Opel Blitz 3,6 (Wehrmacht)

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Der Opel Blitz 3,6 ist ein Lkw mit 3 Tonnen Nutzlast der Adam Opel AG. Das Fahrzeug aus dem „Blitz“-Lkw-Programm wurde für die Wehrmacht bis August 1944 im Opelwerk Brandenburg und danach bis Kriegsende im Werk Mannheim von Daimler-Benz produziert.

Modellhistorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1930 baute Opel in Rüsselsheim unter der populären Marke „Opel Blitz“ erfolgreich leichte Lkw mit Nutzlasten bis zu 3 Tonnen. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde vor allem der 3-Tonner Blitz 3,6-36 S (3,6 Liter Hubraum; 3,6 Meter Radstand; Standard = Hinterradantrieb) zum meistgenutzten Lastwagen der Wehrmacht, wobei durch Requisition auch zivile Fahrzeuge eingesetzt wurden.

Die Adam Opel AG wurde im Oktober 1940 mit der kriegsbedingten Einstellung der Produktion aller ziviler Pkw auferlegt, ihre Fertigung voll auf die Herstellung von Lkw und anderer Rüstungsgüter zu konzentrieren. Zudem waren bereits am 1. Januar 1940 die deutschen Lkw-Hersteller – darunter auch Opel als deutsche Tochter des US-amerikanischen General Motors-Konzerns - angewiesen worden, sich anstelle der bisherigen großen Typenvielfalt auf die Fertigstellung von Einheits-Lkw mit einer Nutzlast von 3 t zu konzentrieren, denn durch Standardisierung und Vereinfachung sollten kriegswichtige Ressourcen wirksamer genutzt und durch Vereinheitlichung der Ersatzteile die Versorgung und Instandsetzung vor allem für die Truppe an der Front vereinfacht werden. Der „Opel Blitz 3,6“ passte nahezu ideal in dieses Anforderungsprofil.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Montage der Lkw „Blitz“ 3,5 (2 bzw. 2,5-Tonner mit flachem Kühlergrill) im neuen Opel-Lkw-Werk in Brandenburg an der Havel, 1936

Bis 1937 waren die größeren Opel-Lkw (Blitz 3,5) mit dem seitengesteuerten Sechszylinder-Ottomotor des GM-Modells Buick Marquette mit 3,5 Litern Hubraum und 68 PS Leistung motorisiert. Danach kam der neu konstruierte 3,6-Liter-OHV-Sechszylinder mit 75 PS aus dem Opel Admiral zum Einsatz. Für einen günstigeren Drehmomentverlauf im militärischen Einsatz wurde dieser Motor auf 68 PS gedrosselt. Der Blitz 3,6-42 S hatte einen größeren Radstand von 4,2 Metern. Ab Juli 1940 ging der Blitz 3,6-6700 A mit Allradantrieb in die Fertigung. Die Typen wurden mit verschiedenen Aufbauten (Pritsche mit/ohne Plane, Kofferwagen, Bus) versehen. Zivile Lkw wurden meist mit „Holzvergaser“ ausgerüstet; das knappe Motorenbenzin (Ottokraftstoff) blieb dem Militär vorbehalten. Karosserie und Aufbauten der Fahrzeuge wurden bei zunehmender Rohstoffknappheit stetig vereinfacht; so wurden flachere Kotflügel und in den von Daimler-Benz als Lizenzbau gefertigten „Blitz“ schließlich das aus Holz gefertigte „Einheitsfahrerhaus“ verwendet.

Weiter verbreitet war auch der Blitz 2,5-32 mit 3,2 Metern Radstand und 1,5 Tonnen Nutzlast, der von 1938 bis 1942 im Werk Rüsselsheim unter Verwendung des 2,5-Liter-Motors mit 55 PS des Opel Super 6 bzw. Opel Kapitän gebaut wurde.[1]

Die Blitz 3,5/3,6 wurden dagegen im Opelwerk Brandenburg hergestellt. Das 1935 gezielt für die kriegswichtige Lkw-Produktion neu gebaute Werk erreichte im Juli 1944 das Produktionsmaximum von 2600 Stück; allerdings wurde die Fabrik am 6. August 1944 durch einen Luftangriff der Royal Air Force so schwer getroffen, dass die Lkw-Fertigung zum Erliegen kam und nicht wieder aufgenommen wurde.[2] Daimler-Benz war kurz zuvor angewiesen worden, die Produktion des eigenen Mercedes L 3000 einstellen und stattdessen in Lizenz den Opel Blitz 3,6 zu fertigen. Im Werk Mannheim stellte Daimler-Benz weitere 3500 Lkw her, bis auch dort Bombenangriffe die Produktion zum Erliegen brachten. Nach Kriegsende baute Daimler-Benz in Mannheim von Juni 1945 bis Juni 1949 den Lkw ohne jegliche Herstellerbezeichnung als L 701 weiter. Eine Produktion bei Borgward wurde durch den alliierten Luftangriff vom 12. Oktober 1944 auf das Werk in Bremen-Sebaldsbrück verhindert.

Ein Zivilfahrzeug dieses Typs mit Holzvergaser ist im Auto- und Technikmuseum Sinsheim ausgestellt.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Opel Blitz S ohne Allradantrieb wurde wegen seines guten Fahrverhaltens von der Wehrmacht als geländegängiger Lkw eingestuft. Die Fahrzeuge erwiesen sich im Einsatz als äußerst zuverlässig, hatten ein ausgezeichnetes Gewichts-/Nutzlast-Verhältnis und genügten den Kriegseinsatzbedingungen in Westeuropa voll und ganz.

In Osteuropa waren das schlecht ausgebaute Straßennetz und vor allem die langen Schlammperioden (russisch распу́тицаRasputiza“ - Wegelosigkeit) im Frühjahr und Herbst selbst für die allradgetriebenen Blitz A und deren Fahrer eine große Herausforderung. Neben Klöckner-Deutz und Ford baute das Opelwerk Brandenburg ab 1943 den „Lkw Gleiskette 2 t“. Die Halbkettenfahrzeuge (Sd.Kfz. 3a - Blitz S mit einem Kettenlaufwerk statt der Hinterachse) wurden von den Landsern auch „Maultier“ genannt.

Produktionszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typ Stückzahl
Opel Blitz 1,5 to (Typ 35) 16.410
Opel Blitz 3 to (Typ 36) 82.356
Opel Blitz 3 to (Typ 42) 14.122
Opel Blitz 3 to (Typ 47, mit Niederrahmen-/Bus-Fahrgestell) 8336
Opel Blitz 3 to (Typ 6700A, mit Allradantrieb) 24.981
Opel Blitz 2 to Maultier (Sd. Kfz. 3a) 3450
Opel Blitz 2 to MunKfz (Sd. Kfz. 4) 251
15cm Panzerwerfer 42 (Sf) auf Opel Blitz 296

Geliefert wurden auch 2900 Busse, die von der Firma Gebr. Ludewig in Essen von 1939 bis 1944 gefertigt wurden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Frank: Lastkraftwagen der Wehrmacht Nebel- Verlag, Utting, ISBN 3895558591
  • Werner Oswald: Kraftfahrzeuge und Panzer der Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr Motorbuch Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87943-850-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. [1] 19. März 2012
  2. vgl. www.cokebottle-design.de: Opel-Werk Brandenburg 18. März 2012