Open Telekom Cloud

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Open Telekom Cloud
Open Telekom Cloud-Logo
Open Telekom Cloud
Beschreibung Cloud Computing
Sprachen Deutsch, Englisch
Eigentümer Deutsche Telekom AG
Erschienen 14. März 2016
Status online

Die Open Telekom Cloud der Deutschen Telekom AG ist ein Infrastructure-as-a-Service-Angebot aus der Public Cloud. Sie basiert auf OpenStack-Technologie und wird in den Rechenzentren der Tochtergesellschaft T-Systems International GmbH in Biere bei Magdeburg nach deutschen Datenschutzstandards betrieben.[1]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Open Telekom Cloud ist ein Public-Cloud-Angebot für Geschäftskunden, das am 14. März 2016 erstmals auf der CeBIT in Hannover von der Deutschen Telekom AG vorgestellt wurde.[2] Die Infrastructure-as-a-Service(IaaS)-Lösung beruht auf deutschen Datenschutzrichtlinien und bietet Unternehmen individuell konfigurierbare Cloud-Services.[3] Mit der Open Telekom Cloud reagiert die Deutsche Telekom AG auf aktuelle Markt- und Digitalisierungstrends. Laut der repräsentativen Umfrage „Cloud-Monitor 2016“ von Bitkom Research im Auftrag der KPMG AG erwarten 76 % der Kunden von ihrem Cloud-Anbieter, dass er seine Rechenzentren ausschließlich in Deutschland betreibt. Zudem bestätigen 74 % der Unternehmen, dass die Public-Cloud-Nutzung zu einer besseren Verfügbarkeit und Performance der IT-Leistungen geführt hat.[4]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Public-IaaS-Produkt der Deutschen Telekom AG basiert auf dem Softwareprojekt OpenStack, das eine offene Architektur für Cloud Computing zur Verfügung stellt.[5] Die flexibel skalierbaren IT-Ressourcen aus der Cloud können über ein Self-Service-Portal oder über programmierbare Schnittstellen (API) administriert und einzelne Komponenten wie CPU, RAM, Storage und Netzwerk ausgewählt sowie konfiguriert werden.[6]

Die Open Telekom Cloud soll sukzessive ausgebaut und optimiert werden.[7] Neben den IaaS-Angeboten wird die Open Telekom Cloud immer weiter um Platform-as-a-Service(PaaS)-Eigenschaften erweitert. Bereits integriert sind der relationale Datenbank-Service (RDS) und Workspaces als virtuelle Computer mit Betriebssystem.[8] Nach einem umfassenden Release-Wechsel im Oktober 2016 bietet die Open Telekom Cloud neue Funktionen, neue Kombinationen aus virtuellen Rechen- und Speicherressourcen und eine größere Auswahl an Betriebssystemen.[9] Im ersten Quartal 2017 etablierte die Telekom MapReduce/Hadoop für Big-Data-Anwendungen und die Bitnami-Suite wurde verfügbar[10].

Ein erstes Großprojekt unter Beachtung der europäischen Datenschutz- und Datenverarbeitungsvorschriften ist bereits abgeschlossen: Gemeinsam mit CERN, der europäischen Organisation für Kernforschung in Genf, testete die Deutsche Telekom AG, wie sich wissenschaftliche Daten über kommerzielle Cloud-Infrastrukturen verarbeiten und abbilden lassen.[11] Dazu nutzte das CERN über einen Zeitraum von drei Monaten 1.000 parallel arbeitende virtuelle Prozessoren, über 500 Terabyte Cluster-Speicher und mindestens 10 Gbit/s Bandbreite, bereitgestellt von der T-Systems International GmbH.[12] Als eines von drei Konsortien[13] hat sich die Open Telekom Cloud zudem für das weitere – von CERN initiierte – Ausschreibungsverfahren zur Helix Nebula Science Cloud qualifiziert. Das Ziel ist die Entwicklung einer europäischen Hybrid-Cloud-Plattform.[14]

Services[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leistungen der Open Telekom Cloud umfassen neben Rechenleistung und Speicher auch Sicherheits-, Management- sowie Netzwerk-Services.

Rechenleistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Elastic Cloud Server der Open Telekom Cloud setzt sich als virtuelle Maschine primär aus den Komponenten Prozessor (virtuelle CPU), Arbeitsspeicher (virtueller RAM), Betriebssystem (OS-Image) zusammen. Die Server sind wahlweise mit 1 bis 48 vCPU ausgestattet. Der Arbeitsspeicher (RAM) hält zwischen 1 und 1024 Gigabyte bereit. Daraus ergeben sich insgesamt etwa 50 Kombinationsmöglichkeiten für verschiedene Einsatzszenarien und Firmengrößen – z. B. für In-Memory-Computing, Grafik-Anwendungen oder virtuelle Desktops. Die Open Telekom Cloud bietet mit Dedicated Hosts auch kundenspezifische Hardware für virtuelle Maschinen. Die Hardware hierfür kommt von Intel. Zur Auswahl stehen die Betriebssystemgruppen Open Linux (u.a. Ubuntu, CentOS), Oracle Linux, SUSE Enterprise und Microsoft Windows. Seitdem wurde das Spektrum der verfügbaren Betriebssysteme um Debian, Fedora und Red Hat erweitert.[15] Die Server können über den Auto Scaling Service anhand von konfigurierbaren Parametern automatisch skalieren.[16]

Speicher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Open Telekom Cloud bietet mit dem Object Storage Service eine objektbasierte Datenspeicherung mit einer Unterstützung von bis zu 50 Terabyte großen Dateien, die verschlüsselt werden können. Über den Elastic Volume Service wird die Datenspeicherung in Block-Level-Speicherkapazitäten der drei Leistungsstufen SATA, SAS und SSD bereitgestellt. Der Volume Backup Service sorgt für eine regelmäßige Wiederherstellung von lokalen System- und Speicherdaten eines Elastic Cloud Servers oder eines Elastic Volume Services.[17]

Sicherheit und Management[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ressourcen der Open Telekom Cloud können anhand des Domain Name Service einfach mit den eigenen Firmennetzwerken verbunden werden. Nutzerdaten und Berechtigungen werden zentral über das myWorkplace-System der Telekom verwaltet. Anti-DDoS (Distributed-Denial-of-Service) schützt das Netzwerk vor kriminellen Angriffen und Cloud Eye dient als hochperformantes Monitoring mit Alarmfunktion, das den Verbrauch und die Nutzung der Services beobachtet.[18] Die Plattform verfügt über eine Auditierungsfunktion, Messaging-Dienste, ein Managementsystem für Sicherheitsschlüssel, die Option, Daten in Block Storage und Object Storage zu verschlüsseln sowie Heat als Orchestrierungs-Tool.

Netzwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Netzwerkkommunikation wird eine Virtual Private Cloud (VPC) aufgebaut. VPCs isolieren Netzwerke zwischen verschiedenen Tenants. Über Elastic IP wird pro Tenant eine öffentliche IP-Adresse zur Verfügung gestellt. Die Verbindung mit dem Unternehmensnetz findet via VPN-Gateway auf IPsec-Basis statt.[19] IP-VPN per Multiprotocol Label Switching (MPLS) wird unterstützt.[20]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereitgestellt werden die Public-Cloud-Services vom Zwillingsrechenzentrum in Biere/Magdeburg, das über umfangreiche Sicherheitsanlagen verfügt.[21] Die beiden Rechenzentren sind über ein Hochgeschwindigkeitsnetzwerk mit niedriger Latenz verbunden. Durch den ausschließlichen Betrieb in deutschen Rechenzentren erfüllen die Public-Cloud-Services für Unternehmen die Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz in Deutschland – und internationale Standards, belegt durch diverse Zertifizierungen.[22] Aufgrund der Datenspeicherung in Deutschland bleibt die Open Telekom Cloud unberührt vom EU-US Privacy Shield – dem Nachfolger des vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) am 6. Oktober 2015 für ungültig erklärten Safe-Harbor-Abkommens[23]. Dieser regelt den Schutz personenbezogener Daten bei der Übertragung aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in die USA.[24]

Zertifizierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Open Telekom Cloud ist mehrfach zertifiziert. Die TÜV TRUST IT GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Austria) hat das Public-IaaS-Produkt gemäß TÜV Trusted Cloud Services auf IT-Sicherheit, Betrieb sowie Datenschutz geprüft und im März 2016 zertifiziert.[25] Zugleich erhielt die Open Telekom Cloud eine Level-2-Zertifizierung der Umgebung nach den Anforderungen der CSA STAR (Cloud Security Alliance Security, Trust & Assurance Registry), einer Non-Profit-Organisation zur Verbreitung von Sicherheitsstandards im Cloud Computing.[26] Im Dezember 2016 wurde das Public-Cloud-Angebot nach ISO 27017 und 27018 (Datenschutz und Datensicherheit in der Cloud) zertifiziert.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Open Telekom ist live! Telekom. 14. März 2016, abgerufen am 24. August 2016.
  2. Greif, Björn: CeBIT: Deutsche Telekom startet „Open Telekom Cloud“. ZDNet/Cloud. 14. März 2016, abgerufen am 5. August 2016.
  3. Lösung: Open Telekom Cloud T-Systems. Abgerufen am 24. August 2016.
  4. Bitkom Research GmbH und KPMG AG: Cloud-Monitor 2016. KPMG. 12. Mai 2016, abgerufen am 11. August 2016.
  5. What is OpenStack? OpenStack. Abgerufen am 24. August 2016 (Englisch).
  6. Büst, René: T-Systems - mit vier IaaS-Plattformen gegen AWS und Co. Computerwoche. 18. Mai 2016, abgerufen am 5. August 2016.
  7. Open Telekom Cloud: Noch mehr Power und neue Dienste. Telekom. Abgerufen am 24. August 2016.
  8. Container und der Traum von der Cloud-Unabhängigkeit. Telekom. 15. Juli 2016, abgerufen am 26. Oktober 2016.
  9. Schindler, Martin: Open Telekom Cloud in neuen Geschmacksrichtungen. Silicon. 25. Oktober 2016, abgerufen am 26. Oktober 2016.
  10. Bitnami Open Source Applications for Open Telekom Cloud. Abgerufen am 25. April 2017 (amerikanisches Englisch).
  11. CERN nutzt "Open Telekom Cloud". SaaS-Magazin. 16. April 2016, abgerufen am 5. August 2016.
  12. Schindler, Martin: Open Telekom Cloud rechnet für das CERN. Silicon. 18. März 2016, abgerufen am 16. August 2016.
  13. HNSciCloud moves to the Prototype Phase: 3 consortia have been awarded this week in Geneva. In: Helix Nebula. (hnscicloud.eu [abgerufen am 24. April 2017]).
  14. Helix Nebula Science Cloud awards Design Phase contracts to four consortia Helix Nebula. 2. November 2016, abgerufen am 16. Dezember 2016 (Englisch).
  15. Schindler, Martin: Open Telekom Cloud in neuen Geschmacksrichtungen. Silicon. 25. Oktober 2016, abgerufen am 26. Oktober 2016.
  16. Mainzer, Sebastian: Public - und sonst so? Die Open Telekom Cloud. DataCenter Insider. 18. August 2016, abgerufen am 23. August 2016.
  17. Open Telekom Cloud 1.1 – Leistungsbeschreibung & zusätzliche Bedingungen. Telekom. Abgerufen am 26. Oktober 2016.
  18. Open Telekom Cloud. Telekom. Abgerufen am 24. August 2016.
  19. Open Telekom Cloud 1.1 – Leistungsbeschreibung & zusätzliche Bedingungen. Telekom. Abgerufen am 26. Oktober 2016.
  20. CeBIT 2016 T-Systems Guide. T-Systems. Abgerufen am 26. Oktober 2016.
  21. Ferri Abolhassan: Datentresor fürs Cloud-Zeitalter. CRN. 19. Februar 2016, abgerufen am 24. August 2016.
  22. Deutsche Telekom: So trickst der geniale deutsche Datenbunker die USA aus. Die Welt. 12. Oktober 2015, abgerufen am 24. August 2016.
  23. Schonschek, Oliver: Safe Harbor gilt nicht mehr: Konsequenzen für deutsche Unternehmen. ZDNet/Cloud. 9. Oktober 2015, abgerufen am 5. August 2016.
  24. EU-US Privacy Shield: Der Nachfolger von Safe Harbor wurde verabschiedet. Noerr. 13. Juli 2016, abgerufen am 5. August 2016.
  25. TÜV TRUST IT GmbH Unternehmensgruppe TÜV Austria: Open Telekom Cloud mit zertifizierter Datensicherheit. TÜV TRUST IT. 10. Mai 2016, abgerufen am 23. August 2016.
  26. Sicherheits-Award in Gold. Telekom. 17. März 2016, abgerufen am 24. August 2016.
  27. Open Telekom Cloud - Compliance. Abgerufen am 25. April 2017.