jurymitglied beim FORENA-Nachwuchspreis des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/Neonazismus an der Fachhochschule Düsseldorf tätig und 2012 im International Scientific Committee of the Internationals Conference on Bioethics Education of the UNESCO Chair in Bioethics in Zefat, Israel. Er ist u. a. Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie und Fellow am Berliner Institut für kritische Theorie[6] Von 2015 bis 2017 war Decker als Kassenwart gleichzeitig im Sprecher/innenkreis der Fachgruppe Sozialpsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.[7] In der Tradition der Kritischen Theorie arbeitet er in der International Research Group for Psycho-Societal Analysis.[8]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Prothesengott. Subjektivität und Transplantationsmedizin. Psychosozial-Verlag, Gießen 2004, ISBN 3-89806-310-0.
  • Der Warenkörper. Zur Sozialpsychologie der Medizin. zu Klampen, Springe 2011, ISBN 978-3-86674-149-2.
  • mit Elmar Brähler, Johannes Kiess: Rechtsextremismus der Mitte. Eine sozialpsychologische Gegenwartsdiagnose. Psychosozial-Verlag, Gießen 2013, ISBN 978-3-8379-2294-3.
  • Commodified Bodies Organ Transplantation and the Organ Trade (= Routledge Studies in Science, Technology and Society). Routledge, New York 2014, ISBN 978-0-415-85483-2.

Mitte-Studien:

  • mit Elmar Brähler: Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland. Im Auftrag und hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung Forum Berlin, Leipzig 2006, ISBN 978-3-89892-566-2. (PDF)
  • mit Elmar Brähler: Bewegung in der Mitte. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2008. Mit einem Vergleich von 2002 bis 2008 und der Bundesländer. Im Auftrag und hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung Forum Berlin. Berlin 2008, ISBN 978-3-86872-002-0. (PDF)
  • mit Marliese Weißmann, Johannes Kiess, Elmar Brähler: Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010. Hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung, zu Klampen, Springe 2012, ISBN 978-3-86872-469-1. (PDF)
  • mit Johannes Kiess, Elmar Brähler: Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012. Hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf Melzer, Dietz, Bonn 2012, ISBN 978-3-8012-0429-7. (PDF)
  • mit Johannes Kiess, Elmar Brähler: Die stabilisierte Mitte. Rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2014. Leipzig 2014. (PDF)
  • mit Johannes Kiess, Elmar Brähler: Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Psychosozial-Verlag, Gießen 2016, ISBN 978-3-8379-2630-9 (PDF)
  • mit Frank Berger (Fotos), Falk Haberkorn (Fotos): Vom KZ zum Eigenheim: Bilder einer Mustersiedlung. zu Klampen, Springe 2016, ISBN 978-3-86674-541-4.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • hrsg. mit Christoph Türcke: Kritische Theorie – psychoanalytische Praxis. Psychosozial-Verlag, Gießen 2007, ISBN 978-3-89806-593-1.
  • hrsg. mit Tobias Grave: Kritische Theorie zur Zeit. Für Christoph Türcke zum sechzigsten Geburtstag. zu Klampen, Springe 2008, ISBN 978-3-86674-032-7.
  • hrsg. mit Christoph Türcke, Tobias Grave: Geld. kritische Theorie und psychoanalytische Praxis. Psychosozial-Verlag, Gießen 2011, ISBN 978-3-8379-2128-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage des Zentrumns
  2. Medizinischer und Gesellschaftlicher Wandel
  3. IFRiS-Homepage
  4. Homepage Konfliktraum Leipzig
  5. Webseite der Universität Leipzig zur Darstellung der Studie.
  6. Biografie auf der Homepage der Universität Leipzig, abgerufen am 6. Juli 2016
  7. Homepage der Gruppe
  8. Mitgliederliste der IRGPSA