Ordnungszelle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Ordnungszelle wird meist das rechtsradikale Bayern in den ersten Jahren der Weimarer Republik bezeichnet. Als „demokratische Ordnungszelle“ wurde Preußen unter den Regierungen der Preußenkoalition bezeichnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es im Gefolge der Novemberrevolution von 1918 im Frühjahr 1919 zur Münchner Räterepublik. Das eigentlich konservative Bayern war ein Zentrum der Rätebewegung geworden. Um Räterepubliken zu verhindern, entstanden viele Einwohnerwehren. Nach der Niederschlagung der Räterepublik war die Angst vor den Kommunisten weit verbreitet und die Rechtsradikalen gewannen erheblich an Zulauf. Zu ihnen gehörte auch die Deutsche Arbeiterpartei, die sich am 24. Februar 1920 in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannte.

1920 wurde der der kaiserlichen Verwaltung entstammende Gustav Ritter von Kahr Ministerpräsident und stand einer bürgerlichen Rechtsregierung vor. Er strebte eine eigenständige Stellung Bayerns innerhalb des Deutschen Reiches an und wollte den Freistaat als konservative Ordnungszelle im „marxistischen“ Deutschland erhalten. Gestützt auf die Einwohnerwehren ließ Kahr die Arbeiter- und Soldatenräte auflösen. Ebenso hatte Kahr schon 1920 Kontakt zu Adolf Hitler und lernte ihn als Verbündeten gegen den Kommunismus schätzen.[1]

In Bayern konnten sich gesuchte politische Straftäter und Mitglieder der Organisation Consul genau so gut verbergen wie Beteiligte am Kapp-Putsch.

Im Herbst 1923 kam es nach dem Ende des Ruhrkampfes und der Unterdrückung linker Regierungen in Sachsen und Thüringen durch die Reichswehr zu einer Rechtsdiktatur unter Kahr und einem offenen Konflikt mit der Reichsregierung. Die bayerische Regierung wollte die Verhältnisse in der Ordnungszelle auf ganz Deutschland übertragen und den Parlamentarismus beseitigen (siehe Geschichte Bayerns) und Adolf Hitler beabsichtigte, die Situation zu einem Marsch nach Berlin und dem Putsch gegen die Regierung auszunutzen (siehe Hitler-Ludendorff-Putsch). Der Putsch wurde nach Kahrs Meinungsänderung von der bayerischen Polizei niedergeschlagen, und Kahr trat im Februar 1924 zurück. Er wurde 1934 im KZ Dachau umgebracht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebendiges Museum Online LeMO: Gustav Ritter von Kahr