Orgel der Moritzkirche (Halle)

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Orgel der Moritzkirche (Halle)
Moritzorgel-prospekt-2012.JPG
Allgemeines
Alternativer Name Moritzorgel
Ort Moritzkirche (Halle)
Orgelerbauer W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder)
Baujahr 1925–1927
Letzte(r) Umbau/Restaurierung 2009–2011 durch Orgelbau Reinhard Hüfken Halberstadt
Epoche Spätromantik
Technische Daten
Anzahl der Register 59 (+ 4 Transmissionen)
Anzahl der Pfeifenreihen 85
Anzahl der Manuale 3
Windlade Taschenlade
Tontraktur Pneumatisch
Registertraktur Pneumatisch
Anzahl der 32′-Register 1
Anzahl der 64′-Register
Sonstiges
Bedeutende Organisten

Heinz Wunderlich

Die Orgel der Moritzkirche (Halle), im Volksmund kurz Moritzorgel genannt, wurde im Jahre 1925 als opus 1307 von der Firma W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) erbaut. Sie verfügt über 63 Register (darunter 4 Transmissionen), verteilt auf drei Manuale und Pedal. Die Traktur ist rein pneumatisch, das Windladensystem der Spieltraktur ist die Taschenlade.

Sie ist als Denkmalorgel ein bedeutendes Beispiel deutscher spätromantischer Orgelbaukunst.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neubau durch Sauer 1925–1927[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1920er Jahren regte Adolf Wieber, Organist der Moritzkirche, einen Orgelneubau in der Moritzkirche an; daraufhin kam es 1925 zu Verhandlungen mit Wilhelm Rühlmann (Zörbig) und Wilhelm Sauer (Frankfurt (Oder)). Die Firma Sauer erhielt den Auftrag zum Bau der neuen Orgel. Der endgültige Kostenanschlag, der am 17. Juni 1925 zur Auftragserteilung führte, lautete über 32.200,- Reichsmark. Die Firma Sauer nahm Teile der alten Orgel in Zahlung, verwendete diese aber nicht für den Bau der neuen Orgel.

In vielen anderen wichtigen Kirchen der Stadt standen Orgeln der Firma Rühlmann, beispielsweise in der Marktkirche Unser Lieben Frauen, in der Ulrichskirche (heutige Konzerthalle) und in weiteren Kirchen. Diese Orgeln waren noch von der damals üblichen industriellen Fertigung geprägt; Sauer hingegen war davon bereits wieder abgekommen.

Am 13. September 1925 fand die Einweihung der Orgel durch den Thomaskantor Günther Ramin statt; das Abnahmegutachten erstellte Oscar Rebling, damals Organist an der Marktkirche Unser Lieben Frauen. Die Orgel verfügte zunächst über 53 Register. Sowohl im Spieltisch als auch im Orgelinneren ließ man Raum für spätere Erweiterungen, die in den Jahren 1926 und 1927 erfolgten. Danach hatte die Orgel ihren heutigen Bestand von 63 Registern erreicht. Die Orgel war durchaus auch als Konzertinstrument vorgesehen, wie der Ausbau der Manualklaviaturen auf fünf ganze Oktaven und die Ausstattung mit Spielhilfen zeigen. Somit wurde die Orgel neben dem Gebrauch in den Gottesdiensten auch zu Konzerten genutzt. Sie hatte folgende Disposition:

I Manual C–c4
Bourdun 16′
Bratsche 16′
Principal 8′
Doppelflöte 8′
Gemshorn 8′
Gambe 8′
Dulciana 8′
Quinte 513
Oktav 4′
Rohrflöte 4′
Prästant 2′
Cornett III–VIII
Hintersatz III–V
Cymbel IV
Trompete 8′
Tuba 8′
Krumbhorn 8′
II Schwellwerk C–c4
Nachthorn 16′
Flötenprincipal 8′
Grobgedackt 8′
Konzertflöte 8′
Quintatön 8′
Viola 8′
Querflöte 4′
Gambetta 4′
Piccolo 2′
Schwiegel 1′
Sesquialtera II
Progressiv III–IV
Scharff VI
Fagott 16′
Oboe 8′
Geigendregal 4′
Tremulant
III Schwellwerk C–c4[Anm. I 1]
Liebl. Gedackt 16′
Geigenprincipal 8′
Gedackt 8′
Traversflöte 8′
Salicional 8′
Aeoline 8′
Vox celestis (ab c0) 8′
Flauto dolce 4′
Fugara 4′
Zartquinte 223
Flageolett 2′
Terz 135
Mixtur III–IV
Horn 8′
Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–1
Principalbass 16′
Kontrabass 16′
Subbass 16′
Zartbass (aus III) 16′
Violon (aus I) 16′
Octavbass 8′
Bassflöte (aus II) 8′
Cello (aus I) 8′
Flötbass 4′
Rauschpfeife IV
Rankett 32′
Posaune 16′
Tromba 8′
Clairon 4′
Singend Cornett 2′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: III/II, III/I, II/I, I/P, II/P, III/P, P/II.
    • Superoktavkoppeln: Super III, Super III/II, Super III/I.
    • Suboktavkoppeln: Sub III, Sub III/II, Sub III/I.
  • Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, feste Kombinationen: P, MF, F, FF, Tutti, Bläserchor, Flötenchor, Streicherchor, Auslöser, Walze ab, Zungen ab, Handregister ab, Koppeln aus der Walze, Handregister zu Fr. Komb., Crescendo-Walze, Pedal ab, Manual 16′ ab, Ausschaltungen.
Anmerkungen I
  1. Außer Zartquinte, Flageolet und Terz alle Register bis c5 ausgebaut.

Umbau 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschneidende Veränderungen an der Orgel gab es im Jahre 1945, als Kantor Heinz Wunderlich an der Moritzkirche als Organist tätig war: Ein Orgelbauer aus Crimmitschau (Michel) veränderte acht Register im Sinne der Orgelbewegung. Sie hatte danach folgende Disposition:

I. Manual C–c4
Quintade[Anm. II 1] 16′
Bratsche 16′
Principal 8′
Doppelflöte 8′
Gemshorn 8′
Dulciana 8′
Oktav 4′
Rohrflöte 4′
Quinte[Anm. II 2] 223
Prästant 2′
Quinte[Anm. II 3] 113
Cornett III–VIII
Hintersatz III–V
Cymbel IV
Trompete 8′
Tuba 8′
Krumbhorn 8′
II Schwellwerk C–c4
Nachthorn 16′
Flötenprincipal 8′
Grobgedackt 8′
Konzertflöte 8′
Quintatön 8′
Octave[Anm. II 4] 4′
Querflöte 4′
Octave[Anm. II 5] 2′
Piccolo 2′
Schwiegel 1′
Sesquialtera II
Progressiv III–IV
Fagott 16′
Zimbel VI[Anm. II 6]
Geigendregal 4′
Tremulant
III Schwellwerk C–c4[Anm. II 7]
Liebl. Gedackt 16′
Geigenprincipal 8′
Gedackt 8′
Traversflöte 8′
Aeoline 8′
Vox celestis (ab c0) 8′
Octave[Anm. II 8] 4′
Flauto dolce 4′
Zartquinte 223
Flageolett 2′
Terz 13/5
Quinte[Anm. II 9] 113
Mixtur III–IV
Horn 8′
Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–1
Principalbass 16′
Kontrabass 16′
Subbass 16′
Zartbass (aus III: Liebl. Gedackt) 16′
Violon (aus I: Bratsche 16′) 16′
Octavbass 8′
Bassflöte (aus II: Konzertflöte 8′) 8′
Flötbass 4′
Octave (aus II: Octave 2′)[Anm. II 10] 2′
Rauschpfeife IV
Rankett 32′
Posaune 16′
Tromba 8′
Clairon 4′
Singend Cornett 2′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: III/II, III/I, II/I, I/P, II/P, III/P, P/II.
    • Superoktavkoppeln: Super III, Super III/II, Super III/I.
    • Suboktavkoppeln: Sub III, Sub III/II, Sub III/I.
  • Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, feste Kombinationen: P, MF, F, FF, Tutti, Bläserchor, Flötenchor, Streicherchor, Auslöser, Walze ab, Zungen ab, Handregister ab, Koppeln aus der Walze, Handregister zu Fr. Komb., Crescendo-Walze, Pedal ab, Manual 16′ ab, Ausschaltungen.
Anmerkungen II
  1. Bis 1945: Bourdun 16′.
  2. Bis 1945: Quinte 513′.
  3. Bis 1945: Gambe 8′.
  4. Bis 1945: Gambetta 4′.
  5. Bis 1945: Viola 8′.
  6. Bis 1945: Oboe 8′.
  7. Außer Zartquinte, Flageolet und Terz alle Register bis c5 ausgebaut.
  8. Bis 1945: Salicional 8′.
  9. Bis 1945: Fugara 4′.
  10. Bis 1945: Cello 8′.

Bis 1969 war Helmut Gleim Kantor an der Moritzkirche. Er führte die Gepflogenheiten seiner Vorgänger Wieber und Wunderlich weiter.

Der Verfall der Orgel begann in den 70er Jahren, nachdem die Nutzung der Moritzkirche durch die damalige evangelische Gemeinde eingestellt wurde und die Orgel in Vergessenheit geriet. Bei der umfassenden Restaurierung des Gebäudes nach der Übergabe des Nutzungsrechts an die neu gegründete katholische Gemeinde von Halle-Neustadt war die Orgel schutzlos den Widrigkeiten während der Bauarbeiten ausgeliefert; letztlich wurde sie dadurch unspielbar.

Reparatur ab 1998[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spieltisch

Als 1979 Ernestine Frost als Kirchenmusikerin tätig wurde, gab es Bemühungen, die Orgel wieder spielbar zu machen. Die von der Firma Sauer veranschlagte Wartezeit betrug 15 Jahre. 1998/1999 wurde in einer ersten Phase durch Sauer die Orgel wieder spielbar gemacht

1999 erklang die Orgel zum ersten Mal wieder nach zwanzig Jahren. Elf der 63 Register waren spielbar. Ein weiterer Bauabschnitt folgte in den Jahren 2000/2001: 13 weitere Register kamen hinzu, 2002 ein weiteres, womit 25 der insgesamt 63 Register und 2 der 3 Manuale spielbar waren.

Disposition seit 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I. Manual C–c4
1. Quintade 16′
2. Bratsche 16′
3. Principal 8′ s
4. Doppelflöte 8′ s
5. Gemshorn 8′ s
6. Dulciana 8′
7. Oktav 4′ s
8. Rohrflöte 4′
9. Quinte 223
10. Prästant 2′
11. Quinte 113 s
12. Cornett III–VIII
13. Hintersatz III–V
14. Cymbel IV
15. Trompete 8′ s
16. Tuba 8′
17. Krumbhorn 8′
II Schwellwerk C–c4
18. Nachthorn 16′ s
19. Flötenprincipal 8′ s
20. Grobgedackt 8′ s
21. Konzertflöte 8′ s
22. Quintatön 8′ s
23. Octave 4′ s
24. Querflöte 4′ s
25. Octave 2′ s
26. Piccolo 2′ s
27. Schwiegel 1′ s
28. Sesquialtera II s
29. Progressiv III–IV s
30. Fagott 16′ s
31. Zimbel VI
32. Geigendregal 4′ s
Tremulant
III Schwellwerk C–c4 (c5[Anm. III 1])
33. Liebl. Gedackt 16′
34. Geigenprincipal 8′
35. Gedackt 8′
36. Traversflöte 8′
37. Aeoline 8′
38. Vox celestis (ab c0) 8′
39. Octave 4′
40. Flauto dolce 4′
41. Zartquinte 223
42. Flageolett 2′
43. Terz 135
44. Quinte 113
45. Mixtur III–IV
46. Horn 8′
47. Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–g1
48. Principalbass 16′
49. Kontrabass 16′
50. Subbass 16′ s
51. Zartbass (= Nr. 33) 16′
52. Violon (= Nr. 2) 16′
53. Octavbass 8′ s
54. Bassflöte (= Nr. 21) 8′
55. Flötbass 4′ s
56. Octave (= Nr. 25) 2′
57. Rauschpfeife IV
58. Rankett 32′
59. Posaune 16′
60. Tromba 8′
61. Clairon 4′ s
62. Singend Cornett 2′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: III/II, III/I, II/I<, I/P, II/P, III/P, P/II
    • Superoktavkoppeln: Super III, Super III/II, Super III/I.
    • Suboktavkoppeln: Sub III, Sub III/II, Sub III/I.
  • Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, feste Kombinationen: P, MF, F, FF, Tutti, Bläserchor, Flötenchor, Streicherchor, Auslöser, Walze ab, Zungen ab<, Handregister ab, Koppeln aus der Walze, Handregister zu Fr. Kombination, Crescendo-Walze, Pedal ab, Manual 16′ ab, Ausschaltungen.
  • Anmerkungen III
  1. Zartquinte, Flageolet und Terz nur bis c4 ausgebaut.
s = seit 2001 wieder spielbar

Restaurierung ab 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Förderverein setzte sich gemeinsam mit Florian Kleidorfer, der seit dem Jahre 2005 als Kirchenmusiker an der Moritzkirche Halle und der Propsteikirche Halle beschäftigt war, für die Fortsetzung einer denkmalgerechten und originalgetreuen Wiederherstellung der Sauer-Orgel ein.

Am 13. September 2005 und damit zum 80. Jahrestag der Orgelweihe, wurde der Orgel-Förderverein gegründet. Dieser dient der Förderung der Restaurierung der Orgel und bezweckt die ideelle und finanzielle Förderung aller unmittelbar und mittelbar daraufhin zielender Maßnahmen. Er ist als besonders förderungswürdig und gemeinnützig anerkannt. Es werden unter anderem Benefizkonzerte veranstaltet und dabei Spenden für die Orgel gesammelt.

Zusammen mit der Moritzgemeinde in der heutigen katholischen Pfarrei Halle-Mitte wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen und die Orgel im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu erhalten. Als Erfolg dieser Anstrengungen begann im Dezember 2009 die vollständige Restaurierung der Orgel mit Wiederherstellung des Originalzustandes.

Die Orgelrestaurierung wurde von der Orgelbaufirma Reinhard Hüfken aus Halberstadt ausgeführt. Im Rahmen der Feierlichkeiten 600 Jahre Moritzkirche weihte Bischof Dr. Gerhard Feige die vollständig restaurierte Orgel am 18. September 2011 wieder ein. Seit dieser originalgetreuen Rückführung besitzt das Instrument wieder seine ursprüngliche Disposition von 1925/27.

Gemäß der fachlichen Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt vom 16. August 2005 ist die historische Sauer-Orgel der Moritzkirche als fester Bestandteil der Ausstattung dieser Kirche Teil eines Kulturdenkmals. Auch unabhängig von diesem Zusammenhang sei das Instrument als Denkmalorgel von hervorragendem orgelbaugeschichtlichem und musikalischem Wert einzuschätzen und nach den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes zu behandeln.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pneumatischer Koppelapparat der Sauer-Orgel
  • 59 Register + 4 Transmissionen, Pfeifenreihen, Pfeifen.
  • Windlade: Taschenlade.
  • Spieltisch(e):
    • Freistehend.
    • 3 Manuale.
    • Pedal.
    • Registerwippen.
  • Traktur:
    • Tontrakur: Pneumatisch
    • Registertraktur: Pneumatisch

Organisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Wieber
  • 1943–1957: Heinz Wunderlich (1919–2012)
  • 1957–1969: Helmut Gleim
  • 1979–2005: Ernestine Frost († 2013)
  • 2005–2011: Florian Kleidorfer
  • 2011–2012: Tobias Geuther (Vakanz-Vertretung, ehrenamtlich)
  • seit 2013 : Tobias Fraß

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katrin Barnick: Orgel schweigt nicht mehr : erstes Konzert seit 30 Jahren. In: Mitteldeutsche Zeitung. Band 11, 2000, S. 14.
  • Holger Brülls: Die Sauer-Orgel von 1925 in der Moritzkirche zu Halle, ein bedeutendes Orgeldenkmal des 20. Jahrhunderts. In: Sachsen-Anhalt: Journal für Natur- und Heimatfreunde. Band 16, 2006, ISSN 0940-7960, S. 26–28.
  • Karl Friedrich Senff: Predigt bey der Einweihung der neuerbauten Orgel in der St. Moritz-Kirche zu Halle: am 22. Sonntage nach Trinitat. 1784 gehalten; Nebst einer kurzen Nachricht von der Erbauung dieser Orgel. Gebauer, Halle 1784.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]