Olympische Geschichte Äthiopiens

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Olympische Ringe

ETH

ETH
Goldmedaillen Silbermedaillen Bronzemedaillen
22 10 21

Äthiopien, dessen NOK, das Ethiopian Olympic Committee, 1948 gegründet und 1954 vom IOC anerkannt wurde, nimmt seit 1956 an Olympischen Sommerspielen teil. 1976 folgte Äthiopien dem afrikanischen Boykott der Spiele von Montreal. 1984 und 1988 wurde auf eine Teilnahme verzichtet. 2006 nahm Äthiopien erstmals an Winterspielen teil.

Insgesamt gewannen äthiopische Sportler 53 Medaillen: 22 Gold-, 10 Silber- und 21 Bronzemedaillen. Alle Medaillen wurden in Leichtathletikdisziplinen gewonnen.

Allgemeine Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1956 bis 1972[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abebe Bikila gewinnt 1960 im Marathon die erste Olympiamedaille Äthiopiens
Der zweifache Olympiasieger Haile Gebrselassie
Der erfolgreichste Mann: Kenenisa Bekele (3 x Gold, 1 x Silber)
Mit 3 x Gold und 3 x Bronze erfolgreichste Teilnehmerin überhaupt: Tirunesh Dibaba (vorne)

Erstmals wurde eine äthiopische Mannschaft zu den Sommerspielen von Melbourne 1956 entsandt. Zwölf Männer traten in der Leichtathletik und im Radsport an, blieben aber erfolglos. 1960 in Rom konnte der erste Medaillengewinn, zugleich der erste Olympiasieg, gefeiert werden. Der Marathonläufer Abebe Bikila gewann die Goldmedaille. Besonders bemerkenswert war dies, weil er den Wettkampf barfuß bestritt.

Bikila konnte seinen Olympiasieg 1964 in Tokio wiederholen, diesmal lief er mit Laufschuhen. Er war somit der erste Marathonolympiasieger, der seinen Titel verteidigen konnte. Erstmals nahmen äthiopische Boxer am olympischen Turnier teil. Auch 1968 in Mexiko-Stadt kam der Olympiasieger im Marathon aus Äthiopien, diesmal siegte Mamo Wolde, der zudem Silber im 10.000-Meter-Lauf gewann.

Zwei Bronzemedaillen kamen 1972 in München hinzu: Mamo Wolde im Marathon und Miruts Yifter über 10.000 Meter.

1976 bis 1988[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1976 war Äthiopien eines der 28 afrikanischen Länder, dass die Spiele von Montreal boykottierte. Grund war die Tour einer der neuseeländischen Rugby-Union-Mannschaft durch Südafrika, die damit den internationalen Sportbann gegen das Apartheid-Regime gebrochen hatte.

1980 in Moskau gingen mit Fantaye Sirak und Amsale Woldegibriel erstmals äthiopische Frauen an den Start. Miruts Yifter wurde mit seinen Siegen über 5000 und 10.000 Meter der erste äthiopische Doppelolympiasieger. Zwei Bronzemedaillen kamen durch Mohamed Kedir über 10.000 Meter und Eshetu Tura über 3000 Meter Hindernis hinzu.

1984 folgte man dem Boykottaufruf der sozialistischen Länder für die Spiele von Los Angeles. Auch den Spielen von Seoul 1988 blieb Äthiopien fern. Man solidarisierte sich mit Nordkorea, dass die Spiele boykottierte.

ab 1992[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 in Barcelona konnte der erste Medaillengewinn, zugleich der erste Olympiasieg, einer Frau gefeiert werden. Derartu Tulu gewann den 10.000-Meter-Lauf. Fita Bayissa gewann zudem Bronze über 5000 Meter, Addis Abebe über 10.000 Meter. 1996 in Atlanta gewannen Haile Gebrselassie über 10.000 Meter und Fatuma Roba im Marathon Gold. Gete Wami gewann Bronze über 10.000 Meter.

Mit acht Medaillen waren die Spiele von Sydney 2000 die erfolgreichsten Spiele für Äthiopien. Gebrselassie verteidigte seinen Titel über 10.000 Meter. Tulu gewann nach 1996 ebenfalls das 10.000-Meter-Rennen. Million Wolde gewann über 5000 Meter und Gezahegne Abera den Marathonlauf. Gete Wami holte Silber über 10.000 Meter und Bronze über 5000 Meter. Dazu kamen Bronzemedaillen im Marathonlauf der Männer durch Tesfaye Tola und im 10.000-Meter-Lauf der Männer durch Assefa Mezgebu.

Die Langstreckenläufer holten 2004 in Athen sieben Medaillen. Zwei Goldmedaillen durch Kenenisa Bekele (10.000 m) und Meseret Defar (5000 m) wurden durch drei Silbermedaillen durch Bekele (5000 m), Sileshi Sihine (10.000 m) und Ejagayehu Dibaba (10.000 m) und zwei Bronzemedaillen durch Tirunesh Dibaba (5000 m) und Derarta Tulu (10.000 m) ergänzt.

2006 in Turin nahm mit dem Langläufer Robel Teklemariam erstmals ein äthiopische Wintersportler teil. Teklemariam war auch der einzige äthiopische Teilnehmer bei den Spielen von Vancouver 2010.

Vier Goldmedaillen durch zwei Athleten folgten bei den Spielen von Peking 2008. Tirunesh Dibaba und Kenenisa Bekele triumphierten jeweils über 5000 und 10.000 Meter. Sileshi Sihine gewann Silber über 10.000 Meter, Meseret Defar Bronze über 5000 m und Tsegay Kebede Bronze im Marathonlauf.

2012 in London konnte Tirunesh Dibaba als erste Frau ihren Olympiasieg über 10.000 Meter verteidigen. Mit drei Gold- und drei Bronzemedaillen (eine Bronzemedaille über 5000 Meter in London und eine über 10.000 Meter in Rio kamen hinzu) ist sie die erfolgreichste Teilnehmerin (geschlechterübergreifend) Äthiopiens bei Olympischen Spielen. Tiki Gelana im Marathonlauf sowie Meseret Defar über 5000 Meter gewannen ebenfalls Gold. Silber durch Sofia Assefa über 3000 Meter Hindernis und Dejen Gebremeskel über 5000 Meter, sowie Dibabas Bronzemedaille über 5000 Meter und Tariku Bekele über 10.000 Meter kamen hinzu.

Auch in Rio de Janeiro 2016 gewannen äthiopische Athleten acht Medaillen. Es gelang jedoch nur ein Olympiasieg durch Almaz Ayana über 10.000 Meter. Während Genzebe Dibaba über 1500 Meter und Feyisa Lilesa im Marathonlauf Silber gewannen, gingen Bronzemedaillen an Tirunesh Dibaba (10.000 m), Tamirat Tola (10.000 m), Mare Dibaba (Marathonlauf), Almaz Ayana (5000 m) und Hagos Gebrhiwet (5000 m). In Rio nahmen erstmals äthiopische Schwimmer an Olympischen Spielen teil.

IOC-Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 ist Dagmawit Girmay Berhane, Präsidentin des äthiopischen Badminton-Verbandes, Mitglied des IOC.

Übersicht der Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sommerspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Athleten Flaggenträger Sportarten Medaillen
Gesamt m w Leichtathletik Radsport Boxen Schwimmen Gold medal.svg Silver medal.svg Bronze medal.svg Gesamt Rang
1896–1952 nicht teilgenommen
1956 12 12 0 8 4
1960 10 10 0 5 5 1 1 21
1964 12 12 0 Abebe Bikila 5 4 3 1 1 24
1968 18 18 0 Abebe Bikila 9 5 4 1 1 2 25
1972 31 31 0 Mamo Wolde 20 6 5 2 2 41
1976 nicht teilgenommen
1980 41 39 2 Miruts Yifter 25 8 8 2 2 4 17
1984–1988 nicht teilgenommen
1992 20 14 6 Addis Abebe 15 5 1 2 3 33
1996 18 10 8 Fita Bayissa 16 2 2 1 3 34
2000 26 15 11 Derartu Tulu 24 2 4 1 3 8 20
2004 26 14 12 Abel Aferalign 24 2 2 3 2 7 28
2008 27 14 13 Miruts Yifter 27 4 1 2 7 18
2012 33 18 15 Yanet Gebremedhin 31 2 3 2 2 7 24
2016 38 18 20 Robel Kiros Habte 35 1 2 1 2 5 8 44
Gesamt 22 10 21 53 36

Winterspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Athleten Flaggenträger Sportarten Medaillen
Gesamt m w Skilanglauf Gold medal.svg Silver medal.svg Bronze medal.svg Gesamt Rang
1924–2002 nicht teilgenommen
2006 1 1 0 Robel Teklemariam 1
2010 1 1 0 Robel Teklemariam 1
2014 nicht teilgenommen
Gesamt 0 0 0 0 -

Liste der Medaillengewinner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldmedaillen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Spiele Sportart Disziplin
Abebe Bikila 1960 Rom Leichtathletik Marathon
Abebe Bikila 1964 Tokio Leichtathletik Marathon
Mamo Wolde 1968 Mexiko-Stadt Leichtathletik Marathon
Miruts Yifter 1980 Moskau Leichtathletik 5000 Meter
Miruts Yifter 1980 Moskau Leichtathletik 10.000 Meter
Derartu Tulu 1992 Barcelona Leichtathletik 10.000 Meter
Haile Gebrselassie 1996 Atlanta Leichtathletik 10.000 Meter
Fatuma Roba 1996 Atlanta Leichtathletik Marathon
Gezahegne Abera 2000 Sydney Leichtathletik Marathon
Haile Gebrselassie 2000 Sydney Leichtathletik 10.000 Meter
Derartu Tulu 2000 Sydney Leichtathletik 10.000 Meter
Million Wolde 2000 Sydney Leichtathletik 5000 Meter
Kenenisa Bekele 2004 Athen Leichtathletik 10.000 Meter
Meseret Defar 2004 Athen Leichtathletik 5000 Meter
Kenenisa Bekele 2008 Peking Leichtathletik 10.000 Meter
Kenenisa Bekele 2008 Peking Leichtathletik 5000 Meter
Tirunesh Dibaba 2008 Peking Leichtathletik 10.000 Meter
Tirunesh Dibaba 2008 Peking Leichtathletik 5000 Meter
Meseret Defar 2012 London Leichtathletik 5000 Meter
Tirunesh Dibaba 2012 London Leichtathletik 10.000 Meter
Tiki Gelana 2012 London Leichtathletik Marathon
Almaz Ayana 2016 Rio de Janeiro Leichtathletik 10.000 Meter

Silbermedaillen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Spiele Sportart Disziplin
Mamo Wolde 1968 Mexiko-Stadt Leichtathletik 10.000 Meter
Gete Wami 2000 Sydney Leichtathletik 10.000 Meter
Kenenisa Bekele 2004 Athen Leichtathletik 5000 Meter
Ejegayehu Dibaba 2004 Athen Leichtathletik 10.000 Meter
Sileshi Sihine 2004 Athen Leichtathletik 10.000 Meter
Sileshi Sihine 2008 Peking Leichtathletik 10.000 Meter
Dejen Gebremeskel 2012 London Leichtathletik 5000 Meter
Genzebe Dibaba 2016 Rio de Janeiro Leichtathletik 1500 Meter
Feyisa Lilesa 2016 Rio de Janeiro Leichtathletik Marathon

Bronzemedaillen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Spiele Sportart Disziplin
Mamo Wolde 1972 München Leichtathletik Marathon
Miruts Yifter 1972 München Leichtathletik 10.000 Meter
Mohamed Kedir 1980 Moskau Leichtathletik 10.000 Meter
Eshetu Tura 1980 Moskau Leichtathletik 3000 Meter Hindernis
Addis Abebe 1992 Barcelona Leichtathletik 10.000 Meter
Fita Bayissa 1992 Barcelona Leichtathletik 5000 Meter
Gete Wami 1996 Atlanta Leichtathletik 10.000 Meter
Assefa Mezgebu 2000 Sydney Leichtathletik 10.000 Meter
Tesfaye Tola 2000 Sydney Leichtathletik Marathon
Gete Wami 2000 Sydney Leichtathletik 5000 Meter
Tirunesh Dibaba 2004 Athen Leichtathletik 5000 Meter
Derartu Tulu 2004 Athen Leichtathletik 10.000 Meter
Meseret Defar 2008 Peking Leichtathletik 5000 Meter
Tsegay Kebede 2008 Peking Leichtathletik Marathon
Sofia Assefa 2012 London Leichtathletik 3000 Meter Hindernis
Tariku Bekele 2012 London Leichtathletik 10.000 Meter
Tirunesh Dibaba 2012 London Leichtathletik 5000 Meter
Almaz Ayana 2016 Rio de Janeiro Leichtathletik 5000 Meter
Tirunesh Dibaba 2016 Rio de Janeiro Leichtathletik 10.000 Meter
Mare Dibaba 2016 Rio de Janeiro Leichtathletik Marathon
Hagos Gebrhiwet 2016 Rio de Janeiro Leichtathletik 5.000 Meter
Tamirat Tola 2016 Rio de Janeiro Leichtathletik 10.000 Meter

Medaillen nach Sportart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportart Gold Silber Bronze Gesamt
Leichtathletik 22 10 21 53
Gesamt 22 10 21 53

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Äthiopien in der Datenbank von Sports-Reference (englisch)
  • Äthiopien auf Olympic.org - The Official website of the Olympic movement (englisch)