Oomph!

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Oomph!
Oomph! live auf dem Blackfield Festival 2010
Oomph! live auf dem Blackfield Festival 2010
Allgemeine Informationen
Herkunft Braunschweig, Deutschland
Genre(s) Neue Deutsche Härte, Crossover, Electronic Body Music (1989–1992)
Gründung 1989
Website www.oomph.de
Aktuelle Besetzung
Dero Goi alias Stephan Musiol[1]
Andreas Crap alias Thomas Döppner[2]
Gitarre, Sampling, Begleitgesang
Robert Flux alias Rene Bachmann[3]
Unterstützung bei Auftritten
Bass (1995–2001)
Tobi alias Tobias Gloge[4]
Bass, Begleitgesang (seit 2002)
Hagen alias Hagen Gödicke[5]
Keyboard, Begleitgesang (2012–2016)
El Friede
Keyboard, Begleitgesang (seit 2016)
Felix
Perkussion, Begleitgesang (seit 2012)
Okusa alias Patrick Lange
Schlagzeug, Begleitgesang (2012–2013, seit 2016)
Silvestri
Schlagzeug, Begleitgesang (2014–2016)
Martin Bode[6]
Schlagzeug, Begleitgesang (1995–2012)
Léo alias Christian Leonhardt[7]
Sänger Dero Goi bei einem Auftritt beim Nocturnal Culture Night Festival 2015.

Oomph! ist eine deutsche Rockband aus Braunschweig, die 1989 in Wolfsburg gegründet wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühen Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dero, Flux und Crap beschlossen 1989 auf einem Independent-Festival in Wolfsburg, ihre Band Oomph! zu gründen. Alle drei Mitglieder waren zuvor in anderen Projekten involviert. Flux produzierte bereits 1986 Musik unter dem Namen New Scientists (zusammen mit Uwe Kallenbach, der später die Band Syntec gründete). 1987 traten Dero und Crap, die sich bereits seit ihrer frühen Kindheit kannten, der Gruppe bei, die anschließend in Cunning Toy umbenannt wurde. Cunning Toy bildete dabei die Grundlage für die spätere Formierung von Oomph!. Der Bandname wurde von der Band in einem alten englischen Wörterbuch gefunden und bedeutet so viel wie „das gewisse Etwas“, „Sex-Appeal“,[8] „energiegeladen“ oder „Schwung“.[8] Das Ausrufezeichen ist Namensbestandteil.

Bereits zu Beginn versuchten die Musiker, elektronische und gitarrenlastige Klänge zu verbinden. Als frühe Inspirationen wurden vor allem DAF und Die Krupps genannt. Erste Aufmerksamkeit erlangte die Gruppe, als ihre frühen Aufnahmen regelmäßig in der Berliner Diskothek Linientreu gespielt wurden.[9] 1990 wurden sie schließlich von dem Produzenten Jor Mulder für das Elektro-Label Machinery Records entdeckt und unter Vertrag genommen. Mit dem gleichnamigen Debüt Oomph! konnte sich die Band hauptsächlich im EBM-Umfeld einen Namen machen. Die Musikzeitschrift Zillo wählte sie zu den Newcomern des Jahres.[10]

1992/1993 gelangten sie mit der Maxi Ich bin Du auch zu internationaler Anerkennung u. a. in den USA (Billboard) und gelangten über das dortige College-Radio auch in die Top 10 der Independent-Charts.

1993 folgten der erste US-Auftritt im ausverkauften New Yorker Club „Limelight“ und die Produktion des ersten Videoclips. Außerdem war die Gruppe für Machinery Records auf dem New Music Seminar vertreten.[11] Die Single Breathtaker wurde anschließend durch eine Zusammenarbeit mit dem Independant-Label Futurist ebenfalls in Nordamerika veröffentlicht.[12]

Auf dem zweiten Studioalbum Sperm (1994) zeigte sich – beeinflusst durch Gruppen wie Sepultura, Prong und Pantera[13] – eine starke Tendenz zum Crossover-Genre. Das Musikvideo zur Single Sex sorgte für einen ersten Skandal um die Gruppe, da es u. a. ein über 80-jähriges Paar beim Geschlechtsverkehr zeigte; eine unzensierte Fassung wurde schließlich als VHS-Kassette herausgegeben.[14] Das amerikanische Musikmagazin Billboard beschrieb die Musik seinerzeit als „Sepultura meets DAF.[15]

Das dritte Album Defekt (1995) führte den härteren Gitarrensound des Vorgängerts fort, wobei der Synthe-Sound der frühen Veröffentlichungen immer mehr in den Hintergrund trat.[16] Im Zuge der Tour wurden auch erstmals Majorlabel auf die Gruppe aufmerksam.[17] Das Musikvideo zur ausgekoppelten Single Ice-Coffin entstand bei einem erneuten Aufenthalt in New York.[18]

Die Singles und Remixe dieser ersten Bandjahre erschienen 1998 auf der Kompilation 1991–1996 The Early Works.

Weg zum Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Album Wunschkind brachte die ersten großen Erfolge in Deutschland. Obwohl sich die Band mit diesem Konzeptalbum mit Themen wie Missbrauch auseinandersetzten, wurde der Song I.N.R.I. vs .Jahwe zu einem weiteren Clubhit.[19] Die Kritiken der großen Musikzeitschriften fielen überwiegend positiv aus und verschafften der Gruppe somit landesweite Popularität.[20] Noch 1996 erschien unter dem Titel Suck-Taste-Spit ein Sampler mit den Bands Cubanate und Think About Mutation, der jedoch nur bereits veröffentlichtes Material enthielt.[21] 1997 steuerten die Musiker zusammen mit der Gruppe Such a Surge einen Remix für die B-Seite der Single Good God der amerikanischen Band Korn bei.[22] 1998 folgte der Labelwechsel zu dem Major Virgin Records in München. Noch im gleichen Jahr erschien mit Unrein das fünfte Album der Gruppe, das erstmals mit Platz 37 die deutschen Charts erreichte.[23] Die ausgekoppelten Singles Gekreuzigt und Unsere Rettung waren textlich religionskritisch, was sich auch auf den anderen Liedern des Albums widerspiegelt.[24]

Der große Durchbruch gelang 1999 mit Plastik und den Singles Das weiße Licht und Fieber (feat. Nina Hagen). Außerdem tourte die Gruppe 2001 mit der finnischen Rockband HIM.[25] Im Jahr darauf folgte die Teilnahme beim ersten europäischen Ableger des Ozzfest mit Ozzy Osbourne, Bad Religion und anderen.[26]

Im Februar 2004 landeten sie mit Augen auf! einen Nummer-eins-Hit in Deutschland. Das Album Wahrheit oder Pflicht schaffte es auf den zweiten Platz der deutschen Album-Charts und erreichte Gold-Status. Die Nachfolge-Single Brennende Liebe schaffte es ebenfalls in die deutschen Top 10. Im Dezember 2004 erhielten sie für Augen auf! Gold und wurden zudem bei der 1 Live Krone zur besten Band 2004 gewählt. Augen auf! war zudem auf dem Soundtrack des Videospiels FIFA 2005 zu finden.[27]

Im März 2006 wurden Oomph! von der vom Fernsehsender RTL übertragenen Echo Pop-Verleihung ausgeschlossen. Der Sender hatte Bedenken gegen das Lied Gott ist ein Popstar aufgrund der Diskussion um die Mohammed-Karikaturen. Auch andere Radio- und Fernsehsender weigerten sich, diesen Titel zu spielen. Im Text heißt es unter anderem „Ich geb’ euch Liebe, ich geb’ euch Hoffnung, doch nur zum Schein, denn die Massen wollen betrogen sein“.

Ebenfalls im Jahr 2006 erschienen die beiden Kompilationen Delikatessen und 1998–2001: Best of Virgin Years – Singles & Rarities. Neben den bekannten Singles und B-Seiten waren auch seltenere Stücke wie das Frankie Goes to Hollywood-Cover The Power of Love enthalten. Die Single Gekreuzigt wurde darüber hinaus als Neuaufnahme und mit einem neuen Videoclip wiederveröffentlicht. Im Jahr darauf folgte mit Rohstoff eine DVD mit einem kompletten Konzert aus der Berliner Columbiahalle. Auf einer zusätzlichen DVD waren außerdem Musikvideos, Making-of-Material und Interviews beigelegt.[28]

Am 9. Februar 2007 gewannen Oomph! zusammen mit der Die-Happy-Frontsängerin Marta Jandová für Niedersachsen den dritten Bundesvision Song Contest mit ihrer ebenfalls am 9. Februar 2007 erschienenen Single „Träumst du?“, die die Top 10 der deutschen Singlecharts erreichte. Somit fand der Bundesvision Song Contest im Jahr 2008 in Niedersachsen statt, bei dem sie als Sieger des Vorjahres einen Auftritt hatten.

Bei der Wok-Weltmeisterschaft, die am 9. März 2007 in Innsbruck stattfand, nahmen Oomph! teil. Beim ersten Lauf zog sich Dero bei einem Unfall eine Gehirnerschütterung zu. Da er daraufhin ins Krankenhaus musste, nahm die Band nicht weiter am Wettbewerb teil. Bereits im April konnten Oomph jedoch mit einem Konzert in Moskau ihren ersten Auftritt in Russland bestreiten.[29]

2008 erschien das Top-10-Album Monster, von dem das Lied Wach auf! auch als Titelsong für den Film Aliens vs. Predator 2 verwendet wurde.

2010 steuerte die Band mit Ernten was wir säen einen Titel zum Album A Tribute to Die Fantastischen Vier bei. Zudem erschien international das Best-of-Album Truth or Dare, welches erfolgreiche Songs der letzten Jahre in englischer Sprache enthält.

Am 18. Mai 2012 ist das Album Des Wahnsinns Fette Beute erschienen. Mit der gleichnamigen Europatournee ging Oomph! mit der schwedischen Rockband Blowsight auf Tournee.

Am 31. Juli 2015 erschien mit XXV zum 25-jährigen Bandjubiläum ein neues Album. Das Album konnte sich in den Top 10 der deutschen Albumcharts platzieren und wurde auf dem Wacken Open Air erstmals live vorgestellt. Im Herbst 2015 erfolgte eine Tour zusammen mit Schwarzer Engel. Auch 2016 tourte die Band mit den Jubliäumskonzerten “XXV” weiter. So spielten sie im Dezember des Jahres ihr erstes Konzert in Mexiko.[30]

Ende 2018 gastierte die Gruppe mit dem Orchester Globalis erneut in Moskau, wobei vor allem Klassiker der Bandgeschichte im Stil der klassischen Musik gespielt wurden.[31] Am 18. Januar 2019 erschien das neue Album "Ritual", welches erstmals auf Platz 1 der deutschen Albumcharts einstieg.[32] Nach einer Europatournee im März ist für den September 2019 eine ausgedehnte Tour durch Russland und die Ukraine angekündigt, u. a. mit Auftritten in Wladiwostok, Kiew und Moskau.[33]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben

Jahr Titel
Musiklabel
Produzenten
Chartplatzierungen Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH
1992 Oomph!
Machinery Records
Jor Jenka
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: Januar 1992
Katalognummer: MA 8-1
1994 Sperm
Dynamica (Machinery Records)
Jor Jenka
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 25. April 1994
Katalognummer: DY 6-2
1995 Defekt
Dynamica (Machinery Records)
Jor Jenka
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 22. Mai 1995
Katalognummer: DY 15-2
1996 Wunschkind
Dynamica (Machinery Records)
Rene Bachmann (Flux), Thomas Döppner (Crap), Stephan Musiol (Dero)
300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 21. Oktober 1996
Katalognummer: DY 21-2
1998 Unrein
Virgin Records (EMI Music)
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Stephan Musiol
37
(4 Wo.)
38
(2 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 27. Februar 1998
Katalognummer: 7243 8 45463 2 8
1999 Plastik
Virgin Records (EMI Music)
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Stephan Musiol
23
(4 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: 8. Oktober 1999
Katalognummer: 848090 2
2001 Ego
Virgin Records (EMI Music)
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Stephan Musiol
21
(6 Wo.)
60
(1 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 6. Juli 2001
Katalognummer: 7243 8 10637 2 9
2004 Wahrheit oder Pflicht
Super Sonic (Sony Music)
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Stephan Musiol
2
PlatinPlatin

(22 Wo.)
2
(17 Wo.)
7
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Februar 2004
Verkäufe: + 200.000
Katalognummer: 82876589372
2006 GlaubeLiebeTod
GUN Records (Sony Music)
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Stephan Musiol
5
GoldGold

(21 Wo.)
16
(9 Wo.)
23
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 24. März 2006
Verkäufe: + 100.000
Katalognummer: 82876 80833 2
2008 Monster
GUN Records (Sony Music)
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Stephan Musiol, Christian Wolff
8
(9 Wo.)
19
(5 Wo.)
27
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 22. August 2008
Katalognummer: 88697 283712
2012 Des Wahnsinns fette Beute
Columbia Records (Sony Music)
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Stephan Musiol
15
(2 Wo.)
41
(1 Wo.)
71
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Mai 2012
Katalognummer: 88697636612
2015 XXV
Airforce1 (Universal Music)
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Simon Michael, Stephan Musiol
10
(3 Wo.)
42
(1 Wo.)
59
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 31. Juli 2015
Katalognummer: 06025 4739529
2019 Ritual
Napalm Records
Rene Bachmann, Thomas Döppner, Chris Harms, Stephan Musiol
1
(8 Wo.)
12
(1 Wo.)
24
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Januar 2019
Katalognummer: 840588118946

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephan Musiol/Dero Goi bei Discogs
  2. Thomas Döppner/Andreas Crap bei Discogs
  3. Rene Bachmann/Robert Flux bei Discogs
  4. Tobias Gloge bei Discogs
  5. Hagen Gödicke bei Discogs
  6. Martin Bode bei Discogs
  7. Christian Leonhardt bei Discogs
  8. a b pons de-en, Stichwort oomph abgerufen 6. Juni 2015
  9. Liner Notes zur Neuauflage von Oomph!, 2019
  10. Porträt auf laut.de
  11. Fernsehbeitrag von New Rock TV
  12. Eintrag bei discogs.com
  13. Uwe Rothhämel: Interview mit Oomph! In: New Life Soundmagazine, Heft 5/94, Seite 7, Mai 1994
  14. Rezension von tongues of destruction
  15. New Life Soundmagazine, Heft 5/94, Seite 23, Mai 1994
  16. Rezension des Rock Hard
  17. mucke-und-mehr.de: Interview mit Oomph!, 1998 (Memento des Originals vom 15. August 2012 auf WebCite) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mucke-und-mehr.de
  18. Fernsehinterview des MDR
  19. Pressetext von Napalm Records
  20. Rezension des Rock Hard
  21. Eintrag zu Suck-Taste-Spit bei discogs.com
  22. Eintrag zu Good God bei discogs.com
  23. Chartplatzierungen in Deutschland
  24. burnyourears.de: Interview mit Crap, 2007
  25. Bandchronologie
  26. Konzertkritik der Visions
  27. Playlist zu FIFA 2005
  28. Rezension zu Rohstoff von laut.de
  29. Eintrag auf setlist.fm
  30. Eintrag bei Bandsintown
  31. Konzertankündigung bei inyourpocket.com
  32. Angekündigt auf der Bandseite und Trailer mit Ankündigung auf dem YouTube-Kanal von Napalm Records. Je abgerufen am 17. November 2018.
  33. Tourneedaten der Bandhomepage

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sonic Seducer (Hgg.): Oomph! Chronik. Oberhausen, Thomas Vogel Media, 2017, ISBN 3958970699.
  • Wolf-Rüdiger Mühlmann: Letzte Ausfahrt: Germania – Ein Phänomen namens Neue Deutsche Härte. Berlin, Iron Pages Verlag Jeske & Mader, 1999, ISBN 3-931624-12-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oomph! – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien