Olympische Winterspiele 1960/Eiskunstlauf

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Bei den VIII. Olympischen Spielen 1960 in Squaw Valley wurden drei Wettbewerbe im Eiskunstlauf ausgetragen. Austragungsort war die Blyth-Memorial-Arena, die 9.000 Zuschauern Platz bot.

Olympische Ringe
Olympische Winterspiele 1960
(Medaillenspiegel Eiskunstlauf)
Platz Mannschaft G S B Total
1 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 2 2 4
2 Kanada 1957Kanada Kanada 1 1 2
3 Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft Deutschland 1 1
NiederlandeNiederlande Niederlande 1 1
TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 1 1

Vorschau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der «Sport-Zürich» gab in seiner Ausgabe Nr. 21 vom 19. Februar 1960 auf den Seite 8 und 9 eine Vorschau auf die Eiskunstlauf-Bewerbe:
Es seien bereits die jeweiligen nationalen und auch die Europameisterschaften durchgeführt worden, nun werden über die gesamten Olympiatage die verschiedenen Sparten ununterbrochen andauern, wobei bereits am ersten Tag das Paarlaufen entschieden werde und danach für jeweils drei Tage das Pflichtlaufen mit der abschließenden Kür als Höhepunkt anberaumt seien.
Eine gewisse Absteckung der Kräfteverhältnisse hätten zwar die Europameisterschaften gebracht, jedoch müssten Einschränkungen angebracht werden, weil der letztjährige Europameister Karol Divín wegen Verletzung gefehlt habe, neue Bewertungsregeln gelten würden, die noch nicht in die Köpfe aller Preisrichter Eingang gefunden hätten, und es dürfe nicht verschwiegen werden, dass auch ein absichtliches Jonglieren mit den Noten unverkennbar war.
Im Detail würden im Paarlaufen die europäischen Spitzenpaare auf harte Konkurrenz, vornehmlich das kanadische Weltmeisterpaar Barbara Wagner und Robert Paul, treffen, und auch das zweite kanadische Paar sei sehr stark. Die USA habe gleich drei Paare delegiert. Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler würden große Mühe haben, ihren zweiten Rang von 1959 in Colorado Springs erfolgreich zu bestätigen.
Bei den Einzelkonkurrenzen seien die Erfolgsaussichten für die überseeischen Athleten gar noch größer, speziell bei den Herren. Da trete das Gastgeberland mit vier Assen an, wobei zu Weltmeister Jenkins anzumerken sei, dass er die nationalen Meisterschaften nur durch eine großartige Kür (nach Rückstand nach der Pflicht gegenüber Tim Brown) gewonnen habe. Auch der Kanadier Donald Jackson sei zu beachten, so dass für die Europäer kaum ein Medaillengewinn zu erwarten sei.
Etwas besser stünden die Chancen bei den Damen, wo zwar die USA mit der vierfachen Weltmeisterin Carol Heiss die klare Favoritin stelle und auch Barbara Roles zur Spitzenklasse zähle, aber Wendy Griner (CAN) müsste schon eine große Überraschung bringen, um die neue Europameisterin Sjoukje Dijkstra aus den Medaillenrängen fallen zu lassen.

Medaillengewinner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konkurrenz Gold Silber Bronze
Herren Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten David Jenkins TschechoslowakeiTschechoslowakei Karol Divín Kanada 1957Kanada Donald Jackson
Damen Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Carol Heiss NiederlandeNiederlande Sjoukje Dijkstra Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Barbara Roles
Paare Kanada 1957Kanada Barbara Wagner / Robert Paul Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft Marika Kilius / Hans-Jürgen Bäumler Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Nancy Ludington / Ronald Ludington

Herren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler P K Pz Punkte
1 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA David Jenkins 2 1 10 1440,2
2 TschechoslowakeiTschechoslowakei TCH Karol Divín 1 5 22 1414,3
3 KanadaKanada CAN Donald Jackson 4 2 31 1401,0
4 FrankreichFrankreich FRA Alain Giletti 3 3 31 1399,2
5 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA Tim Brown 5 4 43 1374,1
6 FrankreichFrankreich FRA Alain Calmat 8 6 54 1340,3
7 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA Robert Brewer 7 8 66 1320,3
8 Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft EUA Manfred Schnelldorfer 9 9 75 1303,3
9 Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft EUA Tilo Gutzeit 10 10 86 1274,0
10 KanadaKanada CAN Donald McPherson 13 7 83 1279,7
11 OsterreichÖsterreich AUT Hubert Köpfler 12 14 114 1217,0
12 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich GBR Robin Jones 15 12 113 1220,4
13 OsterreichÖsterreich AUT Peter Jonas 14 15 115 1213,2
14 JapanJapan JPN Nobuo Satō 11 17 120 1206,8
15 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich GBR David Clements 16 13 135 1174,7
16 Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft EUA Bodo Bockenauer 17 16 137 1161,2
17 AustralienAustralien AUS Tim Spencer 18 11 142 1171,2
18 AustralienAustralien AUS William Cherrell 19 18 162 1042,2
Z OsterreichÖsterreich AUT Norbert Felsinger 6

Z = Zurückgezogen

Olympiasieger 1956: Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Hayes Alan Jenkins – Karriere beendet / Weltmeister 1959: David Jenkins (USA) / Europameister 1960: Alain Giletti (FRA)
Die Leistungen wurden von neun Wertungsrichtern beurteilt.

Das Pflichtprogramm war am 24. und 25. Februar jeweils von 7 bis 11.30 Uhr angesetzt, die Kür am 26. Februar von 12.30 bis 15.15 Uhr.[1][2]

David Jenkins war nach den vorangegangenen Olympischen Spielen, bei denen er die Bronzemedaille gewonnen hatte, in die Fußstapfen seines Bruders, des amtierenden Olympiasiegers Hayes Alan Jenkins, getreten und ungeschlagen geblieben. Er wurde seiner Favoritenrolle gerecht und löste seinen Bruder als Olympiasieger ab, ein einmaliger Vorgang in der Eiskunstlaufgeschichte. Er zeigte die beste Kür aller Zeiten, verwandelte einen Rückstand von 22.5 Punkten aus der Pflicht noch in einen Vorsprung von 14.1 Punkten. Der Tschechoslowake Karol Divín, der die Pflicht gewonnen, die Kür aber nur als Sechster abgeschlossen hatte, errang die Silbermedaille. Bronze ging an den Kanadier Donald Jackson. Alain Giletti verfehlte eine Medaille äußerst knapp und wurde wie vier Jahre zuvor Vierter.

Der Österreicher Norbert Felsinger musste nach einem Sturz im Kür-Training vom 25. Februar aufgeben.[3]

Damen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Name Nation P K Punkte Bewertung
1 Carol Heiss Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1 1 1490,1 9
2 Sjoukje Dijkstra NiederlandeNiederlande Niederlande 2 3 1424,8 20
3 Barbara Roles Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 3 2 1414,9 26
4 Jana Mrázková TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 5 5 1338,7 53
5 Joan Haanappel NiederlandeNiederlande Niederlande 4 7 1331,9 52
6 Laurence Owen Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 6 6 1343,0 57
7 Regine Heitzer OsterreichÖsterreich Österreich 7 4 1327,9 58
8 Anna Galmarini ItalienItalien Italien 8 10 1295,0 79
9 Karin Frohner OsterreichÖsterreich Österreich 9 11 1266,0 99
10 Sandra Tewkesbury Kanada 1957Kanada Kanada 10 9 1296,1 78
11 Nicole Hassler FrankreichFrankreich Frankreich 12 12 1272,6 97
12 Wendy Griner Kanada 1957Kanada Kanada 13 8 1275,0 98
13 Danielle Rigoulot FrankreichFrankreich Frankreich 11 13 1253,8 107
14 Barbara Martin Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft Deutschland 18 14 1219,8 132
15 Patricia Pauley Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 14 16 1213,8 134
16 Carla Tichatschek ItalienItalien Italien 16 15 1201,1 143
17 Junko Ueno JapanJapan Japan 15 20 1176,5 158
18 Ursel Barkey Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft Deutschland 20 18 1164,5 166
19 Carolyn Krau Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 17 21 1160,3 168
20 Liliane Crosa SchweizSchweiz Schweiz 22 17 1157,4 171
21 Miwa Fukuhara JapanJapan Japan 19 22 1134,7 188
22 Franziska Schmidt SchweizSchweiz Schweiz 21 19 1141,8 184
23 Marion Sage Sudafrika 1928Südafrikanische Union Südafrikanische Union 24 23 1000,9 210
24 Aileen Shaw AustralienAustralien Australien 25 24 965,7 221
25 Patricia Eastwood Sudafrika 1928Südafrikanische Union Südafrikanische Union 23 25 970,8 219
26 Mary Wilson AustralienAustralien Australien 26 26 890,2 232

Olympiasiegerin 1956: Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Tenley Albright – Karriere beendet / Weltmeisterin 1959: Carol Heiss (USA) / Europameisterin 1960: Sjoukje Dijkstra (NLD)
Die Leistungen wurden von neun Wertungsrichtern beurteilt.

Das Pflichtprogramm war vom 20. bis 22. Februar jeweils von 7 bis 11.30 Uhr angesetzt, die Kür am 23. Februar von 12.30 bis 15.15 Uhr.[4]
Siegerin Heiss kam mit deutlichem Vorsprung aus der Pflicht, so dass ihr der Sieg nicht zu nehmen war. Im Bereich an der Spitze veränderte sich nichts an dem nach der Pflicht gegebenen Klassement.[5]

Paare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Name Nation Punkte Bewertung
1 Barbara Wagner / Robert Paul Kanada 1957Kanada Kanada 80,4 7
2 Marika Kilius / Hans-Jürgen Bäumler Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft Deutschland 76,8 19
3 Nancy Ludington / Ronald Ludington Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 76,2 27,5
4 Maria Jelinek / Otto Jelinek Kanada 1957Kanada Kanada 75,9 26
5 Margret Göbl / Franz Ningel Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft Deutschland 72,5 36
6 Nina Schuk / Stanislaw Schuk Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion 72,3 38
7 Rita Blumenberg / Werner Mensching Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft Deutschland 70,2 53
8 Diana Hinko / Heinz Döpfl OsterreichÖsterreich Österreich 69,8 54,5
9 Ljudmila Beloussowa / Oleg Protopopow Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion 68,6 54,5
10 Maribel Owen / Dudley Richards Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 67,5 69
11 Ila Ray Hadley / Ray Hadley Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 65,7 78
12 Jacqueline Mason / Marvyn Bower AustralienAustralien Australien 63,7 83
13 Marcelle Matthews / Gwyn Jones Sudafrika 1928Südafrikanische Union Südafrikanische Union 63,6 85,5

Olympiasieger 1956: OsterreichÖsterreich Sissy Schwarz / Kurt Oppelt – beide Karriere beendet / Weltmeister 1959: Barbara Wagner und Robert Paul (CAN) / Europameister 1960: Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler (FRG)
Die Leistungen wurden von sieben Wertungsrichtern beurteilt.

Am 19. Februar ab 10:30 Uhr fiel die Entscheidung im Paarlauf. Die Weltmeister der letzten drei Jahre waren an Reife und Klasse überlegen. Einige Paare, darunter Kilius/Bäumler und Blumenberg/Mensching, litten unter Atembeschwerden, letzteren musste Sauerstoff zugeführt werden. Das österreichische Paar Hinko/Döpfl musste bei keinesfalls einwandfreien Bedingungen (Sonneneinstrahlung) laufen.[6][7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. »Das Programm der Winterspiele«; »Sport-Zürich« Nr. 20 vom 17. Februar 1960, Seite 3, Spalte 2
  2. Was heute geschieht. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 26. Februar 1960, S. 10.
  3. Felsinger gab auf. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 27. Februar 1960, S. 10.
  4. »Das Programm der Winterspiele«; »Sport-Zürich« Nr. 20 vom 17. Februar 1960, Seite 3, Spalte 2
  5. Regine Heitzer lief eine famose Kür. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 25. Februar 1960, S. 9.
  6. Das Programm mit Bild und mit Funk. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 18. Februar 1960, S. 10.
  7. Olympiasieger ohne Nervosität: Wagner-Paul. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 21. Februar 1960, S. 31.