Olympische Sommerspiele 1972/Volleyball

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Olympische Ringe
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Olympische Sommerspiele 1972
(Medaillenspiegel Volleyball)
Platz Mannschaft G S B Total
1 JapanJapan JPN 1 1 - 2
2 Sowjetunion 1955Sowjetunion URS 1 - 1 2
3 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR - 1 - 1
4 Korea NordNordkorea PKR - - 1 1

Bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München fand ein Wettbewerb im Volleyball für Frauen und Männer statt. Austragungsort war vom 27. August bis 9. September 1972 die Volleyballhalle im Olympiapark.

Qualifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Männern qualifizierten sich zwölf Mannschaften. Neben dem Gastgeber Deutschland war die Sowjetunion als Titelverteidiger gesetzt. Die DDR, Bulgarien und Japan qualifizierten sich durch ihre vorderen Platzierungen bei der Weltmeisterschaft 1970. Die Tschechoslowakei als Vize-Europameister sowie Kuba (NORCECA), Brasilien (Südamerika), Südkorea (Asien) und Tunesien (Afrika) sicherten sich ihre Olympiateilnahme bei den kontinentalen Meisterschaften. Die letzten beiden Startplätze erhielten Polen und Rumänien bei einem Turnier in Frankreich.

Bei den Frauen qualifizierten sich acht Mannschaften. Neben dem Gastgeber Deutschland war die Sowjetunion als Titelverteidiger gesetzt. Japan, Nordkorea und Ungarn profitierten von ihren guten Platzierungen bei der Weltmeisterschaft 1970. Die Tschechoslowakei qualifizierte sich als Finalist der Europameisterschaft 1971. Südkorea (Asien) und Kuba (Panamerikanische Spiele) gewannen kontinentale Vorausscheidungen.

Modus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volleyball

Bei den Männern wurden die zwölf qualifizierten Mannschaften in zwei Gruppen mit jeweils sechs Teilnehmern gelost. Die Vorrunde wurde nach dem Modus „jeder gegen jeden“ ausgetragen. Die beiden besten Teams jeder Gruppe trafen im Halbfinale über Kreuz aufeinander. Die restlichen Mannschaften spielten die Plätze fünf bis zwölf aus.

Bei den Frauen gab es zwei Gruppen mit jeweils vier Teilnehmern. Die beiden besten Teams jeder Gruppe trafen im Halbfinale über Kreuz aufeinander. Die restlichen Mannschaften spielten die Plätze fünf bis acht aus.

Die Spiele wurden vom 27. August bis 9. September in München ausgetragen. Spielstätte war die Halle im Olympiapark.

Neue Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gewicht des Balles wurde beim olympischen Turnier zum ersten Mal auf 250 bis 280 Gramm festgelegt. Außerdem wurden am Netz flexible Antennen installiert, damit die Schiedsrichter besser erkennen konnten, ob ein Ball das Netz innerhalb der Grenzen des Spielfelds überquert.

Spielplan Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gruppe A blieb die Sowjetunion bei nur drei verlorenen Sätzen ungeschlagen. Bulgarien erreichte mit vier Siegen den zweiten Platz. In Gruppe B trafen die beiden deutschen Mannschaften aufeinander. Im direkten Duell schlug die DDR-Auswahl das bundesdeutsche Team in drei Sätzen. Auch insgesamt waren die Ostdeutschen erfolgreicher. Sie erreichten hinter Japan, das keinen einzigen Satz abgab, mit vier Siegen als Gruppenzweiter das Halbfinale. Die Westdeutschen blieben hingegen sieglos.

Gruppe A
Platz Team Sätze Punkte
1. Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion 15:3 10
2. Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien 13:8 8
3. TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 11:6 6
4. Korea SudSüdkorea Südkorea 7:10 4
5. Polen 1944Polen Polen 8:12 2
6. TunesienTunesien Tunesien 0:15 0
Gruppe B
Platz Team Sätze Punkte
1. JapanJapan Japan 15:0 10
2. Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik 12:4 8
3. Rumänien 1965Rumänien Rumänien 8:9 4
4. Brasilien 1968Brasilien Brasilien 9:13 4
5. KubaKuba Kuba 6:13 4
6. Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 4:15 0
27. August UdSSR Tunesien 3:0
Tschechoslowakei Polen 3:0
Bulgarien Südkorea 3:1
29. August Polen Tunesien 3:0
UdSSR Südkorea 3:0
Bulgarien Tschechoslowakei 3:2
31. August Tschechoslowakei Tunesien 3:0
Südkorea Polen 3:1
UdSSR Bulgarien 3:1
2. September Südkorea Tunesien 3:0
UdSSR Tschechoslowakei 3:0
Bulgarien Polen 3:2
5. September Bulgarien Tunesien 3:0
Tschechoslowakei Südkorea 3:0
UdSSR Polen 3:2
28. August DDR Kuba 3:0
Japan Rumänien 3:1
Brasilien BR Deutschland 3:2
30. August DDR Brasilien 3:1
Japan Kuba 3:0
Rumänien BR Deutschland 3:0
1. September Brasilien Rumänien 3:2
Japan DDR 3:0
Kuba BR Deutschland 3:2
3. September DDR BR Deutschland 3:0
Japan Brasilien 3:0
Rumänien Kuba 3:0
5. September Kuba Brasilien 3:2
DDR Rumänien 3:0
Japan BR Deutschland 3:0

Finalrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland besiegte im Platzierungsspiel Tunesien mit 3:1 und belegten den elften Rang. Neunter wurde Polen nach einem 3:0 gegen Kuba.

Im Halbfinale am 8. September entthronte die DDR den Titelverteidiger aus der Sowjetunion, dem letztlich nach seinen Gesamtsiegen bei den ersten beiden olympischen Volleyball-Turnieren diesmal nur die Bronzemedaille blieb. Zweiter Endspielteilnehmer waren die Japaner, die Bulgarien in fünf Sätzen besiegten. Den Kampf um die Goldmedaille am 9. September entschied schließlich Japan mit einem 3:1 gegen die DDR-Auswahl.

  Halbfinale Finale
       
 JapanJapan Japan 3
 Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien 2  
   
 
 JapanJapan Japan 3
   Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik 1
 
Platz 3
   
 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik 3  Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien 0
 Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion 1    Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion 3
  Platz 5-8 Platz 5
       
 Rumänien 1965Rumänien Rumänien 3
 Korea SudSüdkorea Südkorea 0  
   
 
 Rumänien 1965Rumänien Rumänien 3
   TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 1
 
Platz 7
   
 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 3  Korea SudSüdkorea Südkorea 3
 Brasilien 1968Brasilien Brasilien 0    Brasilien 1968Brasilien Brasilien 0

Spielplan Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gruppe A waren die deutschen Frauen chancenlos und schafften keinen einzigen Satzgewinn. Die Sowjetunion gewann dagegen alle ihre drei Spiele und gab dabei nur zwei Sätze ab. Südkorea reichten zwei Siege zum Einzug ins Halbfinale. In Gruppe B dominierten die Asiatinnen. Japan gab keinen einzigen Satz ab, die Nordkoreanerinnen belegten den zweiten Platz.

Gruppe A
Platz Team Sätze Punkte
1. Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion 9:2 6
2. Korea SudSüdkorea Südkorea 7:3 4
3. Ungarn 1957Ungarn Ungarn 4:6 2
4. Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 0:9 0
Gruppe B
Platz Team Sätze Punkte
1. JapanJapan Japan 9:0 6
2. Korea NordNordkorea Nordkorea 6:3 4
3. KubaKuba Kuba 3:7 2
4. TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 1:9 0
27. August Ungarn BR Deutschland 3:0
UdSSR Südkorea 3:1
29. August Südkorea Ungarn 3:0
UdSSR BR Deutschland 3:0
31. August UdSSR Ungarn 3:1
Südkorea BR Deutschland 3:0
28. August Nordkorea Kuba 3:0
Japan Tschechoslowakei 3:0
30. August Japan Kuba 3:0
Nordkorea Tschechoslowakei 3:0
1. September Kuba Tschechoslowakei 3:1
Japan Nordkorea 3:0

Finalrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutschen Frauen verloren auch beide Platzierungsspiele gegen Kuba und die Tschechoslowakei mit 0:3 und belegten somit den letzten Platz. Im Halbfinale am 2. September gewann Japan das asiatische Duell gegen Südkorea, während Nordkorea der Sowjetunion unterlag. Damit trafen die Koreanerinnen im Duell um Bronze aufeinander, das die Frauen aus dem Norden in drei Sätzen gewannen. Im Spiel um Gold am 7. September zwischen den Teams aus der UdSSR und Japan fiel die Entscheidung erst im Tiebreak zugunsten der sowjetischen Auswahl.

  Halbfinale Finale
       
 JapanJapan Japan 3
 Korea SudSüdkorea Südkorea 0  
   
 
 JapanJapan Japan 2
   Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion 3
 
Platz 3
   
 Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion 3  Korea SudSüdkorea Südkorea 0
 Korea NordNordkorea Nordkorea 1    Korea NordNordkorea Nordkorea 3
  Platz 5-8 Platz 5
       
 KubaKuba Kuba 3
 Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 0  
   
 
 KubaKuba Kuba 2
   Ungarn 1957Ungarn Ungarn 3
 
Platz 7
   
 Ungarn 1957Ungarn Ungarn 3  Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 0
 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 2    TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 3

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer Niederlage im Spiel um Bronze reichte die Mannschaftsleitung von Südkorea einen Protest ein und behauptete, dass es sich bei der Nordkoreanerin Kim Jung-bok um einen Mann handeln würde. Der Protest wurde jedoch abgewiesen, da die medizinische Kommission der beschuldigten Spielerin ein Weiblichkeits-Zertifikat erteilt hatte. Daraufhin behaupteten die Südkoreaner, dass an Kims Stelle ihre Team-Kameradin Han Jong-suk, die in der Olympiaauswahl nicht eingesetzt worden war, zum Geschlechtstest erschienen sei.

Medaillen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Spieler
1 JapanJapan Japan Katsutoshi Nekoda, Kenji Kimura, Jungo Morita, Seiji Oko, Tadayoshi Yokota, Kenji Shimaoko, Tetsuo Nishimoto, Yoshihide Fukao, Yuzo Nakamura, Yasuhiro Noguchi, Masayuki Minami, Tetsuo Sato
2 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik Siegfried Schneider, Rudi Schumann, Arnold Schulz, Rainer Tscharke, Eckehard Pietzsch, Wolfgang Webner, Wolfgang Weise, Wolfgang Löwe, Jürgen Maune, Horst Peter, Horst Hagen, Wolfgang Maibohm. Trainer: Herbert Jenter
3 Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion Waleri Krawtschenko, Jefim Tschulak, Wladimir Putjatow, Wladimir Patkin, Leonid Saiko, Juri Starunski, Jewgeni Lapinski, Juri Pojarkow, Wjatscheslaw Domani, Alexander Saprykin, Wiktor Borstsch, Wladimir Kondra
11 Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland Klaus-Dieter Buschle, Bernhard Endrich, Hans-Ulrich Graßhoff, Rüdiger Hild, Klaus Meetz, Hatto Nolte, Hans-Georg von der Ohe, Volker Paulus, Toni Rimrod, Wolfgang Simon, Ulf Tütken, Uwe Zitranski

Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Spieler
1 Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion Ljudmila Buldakowa, Wera Dujunowa, Ljudmila Borosna, Inna Ryskal, Nina Smolejewa, Tatjana Gonoboblejewa, Ljubow Tjurina, Galina Leontjewa, Tatjana Tretjakowa, Rosa Salichowa, Tatjana Sarytschewa, Natalja Kudrewa
2 JapanJapan Japan Noriko Yamashita, Sumie Olnuma, Seiko Shimakage, Makiko Furukawa, Takako Iida, Katsumi Matsumura, Michiko Shiokawa, Takako Shirai, Mariko Okamoto, Keiko Hama, Yaeko Yamazaki, Toyoko Iwahara
3 Korea NordNordkorea Nordkorea Chun Ok-Ri, Myong Suk-Kim, Zung Bok-Kim, Ok Sun-Kang, Yeun Ja-Kim, He Suk- Hwang, Ok Rim-Jang, Myong Suk-Paek, Chun Ja-Ryom, Su Dae-Kim, Ok Jin-Jong, Chun Ok-Ri
8 Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland Birgit Drechsel, Annette Ellerbracke, Erika Heucke, Marianne Lepa, Ingrid Lorenz, Birgit Pörner, Regina Pütz, Annedore Richter, Rike Ruschenburg, Traute Schaefer, Margret Stender, Uschi Westphal

Auswirkungen in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das olympische Turnier im eigenen Land erlebte der Volleyball in Deutschland einen Boom. Der Erfolg der DDR-Mannschaft und die mediale Präsenz sorgten für eine besondere Begeisterung.[1] Die Anzahl der beim Deutschen Sportbund registrierten Volleyballspieler stieg innerhalb von vier Jahren von 46.000 auf 133.000.[2][3] Der damalige rumänische Zuspieler Stelian Moculescu nutzte das Turnier zur Flucht und etablierte sich in den folgenden Jahrzehnten als erfolgreicher Trainer in der Volleyball-Bundesliga und bei der deutschen Nationalmannschaft.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Olympische Sommerspiele. (Nicht mehr online verfügbar.) Deutscher Volleyball-Verband, archiviert vom Original am 10. Januar 2016; abgerufen am 5. Oktober 2010. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.volleyball-verband.de
  2. Olympia München 1972 (Memento vom 24. Juni 2009 im Internet Archive)
  3. Olympia in München. volleyball.de, abgerufen am 24. August 2012.
  4. Der nimmersatte Volleyball-Bauleiter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. November 2006, abgerufen am 5. Oktober 2010.