Onkolith

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Onkoide in den Oberen Burgsvik-Schichten (Silur von Gotland, Schweden), mit Schalenresten im Kern. Maßstab: Die Blume hat 2 cm Durchmesser.
Onkoide in der Alamo-Brekzie, Guilmette Formation, Frasnium, Oberdevon nahe Hancock Summit, Pahranagat Range, Nevada

Onkolithe sind sedimentäre Gesteine, die Onkoide enthalten oder sogar überwiegend von diesen aufgebaut werden. Der Begriff geht auf den Geologen Albert Heim zurück, der ihn 1916 prägte.[1]

Die Onkoide sind Produkte biogener Ausfällung, z. B. durch Algen, und sind von unregelmäßig rundlicher, oft auch kreisförmiger oder elliptischer Gestalt.[2] In ihnen umgibt eine lagig aufgebaute, konzentrisch aufgebaute Hülle, meist aus Calciumcarbonat, ein Zentrum, das manchmal aus sedimentären Teilchen wie etwa Muschelschalen besteht. Der Schalenbau kann in größeren Onkoiden unregelmäßig sein und ist an der dem Sediment aufliegenden Seite unterbrochen. Im Gegensatz zu den ähnlich aufgebauten, meist einige Millimeter großen Ooiden sind Onkolithe mit mehreren Zentimetern Durchmesser oft wesentlich größer. Sie entstehen ebenso wie Ooide in Meeres- und Seegebieten mit bewegtem Wasser, jedoch bei geringerem Sedimenteintrag.[3]

Verbreitet ist die Matrix der Onkolithe, in denen die Onkoide vorkommen, ebenfalls karbonatisch, und enthält andere biologische Reste wie Schalen und Crinoidenreste. Manche Onkolithe riechen nach dem Aufschlagen bituminös.

Onkoide sind schon aus dem Proterozoikum bekannt,[4] sie kommen jedoch auch jüngeren Gesteinen vor. Beispiele für heutige Onkoide sind etwa die Schnegglisteine des Bodensees.[2]

Rezente bzw. subrezente Süßwasser-Onkoide in der Alz (Chiemgau, Oberbayern)[Bearbeiten]

Rezenter Onkoid, Obere-Alz bei Truchtlaching
Bactroptyxis trachaea

Die Alz, der Abfluss des Chiemsees, ist ein sommerwarmes und winterkaltes sowie kalkreiches Fließgewässer, in dessen Oberlauf (Obere Alz) zwischen Seebruck und Altenmarkt an der Alz an einigen günstigen Stellen Süßwasser-Onkoide und Onkolith-Bildung (Kalkflächen bzw. Kalkklippen) vorkommen. Der Chiemsee dient dem Fluss als vorgeschalteter Puffer in Bezug auf Wasserführung (Menge) und Sedimentführung. Die saisonell bedingten Hochwasser mit starker Trübung bzw. Geschiebeführung der Tiroler Ache, zum einen bei der Schneeschmelze im Frühjahr, zum anderen bei langanhaltenden Regenperioden im Sommer, erreichen die Alz deutlich abgemildert.

Ohne diese Pufferung wäre das Wachstum der Onkoide nicht möglich, denn nur bei geeigneter Fließgeschwindigkeit, ausreichendem Licht (geringe Trübung) und hinreichender Wärme sind geeignete Bildungsbedingungen gegeben. Vor allem im obersten Teilabschnitt bis Truchtlaching (geringes Gefälle/niedrige Fliessgeschwindigkeit) sind ausgedehnte Bereiche mit Onkoiden und Onkolithen dokumentiert.[5][6]

Die auf die Kerne (Nukleus) aus fluvio-glazialen Geröllen aufwachsende Kalkschicht wird durch kalzifizierende Cyanobakterien gebildet. Schichtdicken von mehreren Zentimeter sind keine Seltenheit. Durch Auslegen von markierten Nuklei (Wachstumsexperiment) und die Beobachtung über mehrere Jahre konnte das In-situ-Wachstum der Alz-Onkoide nachgewiesen werden.[5]

Rezente bzw. subrezente Süßwasser-Onkoide in der Moosach bei Freising(Oberbayern)[Bearbeiten]

Die Moosach ist ein linker Nebenfluss der Isar und deren Quelle war ursprünglich im Bereich des Ortsteiles Moosach in München. Im Bereich von Freising ist der Flusslauf in den Isarauen parallel zur Isar und mündet in diese. Kurz vor der Mündung bei Oberhummel, zwischen den Ortschaften Hangenham und Asenkofen, ist das Vorkommen von rezenten Onkoiden (tufa onciods) in dem Begleitheft zum internationalen Kalkowsky-Symposium "Geobiology of Stromatolites", 2008 beschrieben. [7] Die Größe der rezenten Onkoide wird mit 2–15 cm angegeben. Ausdrücklich wird auf die Vergleichbarkeit der Verhältnisse wie in anderen Voralpenflüssen z.B. Alz beobachtet und dokumentiert sind, hingewiesen.[6] [5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Onkolith – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Onkoid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans Murawski: Geologisches Wörterbuch. 8. Auflage. Ferd. Emke Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-432-84108-6, S. 155.
  2. a b  Hans Füchtbauer: Sedimente und Sedimentgesteine. 4. Auflage. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1988, ISBN 3-510-65138-3, S. 300f, 757f.
  3. Mineralienatlas:Onkoid
  4. Corsetti, F.A., Awramik, S.M.; Pierce, D.: A complex microbiota from snowball Earth times: Microfossils from the Neoproterozoic Kingston Peak Formation, Death Valley, USA. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 100, Nr. 8, 15. April 2003, S. 4399–4404. doi:10.1073/pnas.0730560100. Abgerufen am 28. Juni 2007.
  5. a b c  D. Hägele: Morphogenese, Wachstum und Ökologie der modernen Süßwasser-Onkoide der Alz. Dissertation an der Fakultät für Geowissenschaften, Ludwig-Maximilians-Universität München, 2006 (Online-Version; pdf-Datei; 8,6 MB).
  6. a b  E. Rott: Der Algenaufwuchs in der Oberen Alz (Oberbayern). In: Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins in Innsbruck. 81, Innsbruck 1994, S. 229–253 (Online-Version; pdf-Datei; 7,6 MB).
  7.  N.N.: Stop 7: Tufa oncoids of the river Moosach, Molasse Basin. In: Geobiology of Stromatholites - Internationales Kalkowsky-Symposium. Göttingen 2008, S. 193–197 (Online-Version; pdf-Datei; 8,4 MB).