Oliver Janich

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Oliver Janich (* 3. Januar 1969[1] in München) ist ein deutscher Journalist und Buchautor sowie Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender der Partei der Vernunft. Er vertritt rechtspopulistische und fremdenfeindliche Ansichten und gilt als Verschwörungstheoretiker. Er lebt auf den Philippinen.[2][3]

Tätigkeit als Journalist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeit als Börsen- und Finanzjournalist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Janich war bei Euro am Sonntag und Focus Money angestellt. Als freier Journalist schrieb er unter anderem für die Financial Times Deutschland, Euro und die Süddeutsche Zeitung; später auch für Kopp Online und Compact.

Ermittlungen gegen Janich wegen Börsenkursmanipulationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit zwei Freunden aus der Zeit seines Wirtschaftsstudiums war Janich Bestandteil eines Netzwerkes aus Aktienhändlern und Börsenjournalisten („Bosler-Clique“), die systematisch die Kurse von eher unbekannten börsennotierten Unternehmen hochschrieben, deren Aktien Personen in ihrem Netzwerk zuvor gekauft hatten. Die Staatsanwaltschaft München ließ im September 2010 Wohnungen und Büros von rund 30 Verdächtigen, inkl. denen von Janich, durchsuchen. Die Rädelsführer dieser Verschwörung, zu denen Janich nach den Erkenntnissen durch den Prozess nicht gehörte, wurden 2012 verurteilt. Verschiedene Börsenjournalisten haben durch Geständnisse ihr Strafmaß reduziert und wurden höchstens auf Bewährung verurteilt.[4][5][6]

Verschwörungstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in seiner Zeit als Finanzjournalist vertrat Janich in mehreren Artikeln Verschwörungstheorien zum 11. September 2001,[7] auch in seinen Büchern kommen diese vor.[8] Des Weiteren verbreitet er Verschwörungstheorien über angeblichen Wahlbetrug, ohne Beweise dafür zu nennen.[8]

Gegen die Ernennung von Sinan Selen als Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz hetzte Janich mit der Ansicht, Selen hätte den Posten „auf Wunsch der türkischen Regierung bekommen“ und schürte so fremdenfeindliche Ressentiments unter seinen Anhängern.[9]

Partei der Vernunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Janich gründete die Partei der Vernunft, nachdem der Vorschlag einer Parteigründung, den er in einer Focus Money-Kolumne unterbreitete, ein positives Leserecho hervorgerufen hatte.[10] Er ist ein Anhänger der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre und fordert die Abschaffung des staatlichen Zentralbankmonopols.[11] So tritt er, wie seine Partei, dafür ein, dass die Menschen die freie Wahl haben sollten, welches Geld sie benutzten, wodurch sich nach dem Greshamschen Gesetz automatisch eine wertstabile Währung durchsetzen würde.[11][12]

Am 17. April 2013 trat Janich vom Bundesvorsitz zurück.[13]

Bei der Kommunalwahl in München 2014 wollte Janich als Vertreter der PDV für das Amt des Oberbürgermeisters und für den Münchner Stadtrat kandidieren, erhielt aber nicht die nötige Zahl an Unterstützerunterschriften. In Folge trat er als 11. Listenkandidat auf der Liste 3 der Freien Wähler für den Bezirksausschuss 12 Schwabing-Freimann an.[14]

Das Kapitalismus-Komplott[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Buch Das Kapitalismus-Komplott beschreibt Janich die wirtschaftswissenschaftliche Österreichische Schule.[15] Darüber hinaus behauptet Janich, dass es mächtige Interessengruppen gäbe, die gegen eine freiheitliche Wirtschaftsordnung im Sinne der Österreichischen Schule opponierten. Er beschreibt, wie diese Interessengruppen Einfluss auf die Medien nehmen, um eine objektive Berichterstattung über bestimmte politische Ereignisse zu verhindern.[16] Die Süddeutsche Zeitung nennt Janich einen „rabiaten Verfechter des Libertarismus“, der Anarchie oder zumindest einen Minimalstaat fordere, auf dass der freie Markt dann eine faire und effiziente Wirtschaftsordnung schaffe. Dieser Überzeugung lasse er viele Behauptungen folgen: etwa wenn er die Geldschöpfung als den zentralen Systemfehler des Kapitalismus aufdecke. Während die erste Hälfte des Buches noch als unterhaltsam bewertet wird, wird die zweite Hälfte als im Ansatz gescheiterte Verschwörungstheorie beschrieben. So halte Janich den Leser für naiv und seine Überzeugungen für allgemeingültig. Am Ende bliebe „die These, das kapitalistische System sei ein riesiges Stück Propaganda, mit dem die ‚Weltregierung‘ einer Mafia gleich die Menschen zu beherrschen versucht. Hinter dieser ‚kommunistischen Weltverschwörung‘ verbergen sich angeblich auch die Eugeniker, die Pharmaindustrie, Otto Schily und sogar Angela Merkel.“[17] In einem Beitrag im Magazin Der Spiegel aus dem Jahr 2010 wird die Meinung vertreten, Janichs mutmaßliches „Spezl-Netz hätte wunderbar in das Buch hineingepasst“, werde jedoch nicht erwähnt.[18]

Politische Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Janich unterstützte vor der Bundestagswahl 2017 die Alternative für Deutschland.[19] 2018 verglich er eine Kinderkanal-Dokumentation mit der Propaganda Joseph Goebbels'. Die Stuttgarter Zeitung kritisierte diesen Vergleich und bezeichnete Janich als „rechte[n] Blogger“.[20] 2018 verbreitete Janich ein Video, das „angeblich zeigen soll[te], wie Journalisten inszenierte Bilder von geflüchteten Menschen in Seenot drehen“. Dies stellte sich aber später als Fälschung heraus.[21] Nach der bayrischen Landtagswahl 2018 berichtete der Bayerische Rundfunk, dass Janich Videos verbreite, die von Betrug bei der Landtagswahl sprachen, ohne dass auch nur ein Anhaltspunkt dafür geliefert würde.[22]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Money-Management. Rationalität und Anwendung des Fixed-fractional-Ansatzes. Diplomarbeit. TM-Börsenverlag, Rosenheim 1996, ISBN 3-930851-10-5
  • Das Kapitalismus-Komplott. Die geheimen Zirkel der Macht und ihre Methoden. FinanzBuch Verlag, München 2010, ISBN 978-3-89879-577-7
  • Die Vereinigten Staaten von Europa. Geheimdokumente enthüllen: Die dunklen Pläne der Elite. FinanzBuch-Verlag, München 2013, ISBN 978-3-89879-820-4
  • Sicher ohne Staat: Wie eine natürliche Rechtsordnung ohne Gewaltmonopol funktioniert. CBX-Verlag, München 2017, ISBN 978-3-945794-90-6
  • Impossible Mission 9/11: Wie ein kleines Spezialkommando den größten Terroranschlag der Geschichte durchgeführt haben könnte. CBX-Verlag, München 2018, ISBN 978-3945794913

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BA 12 (Schwabing-Freimann), Hallo München, 21. Februar 2014.
  2. NuoViso.TV: Good bye Deutschland - Oliver Janich im NuoViso Talk. 23. Oktober 2015, abgerufen am 16. September 2018.
  3. Oliver Janich: Auswandern auf die Philippinen. 4. August 2018, abgerufen am 16. September 2018.
  4. Bullshit mit Bildchen. In: Der Spiegel. 15. November 2010. Abgerufen am 15. Dezember 2015.
  5. Fall SdK: Ex-Aktionärsschützer wieder auf freiem Fuß. In: Der Spiegel. 12. März 2012. Abgerufen am 15. Dezember 2015.
  6. SdK-Affäre Die Urteile helfen Anlegern wenig. In: Wirtschaftswoche. 20. März 2012. Abgerufen am 15. Dezember 2015.
  7. Nik Afanasjew: 9/11 - Alles Lüge? In: Der Tagesspiegel. 9. April 2011, S. 2, abgerufen am 9. Juni 2019.
  8. a b Was ist dran an Gerüchten zu angeblichem Wahlbetrug? Bayerischer Rundfunk, 19. Oktober 2018, abgerufen am 9. Juni 2019.
  9. Georg Mascolo, Ronen Steinke: So wird im Internet gegen einen Terrorbekämpfer gehetzt. In: sueddeutsche.de. 6. Dezember 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 9. Juni 2019]).
  10. Oliver Janich: Börsenkommentar: Neue Partei. In: Focus Money. Nr. 2, 2. Januar 2008
  11. a b Oliver Janich: Einfach frei: Wie ein völlig anderes ökonomisches Modell unsere Gesellschaft von Grund auf erneuern könnte (Memento vom 22. Mai 2012 im Internet Archive) (PDF-Datei; 163 kB). In: Zeitgeist Nr. 31, 15. Januar 2012
  12. Partei der Vernunft: Grundsatzprogramm der PDV (Memento vom 29. Juni 2012 im Internet Archive). 22. Januar 2012
  13. http://www.parteidervernunft.de/ruecktritt-des-bundesvorsitzenden (Memento vom 20. April 2013 im Internet Archive)
  14. Kommunalwahlen in München 2014 – Liste 3 der Freien Wähler für den Bezirksausschuß Schwabing Freimann (Memento des Originals vom 14. Dezember 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kunstundkultur.org, KunstundKultur.org, 2014.
  15. Münchner Verlagsgruppe: Das Kapitalismus-Komplott (Memento des Originals vom 25. Mai 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.m-vg.de
  16. Oliver Janich: Das Kapitalismus-Komplott. Finanzbuchverlag, 2010, ISBN 978-3-89879-577-7, S. 446
  17. Verschwörer trifft Verschwörung. In: Süddeutsche Zeitung. 2. Oktober 2010
  18. Dinah Deckstein, Markus Grill & Christoph Pauly: Affären: Bullshit mit Bildchen. In: Der Spiegel. Nr. 46, 15. November 2010.
  19. Oliver Janich: Warum Sie die Alternative für Deutschland (AfD) wählen sollten. 5. Mai 2017, abgerufen am 13. September 2018.
  20. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, Germany: Streit um Kinderkanal-Beitrag geht weiter: Stoff für die Hetzer und Hasser. In: stuttgarter-zeitung.de. (stuttgarter-zeitung.de [abgerufen am 13. September 2018]).
  21. mdr.de: Das Altpapier am 17. August 2018: Verteidigt oder verrannt? | MDR.DE. (mdr.de [abgerufen am 13. September 2018]).
  22. Was ist dran an Gerüchten zu angeblichem Wahlbetrug? In: BR24. (br.de [abgerufen am 25. Oktober 2018]).