Oreichalkos

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Oreichalkos (griechisch ὀρείχαλκος, aus ὄρος óros „Berg“ und χαλκός chalkós „Erz“, also „Bergerz“) ist die griechische Bezeichnung für Messing, also eine Legierung aus Kupfer und Zink im Verhältnis 4:1. Die Röntgenfluoreszenzanalyse von 39 Barren Oreichalkos, die in einem 2600 Jahre alten Schiffwrack vor der Stadt Gela im Süden Siziliens gefunden worden waren, ergab eine Zusammensetzung von 75-80% Kupfer, 15-20% Zink und kleine Mengen von Nickel, Blei und Eisen.[1][2]

Den antiken Griechen zufolge wurde das Metall von Kadmos, dem mythischen griechisch-phönizischen König von Theben erfunden. Der griechische Philosoph Plato berichtet in seinem Dialog Kritias, dass Oreichalkos ein „feurig schimmerndes Metall“ sei, das die Bewohner Atlantis „nach Gold“ am meisten schätzten.

Archäologie[Bearbeiten]

2014 wurde in 3 m Tiefe und 300m von der Hafeneinfahrt der Stadt Gela entfernt ein 2600 Jahre altes Schiffwrack gefunden, das 39 Barren eines gelblichen Metalls enthielt. Den Beschreibungen antiker Quellen zufolge kann es sich bei dem Fund nur um Barren aus dem Metall Oreichalkos handeln. Die anschließend durchgeführte Röntgenfluoreszenzanalyse ergab eine Zusammensetzung von 75-80% Kupfer, 15-20% Zink und kleine Mengen von Nickel, Blei und Eisen. Die Bergung der Barren aus dem Schiffwrack erfolgte durch die Sizilianische Meeresbehörde. Eine vollständige Bergung des gesamten Wracks ist vorgesehen.[1][2][3]

Geschichtswissenschaften[Bearbeiten]

Antikes Griechenland[Bearbeiten]

Oreichalkos wird erstmals erwähnt in dem Hesiod zugeschriebenen Epyllion „Schild des Herakles“, worin aus diesem Metall unter anderem Beinschienen gefertigt werden.

Platon erwähnt Oreichalkos in seinem Dialog Kritias und beschreibt es als „feurig schimmerndes Metall“ (Kritias 116c). Es sei das Material, das die Bewohner von Atlantis „nach dem Gold“ am meisten wertschätzten (Kritias 114e) und womit ihre Königsburg und der darin liegende Tempel überzogen und verziert gewesen sei (Kritias 116c - 116e). Allerdings gab Platon nicht genauer an, welcher Stoff damit gemeint sei und woher er stamme.

Der griechische Geograph Strabon (circa 63 v. Chr. bis 26 n. Chr.) schreibt: „Nah bei Andeira gibt es einen Stein, der [...] Zink absondert, und dies unter Zufügung von Kupfer ergibt die 'Mischung', wie man sagt, die von manchen Oreichalkos genannt wird.“ (Strabo, Geographie, XIII, 56). Andeira befand sich 80 Kilometer südöstlich von Troja. In Palästina wurde Messing bereits in der späten Bronzezeit hergestellt.

Pausanias (etwa 150 n. Chr) gebraucht den Begriff Oreichalkos etwa 500 Jahre nach Platon einmal in seiner „Perihegese“. Da er den Begriff nicht erklärt und auch sonst kein weiteres Wort darüber verliert, scheint Oreichalkos zu seiner Zeit allgemein bekannt gewesen zu sein.

Im Neugriechischen bedeutet Oreichalkos ebenfalls Messing, seltener Bronze, was die Vermutung erhärtet, es könnte in der Antike dasselbe bedeutet haben. John Chadwick übersetzte 1990 das in Linearschrift B geschriebene ka-ko mit altgriechischem Lautäquivalent kha(l)ko(s) als „Bronze“.[4]

Antikes Rom[Bearbeiten]

Die Römer übernahmen den Begriff als lat. Aurichalcum und bezeichneten damit eine Kupfer-Zink-Legierung (= Messing) von goldähnlicher Farbe, der man mehr Wert als reinem Kupfer beimaß und die zur Münzprägung verwendet wurde. Seit der Münzreform des Augustus wurden der 27,3 Gramm wiegende Sesterz und sein Halbstück Dupondius aus dieser Legierung im Verhältnis von etwa vier Teilen Kupfer zu einem Teil Zink hergestellt. Unter Philippus Arabs sank der Zinkanteil auf bis zu fünf Prozent.[5]

Alchemie[Bearbeiten]

In der Alchemie und verschiedenen magischen Systemen versteht man unter Orichalkum verschiedene sagenhafte Legierungen aus je nach Quelle Gold, Silber, Kupfer und Quecksilber oder anderen Ausgangsstoffen. Dem Orichalkum werden übernatürliche Kräfte zugeschrieben, es finden sich phantasievolle Bezeichnungen wie Elfengold dafür und auch hier werden gerne Verbindungen zu einem mythisch interpretierten Atlantis gezogen, all dies ist jedoch sehr spekulativ und verworren und hält wissenschaftlicher Überprüfung nicht stand.

Sonstige Verwendung des Namens[Bearbeiten]

Das Wort Oreichalkos, Orichalkum oder Aurichalkum (statt mit dem Buchstaben „k“ oft auch mit dem Buchstaben „c“ am Ende geschrieben) wird oft als generelle Bezeichnung für ein wertvolles und seltenes Metall genannt.

Der Name in Videospielen[Bearbeiten]

In vielen Videospielen, hauptsächlich in Rollenspielen, wurde es als reales Metall bezeichnet. Einige Beispiele:

Anime[Bearbeiten]

  • In der Anime-Serie Yu-Gi-Oh! bezeichnet als „Das Siegel von Orichalcos“
  • In der Anime-Serie Nadia - The Secret of Blue Water als „synthetisches Orichalcum“
  • In der Anime-Serie Black Cat als „Orichalcum“
  • In dem Anime-Film Spriggan als „Orihalcon“
  • In der Anime-Serie Slayers als „Orihalcon“
  • In der Anime-Serie Zettai Karen Children als „Orichalcon“

Pen-&-Paper-Rollenspiele[Bearbeiten]

  • In Shadowrun wie auch in Earthdawn das wichtigste alchimistische Metall
  • In Exalted als das magische Material der Solars.
  • In Das Schwarze Auge unter dem Namen Orichalcum als ein magisches Metall, das in Muscheln gefunden wird.
  • Orichalka in Nephilim stellt die ultimative Gefahr für die magischen Wesen dar, da es die Essenz, das "Ka" zerstört.
  • In Ruf des Warlock bestehen das Schwert des Cherubims Thongmor und die Festung des Halbgotts Warlock aus dem unzerstörbaren Orichalc.[6]

Belletristik[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Platon: Timaios und Kritias. Sämtliche Werke. Bd 8. Griechisch und deutsch, übersetzt von Friedrich Schleiermacher. Insel, Frankfurt M 1991. ISBN 3-458-33108-5

Weblinks[Bearbeiten]

  • Atlantis-Scout (Deutsche Übersetzung der Dialoge Timaios und Kritias)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Rossella Lorenzi: Atlantis' Legendary Metal Found in Shipwreck. Discovery, 6. Januar 2015, abgerufen am 8. Januar 2015 (englisch).
  2. a b Richard Gray: Mythical red alloy said to be from the lost island is discovered off coast of Sicily. Daily Mail Online, 8. Januar 2015, abgerufen am 8. Januar 2015 (englisch).
  3. Francisco Aguirre A.: Investigadores encuentran 39 lingotes del "legendario metal de la Atlántida", descrito por Platón. Latercera, 7. Januar 2015, abgerufen am 8. Januar 2015 (spanisch).
  4.  Harald Haarmann: Geschichte der Schrift. Von den Hieroglyphen bis heute (= Beck’sche Reihe. Band 4075). C.H.Beck, München 2002/2009, ISBN 978-3-406-59218-8, Die alteuropäisch-altägäische Schriftkultur, S. 29.
  5. Anumis.de - Münzlexikon Aurichalkum
  6. Ruf des Warlock Regelwerk, S. 13, 20