Olympische Winterspiele 1936/Eisschnelllauf

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Olympische Ringe

Bei den IV. Olympischen Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen wurde vier Wettbewerbe im Eisschnelllauf ausgetragen. Austragungsort war die Natureisbahn Rießersee.

500 m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit
1 NOR Ivar Ballangrud 43,4
2 NOR Georg Krog 43,5
3 USA Leonard Freisinger 44,0
4 JAP Shozo Ishihara 44,1
5 USA Delbert Lamb 44,8
6 AUT
USA
Karl Leban
Allan Potts
44,8

11. Februar 1936

Im ersten Bewerb kam Norwegen «endlich» zu der herbeigesehnten Goldmedaille, nachdem es im Alpinbereich, trotz jeweiliger Führung nach den Abfahrten, und am Vortag in der Langlaufstaffel nicht geklappt hatte. Ihr Goldtipp war allerdings der Weltrekordler von 1933, Hans Engnestangen, gewesen, von dem durch die skandinavische Presse auch erwartet worden war, die nun von Allan Potts am 18. Januar 1936 in Oslo gehaltene Weltbestleistung zurückzuholen. Er startete gegen Mittag und enteilte seinem Widerpart Heinz Sames äußerst schnell, kam mit großen Vorsprung in die Zielkurve, als er der Länge nach hinfiel. Es war überhaupt zu bemerken, dass alle schnellen Läufer in den Kurven große Mühe hatten. Es wurde angenommen, dass die Minus 20 Grad Celsius vom Morgen der Eisqualität abträglich gewesen waren.

Ballangrund startete angesichts dieser Verhältnisse vorsichtig und ließ sich zu keiner schnellen Gangart verleiten. Seine 43,4 s waren für die aktuellen Verhältnisse (Weltrekord: 42,4 s) nicht überragend, reichten aber zur Egalisierung des Olympiarekordes von Clas Thunberg aus dem Jahr 1928 – und letztlich zum Sieg.

Kritikpunkt an der Organisation war, dass der Bewerb schleppend abgewickelt wurde, was für das Publikum bei der sibirischen Kälte doppelt unangenehm war.

Weitere Klassierungen (inkl. Beste ihres Landes):
8. ex aequo Antero Ojala & Jorma Ruissalo & Birger Wasenius (alle FIN) 44,9 s
11. ex aequo Reikichi Nakamura (JPN) & Robert Petersen (USA) 45,0 s
13. Karl Wazulek (AUT) 45,1 s
14. ex aequo Alfons Bērziņš (LAT) & Dolf van der Scheer (NED) 45,7 s
18. Axel Johansson (SWE) 46,1 s
19. ex aequo Willy Sandner (GER) & Ossi Blomqvist (FIN) 46,2 s
21. Ferdinand Preindl (AUT) 46,4 s
22. ex aequo Aleksander Mitt (EST) &Kunio Nando (JPN) 46,6 s
24. ex aequo Gustav Slanec (AUT) & Lou Dijkstra & Jan Langedijk (beide NED) 46,7 s
28. Heinz Sames (GER) 47,0 s
29. Kenneth Kennedy (AUS) 47,4 s
30. Jaroslav Turnovský (ČSR) 47,8 s
31. Thommy White (CAN) 49,6 s
33. James Graeffe (BEL) 54,6 s
35. und Letzter: Charles De Ligne (BEL) 1:44,6 s[1]

1500 m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit
1 NOR Charles Mathiesen 2:19,2 (OR)
2 NOR Ivar Ballangrud 2:20,2
3 FIN Birger Wasenius 2:20,9
4 USA Leonard Freisinger 2:21,3
5 AUT Max Stiepl 2:21,6
6 AUT Karl Wazulek 2:22,2

13. Februar 1936

Bei 2.000 Zuschauer hatten sich versammelt, die Norweger waren favorisiert worden.Wie schon in den vorangegangenen Bewerben wurden die Vorsprünge fast immer in den Kurven herausgeholt. Die Füße setzten ganz dicht beieinander auf, das Körpergewicht lag vollkommen nach innen, die Schwerpunktslage blieb absolut unverändert und selbst der rechte Arm ruderte oft weniger als in der Geraden. Die Japaner durchliefen die Kurven und die Geraden sogar mit zurückgelegten Armen.

Vor dem Start hatte der Lautsprecher verkündet, dass die Nordländer versuchen würden, den Weltrekord von 2:17,4 zu unterbieten. Wenngleich ihre Laufgegner sie dabei unterstützen sollten oder wollten, gelang dieses Vorhaben nicht, weil sie auf keine vollwertige Partner trafen. Ballangrund traf auf Freisinger, den er schon nach der ersten Runde abgehängt hatte, Mathiesens Gegner war Stiepl, der von Wasenius war Karl Leban.[2]

5000 m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit
1 NOR Ivar Ballangrud 8:19,6 (OR)
2 FIN Birger Wasenius 8:23,3
3 FIN Antero Ojala 8:30,1
4 NED Jan Langedijk 8:32,0
5 AUT Max Stiepl 8:35,0
6 FIN Ossi Blomquist 8:36,6

12. Februar 1936


Auf Grund der guten Eisverhältnisse konnten an diesem Mittwoch-Vormittag neun Athleten den seit 26. Januar 1924 durch Clas Thunberg in Chamonix aufgestellten olympischen Rekord (8:39,0) unterbieten. Die Norweger erwiesen sich in technischer Hinsicht ihren Konkurrenten überlegen, die Finnen verdankten ihre guten Resultate dem Einsatz ihrer ganzen Kräfte. Die Japaner zeigten sich technisch recht gut, waren aber durch ihre kurzen Beine zu stark handicapiert, denn auf einen Schritt eines Norwegers kamen in der Regel zwei eines Japaners. Von den aussichtsreichsten Läufern kam nur der Deutsche Willy Sandtner zu Sturz.[3]

Weitere der „Ersten Zehn“ sowie andere wichtige Läufer bzw. Beste ihrer Nationen:
7. Charles Mathiesen (NOR) 8:36,9
8. Karl Wazulek (AUT) 8:38,4
9. Michael Staksrud (NOR) 8:38,5
10. Dolf van der Scheer (NED) 8:43,3
11. Robert Petersen (USA) 8:46,5
12. Janusz Kalbarczyk (POL) 8:47,7
13. Heinz Sames (GER) ex aequo mit Roelof Koops (NED) 8:48,5
17. László Hidvéghy (HUN) 8:53,2
18. Alfons Bērziņš (LAT) 8:53,4
19. Wilhelm Löwinger (AUT) 8:53,9
21. Kin Seien (JPN) 8:55,9
22. Aleksander Mitt (EST) & Åke Ekman (FIN) 9:00,4
24. Karl Prochaska (AUT) 9:02,6
25. Thommy White (CAN) 9:04,5
26. Axel Johansson (SWE) 9:06,4
32. Jaroslav Turnovský (ČSR) 9:25,8
33. Kenneth Kennedy (AUS) 9:48,9
35. und Letzter James Graeffe (BEL) 10:52,6

10.000 m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit
1 NOR Ivar Ballangrud 17:24,3 (OR)
2 FIN Birger Wasenius 17:28,2
3 AUT Max Stiepl 17:30,0
4 NOR Charles Mathiesen 17:41,2
5 FIN Ossi Blomquist 17:42,4
6 NED Jan Langedijk 17:43,7

14. Februar 1936

Gestartet wurde in Zweiergruppen. Über 10.000 m liefen die beiden Favoriten, Ivar Ballangrud und Birger Wasenius, direkt gegeneinander.

Anfänglich führten die beiden abwechslungsweise, aber nach fünf Runden zog der Norweger davon und holte unangefochten einen Vorsprung von 50 m heraus. Er schlug den bisherigen, vor vier Jahren aufgestellten olympischen Rekord des Kanadiers Alexander Hurd (17:56,2) um mehr als eine halbe Minute. Noch weitere acht Läufer blieben unter dieser bisherigen Marke.

Auf den Start verzichtet hatten die beiden US-Läufer Delbert Lamb und Leonard Freisinger.

Weitere Platzierungen:
7 Antero Ojala (FIN) 17:46,6
8 Eddie Schroeder (USA) 17:52,0
9 Janusz Kalbarczyk (POL) 17:54,0
10 Michael Staksrud (NOR) 17:56,7
11 Karl Warzulek (AUT) 17:57,1
12 Willy Sandtner (GER) 18:02,0 (nationaler Rekord)
13 Kin Seien (JPN) 18:02,7
14 László Hídvéghy (HUN) 18:04,0
15 Heinz Sames (GER) 18:04,3[4]

Medaillenspiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medaillenspiegel
Platz Land Gold Silber Bronze Gesamt
1 NorwegenNorwegen Norwegen 4 2 0 6
2 FinnlandFinnland Finnland 0 2 2 4
3 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 0 0 1 1
3 OsterreichÖsterreich Österreich 0 0 1 1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. «Norwegen kommt zur ersten Goldmedaille» in «Sport Zürich», Nr. 20 vom 12. Februar 1936, Seite 3
  2. «Im Zeichen der fünf Ringe» mit Untertitel «Das 1500 m-Eisschnelllaufen am Donnerstag» in «Sport Zürich», Nr. 24 vom 17. Februar 1936, Seite 8.
  3. «Ballangruds zweiter olympischer Sieg» in «Sport Zürich» Nr. 21 vom 13. Februar 1936, Seite 3, Spalte 3
  4. «Ballangruds dritte Goldmedaille» in «Sport Zürich» Nr. 23 vom 15. Februar 1936, Seite 4