Omid Nouripour

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Omid Nouripour (2014)

Omid Nouripour (persisch امید نوری پور [omiːd ɛ nuːriːˈpuːr]; * 18. Juni 1975 in Teheran, Iran) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) und Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB). Er besitzt neben der deutschen auch die iranische Staatsangehörigkeit.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Eltern Nouripours sind Luftfahrt-Ingenieure, die Mutter ist außerdem Biologin und der Vater Volkswirt.[1] Im August 1988 verließen sie mit den Kindern den Iran und gingen nach Frankfurt am Main, wo sie in den 1970er-Jahren als Touristen eine Wohnung erworben hatten. Ein Anlass der Übersiedlung war Omid Nouripours Alter von 13 Jahren, da er wegen des laufenden Ersten Golfkrieges mit 14 Jahren nicht mehr hätte ausreisen dürfen; außerdem war ein Onkel hingerichtet, ein anderer im Krieg durch Giftgas verletzt und seine Schwester bereits einmal verhaftet worden.[2]

In Frankfurt erlangte er 1996 das Abitur an der Bettinaschule. Bereits im Iran hatte er angefangen, Deutsch zu lernen.[2] Anschließend begann er ein Studium der Deutschen Philologie mit den Nebenfächern Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das er 1997 um ein Zweitstudium der Soziologie, Philosophie und Volkswirtschaftslehre ergänzte. Beide Studiengänge schloss er nicht ab, nachdem er 2002 hauptamtliches Mitglied im Bundesvorstand der Grünen geworden war. Dennoch wurde er in der Biografie des Bundestages als „Promovent [sic!] der Germanistik“ geführt, was ihm in der Bild-Zeitung am 21. November 2008 den Titel „Verlierer des Tages“ eintrug.[1] Er selbst widerrief danach in einer persönlichen Erklärung die quasi-akademische Bezeichnung als „Fehler“ und als „veralteten biografischen Eintrag“.

Nouripour besitzt neben der iranischen Staatsangehörigkeit seit 2002 auch die deutsche. Auf erstere würde er nach eigener Angabe verzichten, doch würde sein Heimatstaat Staatsbürger nicht entlassen.[2] In seiner Freizeit tritt er manchmal als Rapper unter dem Namen „MC Omid“ auf.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1996 ist er Mitglied bei den Grünen. Er engagierte sich zunächst in der Grünen Jugend, deren hessischer Landesvorsitzender er von 1999 bis 2003 war, und bei der Migranteninitiative ImmiGrün. In dieser Zeit gehörte er auch dem Landesvorstand der Grünen in Hessen an. Von 2002 bis 2010 war er Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft MigrantInnen und Flüchtlinge.

Auf der Bundesdelegiertenkonferenz am 8. Dezember 2002 wurde Nouripour gemeinsam mit Katja Husen als Beisitzer in den Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Ende 2004 wurde er in Kiel wiedergewählt. Am 2. Dezember 2006 trat er nicht wieder an, und Malte Spitz wurde sein Nachfolger.

Nouripour war Mitglied der Rechtsextremismus-Kommission des Bundesvorstands von Bündnis 90/Die Grünen.[3]

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. September 2006 rückte er für den ausgeschiedenen Abgeordneten Joschka Fischer über die Landesliste Hessen in den Bundestag nach. Dort war er zunächst Mitglied im Europaausschuss und von 2008 bis zur Bundestagswahl 2009 Mitglied im Haushalts- und Verteidigungsausschuss.

Von 2009 bis 2013 war Nouripour sicherheitspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Seit der Bundestagswahl 2013 ist er außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Zudem ist er ordentliches Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss und im Unterausschuss für Auswärtige Kulturpolitik.

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Islamischer Staat

Im September 2014 sprach sich Nouripour für Luftschläge gegen den Islamischen Staat aus, lehnte hingegen Waffenlieferungen an die Kurden ab.[4]

Ukraine

Nouripour unterstützt im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die er als sinnvoll und notwendig bezeichnet. Zudem spricht er sich für eine EU-Beitrittsperspektive für die Ukraine aus.[5]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nouripour ist Mitglied des Vorstandes der Atlantik-Brücke[8] sowie Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag. Zudem ist Nouripour Beisitzer im Vorstand der Deutschen Atlantischen Gesellschaft.[9] Bis Februar 2014[10] saß er mehrere Jahre lang im Beirat des Forums für interkulturellen Dialog e. V. (FID),[11] dessen Ehrenvorsitzender der islamische Prediger Fethullah Gülen ist. Er ist Vorsitzender des bundesAdler e. V., des Fanclubs von Eintracht Frankfurt im Deutschen Bundestag, dessen Gründung er maßgeblich initiierte.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Omid Nouripour – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Markus Wehner: Deutsche Spitzenpolitiker verschleiern ihre Studienabbrüche. FAZ.net, 13. Mai 2013, abgerufen am 8. Februar 2018.
  2. a b c Eigene Angaben im Interview mit Jung & Naiv (Folge 351) am 15. Januar 2018.
  3. Vita auf Nouripours Website.
  4. Isis lässt sich nur militärisch stoppen. In: n-tv Online, 11. Sept 2014.
  5. Politische Mittel noch nicht ausgeschöpft. In: Deutschlandfunk, 4. Sept 2014.
  6. Verlagsseite zum Buch.
  7. Verlagsseite zum Buch.
  8. Website der Atlantik-Brücke e. V.@1@2Vorlage:Toter Link/www.atlantik-bruecke.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Unser Vorstand. Vorstand (Beisitzer). Website Deutsche Atlantische Gesellschaft. Abgerufen am 17. Oktober 2012.
  10. Stefan Toepfer: Distanz zu Verein der Gülen-Bewegung wächst. Zitat: „Nouripour hat seine Arbeit im Beirat des Vereins niedergelegt, (…)“. FAZ.net, 15. Februar 2014, abgerufen am 8. Februar 2018.
  11. Beirat. Website des FID e. V. Abgerufen am 16. September 2013.
  12. Adler im Bundestag: Ein Interview mit Omid Nouripour. sde4ever.de, 23. September 2016, abgerufen am 8. Februar 2018.