Marienburg (Ordensburg)

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Die Marienburg aus Südwest (2010)
Plan der Ordensburg Marienburg.png

Die Marienburg ist eine im 13. Jahrhundert erbaute mittelalterliche Ordensburg des Deutschen Ordens, die am Fluss Nogat, einem Mündungsarm der Weichsel, bei der polnischen Stadt Malbork (dt. Marienburg) liegt.

Von 1309 bis 1454 war die Burg Sitz der Hochmeister des Ordens im Deutschordensstaat. Danach gehörte sie mit kurzen Unterbrechungen von 1457 bis 1772 zu Polnisch-Preußen, einer Provinz des polnischen Königreiches, und diente als Residenzort polnischer Könige. Zeitweise befand sich die Burg in dieser Zeit auch unter schwedischer Kontrolle. Nach der Teilung Polens kam die Burg 1772 zum Königreich Preußen und nach dem Zweiten Weltkrieg zu Polen. Die weiträumige Burganlage ist der größte Backsteinbau Europas. Das UNESCO-Weltkulturerbe beherbergt mehrere Ausstellungen und kann das ganze Jahr über an schneefreien Tagen besichtigt werden.

Architektur und Baugliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektonisch ist die Burg der Backsteingotik zuzuordnen. Diese beginnt im späten 12. und endet etwa im 16. Jahrhundert. Spätere An- und Umbauten gehen in die Backsteinrenaissance über.

Die mittelalterliche Burganlage lässt sich in folgende Baugruppen gliedern: das Vorschloss (auch: Vorburg) mit Wirtschaftsteil, das Mittelschloss und das Hochschloss. Östlich vorgelagert sind die Außenbefestigungen. Den Gebäuden dieser Bereiche waren unterschiedliche Aufgaben zugeordnet, die – entsprechend den verschiedenen Aufgaben – auch architektonisch äußerst unterschiedlich gestaltet sind.

Das Hochschloss mit Turm von Osten 2016

Hochschloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hochschloss stellt den ältesten Teil der Marienburg dar und ist dem Typ des kastellartigen, quadratischen Konventshauses zuzurechnen. Dabei diente der Vierflügelbau als Stützpunkt und Unterkunft der Ordensritter. Der um 1280 fertiggestellte Nordflügel des Hochschlosses beherbergte neben der Kapelle und dem Kapitelsaal zunächst auch den Schlafsaal (Dormitorium) der Ritterbrüder.

Bis 1344 wurde die Kapelle unter dem Hochmeister Dietrich von Altenburg zur Sankt Marien-Kirche ausgebaut, indem er einen, über den Baukörper des Hochschlosses hinausragenden, polygonalen Chor anbauen ließ. An der Außenwand des Chorschlusses befand sich bis 1945 in einer Nische eine mit farbigem Glasmosaik überzogene, 8 m hohe vollplastische Madonnenfigur. Dieses wurde ab 2014 wiederhergestellt und am 31. März 2016 in Anwesenheit des derzeitigen Hochmeisters Bruno Platter aus Wien wieder geweiht.

Marienkirche
Chapel of Malbork Castle01.jpg
Die Kanzel der 2009 noch zerstörten Marienkirche
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Restaurierte Kanzel und deren Umgebung 2016


Die Marienkirche mit der darunterliegenden Annen-Kapelle sind Bestandteil des Hochschlosses, letztere diente als Krypta und war Begräbnisstätte mehrerer Hochmeister.

Mittelschloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicht vom Turm – das Mittelschloss im Vordergrund – die Vorburg oben mit den Wirtschaftsbauten

Das Mittelschloss wurde ab 1309 errichtet und beherbergte wichtige, für die Verwaltung des Ordens und des Landes notwendige Einrichtungen. Im Mittelschloss befand sich auch die Residenz des Hochmeisters mit den Repräsentationsräumen. Unter Siegfried von Feuchtwangen, der 1309 den Hochmeistersitz von Venedig nach Marienburg verlegte, und Luther von Braunschweig wurde das Mittelschloss ausgebaut.

Der bedeutendste Gebäudeteil des Mittelschlosses ist wohl der Hochmeisterpalast. Der um 1400 vollendete Profanbau, der wahrscheinlich nach Plänen des aus Koblenz stammenden Baumeisters Nikolaus Fellenstein errichtet wurde, stellt eine architektonische Besonderheit dar: In seiner Form entspricht der Hochmeisterpalast dem Typus eines Wohnturmes (Donjon) und weist neben niederdeutsch-gotischen Elementen auch Einflüsse italienischer und flämisch-burgundischer Bautradition auf. Damit verweist der Bau auch auf die weitreichenden Beziehungen des Deutschen Ordens an der Wende zum 15. Jahrhundert.

Der Sommer- und der Winterremter (Remter oder Rempter: eingedeutschte Form des lat. Wortes Refectorium, dt. Speisesaal), zwei im Hochmeisterpalast gelegene Säle, wurden für Repräsentationszwecke des Hochmeisters errichtet und gehören in ihrer Architektur zu den eindrucksvollsten Innenräumen des späten Mittelalters. Die Sterngewölbe der beiden lichtdurchfluteten, quadratischen Säle werden jeweils von einer einzigen schlanken Granitsäule getragen.

Eine Steinkugel in der Wand über dem Kamin im Sommerremter – so erzählt die Legende – soll während der Belagerung durch den polnischen König Władysław II. Jagiełło (lit. Jogaila) im Jahr 1410 auf diesen, das Gewölbe tragenden Pfeiler geschossen worden sein, um den Hochmeister Heinrich von Plauen und seine Berater durch das einstürzende Gewölbe zu töten. Die Kugel hat das Ziel verfehlt.

Zwischen 1822 und 1828 wurde der Sommerremter nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels gestaltet. Nach Gemälden des Berliner Historienmalers Karl Wilhelm Kolbe unter Mitarbeit von Albert Höcker geschaffene Glasfenster zeigten Szenen aus der Ordensgeschichte. Im etwas kleineren Winterremter sind Reste der mittelalterlichen Wandmalereien des Malers Peter vom Anfang des 15. Jahrhunderts zu finden.

Der neben dem Hochmeisterpalast im Mittelschloss gelegene große Remter, rund 30 Meter lang, hat leichte Sterngewölbe, die von drei schlanken roten Granitpfeilern getragen werden.

Vorschloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorburg war ab 1309 in Ansätzen vorhanden. In der St. Lorenz-Kapelle, einem bescheidenen Bau mit Flachdecke, an die Außenmauer der Vorburg gelehnt, fanden die Gottesdienste für die Halbbrüder des Deutschritterordens und für die dienenden Schwestern statt. Die Kapelle enthielt eines der größten Meisterwerke der Malerei des 14. Jahrhunderts in den Ordenslanden, den Altar aus dem Ordensschloss Graudenz. Hochmeister Dietrich von Altenburg ließ das Komturhaus bauen und eine Pfahlbrücke über den Fluss schlagen.

Die östlich vorgelagerten Außenbefestigungen

Außenbefestigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Verstärkung der Verteidigungsanlagen wurde unter Heinrich von Plauen in der Mitte des 15. Jahrhunderts (Plauen-Bollwerk) durchgeführt. Es besteht seit dieser Zeit ein kompliziertes Mauer-Graben-Zwinger-System mit teilweise vierfachem Mauerring. Die Verteidigungswälle im nördlichen und östlichen Vorfeld wurden im Zeitraum 1656–1659 von den Schweden erbaut, die zuvor (1655) blutig und verheerend in Polen eingefallen waren.

Innenansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ordenszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalgruppe der Hochmeister im Mittelschloss – v. l. Salza, Feuchtwangen, Kniprode und Albrecht

Im Zuge seiner Ostexpansion sicherte der Deutsche Orden die eroberten Gebiete durch den Bau von Burgen. Zu diesen gehörte auch die Marienburg, die zwischen 1270 und 1300 am Ufer der Nogat, eines Mündungsarms der Weichsel, errichtet wurde. Sie diente ursprünglich als Sitz des Landmeisters. Ihren Namen erhielt die Burg nach der Schutzpatronin des „Ordens der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem“, wie die vollständige Bezeichnung des Deutschen Ordens lautete.

Während der Orden in Osteuropa große militärische Erfolge erzielte, musste er im Heiligen Land schwere Rückschläge hinnehmen. 1271 ging seine Hauptfestung Montfort verloren. Mit der Festung Akkon fiel 1291 das letzte Bollwerk der Kreuzfahrer im Heiligen Land. Daraufhin verlegte der Deutsche Orden seinen Hauptsitz nach Venedig. Ein Jahrzehnt später reifte die Erkenntnis, dass an eine erfolgreiche Rückeroberung Palästinas nicht zu denken war. Als alternatives Betätigungsfeld bot sich Preußen an.

Als 1307 der Templerorden aufgelöst wurde und 1308 bzw. 1309 die Übernahme von Danzig durch den Deutschen Orden erfolgte, verlegte Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen im September 1309 seinen Sitz von Venedig in die Marienburg. Die Festung wurde nach und nach zum Schloss ausgebaut, da sie sich für die Repräsentationszwecke eines so mächtigen Ordens bald als zu beengt erwies. Beispielsweise fanden hier die großen Kapitel des Gesamtordens statt, an denen auch Deutschmeister und Meister aus Livland teilnahmen und auf denen der Hochmeister des Ordens gewählt wurde. Im Laufe des 14. Jahrhunderts weilten regelmäßig auch Repräsentanten des europäischen Hochadels bei Preußenfahrten in der Marienburg.

Nach der Niederlage des Ordens in der Schlacht bei Tannenberg gegen Polen-Litauen kam es 1410 erstmals zu einer weitreichenden Belagerung der Marienburg. Dabei gelang es Heinrich von Plauen, die Festung zu halten.

Im Dreizehnjährigen Preußischen Städtekrieg konnte 1454 Hochmeister Ludwig von Erlichshausen die Burg zunächst erfolgreich gegen den polnischen König Kasimir IV. Jagiello verteidigen. Der König unterstützte den Preußischen Bund, in dem sich zahlreiche Städte und Stände gegen den Orden zusammengeschlossen hatten. Da der Hochmeister jedoch mit den Soldzahlungen in Rückstand geriet, musste er die Burg 1455 an seine rebellierenden Söldner verpfänden. Diese verkauften die Festung kurzerhand an den polnischen König.

Polnische und preußische Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochmeister verlegte seinen Sitz nach Königsberg (das heutige Kaliningrad), und am 7. Juni 1457 zog der König von Polen in die Marienburg ein. Im Zweiten Frieden von Thorn trat der Orden Stadt und Burg endgültig an das Preußen königlichen, d.h. polnischen Anteils ab. Der restliche Ordensstaat wurde 1525 in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt, das bis 1635 noch polnischer Lehenshoheit unterstand. Die Marienburg war lange Zeit repräsentativer Sitz der polnischen Könige.

Während des Dreißigjährigen Krieges, in den Jahren 1626 und 1629, besetzten die Schweden die Burg und ein weiteres Mal von 1656 bis 1660 während des Schwedisch-Polnischen Krieges. Mit der 1. Polnischen Teilung kam die Marienburg 1772 zum Königreich Preußen und gehörte ab 1773 zur neugeschaffenen Provinz Westpreußen.

Durch die folgende Nutzung, etwa als Kaserne, wurden viele Elemente der mittelalterlichen Architektur zerstört, und es gab sogar Pläne, das Hochschloss zugunsten eines neuen Magazinbaus abzureißen. Dagegen wandten sich u. a. Friedrich Gilly und Johann Friedrich Frick, die ab 1794 Ansichten der Marienburg veröffentlichten. 1803 rief der Dichter Max von Schenkendorf zur Rettung der Marienburg auf, und 1804 verbot König Friedrich Wilhelm III. weitere Abrissarbeiten. Ab 1817 begannen Restaurierungsmaßnahmen, an denen auch Karl Friedrich Schinkel beteiligt war. Er reiste 1819 im Auftrage des Staatskanzlers Karl August von Hardenberg, der das Hardenbergfenster im Großen Remter stiftete, zur Marienburg. Der Oberpräsident Heinrich Theodor von Schön ließ sie umfassend restaurieren und erhielt dafür von König Friedrich Wilhelm IV. den Ehrentitel „Burggraf von Marienburg“.

Ab 1850 wurde durch die (nördliche) Vorburg die Preußische Ostbahn gebaut. Die Eisenbahnbrücke über die Nogat sollte militärisch gesichert werden. Aus diesem Grund wurde die Vorburg als Brückenkopf ausgebaut unter Benutzung der alten Ringmauer und der Türme - und der Bahndamm wurde quer durch die Vorburg gelegt. Die von Carl Lentze 1851-1857 erbaute eiserne Eisenbahnbrücke diente zugleich auch dem öffentlichen Wagen- und Fußgängerverkehr. Diese Brücke war aber aufgrund des Mischverkehrs und der geringen Tragkraft schon bald nicht mehr ausreichend. 1888-1891 wurde deshalb eine neue eiserne Brücke 68 m nördlich der alten errichtet. Erneut wurde der Bahndamm durch die Vorburg geschüttet und so die Nordmauer auf 110 m Länge verdeckt. Der Recketurm, auch Buttermilchturm genannt, der Stadtbefestigung der Stadt Marienburg stand nun genau zwischen dem alten und neuen Bahndamm. Beide Brücken wurden 1945 von der abziehenden Wehrmacht gesprengt. Die Brücke von 1857 danach abgetragen, die Brücke von 1891 wurde mit einfachen Blechträgern auf den alten Pfeilern wiedererrichtet.[1][2]

Kaiserreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rotes Schloss der Marine in Mürwik, 2014. (Hinsichtlich Ähnlichkeiten zur Original-Marienburg siehe folgendes Bild von 2016.)

Während des Deutschen Kaiserreichs spielte die Burg unter der Regierung von Kaiser Wilhelm II. eine wichtige Rolle in der nationalen Identität. Die Ordensburg war eine der offiziellen Pfalzen des Kaisers. In den Jahren 1896 bis 1918 wurde die Marienburg von Conrad Steinbrecht nachhaltig restauriert.

Bei der Einweihung der ebenfalls 1901–1908 restaurierten Hohkönigsburg erwähnte Wilhelm II. auch die Marienburg und ihren Status mit den Worten: „Möge die Hohkönigsburg hier im Westen des Reiches, wie die Marienburg im Osten, als ein Wahrzeichen deutscher Kultur und Macht bis in die fernsten Zeiten erhalten bleiben.“[3] 1907 wurde zudem als Ersatz für die Marineakademie und -schule Kiel, die Marineschule Mürwik in Flensburg-Mürwik erbaut, die als Hauptwerk der Wilhelminischen Zeit (vgl. Wilhelminismus) gilt[4] und bei der man sich am Bau der Ordensburg Marienburg orientierte.

Im Ersten Weltkrieg war die Marienburg für einige Wochen der Sitz des Oberkommandos der VIII. Armee unter Hindenburg und Ludendorff.

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1933 ideologisierte der Nationalsozialismus den Deutschen Orden und damit auch die Marienburg, ähnlich wie das Tannenberg-Denkmal. Die NSDAP und SS bzw. ihre Funktionäre nutzten sie häufig für Tagungen, Feierlichkeiten und Aufmärsche. Ab 1934 wurde mit dem Bau eines großen Amphitheaters auf der Ostseite der Burg begonnen. Es gab auch Planungen für den Neubau einer „NS-Ordensburg“ nordöstlich der mittelalterlichen Anlage, die aber nicht mehr verwirklicht wurden. 1937 wurde die Burg als "Burg des deutschen Jungvolkes" ausgebaut und eingerichtet.[5]

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Marienburg nach der Zerstörung (1945)
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Die Marienburg nach bisherigen Restaurierungen mit neuen hellen Steinen in den Schadstellen – Vergleich (2016)

Zerstörung und Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehrmacht hatte bereits frühzeitig die Marienburg als Festung ausgebaut und bei Annäherung der Roten Armee besetzt. Den Angriffen der Sowjetarmee wurde hinhaltend Widerstand geleistet. Diese beschoss die Burg nach längerer Belagerung mit schwerer Artillerie. Dabei wurde die Burg zu 60 Prozent zerstört bzw. beschädigt. Besonders die Ostseite war dabei überwiegend betroffen.

Mit Hinterpommern und Ostpreußen fiel 1945 die Stadt und Burg an Polen. Bereits ab 1946 erfolgte die schrittweise Restaurierung vom polnischen Staat. Bis 1951 sollte sie als Teil des polnischen Armeemuseums ausgebaut werden und unterstand deshalb dem Militär. Im Vordergrund standen Aufräumungs- und Sicherungsarbeiten, auch die Reparatur und Wiederherstellung der Dächer war vordringlich. Ab 1951 übernahm dann aber für 10 Jahre die Polnische Gesellschaft für Tourismus und Landschaftskunde die Burg. Dann wurde ein örtliches Komitee für den Schutz und Aufrechterhaltung der Burg gegründet. Das geschah auch, weil bisher kaum auf Originalität nach Unterlagen geachtet und sehr sporadisch gearbeitet wurde. Deren Initiative war erfolgreich und am 1. Januar 1961 wurde das Schlossmuseum gegründet. Schrittweise wurden Sammlungen zusammengetragen und die fachlich begleitete Rekonstruktion der Burg vorangetrieben.[6]

Seit einigen Jahren ist auch die Marienkirche und der große Turm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Kirche wird nur schonend teilweise restauriert, Flächen und Elemente bleiben teilweise so erhalten, wie sie nach dem Krieg vorhanden waren. Das Ausmaß der Zerstörung wird so auf eindringliche Weise dokumentiert.

Die polnischen Restauratoren haben die Zerstörungen vor 1945 und den nachfolgenden Wiederaufbau auch dadurch sichtbar dokumentiert, dass sie die Originalteile in ihrem Bestand und der Färbung beließen und die rekonstruierten und restaurierten Gebäudeteil in den Färbungen der moderneren Materialien realisierten. Somit ist ein Vergleich des Zerstörungsfotos mit den gegenwärtigen Fotos augenscheinlich möglich.

Die Marienburg ist heute einer der wichtigsten Anziehungspunkte für Touristen in Polen; sie wird überwiegend als Museum genutzt. Neben den geschichtlichen und architektonischen Ausstellungen sind auch solche Sammlungen, wie das Bernsteinmuseum in der Burganlage zu finden. Mit Audio-Guide-Geräten in allen wichtigen Sprachen kann man in ungefähr viereinhalb Stunden die gesamte Burg besichtigen. Seit dem 7. Dezember 1997 gehört die Marienburg zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Marienburg wird zudem in der polnischen Liste der staatlicher Kulturgüter (pomnik historii) geführt.

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienfigur – Ziel der Legendenbildung

Verschiedene Sagen und Legenden sind zur Marienburg überliefert. Im 19. Jahrhundert zeichnete Ludwig Bechstein einige von ihnen unter dem Titel „Die Wunder der Marienburg“ auf:

  • Zur Entstehung der Marienburg überlieferte er die Sage, dass die Kreuzritter in Jerusalem das Haus bewohnten, in dem der Heiland mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl abhielt. Einen Stein dieses Hauses hätten die Kreuzritter mitgenommen und ihn als Grundstein der Marienburg gesetzt, weshalb der Bau unter göttlichem Schutz läge.
  • Zur ehemals weithin sichtbaren Madonna an der Kapelle überlieferte Bechstein die Sage, dass der Künstler – als er sie vollendet hatte – sich ungern von ihr trennen wollte. Vor der geplanten Übergabe habe er daher eine geweihte Kerze vor dem Bildnis entzündet und unter Tränen gebetet. Die Madonna habe gnadenvoll gestrahlt und er habe sodann vor dem Bild den ewigen Frieden gefunden.
  • Eine weitere von ihm überlieferte Sage berichtet davon, dass, als ein Angreifer auf die Burg mit einer Armbrust auf das Marienbildnis ansetzte, um es zu zerstören, dieser erblindet sei. Ein weiterer Angreifer, der auf das Bildnis ansetzte und schoss, sei von seinem zurückprallenden Pfeil ins Herz getroffen worden.
  • Eine letzte Sage berichtet von zwei Liebenden, die in Stein verwandelt worden seien, da solche Gefühle nicht vom Haus geduldet wurden. Der Sitz des Ordens sollte vielmehr ein Haus der Entsagung irdischer Lust sein.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Conrad Steinbrecht: Untersuchungs- und Wiederherstellungs-Arbeiten am Hochschloss der Marienburg. Ernst & Korn, Berlin 1885. (Digitalisat)
  • August Witt: Marienburg, das Haupthaus des deutschen Ritter-Ordens in dem ehemaligen und in dem gegenwärtigen Zustande. Mit zwei Ansichten. Königsberg 1854 (Volltext).
  • Bernhard Pawelcik: Marienburg. Verlags-Gesellschaft für Städtebau, Berlin 1930
  • Johannes Voigt: Geschichte Marienburgs, der Stadt und des Haupthauses des deutschen Ritter-Ordens in Preußen. Königsberg 1824, 588 Seiten (Druckfehler-Berichtigung auf S. 589–590) (Volltext).
  • Ludwig Lucas: Geschichtliche Nachrichten von Stadt und Schloß Marienburg in Preußen. In: Beiträge zur Kunde Ostpreußens, Band 2, Königsberg 1819
    • Erster Abschnitt: Von der Gründung der Stadt Marienburg bis zur Erhebung derselben zum Sitze des Hohmeisters (1309), S. 238–254, online
    • Zweiter Abschnitt: Von der Erhebung Marienburgs zum Sitze des Hochmeisters bis zum Ende der Regierung Winrichs von Kniprode (1309–1382), S. 306–334, online.
  • Friedrich Wilhelm Schubert: Die Großgebietiger des Deutschen Ordens in Preußen seit der Verlegung des hochmeisterlichen Sitzes nach Marienburg. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 5, Königsberg 1831, S. 206–225, S. 277–292 (Berichtigung über den 20. Großkomtur in dieser Fortsetzung auf S. 388), S. 373–388 und S. 485–516.
  • Bernhard Schmid: Die Marienburg : Ihre Baugeschichte Aus dem Nachlass herausgegeben, ergänzt und mit Abbildungen versehen von Karl Hauke, Würzburg : Holzner 1955.
  • Johann Gustav Gottlieb Büsching: Das Schloß der deutschen Ritter zu Marienburg. Berlin 1823 (Volltext).
  • Wolfgang Korall, Gunnar Strunz: Die Burgen des Deutschen Ritterordens. Verlagshaus Würzburg GmbH & Co.KG, Leipzig, 2010, ISBN 978-3-8003-1963-3
Panorama der gesamten Burganlage von Westen über die Nogat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marienburg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Marienkirche (Marienburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brücken über Weichsel und Nogatwww.ostbahn.eu
  2. Marienburg: Die Vorburgpreussenweb.de
  3. Viktoria Luise von Preußen: Im Glanz der Krone. Braunschweig 1967, S. 316 sowie Oberrheinische Studien, Band III., Karlsruhe 1975, S. 382
  4. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005 , ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Kelmhof, Kelmstraße
  5. Der Volks-Brockhaus, Brockhaus-Verlag Leipzig, 1939, S. 432
  6. Haftka, Mierzwinski, Marienburg – Burg des Deutschen Ordens, RV Verlag, Warschau/München, 1996, ISBN 83-86146-76-1
  7. Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853, Nummer 261

Koordinaten: 54° 2′ 32″ N, 19° 1′ 54″ O