Oliwa (Gdańsk)

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Oliwa
Wappen von OlivaWappen von Oliva
Oliwa (Polen)
Oliwa
Oliwa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Stadtteil von: Gdańsk
Fläche: 18,399.7 km²
Geographische Lage: 54° 25′ N, 18° 34′ OKoordinaten: 54° 24′ 38″ N, 18° 33′ 32″ O
Einwohner: 17.728 (2009)



Oliwa (deutsch Oliva, kaschubisch Òlëwa oder Òléwa) ist ein Bezirk der Stadt Gdańsk (Danzig) in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Als damals noch selbständiger Ort wurde Oliva durch die Seeschlacht von Oliva (1627), den Vertrag von Oliva (1660) und durch das Kloster Oliva in der Geschichtsschreibung bekannt.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Westpreußen, etwa zehn Kilometer nordwestlich der Stadtmitte Danzigs am Fuße des 107 Meter hohen Karlsbergs, 30 Meter über dem Meeresspiegel. Es hat eine Fläche von 18,40 km².[1]

Im Norden grenzt Oliwa an die selbstständige Stadt Sopot (Zoppot), im Osten an die Gdańsker Stadtteile Jelitkowo (Glettkau), Przymorze (Konradshammer) und Zaspa-Młyniec (Saspe-Mühlenhof), im Süden an Strzyża (Striess), VII Dwór (Pelonken) und Brętowo (Brentau), im Südwesten an Matarnia (Mattern) sowie im Westen an Osowa (Espenkrug).

Der Ostseestrand in Jelitkowo (Glettkau) ist etwa vier Kilometer nordöstlich vom Ortskern Oliwas entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oliva westlich der Danziger Bucht und nordwestlich von Danzig auf einer Landkarte von 1908.
Oliva nordwestlich von Danzig, südwestlich des Küstenorts Glettkau an der Danziger Bucht und südöstlich von Neustadt an der Rheda auf einer Landkarte von 1910.
Lage von Oliwa im Danziger Stadtgebiet

Über Jahrhunderte bestand die Ortschaft hauptsächlich aus einem Zisterzienserkloster, dem Kloster Oliva. 1175 ließen sich deutsche Mönche aus dem Kloster Kolbatz bei Stettin in dem von ihnen Oliva genannten Ort nieder, um Seelsorge zu betreiben; 1178 stattete sie der pommerellische Herzog Sambor I. mit Ländereien aus seinem Besitz aus. Außerhalb der Klausur bauten die Äbte, die ursprünglich ebenso wie die Mönche deutscher Herkunft waren, eine Abtei. Seit 1309 gehörte Oliva zum Gebiet des Deutschordensstaats.

Seit ihrer Gründung wurde die Klosteranlage mehrfach zerstört, jedoch immer wieder instandgesetzt. In den Jahren 1224, 1234 und 1236 zerstörten sie die heidnischen Pruzzen, in den Jahren 1432 und 1433 zweimal die Polen.

Bereits während der Zeit des Deutschordensstaats war die Region um Oliva von Danzig aus verwaltet worden, das sich 1440 dem gegen den Orden opponierenden Preußischen Bund und 1466 freiwillig dem autonomen, unter der Schirmherrschaft der polnischen Krone stehenden Preußen Königlichen Anteils angeschlossen hatte. Damit setze in Pomerellen ein schleichender Prozess der Polonisierung ein, der von der polnischen katholischen Kirche gefördert wurde. Seit 1538 mussten die Mönche des Klosters Oliva Polen sein. Nachdem die neun Kilometer entfernte Stadt Danzig zum protestantischen Glauben übergetreten war, wurde Oliva zum Hort der Gegenreformation und daher im Jahr 1577 von den Danzigern teilweise zerstört.

Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Reichstag kündigte König Sigismund II. August die Autonomie von Polnisch-Preußen unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[2][3] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[4]

In der Danziger Bucht vor Oliva fand während des Polnisch-Schwedischen Krieges am 28. November 1627 die Schlacht von Oliva statt. Der Vertrag von Oliva vom 3. Mai 1660 beendete den Zweiten Nordischen Krieg.[5]

Im Zeitraum 1754–56 wurde die Abtei durch ein Schloss im Rokokostil ersetzt, den Äbtepalast zu Oliva.[6]

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit dem Gebiet um Oliva, Putzig und Neustadt unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren, und so von der polnischen Fremdherrschaft befreit. Oliva war nunmehr Teil des Königreichs Preußen. Der Ort hatte etwa 500 Einwohner und rund 70 Gebäude. Die Preußen beschlagnahmten den gesamten Besitz der Zisterziensermönche.

Um 1789 lebten in dem Kloster 48 Mönche, und um die Klosteranlage herum war ein Flecken mit Wirtshäusern und Gasthöfen entstanden, in dem auch Handwerker wohnten und der 70 Haushaltungen (Feuerstellen) umfasste.[7] Das Schloss wurde zuletzt bis 1836 von dem Abt und Fürstbischof des Ermlandes, Josef von Hohenzollern-Hechingen, bewohnt. Von 1927 bis 1945 war in ihm das Landesmuseum für Danziger Geschichte untergebracht.

Im Jahr 1804 wurde Oliva Verwaltungssitz der umliegenden Dörfer.

Von 1807 bis 1814 waren Ortschaft und Kloster Teil des von dem französischen Usurpator Napoléon installierten Freistaats Republik Danzig.

1814 kamen Danzig und seine umliegenden Städte und Ortschaften durch den Wiener Kongress erneut zu Preußen zurück.[8]

Dom
Adam-Mickiewicz-Park
Äbtepalast des Klosters Oliva

1831 wurde das Kloster säkularisiert.[9] Eine der beiden Kirchen wurde katholisch, die andere protestantisch.

Klosteranlage und Dorf Oliva um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Durch den Bau der Eisenbahnstrecke Köslin–Stolp–Danzig erhielt Oliva Anschluss an das Eisenbahnnetz. Der Bahnhof Oliva wurde 1870 eröffnet.

Am 21. Juni 1873 wurde die Pferdebahn, die heute als elektrische Straßenbahn Danzig mit Oliva und Langfuhr verbindet, eröffnet.

1874 wurden Oliva die Stadtrechte verliehen. Es lebten etwa 3.000 Menschen in der Stadt.

1907 wurden Glettkau (heute Jelitkowo), Poggenkrug (Zabianka) sowie Konradshammer (Przymorze) eingemeindet.

Um 1908 gab es in Oliva eine Oberförsterei, Eisenhämmer, Dachpappen-, Seifen- und Zementfabriken, eine Ziegelei, eine Kunstgärtnerei, eine bedeutende Müllerei, ein Feierabendhaus für Lehrerinnen, eine Armen- und Arbeitsanstalt und ein Waisenhaus.[10]

Nach Ende des Ersten Weltkriegs hatte Oliva etwa 11.000 Einwohner. Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags 1920 wurde der Ort Teil der unter dem Mandat des Völkerbunds stehenden Freien Stadt Danzig.

1926 wurde Oliva mit etwa 14.000 Einwohnern selbst Teil Danzigs und verlor damit seine Eigenständigkeit.

Am 1. September 1939 begann auf der im Norden der Stadt Danzig vorgelagerten Halbinsel Westerplatte der Zweite Weltkrieg. Die Freie Stadt Danzig mit zu über 90 Prozent deutscher Bevölkerung wurde dem Deutschen Reich einverleibt. Polnischsprachige Bewohner wurden in der Folgezeit massiv schikaniert, zum Teil auch umgebracht. Ende März 1945 begannen alliierte Luftangriffe auf Danzig, anschließend erfolgten Bodenkampfhandlungen beim Einmarsch der Roten Armee. Hierbei wurden die Bausubstanz und die Parkanlagen der Ortschaft teilweise zerstört. Vor und während der Kampfhandlungen fand die Evakuierung und Fluchtbewegung der deutschsprachigen Bevölkerung gen Westen statt. Auch das Schloss wurde bei den Kämpfen in Mitleidenschaft gezogen und brannte ab.

Nach Kriegsende wurde die Ortschaft zusammen mit Westpreußen und der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. In Oliva begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Bevölkerung bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Im Frühjahr 1945 erhielt Oliwa – so nun der offizielle Name – seine alten Stadtrechte, verlor die Selbstständigkeit aber schnell wieder und wurde ein Stadtteil von Danzig, das den polnischen Namen Gdańsk erhielt. Die bis 1946 in der Stadt lebende deutsche Bevölkerung wurde in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Am 2. Januar 1952 wurde die S-Bahn-ähnliche Verbindung SKM von Gdańsk nach Sopot mit Halt in Oliwa eröffnet – anfangs mit eingleisigem Verkehr, ab 15. Mai 1952 zweigleisig.

Der Zoologische Garten Danzig (Miejski Ogród Zoologiczny w Gdańsku) öffnete am 1. Mai 1954 in Oliwa seine Tore für die Bevölkerung.[11]

Die Schlossruine wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts restauriert und beherbergt seit den 1990er Jahren wieder ein Museum.

Papst Johannes Paul II. war zweimal zu Gast in Danzig: im Juni 1987 und im Juni 1999. Er übernachtete jeweils in der Nähe des Doms zu Oliva.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 ca. 500 in rund 70 Häusern
1836 1.250 in rund 100 Häusern[12]
1875 3.284 [13]
1880 3.922 [13]
1890 3.822 davon 1.408 Evangelische[14]
1905 6.894 davon 2.713 Evangelische[10]
1919 ca. 11.000
1926 ca. 14.000
1930 ca. 16.000 [15]
2012 17.728 Stand 12. Januar 2012[16]

Bauwerke und Grünanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dom zu Oliva (Bazylika archikatedralna w Oliwie): aus dem 14. Jahrhundert, mit 107 Metern Außenmaß längstes Zisterzienser-Kirchengebäude der Welt
  • Kloster Oliva (Opactwo Cystersów w Oliwie): Von 1185 bis zu seiner Säkularisation im Jahr 1831 und erneut seit 1945 Kloster
  • Äbtepalast zu Oliva (Pałac Opatów w Oliwie): 1754 bis 1756 errichtet
  • Olivaer Park (Park Oliwski): 11,3 Hektar groß, ursprünglich im Besitz des Klosters, inzwischen öffentlich zugängliche Parkanlage
  • Botanischer Garten Oliva (Ogród Botaniczny w Oliwie): Teil des Olivaer Parks, in den Jahren 1952 bis 1956 angelegt
  • Zoologischer Garten Danzig (Miejski Ogród Zoologiczny w Gdańsku); 136 Hektar groß, über 1.000 Tiere[17]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Wansierski (1904–1994), Marineoffizier, Politoffizier, zuletzt Vizeadmiral der Volksmarine der DDR, geboren in Oliva
  • Bruno Gröning (1906–1959), deutscher Wunderheiler, wurde in Oliva geboren

Oliva in anderen Zusammenhängen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Olivaer Platz in Berlin ist nach Oliva benannt.

Mediale Aufmerksamkeit in Deutschland erlangte Oliwa im Frühjahr und Sommer 2012 durch den Sitz des Hauptquartiers der deutschen Fußballmannschaft während der Fußball-Europameisterschaft 2012 im Hotel Dwór oliwski („Olivaer Hof“ – und nicht, wie oft fälschlicherweise in deutschen Presseartikeln wiedergegeben – „Olivenhof“).[18][19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Podział administracyjny Gdańska – Gdańsk – oficjalna strona miasta – Offizielle Website der Stadt Danzig. Stand 12. Januar 2011, abgerufen am 20. Juni 2012
  2. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  3. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  5. Das moderne Länderlexikon, Bertelsmann, Gütersloh 1978, Band 8, S. 83
  6. Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen, herausgegeben von Erich Weise. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 163–164.
  7. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S.55-56.
  8. Das moderne Länderlexikon, Bertelsmann, Gütersloh 1978, Band 8, S. 78
  9. Das moderne Länderlexikon, Bertelsmann, Gütersloh 1978, Band 8, S. 83
  10. a b Meyers Großes Konversationslexikon. 6. Auflage, Band 15, Leipzig und Wien 1908, S. 41.
  11. Wydarzyło się w Gdańsku – Gdańsk – oficjalna strona miasta – Offizielle Website der Stadt Danzig. Abgerufen am 20. Juni 2012
  12. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Der preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 2, Berlin 1836, S. 468–469.
  13. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Danziger Höhe (2006).
  14. Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 12, Berlin und Leipzig 1894, S. 575.
  15. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 13, Leipzig 1932, S. 657.
  16. Podział administracyjny Gdańska – Gdańsk – oficjalna strona miasta – Offizielle Website der Stadt Danzig. Stand 12. Januar 2011, abgerufen am 20. Juni 2012
  17. Miejski Ogród Zoologiczny w Gdańsku – Website des Danziger Zoos, abgerufen am 20. Juni 2012
  18. Die deutsche Nationalmannschaft und ihr Hotel in Danzig, Artikel auf Spiegel Online vom 24. Mai 2012, abgerufen am 20. Juni 2012
  19. DFB ergattert luxuriösen Olivenhof vor den Spaniern, Artikel auf Welt Online vom 7. September 2011, abgerufen am 22. Juni 2012