Omalizumab

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Omalizumab
Masse/Länge Primärstruktur 145,1 kDa
Bezeichner
Externe IDs
Arzneistoffangaben
ATC-Code R03DX05
DrugBank BTD00081
Wirkstoffklasse Monoklonaler Antikörper

Omalizumab (Handelsname: Xolair®, Hersteller: Novartis) ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper gegen Immunglobulin E (Anti-IgE) zur Behandlung von schwerem allergischen Asthma bronchiale und für die Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria. Er bindet und neutralisiert als Anti-Antikörper die für die Auslösung der allergischen Reaktion verantwortlichen Antikörper vom IgE-Typ. Die Herstellung erfolgt in einer Zelllinie aus dem Ovar des chinesischen Hamsters (CHO-Zellen).

Indikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA ist es zur Behandlung von moderatem bis schwerem persistierenden allergischen Asthma bronchiale seit Juli 2003 verschreibungsfähig, in Deutschland wurde der Wirkstoff nur zur Behandlung des schweren allergischen Asthmas im Oktober 2005 zugelassen. Die Anwendung soll nur dann erfolgen, wenn Patienten trotz Therapie mit einem langwirksamen β2-Sympathomimetikum kombiniert mit hoch dosierten inhalativen Glucocorticoiden mehrere schwere Asthmaanfälle im Jahr haben. Momentan werden in den USA ca. 50.000, in Frankreich 3.500 und in Deutschland 1.500 Patienten mit diesem Medikament behandelt. Seit September 2009 ist Omalizumab in der EU auch zur Behandlung von Kindern ab 6 Jahren zugelassen.[1]

In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass Omalizumab auch eine gute Wirksamkeit bei Urtikaria zeigt, welche durch die bisherige Therapie oft nur wenig zufriedenstellend behandelt werden konnte.[2] Seit 2014 ist Omalizumab in der EU als Zusatztherapie für die Behandlung einer chronischen spontanen Urtikaria bei Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren) mit unzureichendem Ansprechen auf H1-Antihistaminika zugelassen.[3]

Dosierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allergisches Asthma: Alle 2–4 Wochen 75–600 mg subcutan in Abhängigkeit von Körpergewicht und Gesamt-IgE, welches vorher zu bestimmen ist. Wird ein Therapieerfolg auch nach 16 Wochen Anwendung nicht erreicht, soll die Therapie mit Omalizumab abgebrochen werden.[4]

Chronische spontane Urtikaria: Alle 4 Wochen 300 mg subcutan

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Omalizumab bindet als "Anti-Antikörper" an freies IgE und bildet so Komplexe, die in der Kaskade der Allergieauslösung unwirksam sind. Die Bindung des IgE an Mastzellen wird vermindert und die Freisetzung allergiefördernder Mediatoren (Histamin und Leukotriene) geht zurück. Unter der Anwendung sinkt die Konzentration an freiem IgE um über 90 %.[5]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokalreaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nebenwirkungen sind Schmerzen minimal erhöht im Vergleich zu Placebogabe, aber deutlich vermehrt schwerwiegendere Reaktionen an der Einstichstelle wie Schwellungen, Hautausschläge, Juckreiz aber auch Kopfschmerzen beschrieben.

Allergien, Anaphylaxie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders beachtenswert sind lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen, die zum Teil mehr als 24 Stunden nach der Injektion, sowohl nach der ersten, als auch nach späteren Anwendungen (auch nach mehr als einem Jahr) beobachtet wurden. Die Gesamthäufigkeit wird anhand von UAW-Meldungen in den USA auf 0,2 % geschätzt. Diese Symptome können binnen Minuten, Stunden oder Tagen nach Injektion von Omalizumab einsetzen: 35 % der Reaktionen traten bis zu 30 Minuten nach Injektion auf, in 14 % zwischen 6 und 12 Stunden, immerhin noch in 5 % der Fälle im Bereich von 1 bis 4 Tagen. In 39 % erschien die Reaktion bei der Erstdosis, in 19 % bei der zweiten und 10 % bei der dritten Gabe, die restlichen 32 % zu späteren Zeitpunkten. Eine Wiederholung der Anwendung des Wirkstoffes nach einer Anaphylaxie ist besonders gefährlich. Bei 18 von 23 reexponierten Personen treten erneut zum Teil schwerere anaphylaktische Symptome auf.[6]

Mögliche Symptome einer solchen Anaphylaxie sind Bronchospasmen, Blutdruckabfall, Synkopen (plötzlich einsetzender, kurz andauernder Bewusstseinsverlust), Nesselsucht, Angioödem, Atemnot, generalisierter Juckreiz u. a. Nach einer Empfehlung der Food and Drug Administration (Gesundheitsbehörde der USA) sollen die Patienten eine gewisse Zeit nach der Injektion ärztlich überwacht werden.[7] Eine deutsche Expertenrunde weist darauf hin, dass bei Patienten mit Urtikaria bislang keine Anaphylaxie nach Omalizumab Gabe aufgetreten ist, empfiehlt aber dennoch eine Nachbeobachtung des Patienten in der Praxis analog zur Hyposensibilisierung, also mindestens 30 Minuten.[8] Die Ursachen der anaphylaktischen und anaphylaktoiden (Spät-)Reaktionen sind noch unklar, konkrete Langzeitstudien fehlen noch.

Maligne Tumoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ursprünglich in einem zusammenfassenden Bericht der FDA im November 2009[9] ausgegebene Warnung bezüglich vermehrter Tumorbildung unter Therapie mit Omalizumab im Vergleich zu Placebogabe wurde inzwischen zurückgenommen, da in einer großen Studie mit über 7000 Patienten kein erhöhtes Risiko für Tumoren festgestellt werden konnte.[10]

Weitere Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An weiteren Nebenwirkungen traten teilweise ausgeprägte Blutbildveränderungen (Thrombopenien) und Haarausfall auf. Auch ist die Infektionsrate mit Würmern (Helminthen) erhöht, da IgE bei der Abwehr von Wurminfektionen beteiligt ist.

Sonstige Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Durchstechflasche mit 150 mg kostet in Deutschland ca. 530 €.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. C. Strunk, G. R. Bloomberg: Omalizumab for asthma. N Engl J Med. (2006) 354(25): S. 2689–2695, PMID 16790701
  • R. Y. Lin et al.: Omalizumab-associated anaphylactic reactions reported between January 2007 and June 2008. Ann Allergy Asthma Immunol. (2009) 103(5): S. 442–445, PMID 19927545

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung Novartis
  2. Maurer M et al.: Omalizumab for the Treatment of Chronic Idiopathic or Spontaneous Urticaria. doi:10.1056/NEJMoa1215372
  3. Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: Pharmazeutische Zeitung online: Urtikaria: Eins, vier, Oma. Abgerufen am 15. Juni 2017 (deutsch).
  4. J. Jones et al.: Omalizumab for the treatment of severe persistent allergic asthma. Health Technol Assess. (2009) 13 Suppl 2: S. 31–39, PMID 19804687
  5. Fachinformation zu Xolair bei open drug database.
  6. Information for Healthcare Professionals: Omalizumab (FDA).
  7. FDA Warnhinweis Anaphylaxie (PDF; 36 kB)
  8. Christian Termeer, Petra Staubach, Hjalmar Kurzen, Klaus Strömer, Rolf Ostendorf: Chronic spontaneous urticaria – a management pathway for patients with chronic spontaneous urticaria. In: JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Band 13, Nr. 5, 1. Mai 2015, ISSN 1610-0387, S. 419–428, doi:10.1111/ddg.12633 (wiley.com [abgerufen am 15. Juni 2017]).
  9. Slides for the November 18, 2009 Meeting of the Pulmonary-Allergy Drugs Advisory Committee - Folie Nrn. 8 f (PDF; 1,5 MB).
  10. Aidan Long, Abdelkader Rahmaoui, Kenneth J. Rothman, Eva Guinan, Mark Eisner: Incidence of malignancy in patients with moderate-to-severe asthma treated with or without omalizumab. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology. Band 134, Nr. 3, 1. September 2014, ISSN 0091-6749, S. 560–567.e4, doi:10.1016/j.jaci.2014.02.007 (elsevier.com [abgerufen am 15. Juni 2017]).
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!