Operation Atalanta

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Die Staaten des Horns von Afrika
Satellitenaufnahme der Region

Die European Union Naval Force – Somalia (EU NAVFOR Somalia) – Operation Atalanta ist eine seit 2008 bestehende multinationale Mission der Europäischen Union (EU) zum Schutz von humanitären Hilfslieferungen nach Somalia, der freien Seefahrt und zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias am Horn von Afrika im Golf von Aden und bezeichnet gleichzeitig einen gemischten multinationalen Marineverband (Flottille). Die Mission ist die erste Marineoperation der EU und wurde zuletzt am 28. November 2016 bis zum 31. Dezember 2018 verlängert.

Die Abkürzung NAVFOR steht für Naval Forces (deutsch Seestreitkräfte). Der Operationsname Atalanta lehnt sich an die gleichnamige jungfräuliche Jägerin aus der griechischen Mythologie an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Küste vor Somalia gilt aufgrund der Bedrohung durch Piraten als eines der gefährlichsten Gewässer der Welt. Besonders im Golf von Aden, der eine zentrale Schifffahrtsroute vor allem für Öllieferungen aus dem Nahen Osten bildet, ist der Schutz der Handelsschiffe notwendig. Die EU-Mission trat die Nachfolge der NATO-Operation Operation Allied Provider an.

Im Jahr 2008 kaperten Piraten aus Somalia mehr als 30 Schiffe.[1]

Aufstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2008 wurde zunächst eine Zelle (European Union Naval Coordination Cell – EU NAVCO) eingerichtet, die den Auftrag hatte, im Rahmen der Resolution 1816 des UN-Sicherheitsrates den Schutz des Schiffsverkehrs vor der somalischen Küste zu koordinieren.[1]

Anfang November 2008 beschloss die Europäische Union, im Rahmen der Mission EU NAVFOR Somalia (Operation Atalanta) mehrere Kriegsschiffe und Soldaten zur Bekämpfung der Piraterie vor die Küste Somalias zu entsenden und die bisherige NATO-Operation Allied Provider mit Schiffen der Standing NATO Maritime Group 2 abzulösen. Die EU-Operation übernahm die Aufgaben der EU NAVCO und begann am 8. Dezember 2008 mit französischen und britischen Schiffen. Sie war zunächst auf einen Zeitraum von zwölf Monaten begrenzt.[2]

Am 23. März 2012 wurde das Einsatzgebiet auf das somalische Küstengebiet und Gewässer im Landesinnern ausgeweitet.[3]

Das Mandat wurde am 18. März 2015 durch den Rat der Europäischen Union bis zum 12. Dezember 2016 verlängert.[4] Die letzte Verlängerung erfolgte am 28. November 2016 und gilt bis zum 31. Dezember 2018.[5]

Verlauf der Operation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Operation begann am 8. Dezember 2008, am 13. Dezember wurde eine erste Anfangsbefähigung (Initial Operational Capability) erreicht und der erste Einsatz erfolgte mit der Begleitung des Motorschiffes Semlow von Mombasa nach Mogadischu durch die britische Fregatte HMS Northumberland.[6]

Am 25. Dezember 2008 wehrten deutsche Soldaten einen Piratenangriff auf den ägyptischen Frachter Wabi al Arab ab. Die Kaperung konnte durch den Einsatz eines Bordhubschraubers der Fregatte Karlsruhe verhindert werden. Das Piratenboot wurde im weiteren Verlauf durch die Karlsruhe aufgebracht und die Angreifer entwaffnet, später jedoch wieder freigelassen.[7][8]

Die französischen Soldaten der Fregatte Floréal brachten am 27. Januar 2009 zwei verdächtige Schiffe auf und nahmen deren Besatzung fest.[9]

Am 3. März 2009[10] konnten einige Piraten nach einem Angriff auf einen Frachter festgenommen werden. Beteiligt waren Hubschrauber der Fregatte Rheinland-Pfalz und des Kreuzers USS Monterey.

Nach Angaben der EU wurden in den ersten drei Märzwochen 2010 durch Einheiten von Atalanta und der NATO-Operation Ocean Shield insgesamt 15 Piratengruppen zerschlagen.[11]

Am 13. August 2011 übernahm Deutschland die Operationsführung, mit der Fregatte Bayern als Flaggschiff.[12] Die Deutsche Marine hat ihren Beitrag für die Zeit der deutschen Führung vergrößert und neben der Fregatte Köln Seefernaufklärer entsandt. Das deutsche Kommando endete am 6. Dezember 2011.[13]

Am 15. Mai 2012 wurden erstmals Einrichtungen von mutmaßlichen Seeräubern an der Küste Somalias aus der Luft beschossen, was in Übereinstimmung mit der somalischen Übergangsregierung geschah. Ausrüstung von Piraten sei zerstört worden, wobei kein Somalier zu Schaden gekommen sei und auch kein Soldat des EU-Einsatzes somalischen Boden betreten habe. Alle Kräfte seien nach Einsatzende sicher zu den EU-Kriegsschiffen zurückgekehrt.[14]

Am 14. Oktober 2013 wurden der somalische Piratenführer Mohammed Abdi Hassan und sein Stellvertreter Mohammed Aden wegen Piraterie auf dem Flughafen Brüssel-Zaventem festgenommen.[15]

Von 2009 bis Juli 2015 wurden 313 Schiffe mit insgesamt 959.804 Tonnen Hilfsgüter des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) und 126 Schiffe für die Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM) durch die Marineoperation geschützt. Insgesamt 155 Piraten wurden den Behörden zur Strafverfolgung übergeben und davon bisher 128 gerichtlich verurteilt.[16]

Am 13. März 2017 wurde der Tanker Aris 13 mit acht Seeleuten aus Sri Lanka an Bord von Piraten im Golf von Aden geentert. Das Schiff nahm anschließend Kurs auf Aluula.[17] Nach vier Tagen verließen die Piraten das gekaperte Schiff wieder. Die Besatzung wurde anschließend von Seeleuten der französischen Fregatte Courbet (als Teil von EUNAVFOR Atalanta) mit Lebensmitteln versorgt.[18]

Entwicklung
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Verdächtige Ereignisse 008 059 099 166 074 020 5 1
Piratenangriffe und Geiselnahmen 024 163 174 176 035 007 2 0 1

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Operationsziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die spanische Fregatte Viktoria während der Begleitung eines Konvois durch den Golf von Aden

Der Hauptauftrag des Marineverbands sind der Schutz humanitärer Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen nach Somalia sowie der Schutz logistischer Seetransporte der Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM). Weitere Bestandteile des Auftrages sehen den Schutz der Handelsschifffahrt im Golf von Aden und die Bekämpfung jeglicher Piraterie, sowie die Mitwirkung bei der Überwachung der Fischerei vor der somalischen Küste vor.[19] Laut Beschluss des Rats der Europäischen Union vom 10. November 2008 ist die Mission zur Abwehr von Überfällen auf See zum Einsatz aller notwendigen Mittel befugt, um ihre Aufgabe durchzusetzen.[20]

Auf einem informellen Treffen haben die EU-Verteidigungsminister am 24. Februar 2010 beschlossen, die Mission von Ende März an dahingehend auszuweiten, dass zum einen die Häfen, von denen aus Piraten operieren überwacht werden und zum anderen die Mutterschiffe der Piraten neutralisiert werden sollen.[21]

Das Politische und Sicherheitspolitische Komitee (PSK) der EU hat am 13. Mai 2011 als Reaktion auf die sich verschlechternde Lage eine Änderung des Operationsplans und neue Einsatzregeln für Atalanta beschlossen. Zu den neuen Maßnahmen gehören der verstärkte Einsatz von individuellen Schutzteams für Schiffe (Vessel Protection Detachments; VPD), das Vorhalten von Kräften und Fähigkeiten für Geiselbefreiungsoperationen, der Einsatz von Reizstoffen zur Auftragsdurchsetzung und das robustere Vorgehen gegen die Mutterschiffe der Piraten.

Rechtsgrundlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rechtliche Grundlage der Operation bilden das allgemeine Völkerrecht, das Seerechtsübereinkommen (SRÜ) der Vereinten Nationen von 1982, die Bestimmungen folgender Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UNSC):

  • 1814 (2008) vom 15. Mai 2008,
  • 1816 (2008) vom 2. Juni 2008,
  • 1838 (2008) vom 7. Oktober 2008,
  • 1846 (2008) vom 2. Dezember 2008,
  • 1851 (2008) vom 16. Dezember 2008,
  • 1897 (2009) vom 30. November 2009,
  • 1950 (2010) vom 23. November 2010,
  • 2020 (2011) vom 22. November 2011,
  • 2077 (2012) vom 21. November 2012,
  • 2125 (2013) vom 18. November 2013,
  • 2184 (2014) vom 12. November 2014

und nachfolgender Resolutionen des Sicherheitsrates in Verbindung mit der Gemeinsamen Aktion 2008/851/Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) des Rates der Europäischen Union vom 10. November 2008 und nachfolgender Beschlüsse des Rates der EU:

  • Beschluss 2009/907/GASP vom 8. Dezember 2009,
  • Beschluss 2010/437/GASP vom 30. Juli 2010,
  • Beschluss 2010/766/GASP vom 7. Dezember 2010,
  • Beschluss 2012/174/GASP vom 23. März 2012,
  • Beschluss 2014/827/GASP vom 1. November 2014 und dem
  • Beschluss 2016/2082/GASP vom 28. November 2016[22] sowie gegebenenfalls erforderliche multilaterale Vereinbarungen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der EU NAVFOR Somalia nehmen neben Schiffen mit Hubschraubern auch Aufklärungsflugzeuge sowie Bordschutzkräfte teil. Als logistische Basis wird hauptsächlich Dschibuti genutzt.

Beteiligte Nationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit beteiligen sich Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande und Spanien ständig an der Operation. Als erster Nicht-EU-Staat war von August 2009 bis Januar 2010 Norwegen mit einem Schiff im Einsatz. Darüber hinaus entsenden mehrere Staaten Personal in das Operation Headquarters in Northwood.[23]

Österreich beteiligt sich mit geschätzten 191.000 Euro, entsendet aber keine Truppen.[24]

Führung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ITS Etna, Flaggschiff der EU NAVFOR von Dezember 2009 bis April 2010

Das Operation Headquarters als Hauptquartier auf der militärstrategischen Ebene befindet sich in Northwood bei London. Dort wurde ein Sicherheitszentrum eingerichtet, das der Schifffahrt als Ansprechpartner dient.[25] Operation Commander ist ein britischer Konteradmiral oder Generalmajor:

Nr. Land Dienstgrad Name Beginn der Berufung
1. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Konteradmiral Philip Jones 08. November 2008[26]
2. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Konteradmiral Peter Hudson 03. Juni 2009[27]
3. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Generalmajor Buster Howes 14. Juni 2010[28]
4. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Konteradmiral Duncan Potts 01. August 2011[29]
5. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Konteradmiral Robert „Bob“ Tarrant 16. Januar 2013
6. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Generalmajor Martin Smith 28. August 2014[30]
7. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Generalmajor Rob Magowan 03. Juni 2016[31]

Vor Ort wird der Verband durch den Force Commander geführt:

Nr. Land Dienstgrad Name Beginn der Berufung Flaggschiff
1. GriechenlandGriechenland Griechenland Kapitän zur See Antonios Papaioannou 08. Dezember 2008 Fregatte F Psara (F 454)
2. SpanienSpanien Spanien Kapitän zur See Juan Garat Caramé 06. April 2009[32] Fregatte Numancia (F 83)
3. NiederlandeNiederlande Niederlande Commodore Pieter Bindt 13. August 2009[27] Fregatte Evertsen (F 805)
4. ItalienItalien Italien Konteradmiral Giovanni Gumiero 13. Dezember 2009[33] Versorger Etna (A 5326)
5. SchwedenSchweden Schweden Konteradmiral Jan Thörnqvist 14. April 2010[34] Patrouillenboot Carlskrona (P 04)[35]
6. FrankreichFrankreich Frankreich Konteradmiral Philippe Coindreau 14. August 2010[36] Zerstörer De Grasse (D 612)[37]
7. SpanienSpanien Spanien Konteradmiral Juan Rodriguez Garat 14. Dezember 2010[38] Versorger Patiño (A 14) (bis 24. Januar 2011)[39]
8. DeutschlandDeutschland Deutschland Flottillenadmiral Thomas Jugel 13. August 2011[40] Fregatte Bayern (F 217)
9. SpanienSpanien Spanien Konteradmiral Jorge Manso Revilla 06. Dezember 2011[41] Versorger Patiño (A 14)
10. FrankreichFrankreich Frankreich Konteradmiral Jean-Baptiste Dupuis 07. April 2012[42] Versorger Marne (A 630)
11. ItalienItalien Italien Konteradmiral Enrico Credendino 06. August 2012[43] Landungsschiff San Giusto (L 9894)
12. SpanienSpanien Spanien Konteradmiral Pedro Ángel García de Paredes Pérez de Sevilla 06. Dezember 2012
13. PortugalPortugal Portugal Commodore Jorge Novo Palma 06. April 2013 Fregatte NRP Álvares Cabral (F331)
14. NiederlandeNiederlande Niederlande Commodore Peter Lenselink 06. August 2013 Landungsschiff Johan de Witt (L801)
15. FrankreichFrankreich Frankreich Konteradmiral Hervé Bléjean 02. Dezember 2013 Docklandungsschiff FS Siroco (L9012)
16. DeutschlandDeutschland Deutschland Flottillenadmiral Jürgen zur Mühlen 06. April 2014 Fregatte Brandenburg (F215)
17. ItalienItalien Italien Flottillenadmiral Guido Rando 06. August 2014 Zerstörer Andrea Doria (D 553)
18. SchwedenSchweden Schweden Konteradmiral Jonas Haggren 13. Februar 2015[44] Landungsschiff Johan de Witt (L801)
19. SpanienSpanien Spanien Konteradmiral Alfonso Gómez Fernández de Córdoba 06. Mai 2015 Landungsschiff Galicia (L51)
20. ItalienItalien Italien Konteradmiral Stefano Barbieri 08. Oktober 2015 Fregatte Carabiniere (F593)
21. DeutschlandDeutschland Deutschland Flottillenadmiral Jan C. Kaack 23. März 2016[45] Fregatte Bayern (F 217)
22. NiederlandeNiederlande Niederlande Konteradmiral René Luyckx 06. August 2016[46] Fregatte Tromp (F803)
23. SpanienSpanien Spanien Flottillenadmiral Rafael Fernández-Pintado Muñoz-Rojas 24. Februar 2017[47] Landungsschiff Galicia (L51)

Beitrag der Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mandat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine deutsche Fregatte während der Operation Atalanta

Die deutsche Beteiligung erfolgte ab 22. Dezember 2008 durch Beschluss des Bundestags vom 19. Dezember 2008 mit 491 Ja-Stimmen (88 Prozent) von 558 abgegebenen Stimmen. Der Schwerpunkt des deutschen Beitrags liegt im „Schutz für die Schiffe des Welternährungsprogramms“, auch durch Einsatz „von bewaffneten Kräften an Bord dieser Schiffe, insbesondere wenn sie die Hoheitsgewässer Somalias durchqueren“. Darüber hinaus sollen die deutschen Kräfte „im Einzelfall und bei Bedarf […] zivilen Schiffen im Operationsgebiet“ Schutz gewähren und zur „Überwachung der Gebiete vor der Küste Somalias, einschließlich der somalischen“, sowie „zur Abschreckung, Verhütung und Beendigung von seeräuberischen Handlungen oder bewaffneten Raubüberfällen, die im Operationsgebiet begangen werden könnten“ beitragen.[48]

Die Aktivitäten der Bundeswehr im Rahmen von Atalanta umfassen seit Juni 2009 auch den Einsatz von Bordschutzkräften der Marine an Bord von Handelsschiffen. Zu deren Schutz werden jeweils etwa zehn Soldaten mit Waffen, Munition und eigener Verpflegung auf einem gefährdeten Schiff einquartiert, sofern die dafür erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen vorliegen.[49]

Am 18. April 2012 beschloss die Bundesregierung, das Einsatzgebiet der Operation um die Küstengebiete und inneren Küstengewässer Somalias zu erweitern. Deutsche Soldaten können auf dieser Grundlage auch aus der Luft gegen logistische Einrichtungen der Piraten (z. B. Boote, Waffenlager) vorgehen. Erlaubt ist ein Einsatz bis zu maximal zwei Kilometer vom Strand bis ins Landesinnere hinein. Ein Bodeneinsatz deutscher Soldaten ist, mit Ausnahme von Rettungsmaßnahmen, nicht vorgesehen. Gleichzeitig wurde das deutsche Mandat bis zum 31. Mai 2013 verlängert.[50] Diesen Entscheidungen stimmten 305 der 570 Bundestagsabgeordneten – die Mehrheit der schwarz-gelben Koalition – am 10. Mai 2012 zu. Die drei Oppositionsparteien SPD, Grüne und Die Linke versagten der neu definierten Mission ihre Zustimmung.[51]

Einer erneuten Mandatsverlängerung stimmten am 22. Mai 2014 461 Abgeordnete zu, 70 stimmten dagegen und 51 enthielten sich.[52] Das Mandat umfasste zu diesem Zeitpunkt eine Personalobergrenze von 1200 Soldaten und war bis zum 31. Mai 2015 befristet.[53][54]

Am 29. April 2015 hat die Bundesregierung die Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Operation EU NAVFOR Atalanta mit bis zu 950 Soldaten bis zum 31. Mai 2016 beschlossen. Am 12. Mai 2016 folgte eine weitere Verlängerung der deutschen Beteiligung bis längstens 31. Mai 2017. Die Personalobergrenze wurde auf 600 Soldaten reduziert.[55] Am 18. Mai 2017 stimmten 461 von 630 Abgeordneten (73,2 %) einer weiteren Verlängerung der deutschen Beteiligung bis längstens 31. Mai 2018 zu, die Obergrenze von 600 Soldaten blieb erhalten.[56][57]

Eingesetzte Kräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Fregatte Karlsruhe

Die Deutsche Marine setzte als erstes Schiff die Fregatte Karlsruhe ein. Mittlerweile wurden diverse Fregatten, Versorgungsschiffe und Betriebsstofftanker eingesetzt.

Deutschland stellt zeitweise den Deputy Operation Commander im Hauptquartier in Northwood. In Dschibuti besteht eine Verbindungs–und Unterstützungsgruppe, die die deutschen Einheiten logistisch und administrativ unterstützt.

Seit Übergabe des Force Command an die Niederlande und Abzug der Fregatte Bayern am 6. August 2016 stellt Deutschland keine seegehenden Einheiten für Atalanta.[58]

Tabellarische Übersicht[59][60]
Einsatzzeitraum Deutscher Beitrag Kontingentführer Bemerkungen
Dezember 2008–Februar 2009 Fregatte Karlsruhe FKpt Hans-Joachim Kuhfahl
Februar 2009 Fregatte Rheinland-Pfalz
Fregatte Emden
Betriebsstofftanker Spessart
Einsatzgruppenversorger Berlin
März 2009–April 2009 Emden und Spessart aus SNMG 1 herausgelöst.
Mai 2009–Juli 2009 Berlin aus SNMG 2 rausgelöst.
Juni 2009–August 2009 Fregatte Brandenburg FKpt Torsten Ites
August 2009–Dezember 2009 Fregatte Karlsruhe
Fregatte Bremen FKpt Götz Eichberg
Januar 2010–Mai 2010 Fregatte Emden FKpt Ulrich Brosowsky
Mai 2010–September 2010 Fregatte Schleswig-Holstein FKpt Nils Brandt
September 2010–November 2010 Fregatte Köln
Betriebsstofftanker Rhön
FKpt Christopher Karow
November 2010–März 2011 Fregatte Hamburg FKpt Frank Schwarzhuber Estnisches Boardingteam
Februar 2011–Juli 2011 Seefernaufklärer P-3C ORION FKpt Wilhelm Tobias Abry
März 2011–August 2011 Fregatte Niedersachsen
August 2011–Dezember 2011 Fregatte Bayern
Fregatte Köln
Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Andreas-Peter Graf von Kielmansegg
(Kdt Bayern)
September 2011–November 2011 Bayern Flaggschiff für Force Commander FltlAdm Thomas Jugel
September 2011–Dezember 2011
November 2011–Februar 2012 Fregatte Lübeck FKpt Martin Ruchay
Februar 2012–Juni 2012 Einsatzgruppenversorger Berlin
ab März 2012 zusätzlich: Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Martin Waldmann
Mai 2012–September 2012 Fregatte Bremen
Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Ingolf Schlobinsky
August 2012–November 2012 Fregatte Sachsen
Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Andreas Krug Estnisches Vessel Protection Team
November 2012–April 2013 Fregatte Karlsruhe
Seefernaufklärer P-3C ORION
Autonomous Vessel Protection Detachment (2 Kontingente)
FKpt Volker Blasche
April 2013–August 2013 Fregatte Augsburg FKpt Bernhard Veitl
August 2013–Dezember 2013 Fregatte Niedersachsen
ab Oktober 2013 zusätzlich: Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Kurt Leonards 
Dezember 2013–April 2014 Fregatte Hessen
Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Dirk Jacobus
April 2014–August 2014 Fregatte Brandenburg
Betriebsstofftanker Rhön (mit Vessel Protection Detachment)
Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Gerald Liebich
(Kdt Brandenburg)
Flaggschiff für Force Commander FltlAdm Jürgen zur Mühlen
März 2014–Juli 2014
Juli 2014 – Oktober 2014 Einsatzgruppenversorger Berlin
Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Marcel Rosenbohm mit eingeschifftem Marineeinsatzrettungszentrum
Oktober 2014–Februar 2015 Fregatte Lübeck
Seefernaufklärer P-3C ORION
FKpt Peter Semrau
Oktober 2014–Dezember 2014 Niederländisches Boardingteam
Februar 2015–Juni 2015 Fregatte Bayern
Seefernaufklärer P-3C ORION
Fregatte Hessen
Einsatzgruppenversorger Berlin
FKpt Frank Fähnrich Niederländisches Boardingteam auf Bayern
März 2015–Juli 2015 FKpt Rainer Bormann
(ab Juni 2015)
April 2015 Hessen und Berlin als Teil des Einsatz- und Ausbildungsverbandes 2015 für drei Wochen OP Atalanta unterstellt
August 2015–März 2016 Korvette Erfurt
ab September 2015 zusätzlich: Seefernaufklärer P-3C ORION
KKpt Andreas Kaspar
(Kdt Erfurt)
Erstmaliger Einsatz einer Korvette K130, Besatzungswechsel im Oktober 2015 und Februar 2016
FKpt Bodo Ahlers
(ab September 2015 Kdt P-3C-Detachment)
KKpt Robert Schmidt
(ab Dezember 2015 Kdt Erfurt)
FKpt Thomas Klitzsch
(ab Februar 2016 Kdt Erfurt)
März 2016–August 2016 Fregatte Bayern
Betriebstofftanker Spessart
ab Juni 2016 zusätzlich: Seefernaufklärer P-3C ORION
FltlAdm Jan C. Kaack Bayern Flaggschiff für Force Commander FltlAdm Jan C. Kaack
September 2016– Dezember 2016 Seefernaufklärer P-3C ORION KKpt Christian Borchardt
Dezember 2016- Februar 2017 DVUG
Ab Februar 2017 eine deutsche OP-Gruppe im französischem Einsatzlazarett in Djibouti.
FKpt Jens Brömel Am 1. Februar 2017 wurde die Deutsche Versorgungs- und Unterstützungsgruppe (DVUG) in den Deutschen Anteil Support Element ATALANTA (DEU A SEA) umstrukturiert und umbenannt.
März 2017 – Juni 2017 Seefernaufklärer P-3C ORION

zusätzlich: deutsche OP-Gruppe im französischem Einsatzlazarett in Djibouti.

FKpt Heiko Millhahn (bis 3. Mai 2017)
FKpt Henry Pönisch (ab 3. Mai 2017[61])
Juni 2017 Deutscher Anteil Support Element ATALANTA (DEU A SEA) KKpt Michael Zischke

Kritik in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker der Mission merkten an, dass die Mission nicht die gesellschaftlichen Ursachen der Piraterie angehe.[62] Zweifel gibt es auch darüber, ob die Grundrechtseingriffe gegenüber Tatverdächtigen hinreichend gesetzlich legitimiert sind.[63]

Im Zusammenhang mit der geplanten Ausweitung der Operation auf Küstengebiete Somalias kritisierte die Opposition das Mandat als ein „unkalkulierbares Abenteuer“. Unbeteiligte könnten gefährdet werden, gleichzeitig sei es für die Piraten einfach, ihre Infrastruktur weiter ins Landesinnere zu verlegen, außerhalb der Reichweite des Mandates. Befürworter sprachen dagegen davon, dass eine Ausweitung des Mandates das Geschäft der Piraten deutlich unbequemer machen würde.[64]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle zivilen und militärischen Schiffe können im Rahmen der Nothilfe bei einem Piratenüberfall Hilfe leisten. Außerhalb der explizit dafür vorgesehenen Operation Atalanta beteiligen sich verschiedene Nationen am Einsatz gegen die Piraterie in diesem Seegebiet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Weingärtner: Die moderne Piraterie, das Strafrecht und die Menschenrechte. Gedanken aus Anlass der deutschen Mitwirkung an der Seeoperation ATALANTA. In: Ders. (Hrsg.): Die Bundeswehr als Armee im Einsatz. Entwicklungen im nationalen und internationalen Recht (= Forum Innere Führung. Bd. 33). Nomos, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-8329-6129-9, S. 95–124.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b EU-NAVCO presentation, 15 October 2008. European Council, archiviert vom Original am 23. Dezember 2008, abgerufen am 16. Januar 2015 (PPT, 3,21 MB, englisch, Einzelheiten).
  2. Britischer Admiral: Noch ungelöste Fragen über Umgang mit Piraten. In: EU.Info Deutschland. 9. Dezember 2008, abgerufen am 16. Januar 2015.
  3. Ratsbeschluss 2012/174/CFSP vom 23. März 2012. 23. März 2012, abgerufen am 1. Mai 2015.
  4. Mandatsverlängerung bis 12. Dezember 2016 vom 18. März 2015. 18. März 2015, abgerufen am 1. Mai 2015.
  5. Mandatsverlängerung bis 13. Dezember 2018 vom 28. November 2016. Council of the EU, 28. November 2016, abgerufen am 5. Juni 2017.
  6. BRITISH WARSHIP COMPLETES 1st EU NAVAL MISSION. EU NAVFOR Somalia, 18. Dezember 2008, archiviert vom Original am 8. August 2010, abgerufen am 16. Januar 2015 (PDF, 120 kB, englisch, Pressemitteilung).
  7. Presse- und Informationsstab BMVg: Deutsche Marine leistet Nothilfe bei Piratenangriff – 1. Fortschreibung: Piraten entwaffnet. In: Einsätze. Bundeswehr, 25. Dezember 2008, archiviert vom Original am 29. Dezember 2008, abgerufen am 16. Januar 2015.
  8. German frigate stops pirate attack. CNN, 25. Dezember 2008, abgerufen am 16. Januar 2015 (englisch).
  9. Operation EU NAVFOR warship FLOREAL captures suspected pirates. Council of the European Union, 30. Januar 2009, abgerufen am 16. Januar 2015 (englisch).
  10. Bundeswehr vereitelt Piraten-Überfall. In: Sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 16. Januar 2015.
  11. Iranian Dhow Released By Pirates. European Union, 18. März 2010, abgerufen am 16. Januar 2015 (englisch).
  12. Bundeswehr kommandiert jetzt Anti-Piraten-Einsatz. In: Berliner Morgenpost. 14. August 2011, abgerufen am 16. Januar 2015.
  13. Deutschland führt Mission „Atalanta“ am Horn von Afrika. In: Berliner Morgenpost. 14. August 2011, abgerufen am 16. Januar 2015.
  14. „Atalanta“-Mission: EU-Truppen beschießen erstmals Piratenlager an Somalias Küste. In: Spiegel online. 15. Mai 2012, abgerufen am 16. Januar 2015.
  15. United Press International: Wanted Somali pirate arrested in Brussels vom 14. Oktober 2013
  16. Key Facts and Figures – EU Naval Force Somalia – Operation Atalanta. In: http://eunavfor.eu/. 3. Juli 2015, abgerufen am 7. März 2015.
  17. Somalische Piraten entführen Öltanker. In: Der Standard. 14. März 2017, abgerufen am 18. März 2017.
  18. Crew from Freed Fuel Tanker Aris 13 Welcome Reassurance Visit by French Navy Sailors from EU Naval Force Operation Atalanta Frigate FS Courbet. Abgerufen am 18. März 2017 (englisch).
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  49. Bundeswehr schickt Kampfteams auf Handelsschiffe. In: Die Welt. 13. Juni 2009, abgerufen am 19. Januar 2015.
  50. Ausrüstung somalischer Piraten am Strand zerstören. In: Informationen der Bundeswehr. Die Bundesregierung, 18. April 2012, archiviert vom Original am 1. Mai 2012, abgerufen am 16. Januar 2015.
  51. Ulrich Schmid: Berlin weitet die Operation «Atalanta» aus. In: Neue Zürcher Zeitung. 11. Mai 2012, abgerufen am 20. Januar 2015.
  52. Bundestag verlängert Einsatz gegen Piraten. In: Textarchiv. Deutscher Bundestag, 22. Mai 2014, abgerufen am 20. Januar 2015 (mit Video).
  53. ATALANTA (Horn von Afrika). Aktuelles Mandat. In: Auslandseinsätze der Bundeswehr. Deutscher Bundestag, 2014, abgerufen am 19. Januar 2015.
  54. Einsatzzahlen – Die Stärke der deutschen Einsatzkontingente. In: Einsätze. Bundeswehr, 16. Januar 2015, abgerufen am 20. Januar 2015 (Stand: 12. Januar 2015).
  55. Namentliche Abstimmungen. Bundeswehreinsatz vor Somalia (EU NAVFOR Atalanta). In: www.bundestag.de. Deutscher Bundestag, 12. Mai 2016, abgerufen am 14. Mai 2016.
  56. Namentliche Abstimmungen. Bundeswehreinsatz vor Somalia (EU NAVFOR Atalanta). In: www.bundestag.de. Deutscher Bundestag, 12. Mai 2016, abgerufen am 14. Mai 2016.
  57. Siehe Drucksache 18/11621 vom 22. Mai 2017 (PDF; 174,6 kB), Stand 05. Juni 2017
  58. Thomas Wiegold: Kein Schiff wird kommen: EU-Antipirateriemission erstmals ohne deutsche Präsenz. In: Augengeradeaus.net. 8. August 2016, abgerufen am 8. August 2016.
  59. News Archive. EU NAVFOR Somalia, abgerufen am 13. Februar 2017.
  60. Archiv für den Einsatz am Horn von Afrika (Atalanta). Bundeswehr, abgerufen am 13. Februar 2017.
  61. Operation Atalanta: Wechsel an der Führungsspitze. Abgerufen am 15. Mai 2017.
  62. Claudia Haydt: Maritimes Säbelrasseln. AG Friedensforschung, abgerufen am 20. Januar 2015 (Zitiert aus: junge Welt, 5. Dezember 2008).
  63. Grundrechte auch im Ausland beachten. In: Aktuelle Themen. Deutscher Bundestag, 22. Dezember 2008, abgerufen am 20. Januar 2015 (Anhörung des Menschenrechtsausschusses zum Thema extraterritoriale Staatenpflichten am 17. Dezember 2008).
  64. Christian Thiels: Kabinett billigt Ausweitung der „Atalanta“-Mission. Bundeswehr soll Piraten auch am Strand jagen. In: tagesschau.de. 18. April 2012, archiviert vom Original am 20. April 2012, abgerufen am 20. Januar 2015 (Text, Audio und Video abrufbar).