One Belt, One Road

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Grün: Volksrepublik China
Blau: Länder des Silk Road Economic Belts
Orange: Länder der Maritime Silk Road
Karte der sechs Landkorridore (schwarz) und der Maritime Silk Road (blau)
(Rot: China,
Orange: Mitglieder der AIIB)
Das Netz der "alten", antiken Seidenstrasse (1. Jahrhundert n. Christus, Bezeichnungen lateinisch)

Das Projekt One Belt, One Road (OBOR, chinesisch 一帶一路 / 一带一路, Pinyin Yídài Yílù ‚Ein Band, Eine Straße‘) bündelt seit 2013 die Interessen und Ziele der Volksrepublik China unter Staatspräsident Xi Jinping zum Auf- und Ausbau interkontinentaler Handels- und Infrastruktur-Netze zwischen der Volksrepublik und zusammen 64 weiteren Ländern Afrikas, Asiens und Europas. Die Initiative bzw. das Gesamtprojekt betrifft u. A. rund 62 % der Weltbevölkerung und ca. 35 % der Weltwirtschaft.[1][2]

Umgangssprachlich wird das Vorhaben auch „Belt and Road Initiative“ (B&R, BRI) bzw. ebenso wie das Projekt Transport Corridor Europe-Caucasus-Asia (TRACECA) auch „Neue Seidenstraße“ (新絲綢之路 / 新丝绸之路, Xīn Sīchóuzhīlù) genannt. Es bezieht sich auf den geografischen Raum des historischen, bereits in der Antike genutzten internationalen Handelskorridors "Seidenstraße"; zusammengefasst handelt es sich um zwei Bereiche, einen nördlich gelegenen zu Land mit sechs Bereichen unter dem Titel Silk Road Economic Belt und einen südlich gelegenen Seeweg namens Maritime Silk Road.

Silk Road Economic Belt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Silk Road Economic Belt ("Seidenstrassen-Wirtschaftsgürtel", 絲綢之路經濟帶 / 丝绸之路经济带, Sīchóuzhīlù Jīngjìdài) erstreckt sich zu Land von verschiedenen Bereichen Chinas aus über Süd-, West- und Zentralasien mit Ländern wie Iran, Türkei, Pakistan und West-Russland nach Mittel- und Westeuropa.

Landkorridore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wesentliche Bestandteile des Landwegs sind sechs internationale, an ökonomischen Gesichtspunkten orientierte Kooperationskorridore, die schrittweise entwickelt werden sollen:[3][2]

China – Pakistan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 62 Mrd.-US-Dollar-Projekt CPEC mit der Querung von Pakistans Landmitte zwischen dem ca. 4.700 m hoch gelegenen Kunjirap-Pass und der am Arabischen Meer gelegenen Hafenstadt Gwadar, teils auf dem Karakorum Highway wird als ambitioniertester Teil des Projekts bewertet.[4][5][6]

China – ZentralasienWestasien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz nach dem Wiederausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran im Mai 2018 nahm China eine neue über 8.350 km lange Eisenbahnverbindung zwischen dem nordchinesischen Bayan Nur (Innere Mongolei) und der iranischen Hauptstadt Teheran in Betrieb: Der erste Zug lieferte 1.150 Tonnen Sonnenblumenkerne und sollte die Verbindung in 15 Tagen bewältigen, mindestens 20 Tage weniger als die notwendige Spanne zur See.[7][8]

Neue eurasische Landbrücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Route der "Neuen Eurasischen Landbrücke" führt durch China, Kasachstan, Russland (Moskau), die Ukraine und die Slowakei bis nach Österreich. An der ukrainisch-slowakischen Grenze wird von der Eisenbahn-Breit- auf Normalspur gewechselt.[9] Ende April 2018 traf der erste direkte Güterzug zwischen China (Chengdu) und Österreich nach der Fahrt von über 9.800 km und 14 Tagen (und damit ca. vier Wochen schneller als über den Seeweg) mit 44 Containern u. A. mit Elektronik-Bauteilen, LED-Lampen und Schlafsäcken in Wien ein.[10]

Einzelprojekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentralasien- bzw. Turkmenistan-China-Gaspipeline

Maritime Silk Road[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan in der Ausstellungshalle von Shenzhen:
In Venedig endet der Seekorridor, in Rotterdam bzw. London, Lyon oder Madrid[2] einer der Landkorridore

Südlich von China erstreckt sich der größte Teil der Maritime Silk Road (海上絲綢之路 / 海上丝绸之路, Hǎishàng Sīchóuzhīlù, auch "21st Century Maritime Silk Road", dt. "Maritime" bzw. "Seidenstrasse zur See"), die dem Silk Road Economic Belt entsprechend den Seehandel ausdehnen soll. Hier sind umfangreichste Infrastrukturmaßnahmen geplant bzw. in Arbeit, die China und ganz Südostasien auf dem Seeweg mit dem Mittleren Osten, Ostafrika und Europa verbinden sollen.[17][18]

Dieser Bereich verläuft mit seinen Anknüpfungen von der chinesischen Küste nach Süden über Hanoi weiter nach Jakarta, Singapur und Kuala Lumpur durch die Straße von Malakka über das srilankesische Colombo gegenüber der Südspitze Indiens über Malé, die Hauptstadt der Malediven,[18] zum ostafrikanischen Mombasa, von da aus nach Dschibuti,[19] dann durch das Rote Meer über den Sueskanal in's Mittelmeer, dort über Athen bis in den oberadriatischen Raum zum norditalienischen Venedig.[1]

An der maritimen Seidenstraße liegen die 2017 bedeutendsten und größten Containerhäfen weltweit wie die von Shanghai, Singapur, Shenzhen, Ningbo-Zhoushan, Busan, Hongkong, Guangzhou, Qingdao, Dubai, Tianjin, Port Klang, Xiamen, Kaohsiung, Dalian, Tanjung Pelepas und Laem Chabang. Neben den Vernetzungen mit Japan, China, Südkorea, Südostasien, Indien und Pakistan sollen auch die wirtschaftlichen Entwicklungen in und mit Afrika nach chinesischen Planungen weitgehend über die maritime Seidenstraße abgewickelt werden.[20]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asiatische Infrastrukturinvestmentbank
(April 2015):
  • Unterzeichnende des Gründungsmemorandums
  • Als Gründungsmitglied (PFM) anerkannt
  • Bewirbt sich als Gründungsmitglied
  • Erwägt Bewerbung
  • Keine Bewerbung
  • Unentschieden
  • Die Finanzierung soll über den "Seidenstraßen-Fonds" und die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) erfolgen, eine ebenso wie die gleichfalls beteiligte New Development Bank der BRICS-Staaten auf chinesische Initiative neu gegründete Entwicklungsbank.[21] Das Gesamtvolumen wird auf 1,1 Billionen US-Dollar geschätzt.[22][23] China stellt zwar keine politischen Bedingungen, knüpft jedoch Kreditzusagen oftmals an die Bedingung, dass bei den Bauprojekten chinesische Firmen den Vorrang erhalten, somit kommen einheimische Unternehmen nur beschränkt zum Zuge.[24] Um dies zu erreichen, ist China bestrebt, dass die Projekte über bilaterale Abkommen geregelt werden und dass die Ausschreibungen Beschränkungen unterliegen; bei Ländern der Europäischen Union (EU) steht dies in Konflikt mit der Vorgabe zu EU-weiten öffentlichen Ausschreibungen, bei denen nicht sicher ist, dass chinesische Firmen den Zuschlag erhalten.[25]

    Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Ziele des Projekts sind für China in erster Linie:

    • Die Stabilisierung der Grenzen zu den mittelasiatischen Staaten
    • Die Entwicklung des westlichen Landesteils, insbesondere des Autonomen Gebiets Xinjiang
    • Eine Reaktion auf die amerikanischen Initiativen „Pivot to Asia“ und „New Silk Road Initiative“ von 2011 zu zeigen sowie eine Alternative zu der ursprünglich von den USA vorgeschlagenen Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP) zu bieten bzw. zu haben. 2017 sind die USA unter Donald Trump allerdings aus der TPP ausgestiegen.

    Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1990: "Neue eurasische Kontinentalbrücke"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1990 wurde eine durchgehende Bahnverbindung zwischen China und Europa eingerichtet, die „Neue eurasische Kontinentalbrücke“. Die EU beschloss 1993 den Verkehrskorridor Europa-Kaukasus-Asien (TRACECA), ein Verkehrs- und Kommunikationsprojekt, das Europa besser mit Zentralasien verbinden soll. Mit Russland, Kirgisistan, Kasachstan und Tadschikistan bildete China 1996 die „Shanghai Five“-Gruppe, die sich 2001 unter Einbeziehung Usbekistans zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit erweiterte. Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan und Belarus gründeten 2000 die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft, die vorerst ohne Tadschikistan, dafür mit Armenien 2015 in die Eurasische Wirtschaftsunion überging.

    2013: Projektpräsentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am 24./25. Oktober 2013 betonte der chinesische Staatspräsident Xi Jinping auf einem Arbeitstreffen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) die Aufwertung regionaler Wirtschaftskooperationen; dies kann als Beginn des Projekts betrachtet werden.[26] Im Herbst 2013 stellten chinesische Politiker das Projekt auf dem ASEAN-China-Gipfel in Brunei und im indonesischen Parlament in Jakarta vor.

    Im Juni 2015 wurde auf dem EU-China-Gipfel in Brüssel eine Intensivierung der Zusammenarbeit beschlossen, insbesondere beim Handel und Transport („Eurasische Landbrücke“).

    2017: "Belt and Road-Forum"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Teilnehmende am Start des "Belt-and-Road-Forums"
    Putin (links) und Xi Jinping schütteln sich die Hände

    Am Gipfeltreffen des Belt and Road Forum for International Cooperation ("Belt-and-Road-Forum für internationale Zusammenarbeit") vom 12. bis 14. Mai 2017 in Peking nahmen Vertreter von 100 Staaten sowie weitere weltweit führende Persönlichkeiten teil, darunter 29 Staats- und Regierungschefs wie Äthiopiens Premierminister Hailemariam Desalegn, der damalige griechische Präsident Alexis Tsipras, Rodrigo Duterte von den Philippinen, der tschechische Präsident Miloš Zeman, Recep Tayyip Erdoğan für die Türkei, Wladimir Putin für Russland, Najib Razak für Malaysia oder der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif,[4] außerdem z. B. die geschäftsführende Direktorin der Weltbank, Christine Lagarde.

    Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping sagte umgerechnet rund 124 Mrd. US-Dollar für OBOR zu und äusserte:[4]

    “The glory of the ancient Silk Road shows that geographical dispersion is not insurmountable”

    „Der Ruhm der alten Seidenstraße zeigt, dass geographische Streuung nicht unüberwindbar ist“

    Für Deutschland nahm die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Brigitte Zypries teil,[27] für die Schweiz ihre Bundespräsidentin Doris Leuthard,[28][29] Schatzkanzler Philip Hammond vertrat das Vereinigte Königreich.[4]

    Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Wolf D. Hartmann et al.: Chinas neue Seidenstraße. Kooperation statt Isolation - Der Rollentausch im Welthandel. Frankfurter Allgemeine Buchverlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-95601-224-2
    • Tom Miller: China's Asian Dream: Empire Building along the New Silk Road. Zed Books, Februar 2017, ISBN (Paperback) 978-1-783609239.
    • Norbert Lacher: Die Neue Seidenstraße – Geopolitik und Macht, Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, Saarbrücken 2016, ISBN 978-3-8381-5248-6

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

     Commons: One Belt, One Road – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b Visualizing China's Most Ambitious Megaproject: One Belt, One Road. Abgerufen am 17. März 2018 (amerikanisches Englisch).
    2. a b c The Silk Road Initiative | Mercator Institute for China Studies. Abgerufen am 22. Mai 2018 (englisch).
    3. Ben Bergen: Die Neue Seitenstraße. AKADS, Saarbrücken 2017. ISBN 978-3-7438-3122-3, S. 71
    4. a b c d Tom Phillips: China's Xi lays out $900bn Silk Road vision amid claims of empire-building. 14. Mai 2017, abgerufen am 19. Mai 2018 (englisch).
    5. Jon Boone: A new Shenzhen? Poor Pakistan fishing town's horror at Chinese plans. 4. Februar 2016, abgerufen am 19. Mai 2018 (englisch).
    6. Social Science Research Network (SSRN), papers.ssrn.com: What Is One Belt One Road? A Surplus Recycling Mechanism Approach (englisch, dt. "Was ist One Belt One Road? Ein Überschuss-Recycling-Mechanismus-Ansatz")
    7. Nach US-Ausstieg aus Atomabkommen: China startet neue Handelsroute mit Iran. In: Spiegel Online. 11. Mai 2018 (spiegel.de [abgerufen am 13. Mai 2018]).
    8. Neue Seidenstraße: China eröffnet Zugverbindung in den Iran. In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 18. Mai 2018]).
    9. [1]
    10. Neue Seidenstraße: Erster Direktzug aus China in Wien eingetroffen. In: Spiegel Online. 27. April 2018 (spiegel.de [abgerufen am 13. Mai 2018]).
    11. Nadine Godehardt: Chinas neue Seidenstraßeninitiative – Stiftung Wissenschaft und Politik – Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit Chinas »neue« Seidenstraßeninitiative, S. 17 – Abgerufen am 1. November 2016 – swp-berlin.org – Online
    12. Turkmenistan baut an der Seidenstraße aus - top-energy-news. In: top-energy-news. 16. März 2016 (top-energy-news.de [abgerufen am 19. Mai 2018]).
    13. Sputnik: Usbekistan nimmt Gaslieferungen durch Gaspipeline Zentralasien-China auf. Abgerufen am 19. Mai 2018.
    14. China greift nach Zentralasiens Öl und Gas. Abgerufen am 19. Mai 2018.
    15. Prof. Dr. Ralph Wrobel: "Shanghai Cooperation Organisation": Chinas neue Seidenstraße nach Zentralasien - Ostasiatischer Verein e.V. Abgerufen am 19. Mai 2018.
    16. Bundeszentrale für politische Bildung: Öl und Gas in der Kaspischen Region | bpb. Abgerufen am 19. Mai 2018.
    17. China Unveils Action Plan on Maritime Silk Road. 2015, abgerufen am 3. September 2017 (englisch).
    18. a b Bernhard Zand: The Maritime Silk Road: China's High Seas Ambitions. In: Spiegel Online. 8. September 2016 (spiegel.de [abgerufen am 19. Mai 2018]).
    19. Dietmar Pieper: Geopolitical Laboratory: How Djibouti Became China's Gateway To Africa. In: Spiegel Online. 8. Februar 2018 (spiegel.de [abgerufen am 19. Mai 2018]).
    20. zeit.de, 28. Juni 2017, Felix Lee: Chinas neuer Kontinent
    21. China-Manager Das größte Investitionsprogramm der Welt - manager magazin. In: manager magazin. (manager-magazin.de [abgerufen am 19. Mai 2018]).
    22. Stiftung Asienhaus: Alte Seidenstraße in neuem Gewand – Chinas Globalisierungsoffensive; Beilage zur taz am 28. Oktober 2016
    23. Stiftung Asienhaus: Alte Seidenstraße in neuem Gewand – Chinas Globalisierungsoffensive [2] – Abgerufen am 14. Mai 2017 – giga-hamburg.de – Online
    24. Marco Kauffmann Bossart: Eine Seidenstrasse nach Belgrad. www.nzz.ch, 17. Juni 2016, abgerufen am 2. Dezember 2017.
    25. Matthias Benz: China umgarnt die Osteuropäer mit der «neuen Seidenstrasse». www.nzz.ch, 27. November 2017, abgerufen am 2. Dezember 2017.
    26. Nadine Godehardt: Chinas neue Seidenstraßeninitiative – Stiftung Wissenschaft und Politik – Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit Chinas »neue« Seidenstraßeninitiative, S. 5 – Abgerufen am 1. November 2016 – swp-berlin.org – Online
    27. Pekinger Gipfel zur "Neuen Seidenstraße" eröffnet. In: Deutsche Welle. 12. Mai 2017, abgerufen am 14. Mai 2017.
    28. Bundespräsidentin in China – Doris Leuthard will die Freundschaft stärken. In: SRF. 13. Mai 2017, abgerufen am 14. Mai 2017.
    29. Bernhard Zand: "Neue Seidenstraße": Wie China mit 900 Milliarden Dollar die Welt erobern will. In: Spiegel Online. 14. Mai 2017 (spiegel.de [abgerufen am 27. April 2018]).