Olympische Winterspiele 1948/Eisschnelllauf

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Olympische Ringe
Olympische Winterspiele 1948
(Medaillenspiegel Eisschnelllauf)
Platz Mannschaft G S B Total
1 NorwegenNorwegen NOR 3 2 1 6
2 SchwedenSchweden SWE 1 1 1 3
3 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2 2
4 FinnlandFinnland FIN 1 1 2

Bei den V. Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz wurden vier Wettbewerbe im Eisschnelllauf ausgetragen. Austragungsort war das Olympia-Eisstadion Badrutts Park.
Wegen des anhaltenden Tauwetters war sogar angedacht worden, die ausstehenden Bewerbe auf der Kunsteisbahn in Basel fortzusetzen.[1]

500 m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit
1 NOR Finn Helgesen 43,1 (OR)
2 USA
NOR
USA
Kenneth Bartholomew
Thomas Byberg
Robert Fitzgerald
43,2
5 USA Kenneth Henry 43,3
6 NOR
NOR
USA
CAN
Sverre Farstad
Torodd Hauer
Delbert Lamb
Frank Stack
43,6

Datum: 31. Januar 1948, 10:30 Uhr

Am Start waren 42 Läufer aus 15 Ländern. Der bisherige olympische Rekord lag bei 43,4 Sekunden. Er wurde gleich fünfmal unterboten, zuletzt vom Norweger Finn Helgesen mit 43,1 Sekunden.
Der Ungar János Kilián auf Rang 14 in 44,8 sec. war der beste Mitteleuropäer, von der Schweiz wurde Rudolf Kleiner auf Rang 39 in 47,8 sec. genannt. Der Bewerb fand am späten Samstagmorgen, 31. Januar, statt und es war ein großer Kampf zwischen Norwegen und den USA.[2]

1500 m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit
1 NOR Sverre Farstad 2:17,6 (OR)
2 SWE Åke Seyffarth 2:18,1
3 NOR Odd Lundberg 2:18,9
4 FIN Lassi Parkkinen 2:19,6
5 SWE Gustav Jansson 2:20,0
6 USA John Werket 2:20,2

Datum: 2. Februar 1948, 9:30 Uhr

Am Start waren 45 Läufer aus 14 Ländern. Auch hier konnte die alte olympische Rekordzeit von 2:19,2 Minuten von den drei Medaillengewinnern unterboten werden. Sverre Farstad aus Norwegen siegte schließlich in 2:17,6 Minuten.

Die übrigen (wichtigen) Ränge bzw. Beste ihrer Länder: 7. Kalevi Laitinen (FIN) 2:20.3; 8. Göthe Hedlund (SWE) 2:20,7; 9. Cornelius Broekman (NED) 2:21.0; 10. ex aequo Iwan Ruttkay (HUN) & Gunnar Konsmo (NOR) 2:21,2; 18. Henry Howes (GBR) 2:23,0; 19. Hijo Lee (KOR) 2:23,3. - Platzierungen der Schweiz: 34. Hans Peter Vogt 2:30,5; 42. Rudolf Kleiner 2:33,0; 43. Josef Rogger 2:34,7.
Es herrschten ideale Witterungsverhältnisse, ein Temperatursturz über Nacht hatte die Erstellung eines harten Spiegeleises zugelassen, es war absolut windstill und dazu schien noch die Sonne. Wenn auch der neue olympische Rekord immer noch um 4 Sekunden über dem Weltrekord ist, darf nicht vergessen werden, dass die St. Moritzer Bahn in bezug auf Schnelligkeit nicht mit derjenigen von Davos Schritt halten kann.
Stilunterschiede und Kontraste im Temperament bildeten die Norweger und Amerikaner. Die Überseer schossen mit voller Kraft vom Start weg und überließen es ihrer Kraft und Tagesform, ob sie den Spurt über die ganze Strecke aushalten werden. Die Norweger dosierten ihre Kräfte in der Weise, dass sie eher verhalten begannen und die Strecke in einem Steigerungslauf absolvierten. Die Amerikaner waren viel mehr verausgabt, erlitten Schwächeanfälle (Fitzgerald, Blum). Auch in bezug auf Schrittlänge waren die Unterschiede oft frappant, sogar bei den Spitzenläufern. Seyffart zog mit kraftvollen Schritten um die Bahn und wirkte wie ein ausgesprochener Sprinter. Farstad wirkte bei seinem Rekordlauf nicht so explosiv, eher schier gemächlich, aber in seiner Schrittlänge zeigte sich die Schnelligkeit. Parkinnen schien seinen Lauf nicht genau eingeteilt zu haben, er hatte die größten Spurtreserven, schien nachher noch ziemlich frisch, so dass es fraglich schien, ob er nicht die Sekunde hätte schneller laufen können, die zu Bronze nötig gewesen wäre. Die Koreaner, von denen man sich große Stücke erwartet hatte, schienen übertrainiert, erreichten zum Teil nicht einmal ihre Trainingszeiten.
Die Leistung der Schweizer sollte nicht geringschätzig betrachtet werden, denn es war Weltklasse, was sich am Start eingefunden hatte. Frappant waren die Unterschiede in ihrem Laufstil gegenüber demjenigen der Nordländer, der wesentlich rationeller und auch kräftiger war. Die Schweizer Läufer wirkten demgegenüber steif und schienen auch zu wenig Kraft in den Tritt zu legen.[3]

5000 m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit
1 NOR Reidar Liaklev 8:29,4
2 NOR Odd Lundberg 8:32,7
3 SWE Göthe Hedlund 8:34,8
4 SWE Gustav Jansson 8:34,9
5 NED Jan Langedijk 8:36,2
6 NED Cornelis Broekman 8:37,3

Datum: 1. Februar 1948, 8:45 Uhr

Wegen Schneefalls waren die Eisbedingungen wesentlich schlechter als bei den Kurzstrecken. Daher sind die gelaufenen Zeiten etwa 10 Sekunden schlechter als bei den letzten Olympischen Spielen vor 12 Jahren.
Am Start waren 40 Läufer aus 14 Ländern. Der Norweger Charles Mathiesen, 1936 Olympiasieger über 1500 Meter und Weltrekordhalter über 10.000 Meter, stürzte nach sechs Runden und musste wegen Atembeschwerden aufgeben.
Es wehte böiger Wind, zeitweise leichter Schneefall störte die Läufer. Das Eis wäre dank der günstigen Temperaturen sehr gut gewesen, hätte Rekordzeiten zugelassen, wenn nicht die übrigen Faktoren auf die Leistungen gedrückt hätten. 3.000 Zuseher bekamen dennoch herrliche Kämpfe zu sehen. Wenn die Auslosung auch nicht immer gleichwertige Kämpfe zugelassen hatte, dokumentierten die Norweger ihre führende Stellung erneut. Ihnen am nächsten kamen die Schweden und Holländer, die „Geheimfavoriten“ (Koreaner) enttäuschten etwas. Die Engländer, die in der Geschichte des Eisschnelllaufs eine hervorragende Rolle gespielt, in den letzten Jahrzehnten jedoch keine Läufer von Klasse hervorgebracht haben, besaßen nun wieder drei junge, vielversprechende Könner. Auch die Ungarn vermochten ihre führende Position unter den mitteleuropäischen Ländern beizubehalten. Die Überseer waren stilistisch noch nicht ganz auf der Höhe, brachten aber einen unheimlichen Kampfgeist auf. Mit noch etwas besserer Spurführung und Kurventechnik sollte sie noch näher an die Spitzenkönner heranführen.
Die bemerkenswertesten Paare waren Stiepel gegen Ojala, wobei der Finne lange in Führung lag, der Österreicher aber seinen Endspurt erfolgreich durchsetzen konnte.
Die Holländer Cornelis Broekman und Jan Langedijk lieferten sich einen großen Kampf unter der Devise Alt gegen Jung. Zum Schluss kehrte doch noch Langedijk den Altmeister hervor. - Bei Hedlund gegen den Ungarn Ivan Ruttkay übernahm der kräftige Schwede sofort die Führung, der Ungar hängte sich verbissen an. Die größeren Reserven entschieden für Hedlund, der mit wahnsinnigem Spurt seine Zeit so zu verbessern vermochte, dass es noch für die Bronzemedaille reichte. Den Höhepunkt an Spannung brachte Jansson gegen Lundberg. Der Schwede ging mit unheimlichen Tempo vom Start, holte eine Führung bis 100 m heraus. Der Norweger ließ sich nicht beirren, zog in rationellem Stil seine Runden, immer schneller, bis er seinen Gegner überflügelte und damit verdient Silber gewann. Der große norwegische Favorit Liaklev musste seine Runden für sich laufen, da der Schweizer Heinz Hügelshofer nicht Schritt zu halten vermochte. Trotz dieses Umstandes und auch, da es wieder leicht zu schneien begann, zeigte der Norweger eine wahre Meisterleistung. Er lief in vollem Rhythmus, äußerst kräftig und rationell. Seine Goldmedaille war danach nicht gefährdet. Zwar standen noch einige Klasseläufer am Start, doch der immer stärker werdende Schneefall wirkte bremsend.
Weitere Platzierungen der Top Ten und sonstige wichtige Ränge (bzw. beste ihrer Länder): Rang 7 Åke Seyffarth (SWE) 8:37.9; Rang 8 Pentti Lammio (FIN) 8:40.7; Rang 9 Lauri Parkkinen (FIN) 8:45,0; Rang 10 Kornél Pajor (HUN) 8:45,2; Rang 11 John Cronshey (GBR) 8:45,6; Rang 13 Ivan Ruttkay (HUN) 8:46,9; Rang 14 Craig MacKay (CAN) 8:47,2; Rang 17 Raymund Blum (USA) 8:54,4; Rang 24 Max Stiepl (AUT); Rang 33 Heinz Hugelshofer (SUI) 9.28,6; Rang 34 Josef Rogger (SUI) 9:29,3; Rang 39 Alfred Altenburger (SUI) 9:40,6[4]

10.000 m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Athlet Zeit
1 SWE Åke Seyffarth 17:26,3
2 FIN Lassi Parkkinen 17:36,0
3 FIN Pentti Lammio 17:42,7
4 HUN Kornél Pajor 17:45,6
5 NED Cornelis Broekman 17:54,7
6 NED Jan Langedijk 17:55,3

Datum: 3. Februar 1948, 9:00 Uhr

Am Start waren 28 Läufer aus 12 Ländern. Wiederum litten einige Athleten unter Luftmangel und mussten aufgeben, so etwa der Norweger Reidar Liaklev und der Schwede Göthe Hedlund, die beiden Medaillengewinner über 5000 Meter. Das etwas zu weiche Eis veranlasste einige Nordländer über 10.000 Meter gar nicht zu starten.

Die übrigen (wichtigen) Ränge: 7. Odd Lundberg (NOR) 18:05.8; 8. Harry Jansson (SWE) 18:08.0; 9. Axel Hammarström (SWE) 18:39,6; 10. Max Stiepl (AUT) 19:25,5; 11. John Worket (USA) 19:44,0; 12. Pierre Huylebroeck (BEL) 19:54.8; 13. Greg MacKay (CAN) 20:15,5; 14. Anton Huiskes (NED) 20:16.4; 15. Iván Ruttkay (HUN) 20:16,5.
Der 10.000-m-Lauf am Dienstagmorgen litt vor allem unter dem Einbruch des Föhns, der nicht allein die Eisverhältnisse, sondern auch die physischen Leistungen verschlechterte, weshalb auch verschiedene Läufer zur Aufgabe gezwungen waren, darunter auch einige Favoriten. Die früh Startenden fanden noch bessere Eisverhältnisse vor, was dazu führte, dass die besten Zeiten von den ersten sechs Paaren erzielt wurden.[5]
«Alle-vier-Distanzen-Gesamtklassement» (nur 8 Läufer der insgesamt 40 Teilnehmer haben alle 4 Strecken absolviert): 1. Åke Seyffarth 195,280 p; 2. Lauri Parkkinen 197,033 p; 3. Cornelius Broekman 198,765 p; 4. Kornej Pájor 198,900 p; 5. Jan Langedijk 199,085 p; 6. Iván Ruttkay 207,982 p; 7. Anton Huiskens 207,993 p; 8. Pierre Huylebroek 217,970 p.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spalte 2: «Das Eislaufen wahrscheinlich in Basel». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 5. Februar 1949, S. 4.
  2. Spalte 4: «Eine Zehntelsekunde entschied über 500 m Eisschnelllaufen!»; «Sport Zürich», Nr. 14 vom 31.1.1948, Seite 4
  3. «Die 1.500 m – ein neuer Höhepunkt im Eisschnelllaufen»; «Sport Zürich» Nr. 16 vom 4.2.1948, Seite 5
  4. : «Zweiter Norwegersieg im Eisschnelllaufen»; «Sport Zürich», Nr. 15 vom 2.2.1948, Seite 5
  5. Spalte 3: «Schwedischer Sieg im 10.000m-Eisschnelllaufen»; «Sport Zürich», Nr. 16 vom 4.2.1948, Seite 7
  6. Spalte 4: «Nach Abschluss des Eisschnelllaufens»; «Sport Zürich», Nr. 17 vom 5.2.1948, Seite 5