Oloví

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oloví
Wappen von ????
Oloví (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Fläche: 1904,8811[1] ha
Geographische Lage: 50° 15′ N, 12° 34′ OKoordinaten: 50° 15′ 4″ N, 12° 33′ 31″ O
Höhe: 528 m n.m.
Einwohner: 1.742 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 357 07
Kfz-Kennzeichen: K
Verkehr
Straße: Sokolov - Kraslice
Bahnanschluss: Sokolov–Klingenthal
Nächster int. Flughafen: Flughafen Karlsbad
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Miroslav Filandr (Stand: 2007)
Adresse: Hory 42
357 07 Oloví
Gemeindenummer: 560588
Website: www.olovi.com
Lage von Oloví im Bezirk Sokolov
Karte

Oloví (deutsch Bleistadt) ist eine Stadt im Okres Sokolov im Karlovarský kraj in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Westböhmen auf einem Hügel elf Kilometer nordwestlich von Sokolov (Falkenau an der Eger) im Erzgebirge. Die Ortslage erstreckt sich am rechten Ufer der Zwodau. Durch den Ort führt die Bahnstrecke Sokolov–Klingenthal.

Nachbarorte sind Anenské Údoli im Norden, Hory, Loučná und Jindřichovice im Nordosten, Háj im Osten, Nové Domy und Boučí im Südosten, Hřebeny im Süden, Dolina, Krajková und Libnov im Südwesten, Bernov im Westen sowie Horní Studenec und Dolní Studenec im Nordwesten.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraslice (Graslitz) Rotava (Rothau)
Nachbargemeinden Jindřichovice (Heinrichsgrün)
Krajková (Gossengrün) Dolní Nivy (Unterneugrün)

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Oloví besteht aus den Ortsteilen Hory (Horn), Nové Domy (Neuhäuser), Oloví (Bleistadt) und Studenec (Prünles).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Dolní Oloví (Unter Bleistadt), Dolní Studenec (Unterprünles), Horní Studenec (Oberprünles), Horní Oloví (Ober Bleistadt), Hory, Lipec (Lindenhammer) und Nové Domy.[4]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Hory u Oloví, Nové Domy, Oloví und Studenec u Oloví.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Oloví

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts existieren Nachweise über den Bleibergbau im Bereich des Zwodautals. Auf einer Hochfläche über dem Flusstal wurde in dieser Zeit die Bergsiedlung Altenberg angelegt. Die Erhebung zum Markt Bleistadt erfolgte nach Angaben auf alten Stadtsiegeln im Jahre 1519 durch den Besitzer von St. Joachimsthal, Stefan Schlick. Urkundlich liegt dieses Privileg aus dem Jahre 1523 vor. Ein Jahr jünger ist das älteste Bergbuch von Bleistadt.

Kaiser Ferdinand I. verlieh 1558 die dem zur Herrschaft Hartenberg gehörigen Ort Stadtrechte und erließ im selben Jahr eine Bergordnung für Bleistadt. Die Stadt erhielt im Zentrum eine Stadtkirche am Markt. 1561 erhob Ferdinand Bleistadt zur Königlichen freien Bergstadt. Dieses Privileg wurde 1581 durch Kaiser Rudolf II. erneuert.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wuchs die Stadt, die damals aus 65 Häusern bestand, schnell und 1850 lebten hier schon mehr als 1.000 Menschen. Als der Bergbau in der Folgezeit immer mehr zu Erliegen kam, wanderte ein großer Teil der Bevölkerung ab; die Ortsbevölkerung ging von 1100 (1880) auf 911 (1890) zurück. Am Ende des 19. Jahrhunderts war der Blei-Bergbau vollständig eingestellt.[6]

Bildpostkarte aus der Zeit um 1900 (unten rechts beschädigt)

Die Eröffnung der Eisenbahnverbindung von Falkenau nach Graslitz durch die Buschtehrader Eisenbahngesellschaft im Jahre 1876 führte erst 1892 zur Ansiedlung der Flachglasfertigung, die zunächst als Luisen-Glashütte, kurz darauf unter der Firma Erste Böhmische Glasindustrie AG im Zwodautal unterhalb der Altstadt von Bleistadt (Oberbleistadt) gegründet wurde.[7] Unmittelbar nach der Gründung war die Glasfabrik Hauptarbeitgeber des Orts. So verzeichnete die Glashütte um 1900 zunächst etwa 200 Arbeitskräfte, wobei die Beschäftigung bis 1926 auf 1055 Personen anstieg.

Daneben spielten noch die Knopffabrikation aus Perlmutt (Gebr. Gerstner), der Musikinstrumentenbau (Lazar Stern), die Korbflechterei (mit der 1893 gegründeten Fachschule für Korbflechterei) und die Spitzenklöppelei eine bescheidene Rolle.

Nach dem Münchner Abkommen wurde der Ort dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Falkenau an der Eger, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.

Die Bewohner der Stadt gehörten überwiegend der deutschen Bevölkerungsgruppe an. Nach der Vertreibung der Deutschen wurde in Oloví nach dem Zweiten Weltkrieg die Glasproduktion fortgeführt; dazu wurden Glasmacher aus der Slowakei angesiedelt. Nach 1990 erlosch diese Tradition und die Glashütte wurde stillgelegt. Der Ort verlor in den 1950er Jahren die Stadtrechte; seit dem 23. Januar 2007 ist Oloví wieder eine Stadt.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1847 1.026 in 170 Häusern[8]
1869 1.079
1880 1.108
1890 0911
1900 1.350 deutsche Einwohner[6]
1910 1.874
1921 1.570
1930 1.752 [9]
1939 1.726 [9]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[10]
Jahr 1950 19611 19701 19801 19911 20011 20111
Einwohner 1.025 1.943 2.266 2.146 1.783 1.901 1.741
1 Oloví mit Hory, Nové Domy und Studenec

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oloví besitzt einen Bahnhof an der grenzüberschreitenden Bahnstrecke Sokolov–Klingenthal. Direkte Zugverbindungen bestehen mit den Zügen der VIAMONT nach Sokolov, Karlovy Vary (Karlsbad) und Zwickau.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche des Erzengels Michael, als pseudogotischer Bau - anstelle der Stadtkirche aus dem frühen 16. Jahrhundert - errichtet und 1902 durch Erzbischof Leo Skrbenský von Hříště geweiht.
Blick über Olovi Richtung Zwodautal.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560588/Olovi
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/560588/Obec-Olovi
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/560588/Obec-Olovi
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/560588/Obec-Olovi
  6. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 3, Leipzig und Wien 1905, S. 49.
  7. Eißner Lois: Bleistadt, einst königlich freie Bergstadt 1523-1973, Schwandorf 1973, S. 98 ff.
  8. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Elbogner Kreis, Prag 1847, S. 56.
  9. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/sud_falkenau.html#ew39falkbleistadt
  10. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 14. Februar 2016 (PDF, tschechisch).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wenzel R. Zartner: Der Bleibergbau im westlichsten böhmischen Erzgebirge, Bleistadt. In: Naturwissenschaftliche Zeitschrift Lotos. 76, 1928, S. 79–98, (Digitalisat).
  • Eißner Lois: Bleistadt, einst königlich freie Bergstadt 1523–1973. Schwandorf 1973.
  • Kaspar Maria von Sternberg: Umrisse der Geschichte der böhmischen Bergwerke. Band 1, Prag, 1836, S. 429–435.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oloví – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien