Opioidkrise

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Todesfälle durch Überdosis durch Opioide, USA, 2000–2015. Tote pro 100,000 Personen.[1]

Unter der Opioidkrise (englisch opioid crisis oder opioid epidemic) versteht man den starken Anstieg des Missbrauchs von Opioid-Schmerzmitteln in den Vereinigten Staaten und Kanada, der in den späten 1990er-Jahren begann und bis heute andauert.

Diese synthetischen Opioide können, entgegen den ursprünglichen Angaben der Pharmaindustrie, rasch zu einer Abhängigkeit führen. Durch Überdosierungen kommt es zu zahlreichen Todesfällen, da die Opioide das Atemzentrum beeinflussen und lähmen können. Die fraglichen Medikamente sind etwa Oxycodon (Handelsname Oxycontin oder Percocet), Hydrocodon (Handelsname Vicodin) und das sehr wirksame Fentanyl.[2] Vielfach steigen Menschen, die von diesen Mitteln abhängig geworden sind, zudem auf das billigere Opiat Diacetylmorphin (Handelsname Heroin) um, dessen Missbrauch daher in den letzten Jahren wieder stark zugenommen hat. Bereits im Jahr 2007 wurde Purdue Pharma, der Hersteller Oxycontins, zu einer Strafzahlung von 634,5 Millionen US-Dollar verurteilt, da das Unternehmen nicht ausreichend auf die Suchtgefahr hinwies, die aus der Einnahme Oxycontins erwächst.[3]

Nach Aussagen der Drug Enforcement Administration (DEA) hat der Tod durch Überdosen die Ausmaße einer Epidemie erreicht.[4] Bereits zwischen 1999 und 2008 stieg die Zahl der Todesfälle durch Überdosen, der Verkauf und der Missbrauch von Schmerzmitteln stark an. Im Jahr 2015 kam es in den USA zu mehr Todesfällen durch Heroin als durch Autounfälle und Waffen. Die Überdosis von Drogen ist bei Amerikanern unter 50 Jahren die häufigste Todesursache, zwei Drittel aller Todesfälle werden inzwischen durch Opioide verursacht. Dies hat dazu beigetragen, dass die mittlere Lebenserwartung in den USA in den letzten Jahren gesunken ist. Anders als früher ist die Drogensucht nicht mehr vorwiegend auf soziale Brennpunkte in Großstädten beschränkt, sondern betrifft vor allem die Mittelschicht in der amerikanischen Provinz. Als Grund wird die allzu leichtfertige Verschreibung von Opioiden zur Schmerzbekämpfung angenommen.

Die Opferzahlen steigen seit Jahren. Im Jahr 2016 starben 64.000 US-Amerikaner an einer Überdosis, 21 Prozent mehr als im Jahr 2015. Der größte Teil von ihnen war von legalen Opioiden abhängig geworden, die ihnen zuvor verschrieben worden waren. Im Jahr 2010 gab es 16.000 Todesfälle, im Jahr 1999 nur 4.000. Viele der Todesfälle gehen auf das sehr stark wirksame Fentanyl zurück, das ebenso wie Heroin meist über Mexiko in die USA geschmuggelt wird. Im Unterschied zu Heroin wird es auch vor Ort synthetisiert. Fentanyl wird immer öfter verwendet, um das weniger starke Heroin zu strecken. Durch die höhere Wirksamkeit der Mischung kommt es häufig zu unbeabsichtigten Überdosen. Im März 2017 erklärte der Gouverneur von Maryland in seinem Bundesstaat den Notstand, um die Krise zu bekämpfen, im Juli 2017 wurde die Krise als größte Herausforderung für die Food and Drug Administration (FDA) bezeichnet.

Am 26. Oktober 2017 erklärte der US-Präsident Donald Trump die Opioid-Krise zu einem Notstand der öffentlichen Gesundheitspflege, stellte allerdings kaum zusätzliche finanzielle Mittel für die Bekämpfung des Problems zur Verfügung.[5] Nach Angaben der CDC stieg die Zahl der Opfer 2017 vielmehr nochmals um 10 %, die Zahl der Drogentoten in diesem Jahr wird mit 72.287 angegeben.[6]

Der Kurzdokumentarfilm Heroin(e) aus dem Jahr 2017 beschäftigt sich mit der Krise in Huntington in West Virginia, wo die Überdosierungsrate zehnmal so hoch ist wie im US-Durchschnitt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beth Macy: Dopesick: Dealers, Doctors, and the Drug Company that Addicted America. Little, Brown and Company, 2018, ISBN 978-0-316-55124-3.
  • Barry Meier: Pain Killer: An Empire of Deceit and the Origin of America's Opioid Epidemic. 2. Auflage. Random House, 2018, ISBN 978-0-525-51110-6.
  • Chris McGreal: American Overdose: The Opioid Tragedy in Three Acts. Publicaffairs, 2018, ISBN 9781610398619

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Drug-related death statistics – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Data Overview. Drug Overdose. CDC Injury Center, Centers for Disease Control and Prevention 2016.
  2. WHO Informationsblatt
  3. Reuters: Purdue Frederick pleads guilty in OxyContin case, abgerufen am 2. August 2018
  4. DEA Report
  5. Jakob Simmank: Opioid-Krise: Der Notstand wird die Schmerzmittelsucht nicht beenden. In: Zeit online. 11. August 2017, abgerufen am 28. Juli 2018.
  6. Erin Durkin: US drug overdose deaths rose to record 72,000 last year, The Guardian, 16. August 2018, abgerufen am 15. Dezember 2018