Omagua

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Dieser Artikel handelt vom Volk der Omagua. Für die Höhenzone siehe Omagua (Regenwald).

Die Omagua oder Karijona (auch Umawa, Umaua, Umanas oder Cambebas genannt, sowie auch „Flachköpfe“) sind bzw. waren eine südamerikanische Ethnie am Marañón und Amazonas in Peru sowie im westlichen Grenzgebiet Brasiliens.

Die Omagua sind auch unter dem Namen Guaques und heute unter dem Namen Karijona bekannt. Omagua oder Umawa ist der Name, der diesen Carib-Völkern von den traditionell mit ihnen verfeindeten Arawak-Völkern beigelegt wurde, und bedeutet in der Sprache der Arawak „die Kröten“. Sie selbst bezeichnen sich als Karijona.[1] Die von Europäern verwendete Bezeichnung „Flachköpfe“ rührte daher, dass die Omagua nach Berichten von Chronisten ihren Säuglingen Bretter vor den Kopf banden, damit der Kopf eine entsprechend flache, nach ihrem Empfinden „schöne“ Form bekäme.

Im 16. Jahrhunderts lockten Gerüchte über den sagenhaften Reichtum der Omagua Abenteurer aus Europa an, darunter 1529 Nikolaus Federmann und 1536 Georg von Speyer als Vertreter der Welser, in den 1540er Jahren Gonzalo Pizarro und Philipp von Hutten und 1560 Pedro de Ursúa.

1645 begannen die Jesuiten mit der Missionierung und errichteten in Stromnähe über 30 Missionen, die zuletzt von dem böhmischen Missionar Samuel Fritz betreut wurden, der sich seit 1685 als „Medizinmann“ bei den Cambebas aufhielt. Infolge der Übernahme des Gebietes durch die Portuguiesen in den ersten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts mussten die Jesuitenreduktionen allerdings aufgegeben werden und die Siedlungen verschwanden.[2]

Die Omagua waren zur Zeit der Conquista eines der größten Völker Amazoniens. Sie sind heute weitgehend in der mestizischen Bevölkerung aufgegangen. In den 1970er Jahren führte der bayerische Ethnologe Helmut Schindler Feldforschungen bei der letzten verbliebenen, damals etwa 150 Menschen zählenden Omagua-Gruppe durch und zeichnete die Mythen dieses Stammes auf.[1]

Archäologisch bedeutsam sind Funde von Felszeichnungen der Chiribiquete-Kultur im heutigen kolumbianischen Nationalpark Chiribiquete, die wahrscheinlich zur Völkergruppe der Omagua gehörte. Viele der Figuren tragen für Omagua-Trachten typische, eng anliegende Bauch- und Brustgürtel.[3]

Die Omagua-Sprache wird laut SIL International heute von weniger als 100 Menschen am Amazonas bei Iquitos (Peru) gesprochen. In Brasilien ist sie wahrscheinlich schon ausgestorben. Die Sprache gehört zu den Tupi-Guaraní-Sprachen und ist mit der ebenfalls fast ausgestorbenen Sprache der Cocama am nächsten verwandt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jörg Denzer: Die Konquista der Augsburger Welser-Gesellschaft in Südamerika 1528–1556. München 2005, ISBN 978-3406534843, S. 180.
  2. Robert u. Evamaria Grün (Hrsg. u. Bearb.): Die Eroberung von Peru. Pizarro und andere Conquistadoren 1526–1712. Die Augenzeugenberichte von Celso Gargia, Gaspar de Carvajal und Samuel Fritz. Tübingen 1973, S. 291–330 (zuletzt neu aufgelegt von Evamaria Grün (Hrsg.): Stuttgart/Wien 1996, ISBN 3-522-61330-9).
  3. Jörg Denzer: Die Konquista der Augsburger Welser-Gesellschaft in Südamerika 1528–1556. München 2005, S. 179.