Orgel der Hauptkirche Sankt Jacobi (Hamburg)

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Orgel der Hauptkirche Sankt Jacobi (Hamburg)
St. Jakobi Hamburg Arp-Schnitger-Orgel.jpg
Allgemeines
Ort Hauptkirche Sankt Jacobi (Hamburg)
Orgelerbauer Arp Schnitger
Baujahr 1693
Letzte(r) Umbau/Restaurierung 1990–1993 durch Ahrend
Epoche Barock
Technische Daten
Anzahl der Pfeifen ca. 4.000
Anzahl der Register 60
Anzahl der Pfeifenreihen 98
Anzahl der Manuale 4
Tontraktur Mechanisch
Registertraktur Mechanisch
Anzahl der 32′-Register 2

Die Orgel der Hauptkirche Sankt Jacobi (Hamburg) wurde in der Zeit von 1689 bis 1693 von Arp Schnitger[1] erbaut. Die Orgel verfügt über vier Manuale, ein Pedal und 60 Register, darunter 15 Zungenstimmen, mit insgesamt knapp 4.000 klingenden Pfeifen. Insgesamt wurden an der Orgel zwischen ihrer Erbauung und der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Restaurierungen vorgenommen, der eigentliche schnitgersche Bestand jedoch blieb vor tiefgreifenden Eingriffen verschont. Sie zählt zu den bedeutendsten erhaltenen großen Barockorgeln.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgängerinstrumente 13.–17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wann die erste Orgel in St. Jacobi gebaut wurde, ist nicht dokumentiert. Um 1300 ist allerdings ein „Meister Rudolf“ als Organist bezeugt. Von 1512 bis 1516 wurde eine zweimanualige Orgel von Jacob Iversand und Harmen Stüven gebaut. Vor 1543 wurde ein Rückpositiv hinzugefügt. Weitere Umbauten und Erweiterungen erfolgten im 16. und 17. Jahrhundert durch Orgelbaumeister wie Jacob Scherer (ab 1551), Scherers Schwiegersohn Dirk Hoyer (1577–1578), der ein neues Rückpositiv und zwei neue Pedaltürme baute, Hans Bockelmann (1588–1589) und Hans Scherer der Ältere (1588–1592), die ein neues Oberwerk ergänzten. Scherers Söhne Hans Scherer der Jüngere und Fritz Scherer überholten 1606/07 das Instrument. Am Ende des 16. Jahrhunderts stand Hieronymus Praetorius mit diesem Instrument eine der größten Orgeln der damaligen Zeit zur Verfügung. In seinem Syntagma musicum[2] überliefert Michael Praetorius die damalige Disposition mit 53 Registern auf drei Manualen:[3]

1635–1636 erweiterte Gottfried Fritzsche durch einen großen Umbau den kleineren Klaviaturumfang des Renaissanceinstruments auf vier Oktaven und vier Klaviaturen. Der damalige Jacobi-Organist Ulrich Cernitz, ein Schüler des berühmten „Hamburger Organistenmachers“ Jan Pieterszoon Sweelinck, berichtete ausführlich über diese Maßnahmen, an deren Ende das Instrument über 56 Register verfügte.[4]

Einen Renovierungsumbau führte der Sohn Hans Christoph Fritzsche im Jahr 1655 durch.[5]

Erweiterung durch Schnitger 1693[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematischer Werkaufbau („Hamburger Prospekt“) einer Orgel. (PW=Pedalwerk, OW=Oberwerk, HW=Hauptwerk, BW=Brustwerk, RP=Rückpositiv)
Polygonaler Pedalturm

Aus diesem Vorgängerinstrument übernahm der Orgelbaumeister Arp Schnitger 25 Labialregister, von denen das älteste noch aus der ursprünglichen Orgel (1516) stammt; die Zungen und die übrigen Pfeifen baute er selbst. Schnitger erweiterte das Instrument auf vier Manuale und 60 Register. Gegen den Rat von Johann Adam Reincken, Organist an St. Katharinen, erhielt das Pedal einen Principal 32′ und eine Posaune 32′, die als besonders prestigeträchtig galten. Die Kosten für den Orgelbau beliefen sich auf 29.108 Mark. Die Werke haben die Bezeichnungen Hauptwerk, Oberwerk, Rückpositiv, Brustwerk und Pedalwerk. Der Prospekt der Arp-Schnitger-Orgel von St. Jacobi prägte den Gattungsbegriff des Hamburger Prospekts. Charakteristisch dafür ist der symmetrische Aufbau von Pedaltürmen und Ecktürmen, durchbrochen von Flachfeldern, um einen großen Mittelturm des Hauptwerks. Die Figuren des Prospekts wurden von Christian Precht geschnitzt; sie gehören zu seinen spätesten bekannten Werken.

Berichten diverser Biographen zufolge hat Johann Sebastian Bach sich seinerzeit um die Stelle des Organisten an St. Jacobi beworben. Jedoch erhielt statt seiner Johann Joachim Heitmann die Stelle, weil dieser im Gegensatz zu seinem berühmt gewordenen Mitbewerber in der Lage war, eine hohe Summe Geldes (4.000 Mark) an die Kirchenkasse zu entrichten und darüber hinaus die Tochter des Hauptpastors ehelichen.

Johann Mattheson überliefert die Strafpredigt von Erdmann Neumeister, dem damaligen Hauptpastor von St. Jacobi: „Er glaube ganz gewiß, wenn auch einer von den bethlehemitischen Engeln vom Himmel käme, der göttlich spielte und wollte Organist zu St. Jacobi werden, hätte aber kein Geld, so möchte er nur wieder davon fliegen“.[6]

Tatsächlich ist belegt, dass Bach an der Arp-Schnitger-Orgel in St. Katharinen (Hamburg) vorgespielt hat (Das Vorspiel für die Organistenstelle von St. Jacobi fand in St. Katharinen statt!). Dass er ein Gleiches in St. Jacobi tat, ist nicht gesichert, es wäre jedoch fernliegend, wenn er nicht auch das größere Schwesterinstrument in St. Jacobi ausprobiert hätte.

Dispositionsänderungen im 18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1722 wurde die Orgel von Otto Diedrich Richborn überholt, der auch eine Veränderung der Disposition vornahm. Auch Johann Jakob Lehnert änderte 1761 die Disposition geringfügig. 1774–1775 erneuerte Johann Paul Geycke den Spieltisch. Weitere Umdisponierungen wurden 1790 durch Johann Daniel Kahl, 1836 und 1846 durch Johann Gottlieb Wolfsteller vorgenommen. 1866 wurden neue Kanäle und Ausgleichsbälge gebaut. Eine weitere Dispositionsänderung und der Einbau einer zusätzlichen pneumatischen Lade im Brustwerk wurde 1890 durch Marcussen vorgenommen.

Restaurierungen im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste schwerwiegende Eingriff in die klangliche Substanz des Instruments erfolgte 1917, als die Prospektpfeifen an die Heeresverwaltung zur Metallsammlung im Ersten Weltkrieg abgegeben werden mussten.[7] Hans Henny Jahnn entdeckte dann zusammen mit Gottlieb Harms nach dem Ersten Weltkrieg den Wert dieses Instruments und setzte sich für die Instandsetzung dieser, so wörtlich: „trostlos abgetakelte(n) Orgel“[8] ein. Mit der Durchführung der Ugrino-Konzerte brachte er die benötigten finanziellen Mittel für dieses Vorhaben auf. Hierbei arbeitete er eng mit der Orgelbauwerkstatt Kemper (Lübeck) zusammen, im Zuge dessen die Orgel Ende der 1920er Jahre vor einer drohenden Pneumatisierung durch den seinerzeit amtierenden Organisten Carl Mehrckens und den Orgelsachverständigen Theodor Cortum bewahrt wurde.

Hans Henny Jahnn verkündete an dem Beispiel dieser Orgel auf einer Lübecker Tagung 1925 die Prinzipien seiner Ideen zur Reform des Orgelbaus, die später andere Mitglieder der Fachwelt – einige meinen, dass dies aus einem Missverständnis der Jahnnschen Ideen heraus geschah – als Grundlage der sogenannten Orgelbewegung heranziehen sollten. Wesentlicher Bestandteil dessen war unter anderem eine Rückbesinnung auf die alten mechanischen Prinzipien des Orgelbaus sowie Klangideale des Barock.

Nach der Vernichtung der großen Schwesterinstrumente von St. Katharinen und des Lübecker Doms durch alliierte Bombenangriffe lagerte man die Pfeifen, Windladen und Schnitzarbeiten 1943 in einen Bunker unter dem Kirchturm aus. Dadurch blieben 85 % des alten Pfeifenbestandes erhalten. Die Sicherung von Kulturgütern vor den Bombenangriffen war seinerzeit riskantes Unterfangen, da man vor den nationalsozialistischen Machthabern Gefahr lief, sich dem Vorwurf des Defätismus auszusetzen. Das Orgelgehäuse sowie der Spieltisch verblieben in der Kirche und wurden ein Raub der Flammen.[9]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Orgel zunächst provisorisch im unzerstört gebliebenen Südschiff der Kirche wieder aufgestellt. Nach der Fertigstellung der Instandsetzungsarbeiten des Hauptschiffs wurde sie in einem neuen Gehäuse mit neuem Spieltisch wieder aufgebaut und am 29. Januar 1961 eingeweiht.

Dieser Wiederaufbau fand aber unter der Anwendung von Vorstellungen statt, die von der schnitgerschen Konzeption erheblich abwichen und damit der alten Klangsubstanz nicht in dem damals möglichen und vielleicht wünschenswerten Maße Rechnung trugen. Dazu gehörte beispielsweise, dass – zunächst gegen das Votum des Orgelbauers Kemper – der Kirchenvorstand entschied, die von Schnitger als kurze Oktaven konzipierten tiefsten Oktaven der Manuale um die „fehlenden Töne“ zu ergänzen. Dazu mussten die Windladen erweitert und die Pfeifen in ihrer Anordnung auf den Windladen verändert werden.[10] Dies brachte die gesamte Windversorgung durcheinander, sodass sich ein Folgefehler an den nächsten reihte: Pfeifenkerne mussten aufgetrennt, Aufschnitte verkürzt und die Kernspalten verändert werden. Zudem ging man damals von der unzutreffenden Annahme aus, dass der hohe Winddruck der Orgel vor dem Krieg nicht auf die schnitgersche Konzeption zurückging.[11] Als Folge davon setzte man den Winddruck deutlich herab, sodass die Pfeifen zum Teil nicht mehr ansprachen. Als weitere Folge davon wurden einige Diskantpfeifen einen halben bis ganzen Ton höher auf die Windladen gesetzt und die Pfeifen teilweise erheblich verkürzt. Dieser Umstand wurde durch Zufall entdeckt, als auf den Pfeifen ausgeriebene, originale Tonbezeichnungen wieder sichtbar gemacht werden konnten.

Jürgen Ahrend in seiner Werkstatt bei der Vorintonation des Oberwerks

Alsbald wurden die Schwächen immer spürbarer, sodass man 1986 an Jürgen Ahrend den Auftrag vergab, die Orgel mit Ausnahme einiger späterer Veränderungen durch Johann Jakob Lehnert wieder in den Zustand von 1693 zu versetzen. Ahrend hatte sich zuvor schon mit anerkannten Restaurierungen anderer Orgeln von Huß und Arp Schnitger ein internationales Renommée erworben.[12]

1985 bis 1987 wurde jede historische Pfeife vom Groninger Orgelexperten Cornelius H. Edskes nach etwa 30 Merkmalen beschrieben, um die Restaurierung auf möglichst sichere Grundlagen zu stellen. Das Ergebnis war eine Datensammlung von mehr als 60.000 Einzeldaten.[12]

Rekonstruierter Spieltisch

Der Spieltisch wurde nach einem originalen Vorbild Schnitgers rekonstruiert, welches heute im St.-Annen-Museum in Lübeck ausgestellt ist. Dabei war von besonderer Bedeutung, dass man kurz zuvor auf dem Dachboden über der Kirche die originalen schnitgerschen Registerschilder wiedergefunden hatte, die allerdings ohne Substanzverlust nicht restauriert und daher lediglich als Kopien Aufnahme in die Restaurierung finden konnten.[13]

Die großen, bleiernen Zungenbecher der Posaune 32′ konnten konstruktionsbedingt ihr eigenes Gewicht nicht tragen und waren im Laufe der Zeit zusammengesunken. Sie wurden vorsichtig wieder gerichtet mit stützenden Kupfermanschetten versehen.[14] Die Prospektpfeifen, darunter der Prinzipal 32′, wurden neu gegossen und dem schnitgerschen Original entsprechend mit aufgeworfenen Rundlabien versehen. Dazu musste Jürgen Ahrend eigens die Decke seiner Werkstatt öffnen. Es stellte sich zunächst das Problem, dass die Legierung des Metalls der Prospektpfeifen unbekannt war. Dabei kam den Restauratoren der Zufall zur Hilfe: Auf einer alten Innenpfeife entdeckten sie einen Flicken, von dem man annahm, dass er ein Abfallprodukt der alten Prospektpfeifen sein könnte,[15] was normalerweise beim Stimmen solch großer Pfeifen ohne weiteres entsteht. Dieser wurde analysiert und ergab eine Legierung aus fast reinem Zinn, die beim Neuguss der Prospektpfeifen verwendet wurde.[16]

Des Weiteren waren nach dem Zweiten Weltkrieg die Stöcke der originalen Windladen aufgetrennt und in veränderter Anordnung wiederaufgebaut worden, ein Umstand, der von den Restauratoren in mühevoller Kleinarbeit unter größtmöglicher Wahrung der historischen Substanz rückgängig gemacht wurde. Anhand der Abmessungen der Windladen und der Mensuren der Pfeifen konnte auch der originale Winddruck rekonstruiert werden. Die Pfeifen wurden bei der Restaurierung 1990 bis 1993 wieder angelängt und auf die originalen Positionen gebracht.[17]

Schließlich wurde das Schnitzwerk restauriert, Fehlendes ergänzt und mit 100 m² Blattgold[18] neu vergoldet, darunter auch die Schleierbretter, die Engelsfiguren auf dem Rückpositiv, die Davidsstatue und die Engelsputten am Hauptwerk.[19]

Die Gesamtkosten betrugen fünf Millionen Deutsche Mark. Anhand der organologischen Befunde und der handwerklichen Erfahrung des Restaurators geht man heute im Allgemeinen davon aus, dass der heutige Klang weitestgehend, soweit man über die Orgel eben selbst den Klang bestimmen kann und soweit dieses Ziel denn erreichbar ist, dem der Zeit Schnitgers entspricht.[20]

Abstriche vom „historischen Klang“ wird man sicherlich insoweit machen müssen, als zu der Zeit Schnitgers die Kirche mit wesentlich mehr Holzbauten ausgestattet war, was den heute vereinzelt als zu hart empfundenen Klang der Orgel ganz anders aufnehmen konnte. Auch wird die Verlegung neuer Fußbodenplatten seinen Beitrag dazu geleistet haben, dass die Akustik der Kirche heute eine ganz andere ist als seinerzeit. Am schwersten wiegt wohl der Einbau einer Trennverglasung in die Arkaden zum Seitenschiff hin, der (insbesondere den tiefen Tönen) ihren Resonanzraum nimmt.

Briefmarke der Deutschen Bundespost (1989): 300 Jahre Arp-Schnitger-Orgel in der Hauptkirche St. Jacobi, Hamburg

Technisch gesehen hat man wohl – genauso wie die Frauenkirche in Dresden unbestreitbar eine neue Kirche ist – unbestreitbar eine neue Orgel mit schnitgerschem Pfeifenbestand vor sich. Die Konzeption der historisch getreuen Restaurierung rechtfertigt dies mit dem alten Pfeifenbestand, der nach dieser Ansicht nicht anders hätte gewürdigt werden können.

Der Umstand, dass der Klang der Orgel vor ihrer Restaurierung mit dem Klang nach der Restaurierung denkbar wenig gemein hatte, hatte nach dem Abschluss der Restaurierung neben viel Anerkennung auch heftige Debatten ausgelöst: Nach der Auffassung einiger Kritiker ist die Intonation zu hart und grell; mit der Rückführung auf den Stand von 1693 sei ein zu harter Schnitt vollzogen worden, der der immerhin 300-jährigen, durchaus komplexen baugeschichtlichen Entwicklung der Orgel nicht gerecht geworden sei. Beispielsweise hätte der Spieltisch auch nach der Restaurierung durch Geycke konzipiert werden können, was nach allgemeinen Maßstäben durchaus als historisch gegolten hätte.[21]

Das hierbei wohl umstrittenste Thema war die Wahl der Temperierung (des Stimmsystems) der Orgel, welche hier modifiziert mitteltönig mit 1/5 Syntonisches Komma gestaltet wurde.[22] Während der Orgelbauer die Rückführung auf reine Mitteltönigkeit vertrat, was bedeutet hätte, dass ein guter Teil der Orgelliteratur von Johann Sebastian Bach bereits undarstellbar gewesen wäre, vertrat der amtierende Organist die gleichsam unter historischen Gesichtspunkten vertretbare Auswahl einer wohltemperierten historischen Stimmung, etwa nach Alkmaar oder Werckmeister III.

Die hier vorliegende Lösung ist ein – nach zähen und überaus kontrovers geführten Debatten gefundener – Kompromiss und – wohl bewusst – nicht historisch. Wenn der Befund zutreffend ist, dass Schnitger die Orgel rein mitteltönig gestimmt geliefert hatte, was seinerseits nicht ohne Widerspruch geblieben ist, so hätte er eine Stimmung gewählt, die der damals bereits veröffentlichten Literatur eines Bruhns oder Buxtehude nicht gerecht werden konnte.[23] Zudem stellen andere ungleichschwebende Temperierungen durchaus die Reize fast reiner Terzen bzw. Quinten dar, ohne aber wiederum die Härten der Ausgleichsintervalle (beispielsweise der Wolfsquinte) zu hart ausfallen zu lassen. Derzeit behilft man sich zur Vermeidung von Härten mit der Transposition, das heißt der Darstellung von Orgelliteratur in anderen als den originalen Tonarten. Die (durchaus reversible) Entscheidung der Wahl der Temperierung könnte jedoch unter Umständen in näherer Zukunft wieder zur Disposition stehen, was wiederum deutlich macht, wie vertretbar hier auch andere Lösungen gewesen wären.

Insgesamt wurde die Leistung Ahrends international als besonders herausragend bezeichnet. Mag die Dauerhaftigkeit der getroffenen Maßnahmen erst in 15 bis 20 Jahren vollends zutreffend beurteilt werden können, die herausragende Leistung und der handwerkliche Umgang Ahrends mit dem gefährdeten historischen Material zu dessen Rettung ist auch von seinen Kritikern anerkannt und gewürdigt worden.

Disposition seit 1993[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I Rückpositiv CDE–c3
Principal 8′ A
Gedackt 8′ Sch/F
Quintadehna 8′ Sch/F
Octava 4′ F/A
Blockflöht 4′ Sch/F
Querpfeiff 2′ F/A
Octava 2′ F/A
Sexquialtera II F/A
Scharff VI–VIII F/A
Siffloit 112 F
Dulcian 16′ S
Bahrpfeiffe 8′ S/A
Trommet 8′ L/A
Cimbelsterne
II Werck CDEFGA–c3
Principal 16′ A
Quintadehn 16′ F/S
Octava 8′ Vor Sch/Sch/S
Spitzflöht 8′ S
Viola di Gamba 8′ L
Octava 4′ Sch/S
Rohrflöht 4′ Sch/S
Flachflöht 2′ A
Rauschpfeiff II Sch/S
Super Octav 2′ S
Mixtur VI–VIII F/S
Trommet 16′ F/S
III Oberpositiv CDEFGA–c3
Principal 8′ S/A
Rohrflöht 8′ S
Holtzflöht 8′ S
Spitzflöht 4′ S
Octava 4′ Sch
Nasat 3′ S
Octava 2′ S
Gemshorn 2′ Sch/F
Scharff IV–VI F/A
Cimbel III S/A
Trommet 8′ S
Vox humana 8′ S
Trommet 4′ S/A
IV Brustpositiv CDEFGA–c3
Principal 8′ F/?
Octav 4′ S/A
Hollflöth 4′ S
Waldtflöht 2′ S
Sexquialtera II F/Sch
Scharff IV–VI S
Dulcian 8′ S
Trechter Regal 8′ S
Pedal CD–d1
Principal 32′ A/S
Octava 16′ S
Subbaß 16′ S
Octava 8′ S
Octava 4′ F/?
Nachthorn 2′ S
Rauschpfeiff III F/S
Mixtur VI–VIII F/S
Posaune 32′ S
Posaune 16′ S
Dulcian 16′ S
Trommet 8′ S
Trommet 4′ S
Cornet 2′ S
Anmerkungen
Sch = Scherer (16./17. Jh.)
F = Gottfried Fritzsche (1636)
S = Arp Schnitger (1693)
L = Johann Jakob Lehnert (1761)
A = Jürgen Ahrend (1993)

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 60 Register, vier Manuale und Pedal
  • Ca. 4.000 Pfeifen
  • Traktur (Ahrend):
    • Tontraktur: Mechanisch
    • Registertraktur: Mechanisch
  • Windversorgung:
    • Zwölf Windladen (Schnitger)
    • Ein Hauptventil und fünf Ventile für die Einzelwerke
    • Sechs Keilbälge (Ahrend)
    • Winddruck: 80 mmWS
  • Stimmung:
    • Höhe a1= 495,45 Hz bei 18 °C
    • Modifiziert mitteltönige Stimmung (1/5-syntonisches Komma)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius H. Edskes: Über die Stimmtonhöhe und Temperatur der Arp-Schnitger-Orgel von St. Jacobi in Hamburg. In: Hans Davidsson (Hrsg.): Cornelius H. Edskes doctor honoris causa. Göteborgs Univ., Depart. of Musicology, Göteborg 1996, ISBN 91-85974-37-4.
  • Gustav Fock: Arp Schnitger und seine Schule. Ein Beitrag zur Geschichte des Orgelbaues im Nord- und Ostseeküstengebiet. Bärenreiter, Kassel 1974, ISBN 3-7618-0261-7.
  • Karl-Heinz Göttert, Eckhard Isenberg: Orgelführer Deutschland. Bärenreiter, Kassel 2001, ISBN 3-7618-1347-3.
  • Günter Lade (Hrsg.): 40 Jahre Orgelbau Jürgen Ahrend 1954–1994. Selbstverlag, Leer-Loga 1994.
  • Ibo Ortgies: Die Praxis der Orgelstimmung in Norddeutschland im 17. und 18. Jahrhundert und ihr Verhältnis zur zeitgenössischen Musikpraxis. Göteborgs universitet, Göteborg 2004 (gbv.de [PDF; 5,4 MB] rev. 2007).
  • Heimo Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg. Christians, Hamburg 1995, ISBN 3-7672-1187-4.
  • Harald Vogel: Dietrich Buxtehude: Orgelwerke Vol. 7. Dabringhaus und Grimm, Detmold 1993 (Begleitheft zur CD).

Aufnahmen/Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arp-Schnitger-Orgel in der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richert, Harald: Arp Schnitger und Vincent Lübeck in unserer Heimat. In Lichtwark-Heft Nr. 64. Hrsg.: Bezirksamt Bergedorf, Bergedorf, 1999. Siehe jetzt: Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf. ISSN 1862-3549.
  2. Michael Praetorius: Syntagma musicum. Bd. 2: De Organographia (1619). Nachdruck: Bärenreiter, Kassel 2001, ISBN 3-7618-1527-1, S. 168–169.
  3. „Neben den Trebulanten, und 18. kleinen Blaßbälgen“.
  4. Gustav Fock: Hamburgs Anteil am Orgelbau im niederdeutschen Kulturgebiet. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Nr. 38, 1939, S. 351–352 (online).
  5. Hans-Werner Coordes: Hamburg, St. Jacobi. abgerufen 9. April 2012.
  6. Johann Mattheson: Der musicalische Patriot. Hamburg 1728, S. 316.
  7. Fock: Arp Schnitger und seine Schule. 1974, S. 61.
  8. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 108.
  9. Fock: Arp Schnitger und seine Schule. 1974, S. 62.
  10. Cornelius H. Edskes, Harald Vogel: Arp Schnitger und sein Werk. Hauschild, Bremen 2009, S. 161.
  11. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 129.
  12. a b Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 130.
  13. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 146.
  14. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 224.
  15. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 210.
  16. Cornelius H. Edskes, Harald Vogel: Arp Schnitger und sein Werk. Hauschild, Bremen 2009, ISBN 978-3-89757-326-0, S. 56: Zinngehalt von fast 99 %.
  17. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 204f, 208.
  18. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 141.
  19. Cornelius H. Edskes, Harald Vogel: Arp Schnitger und sein Werk. Hauschild, Bremen 2009, S. 56.
  20. Martin Balz: Göttliche Musik. Orgeln in Deutschland. Konrad Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 3-8062-2062-X, S. 52 (230. Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde): „Eine umfassende Restaurierung einschließlich der Rekonstruktion von Prospekt, Mechanik und Balganlage durch Jürgen Ahrend in Leer-Loga in den Jahren 1989–1993 brachte sie in einen Zustand, der dem von 1693 nach heutigem Wissen sehr nahe ist“.
  21. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 129, 144.
  22. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 227f: In der Schnitger-Schule wurde diese Stimmung anscheinend 1721 in Zwolle angewandt.
  23. Reinitzer (Hrsg.): Die Arp-Schnitger-Orgel. 1995, S. 228.

Koordinaten: 53° 33′ 1″ N, 10° 0′ 1″ O