Olivone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Kreis siehe Kreis Olivone.
Olivone
Wappen von Olivone
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Bleniow
Kreis: Kreis Olivone
Politische Gemeinde: Blenioi2
Postleitzahl: 6718
Koordinaten: 715296 / 154281Koordinaten: 46° 31′ 48″ N, 8° 56′ 29″ O; CH1903: 715296 / 154281
Höhe: 902 m ü. M.
Fläche: 76,1 km²
Einwohner: 873 (31. Dezember 2005)
Einwohnerdichte: 11 Einw. pro km²
Website: www.comuneblenio.ch
Olivone am Fusse des Sosto(2221 m ü.M.)

Olivone am Fusse des Sosto
(2221 m ü.M.)

Karte
Olivone (Schweiz)
Olivone
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 22. Oktober 2006
Olivone, historisches Luftbild von 1923, aufgenommen aus 2200 Metern Höhe von Walter Mittelholzer
Kirche San Martino

Olivone, im alpinlombardischen Ortsdialekt Rivöi [riˈvøj][1] (rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Luorscha?/i), ist eine Ortschaft und früher selbständige politische Gemeinde im Kreis Olivone, Bezirk Blenio, des Schweizer Kantons Tessin.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olivone liegt im oberen Bleniotal. Das Gebiet der ehemaligen Gemeinde umfasst die Fraktionen Scona, Sommascona, Camperio[2], Acquacalda[3] und das Valle Santa Maria, durch das einer von zwei Armen des Brenno fliesst. Olivone liegt an der Strasse zum Lukmanierpass, der das Bleniotal mit dem Bündner Oberland verbindet.

Nachbargemeinden waren von Nordwesten aus im Uhrzeigersinn Medel (Lucmagn) im Kanton Graubünden, Campo (Blenio), Ghirone, Aquila und Acquarossa im Tessiner Bezirk Blenio sowie Faido, Campello, Calpiogna, Mairengo, Osco und Quinto im Bezirk Leventina, ebenfalls Kanton Tessin. Ganz im Osten grenzte Olivone zudem noch über eine kurze Strecke an die Bündner Gemeinde Vals

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olivone wurde erstmals 1193 als Alivoni erwähnt. Die Bedeutung des Ortsnamens ist ungeklärt.[1]

Die Ortschaft wurde im Hochmittelalter erst von der Familie da Torre (bis 1182), später von der Familie da Locarno beherrscht. Ein Aufstand der Bürger von Olivone und Aquarossa 1213 erreichte, dass die Orte durch einen Statthalter aus der fernen Lombardei regiert wurden. Das örtliche Gewohnheitsrecht wurde 1237 und 1474 schriftlich festgehalten. Die Wirtschaft basierte jahrhundertelang auf dem Passverkehr und der Landwirtschaft, profitierte aber auch schon früh von den Auswanderern und seit dem 19. Jahrhundert vom Tourismus.

Am 25. Januar 2005 beschloss das Tessiner Kantonsparlament, die fünf Gemeinden des oberen Bleniotals – neben Olivone auch Aquila, Campo (Blenio), Ghirone und Torre – zur neuen Gemeinde Blenio zusammenzuschliessen. Dieser Plan wurde durch eine Beschwerde der Gemeinde Aquila verzögert, doch nachdem das Bundesgericht im April 2006 die Beschwerde abgewiesen hatte, war der Weg zur Fusion frei. In Olivone, der grössten der fünf Fraktionen, wurden die zentralen Einrichtungen wie Gemeindekanzlei und Schule konzentriert. – Die bisherigen Ortsbürgergemeinden Olivone, Campo und Largario blieben auch nach der Fusion der Einwohnergemeinde bestehen.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Casa Piazza, 1868
  • Pfarrkirche San Martino, erstmals erwähnt 1136[5][6][7]
  • Die hie und da anzutreffenden Paläste im oberen Bleniotal sind eine Folge der Rückkehr von erfolgreichen Auswanderern.
  • Die neoklassische Residenz Il Centralone im Ortsteil Chiesa beispielsweise, ein ehemaliger Sommersitz der Tessiner Regierung, wurde vom Anwalt Carlo Poglia (1793–1877) erbaut, ein im Ausland zum Tod verurteilter Holzhändler und Staatsrat, der nach seinem Exil ins Bleniotal zurückkehrte und erneut Grossrat wurde[6]
  • Die Casa Piazza gegenüber entwarf 1868 der Mailänder Architekt Luigi Savoia für Vincenzo Piazza (1816–1975), einen der bekanntesten Chocolatiers Mailands[6]
  • Ca’ da Rivoi (Museum) (15. Jahrhundert), neue Flügel (1998/2000), Architekt: Raffaele Cavadini[6][8]
  • Bronzebüste (1898) von Plinio Bolla (1859–1896)[9], Bildhauer Antonio Soldini[6]
  • an der Lukmanierstrasse stand das Hospiz in Camperio; die Kapelle wird 1303, ein Hospiz, als Filiale desjenigen von Casaccia, 1389 erwähnt. 1476 hiess es Kloster der Heiligen Barnaba und Defendente und wurde von einem Prior und mehreren Brüdern des Humiliatenordens geleitet. Die vicinanza von Olivone besass dort 1478 das Patronatsrecht. 1478 wurde das Hospiz dem Ospedale Maggiore (Mailand) angeschlossen.[10]
  • Schalenstein im Rialpwald über Campra di là (1480 m ü. M.)[11]

Hütten für Alpinwanderer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Acquacalda-Hütte[12]
  • Adula-Hütte CAS[13]
  • Adula-Hütte UTOE[14]
  • Bovarina-Hütte[15] und Steinböckepfad[16]
  • Dötra-Hütte[17]
  • Gorda-Hütte[18]
  • Motterascio-/Greina-Hütte[19]
  • Quarnei-Hütte[20]
  • Scaletta-Hütte[21] und Steinböckepfad[22]
  • Scaradra di sopra-Hütte[23]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marina Bernasconi Reusser: Monumenti storici e documenti d’archivio. I «Materiali e Documenti Ticinesi» (MDT) quali fonti per la storia e le ricerche sull’architettura e l’arte medievale delle Tre Valli. In: Archivio Storico Ticinese. 2. Serie, Nummer 148, Casagrande, Bellinzona 2010, S. 216 Note 67, 229, 231, 233, 241.
  • Piero Bianconi: Arte in Blenio. Guida della valle. S.A. Grassi & Co. Bellinzona-Lugano 1944; Idem: Inventario delle cose d’arte e di antichità. Band I, S. A. Grassi & Co, Bellinzona 1948, S. 134–154.
  • Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, ISBN 978-88-8281-353-6.
  • Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 22, 38, 41, 44, 91, 179, 263, 299, 330, 407, 463–470, 482, 483, 501, 509.
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 23, 81, 95, 98, 104, 105, 107.
  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 244, (Scona) S. 269.
  • Isabella Spinelli: Olivone. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Olivone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 676 f.
  2. Camperio auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 16. Juli 2017).
  3. Acquacalda auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 6. Mai 2017).
  4. Bürgergemeinde Olivone, Campo und Largario
  5. Pfarrkirche San Martino
  6. a b c d e Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 105–108.
  7. Kirche San Martino (Foto)
  8. Ca’ da Rivoi (Museum) auf portal.dnb.de (abgerufen am 5. Mai 2016.)
  9. Andrea Ghiringhelli: Plinio Bolla. In: Historisches Lexikon der Schweiz
  10. Camperio auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 16. Juli 2017).
  11. Franco Binda: Il mistero delle incisioni, Armando Dadò editore, Locarno 2013,S. 44–45.
  12. Acquacalda Hütte auf capanneti.ch
  13. Adula CAS Hütte auf capanneti.ch
  14. Adula UTOE Hütte auf capanneti.ch
  15. Bovarina Hütte
  16. Steinböckepfad auf capanneti.ch
  17. Döttra Hütte auf capanneti.ch
  18. Gorda Hütte auf capanneti.ch
  19. Motterascio Greina Hütte auf capanneti.ch
  20. Quarnei Hütte auf capanneti.ch
  21. Scaletta Hütte auf capanneti.ch/huts
  22. Steinböckepfad auf capanneti.ch
  23. Scaradra di sopra Hütte auf capanneti.ch