Orgel von St. Laurentius (Schönberg)

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Orgel von St. Laurentius (Schönberg)
WinzerOrgel.jpg
Allgemeines
Ort St. Laurentius (Schönberg)
Orgelerbauer Friedrich Wilhelm Winzer
Baujahr 1847
Letzte(r) Umbau/Restaurierung 2006–2008 durch Schuke
Epoche Romantik
Orgellandschaft Mecklenburg
Technische Daten
Anzahl der Pfeifen 1.379
Anzahl der Register 26
Anzahl der Pfeifenreihen 31
Anzahl der Manuale 2
Windlade Schleifladen
Tontraktur Mechanisch
Registertraktur Mechanisch
Anzahl der 32′-Register
Anzahl der 64′-Register
Sonstiges
Bedeutende Organisten

Christoph D. Minke

Die Orgel von St. Laurentius (Schönberg) wurde 1847 eingeweiht und ist die größte heute noch erhaltene Orgel des Wismarer Orgelbaumeister Friedrich Wilhelm Winzer (1811–1886), der sich um die Durchsetzung der Prinzipien des Orgelbautheoretikers und Liszt-Freundes Johann Gottlob Töpfer bemühte.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Organist ist für das Mittelalter belegt. Nach dem Kirchenbrand 1601 brannte auch die damalige Orgel wurde auch die damalige Orgel zerstört. Ein Neubau ist für 1624 belegt.

Neubau durch Winzer 1847[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative zu diesem Orgelbau ging von dem damaligen Pastor Fischer aus, dem Schönberg darüber hinaus die Gestaltung des Kirchplatzes und die Renovierung der Kirche verdankt. Zur Einweihung am 7. Februar 1847 erklang die Orgel zunächst unter den Händen ihres Erbauers. In einem festlichen Orgel-Concert am selben Tage gestalteten der Schönberger Organist Fritz Creutzfeldt, der Domorganist Mette aus Ratzeburg und Hermann Jimmerthal von St. Marien, Lübeck, der zuvor des Lobes voll die Orgel abgenommen hatte, ein Programm mit Werken von Bach, Rinck, Mendelssohn u. a. sowie einigen Chorsätzen.

Friedrich Wilhelm Winzer baute nach den damals fortschrittlichen Prinzipien des Orgelbautheoretikers Johann Gottlob Töpfer, einem Freunde Franz Liszts. „Nach dem fortschrittlichen Werk des Prof. Töpfer in Weimar sind in Deutschland mehrere Orgel entstanden. Unter den Meistern … muss namentlich der Orgelbauer Herr Winzer erwähnt werden … Dieser Mann hat seine künstlerische Ausbildung bei dem bekannten Orgelbauer Herrn Schulze (Paulinzella) genossen, und viele Jahre bei ihm gearbeitet. In dieser Zeit ist er mehrere Jahre dessen Werkführer gewesen, und hat als solcher die berühmten Orgeln zu Halberstadt und Wismar, bekanntlich zu den besten Orgeln Deutschlands gehörend, gearbeitet. Nach dem Bau der Wismarer Orgel entschloss er sich, sich in Mecklenburg niederzulassen. Seitdem hat er nun eine Anzahl Orgeln erbaut, die dem Mecklenburger Orgelbau bald eine andere Achtung verschaffen werden, als er sie bisher genossen hat.“

Vom Können Winzers zwar überzeugt, sandte man die für Schönberg vorgesehene Disposition zwecks Begutachtung an Professor Töpfer. Der hatte nichts auszusetzen: „Weitere Bestimmungen halte ich für unnötig, weil mir der Orgelbauer als ein geschickter, rechtlicher und ehrliebender Mann bekannt ist, dem man kein Mißtrauen zeigen darf.“

Technisch unterscheidet sich die Schönberger Orgel von 1847 kaum von denen früherer Epochen. Sie hat Schleifladen mit mechanischer Traktur, einen klingenden Prospekt und eine Windversorgung durch drei Keilbälge, wobei das Oberwerk mittels eines Schwimmerbalges eine eigene Windcharakteristik erhält. Im Sinne größtmöglicher Vielfarbigkeit verteilen sich auf zwei Manuale und Pedal 25 klingende Stimmen mit insgesamt 1352 Pfeifen.

Reparaturen durch Grüneberg und Kemper 1894/1895[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Instrument ist fast original erhalten. Bis zu seinem Tod hielt es sein Erbauer instand. 1894 erfolgte eine Reparatur durch Grüneberg aus Stettin, der 1895 die Trompete ersetzte. Kurz darauf fügte Kemper aus Lübeck, im Oberwerk die Aeoline ein. Anstelle des originalen Zinnprospektes, der 1917 für Kriegszwecke abgeliefert werden musste, befand sich bis Ende 2006 Ersatz aus Zink.

Restaurierung durch Schuke 2006–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1982 und 1992 erfolgten größere Instandhaltungsarbeiten durch Voigt, Bad Liebenwerda und Schuke, Potsdam. Nunmehr wird die Orgel umfassend bei der Orgelbaufirma Schuke/Werder restauriert.

Seit ihrer Vollendung 1847 hat die Winzer-Orgel das Musikleben Schönbergs nachhaltig beeinflusst. Die reiche kirchenmusikalische Tradition und das heutige rege Konzertleben unter der Leitung von Kirchenmusiker Christoph D. Minke (z. B. Schönberger Musiksommer) hätte sich ohne sie nie so entwickeln können.

Disposition seit 1847[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I Hauptwerk C–
1. Principal 8′[Anm. 1]
2. Bordun 16′[Anm. 2]
3. Fugara 8′[Anm. 3]
4. Hohlflöte 8′[Anm. 4]
5. Gedackt 8′[Anm. 5]
6. Flöte 4′[Anm. 2]
7. Octave 4′[Anm. 6]
8. Mixtur IV 3′[Anm. 7]
9. Scharf III 2′[Anm. 8]
10. Trompete 8′[Anm. 9]
II Oberwerk C–
11. Geigenprincipal 8′[Anm. 10]
12. Salicional 8′[Anm. 11]
13. Lieblich Gedackt 16′[Anm. 2]
14. Flaute traverso 8′ [Anm. 12]
15. Lieblich gedackt 8′ [Anm. 13]
16. Octave 4′ [Anm. 14]
17. Octave 4′ [Anm. 15]
18. Aeoline 8′ [Anm. 16]
Pedal C–d1[Anm. 17]
19. Principalbaß 16′[Anm. 2]
20. Violon 16′[Anm. 2]
21. Violoncello 8′ [Anm. 18]
22. Subbaß 16′[Anm. 2]
23. Octavenbaß 8′[Anm. 2]
24. Gedactbaß 8′[Anm. 2]
25. Octave/Flöte 4′[Anm. 19]
26. Posaune 16′ [Anm. 20]
Anmerkungen
  1. c–d1 Zink im Prospekt (1929), ab ds1 Zinn.
  2. a b c d e f g h Holz.
  3. Zinn.
  4. Holz, C–H Gedackt zusammengeführt.
  5. C–f2 Holz, ab fs3Metall.
  6. Metall.
  7. Metall C: 223′, 2′ c: 4′ 223′, 2'c1: 513′, 4′, 223′, 2′.
  8. Metall C: 2′, 113′, 1′ g: 4′, 223′, 2′.
  9. 1895, Becher Zinn.
  10. C–gs Zink im Prospekt (1929), ab s Zinn.
  11. C–A mit Geigenprincipal zusammengeführt, ab B Metall.
  12. C–gs mit Gedackt 8′ zusammengeführt, ab a Holz gedrechselt.
  13. C–H Holz, ab c (offenbar nicht original) Metall mit Holzstöpseln.
  14. Metall.
  15. C–f1 Holz, ab fs1 Metall.
  16. Kemper, C–H Zink, ab c Metall.
  17. Lade seitlich hinter dem Hauptwerk.
  18. C–ds Holz, ab e Metall-Lade hinter dem Oberwerk.
  19. Freie Schleife.
  20. Durchschlagend, Becher Zink, Drittellänge.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Winzer-Orgel wird morgen 160 Jahre alt: Am 7. Februar 1847 wurde das edle Instrument in der Schönberger Kirche eingeweiht. In: Lübecker Nachrichten. Band 62, 6. Februar 2007, S. 13.
  • Die Schönberger Winzer-Orgel. In: Schönberger Musiksommer. Band 13, 1999, S. 12–13.
  • Kurze Geschichte und Beschreibung der Winzer-Orgel von 1847. In: Schönberger Musiksommer. Band 4, 1997, S. 8–10.

Aufnahmen/Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph D. Minke spielt die historische Winzer-Orgel (1847). 1997, Tonstudio Werner Eggert (Christoph D. Minke spielt Werke von Nikolaus Bruhns, Johann Sebastian Bach, Frank Martin, Julius Reubke).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]