Orgeln des Salzburger Domes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Orgeln des Salzburger Domes
Allgemeines
Ort Salzburger Dom
Orgelerbauer Hansueli Metzler
Johann Pirchner
Franz Zanin (Camino al Tagliamento)
Francesco Zanin (Codroipo)
Baujahr 1988 / 1989 / 1991 / 1995
Epoche 20. Jahrhundert
Abbildungen
Die Große Orgel im Salzburger Dom

Die Große Orgel im Salzburger Dom

Technische Daten
Anzahl der Pfeifen 8011 (insgesamt)
Anzahl der Register 128 (insgesamt)
Tontraktur mechanisch
Registertraktur mechanisch
Sonstiges
Bedeutende Organisten

Heribert Metzger

Der Salzburger Dom verfügt seit 1995 über sieben[1] selbstständige Orgeln. Auf der Westempore befindet sich die Hauptorgel aus dem Jahre 1988, auf den vier wiederhergestellten Pfeileremporen der Vierung, die einst für die polyphone barocke Kirchenmusikpraxis wichtig waren, fünf nach 1990 geschaffene Instrumente. Zudem verfügt der Dom über ein Truhenpositiv. Alle sieben Orgeln des Salzburger Domes haben eine rein mechanische Spiel- und Registertraktur.

Orgeln und Kirchenmusik ab 1628[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den 1628 eingeweihten Salzburger Dom schuf Orgelbauer Leopold Rotenburger drei Instrumente, nämlich Orgeln für die zwei vordersten Emporen unter der Kuppel und ein Regal für das Presbyterium.[2] 1643 baute er zwei weitere Orgeln für die Trompeteremporen in der Vierung. Mit den vier Pfeileremporen war die Möglichkeit geschaffen worden, einzigartige polyphone barocke Kirchenmusik zum Erklingen zu bringen. An gewöhnlichen Festen wurde in drei Gruppen musiziert, nämlich an den östlichen Kuppelemporen und im Presbyterium, an Hochfesten wurden noch Pauken und Trompeten auf den westlichen Kuppelemporen positioniert. Wie die Musiker im 18. Jahrhundert verteilt waren, beschrieb Leopold Mozart 1757 ausführlich.[3]

Kirchenmusikpraxis um 1682, Kupferstich von Melchior Küsel

1. Prinzipal-Chor mit Hoforgel (Epistel-Orgel)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die südöstliche Empore nannte man Prinzipal-Chor, hier stand die Hoforgel und ca. 14 Musiker; vom Prinzipal-Chor aus leitete der Kapellmeister oder sein Vertreter die Musik, auf ihr musizierten der Hoforganist, die Solosänger, ein Violoncellist, ein Violinist, drei Fagottisten und drei Posaunisten.

2. Chor mit Heilig-Geist-Orgel (Evangelien-Orgel)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihnen gegenüber, auf der nordöstlichen Empore, standen ca. zwölf Violinisten mit ihrem Konzertmeister und dem Organisten an der Heilig-Geist-Orgel.

3. Ripienochor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dritte Ensemble, die sog. Ripienisten, war um das Regal oder die Chororgel im Presbyterium gruppiert und bestand aus Kapellknaben, Domchorvikaren und Domchoralisten. Sie hatten die Aufgabe, das Tutti zu verstärken oder zu bilden.

4. + 5. Trompeterchöre mit Orgeln von 1643[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An hohen Feiertagen standen auf den beiden westlichen Emporen, den sog. Trompeterchören, ca. sechs schwarz gekleidete Trompeter, zwei ebensolche Pauker und zwei weitere Orgelspieler, um bei den zu solchen Anlässen komponierte Musik für fünf Chöre mitzuwirken.

Bekleidet waren die Musiker mit weißen Chorröcken, ausgenommen Trompeter und Pauker, die schwarze Uniformen trugen.

Festorgel von Egedacher 1703 und 1705[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwirklichung einer Prozessionsorgel auf der Westempore, für das Spiel zum Ein- und Auszug des zelebrierenden Bischofs durch das Hauptportal, fand 75 Jahre nach der Eröffnung des Domes statt. Der alles Savoyanische und Welsche ablehnende, 1687 zum Erzbischof gewählte Johann Ernst spendete für deren Errichtung 5000 Gulden. Den Auftrag zum Bau der großen Salzburger Domorgel erteilte er an Hoforgelmacher Christoph Egedacher († 6. April 1706), der ihn am 2. August 1702 unterzeichnete. Vermutlich stammt der unsignierte Entwurf vom (da welsch vom Erzbischof entlassene) Caspar Zugalli, ein etwas von diesem abweichende Modell, das Egedacher als Vorlage verwendete, von dem Kunsttischler Lorenz Windpichler. Laut Vertrag verpflichtete sich Egedacher, ein Instrument mit 32 Registern binnen Jahresfrist zu liefern und gemäß dem hierzu gemachten Aufriss und Modell anzufertigen. 1705 wurde das Orgelgehäuse durch harfenförmige Seitenfelder, und das Orgelwerk um ein drittes Manual auf 42 Register erweitert (darunter allein zehn Zungenstimmen).

Bereits 1703, noch zu Lebzeiten seines Vater, hatte dafür Johann Christoph Egedacher eine erste Studienreise nach Trient zur Orgel der Konzilskirche „Santa Maria Maggiore“ unternommen, um das Anfertigen von Zungenstimmen zu studieren. Das Hauptwerk war nun gegenüber dem Bau von 1703 unverändert geblieben, das zweite Manual fand im Unterbau des Gehäuses Aufstellung, das dritte Manual im Ober- (Kron-)werk, das Kleinpedal in den seitlichen Feldern. Von besonderem Interesse ist die Spielanlage des Werks, da sie nach bisheriger Kenntnis den ersten freien Spieltisch in Österreich darstellt, und den der damalig Domorganist Johann Baptist Samber in einer Publikation 1707 abbilden ließ.

Bei einer zweiten Reise 1717 nach Straßburg besuchte Egedacher Andreas Silbermann, untersuchte mit ihm dessen für das Straßburger Münster neu erbaute Orgel und kaufte ihm sein Rezept für ein Präparat gegen „Wurmfraß“ ab. Nach den Ezzes, die sich Egedacher bei Silbermann geholte hatte, arbeitete er die Monate Mai bis September 1718 noch einmal an der Domorgel in der Absicht, das große Werk in besseren Stand, als es jemals gewesen zuzurichten. An die 2000 Pfeifen fertigte er neu an und versah sie mit neuen Windstöcken. Die Orgel bekam allerdings, bei leicht veränderter Disposition, keine zusätzlichen Register. Das Ergebnis war ein Instrument, das sich mit einer leicht gängigen Spielmechanik und einem reinen Ton auszeichnete. Noch 1806 wurde diese Orgel zu den vortrefflichsten, die es gibt, gezählt; der Ton ist dick, und wenn das ganze Werk gekoppelt wird, so tönt es wie Gewittersturm. Speziell das Pedal klang markdurchschneidend. […] Die Verzierungen der Bildhauerkunst daran, sind prächtig und voll Geschmack. In dieser Form bestand die große Orgel im Salzburger Dom bis 1842.

Über dem Kronwerk bzw. über dem Mittelfenster war bis ins 20. Jahrhundert noch das Zifferblatt einer Uhr angebracht, die Johann Bentele im Auftrag Erzbischof Colloredos 1782 hergestellt, und die 2500 Gulden gekostet hatte.

Demolierung der Kuppelemporen und der Vierungsorgeln 1859[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Domrenovierung 1859 wurden die Pfeileremporen und -orgeln abgebrochen; der Stilpurismus jener Zeit zeigte kein Verständnis für diese Spielarten der barocken Architektur und Musik. Die zwei westlichen Orgeln mit jeweils 6 Registern, die auf den Trompeterchören standen, kamen durch Matthäus Mauracher I. in die Pfarrkirchen Hof und Niedernsill, die Heilig-Geist-Orgel mit 13 Registern durch Nepomuk Mauracher auf den Dürrnberg, die sogenannte Hof-Orgel mit 14 Registern durfte Matthäus Mauracher behalten. Die Kirchenmusik wurde danach ausschließlich auf der hinteren Empore über dem Westeingang ausgeführt.

Festorgel nach 1842[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1842 bis 1845 wurde die Große Orgel entsprechend den kirchenmusikalischen Erfordernissen jener Zeit gravierend umgestaltet: Der Salzburger Orgelbauer Ludwig Mooser baute den Klaviaturumfang aus und vermehrte das Werk um weitere 18 Stimmen.

Den neuerlich geänderten Verhältnissen musste auch die Domorgel angepasst werden: In zwei Etappen wurde sie zwischen 1880 und 1883 sowie von 1910 bis 1914 von Matthäus Mauracher sen. bzw. jun. auf 4 Manuale und 101 Register erweitert, mit Spielhilfen ausgestattet und auf pneumatische bzw. elektropneumatische Funktion umgestellt. Damit hatte Salzburg die „größte Kirchenorgel der Monarchie“ erhalten, doch zeigte sich bald, dass der Versuch einer Synthese von handwerklicher Praxis und technischem Fortschritt nicht in jeder Hinsicht geglückt war.

Durch die Überdimensionierung des Werkes war das zwar monumentale, doch nur für 50 Register konzipierte historische Gehäuse seiner Funktion entkleidet, es diente nur noch als Fassade. Problematisch erwiesen sich auch die Windladen in ihrer unterschiedlichen, aus mehreren Entstehungsphasen stammenden Bauweise. Ehe es jedoch zu einer Sanierung und einer einheitlichen Gestaltung der Traktur kam, wurde eine neue Chororgel geplant, denn bald schon nach der Entfernung der Chororgeln (1859) bereute man diese Maßnahme. Zudem forderte die liturgische Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts erneut die Kirchenmusik in Altarnähe. Doch man wagte damals nicht die Wiedererrichtung der Pfeileremporen und -orgeln, sondern nur den Bau einer elektrisch gesteuerten Chororgel, deren beide Manualwerke an den östlichen Pfeilern angebracht wurde, das Pedal dagegen hinter dem Hochaltar. Gleichzeitig wurde dieses 1937 von der Salzburger Orgelbaufirma Dreher und Flamm errichtete Werk an die Hauptorgel auf der Westempore als Fernwerk angeschlossen.

Durch die Bombardierung des Domes nahmen Haupt- und Chororgel schweren Schaden. Zwar wurden beide Instrument zur Wiedereröffnung des Domes 1959 instand gesetzt, doch zeigte sich bald, dass eine Generalsanierung nicht länger aufzuschieben war. Die Überlegungen schwankten zwischen Erhaltung des gewachsenen Zustandes und technischer, dispositioneller oder radikaler Erneuerung.

Die vom Metropolitankapitel eingesetzte Expertenkommission entschied sich schließlich für den Neubau der großen Orgel im wiederherzustellenden Gehäuse von 1705, wobei historisch wertvolles Pfeifenmaterial des 18. und 19. Jahrhunderts wieder verwendet werden sollte, und für die schrittweise Wiedererrichtung der Pfeileremporen und -orgeln im Kuppelraum. Damit sollten nicht nur die vormaligen Musiziermöglichkeiten geschaffen werden, die sich durch 230 Jahre bewährt hatten, sondern auch Impulse für zeitgenössische Komponisten ausgehen.

Große Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgeln des Salzburger Domes
Allgemeines
Alternativer Name Große Orgel
Ort Salzburger Dom
Orgelerbauer Hansueli Metzler
Baujahr 1988
Epoche 20. Jahrhundert
Abbildungen
Die Große Orgel im Salzburger Dom

Die Große Orgel im Salzburger Dom

Technische Daten
Anzahl der Pfeifen 4121
Anzahl der Register 58
Anzahl der Manuale 3
Tontraktur mechanisch
Registertraktur mechanisch
Spieltisch der Großen Orgel

Entsprechend diesem Gesamtkonzept wurde die große Orgel auf der Westempore so disponiert, dass sie der stilistischen Ausrichtung der süddeutsch-österreichischen Orgelbautradition entspricht. Neu entstand ein Rückpositiv, weil von ihm eine besondere Präsenz des Tones im akustisch schwierigen Raum erwartet wurde. Nach einer ersten, zunächst erfolglosen Kontaktaufnahme 1981 übergab die Orgelbaufirma Hansueli Metzler (Dietikon/Schweiz) das neu erbaute Werk seiner Bestimmung nach mehrjähriger Arbeit 1988. Die Orgel wurde am 1. Juni 1988 gesegnet und in Dienst genommen.[1] Das Instrument hat 58 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal.

I Rückpositiv C–g3
Quintade 16′ [Anm. 1]
Praestant 8′
Coppel 8′
Holzflöte 8′ [Anm. 2]
Principal 4′
Rohrflöte 4′
Octave 2′ [Anm. 3]
Waldflöte 2′
Larigot 113
Sifflöte 1′
Scharf IV–V 1′
Sesquialtera II
Krummhorn 8′
Vox Humana 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Principal 16′[Anm. 4]
Octave 8′
Hohlflöte 8′
Viola 8′
Grossquinte 513
Octave 4′
Nachthorn 4′
Terz 315
Quinte 223
Superoctave 2′
Mixtur major IV–V 2′
Mixtur minor V–VI 113
Trompete 16′
Trompete 8′
Clairon 4′
Cornet V 8′ [Anm. 5]
III Schwellwerk C–g3
Bourdon 16′
Principal 8′ [Anm. 6]
Gedackt 8′
Salicional 8′
Piffaro 8′
Octave 4′ [Anm. 7]
Flauta 4′
Gemshorn 4′
Nasard 223
Doublette 2′
Tierce 135
Mixtur V 2′
Fagott 16′
Trompete 8′
Schalmey 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Principal 32′ [Anm. 8]
Praestant 16′ [Anm. 9]
Holzprincipal 16′ [Anm. 10]
Subbass 16′ [Anm. 11]
Octavbass 8′
Spitzflöte 8′
Octave 4′
Bauernflöte 2′
Hintersatz VI 223
Bombarde 16′
Fagott 16′
Trompete 8′
Clairon 4′

Anmerkungen

  1. C–Gis als 513
  2. C–fis0 mit Coppel 8′, sonst 19. Jh.
  3. teilweise Egedacher
  4. F–h0 im Prospekt, 19. Jh.
  5. auf eigener Lade im Kronpositiv, 8′-Chor 19. Jh.
  6. teilweise 19. Jh.
  7. 19. Jh.
  8. C–F als Quinte 1023
  9. C–f0 Prospekt 19. Jh.
  10. C–f0 aus Principal 32′
  11. teilweise 19. Jh.
  12. Schalenglocken im Rückpositiv

Vierungsorgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 1990 wurden die bautechnischen Voraussetzungen zur Wiedererrichtung der Pfeileremporen und der dortigen Vierungsorgeln nach Plänen des niederländischen Architekten Corneille F. Janssen geschaffen.

Östliche Vierungsorgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgeln des Salzburger Domes
Allgemeines
Alternativer Name Östliche Vierungsorgeln
Ort Salzburger Dom
Orgelerbauer Johann Pirchner
Baujahr 1991
Epoche 20. Jahrhundert
Technische Daten
Anzahl der Pfeifen 861 (Evangelienorgel)
712 (Epistelorgel)
Anzahl der Register 14 (Evangelienorgel)
14 (Epistelorgel)
Tontraktur mechanisch
Registertraktur mechanisch

Ähnlich wie die Sängertribünen sollten die beiden östlichen Vierungsorgeln nicht als Stilkopie, sondern in bewusstem Bezug zur historischen Situierung und in der Abstimmung mit der heutigen Kirchenmusikpraxis geplant, doch weitgehend nach dem überlieferten Bestand des 18. Jahrhunderts disponiert werden. Orgelbaumeister Johann Pirchner aus Steinach am Brenner in Tirol erhielt den Auftrag zum Bau der zwei rein mechanischen zweimanualigen Orgeln, welche 1991 gesegnet werden konnten.[4]

Die Epistelorgel am südöstlichen Kuppelpfeiler (Hoforgel)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Epistelorgel
I Hauptwerk CDE–d3
Prinzipal 8′
Bleigedackt 8′
Oktav 4′
Spitzflöte 4′
Quint 223
Oktav 2′
Mixtur 113
II Nebenwerk CDE–d3
Copel 8′
Gedackt 4′
Prinzipal 2′
Nasat 113
Pedal CDE–a0
Subbass 16′
Oktavbass 8′
Quintbass 513

Die Evangelienorgel am nordöstlichen Kuppelpfeiler (Heilig-Geist-Orgel)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Evangelienorgel
I Hauptwerk C–d3
Prinzipal 8′
Viola 8′
Oktav 4′
Nachthorn 4′
Nasat 223
Oktav 2′
Mixtur 113
II Nebenwerk C–d3
Copel 8′
Rohrflöte 4′
Prinzipal 2′
Cornet 223
Pedal C–d1
Subbass 16′
Oktavbass 8′
Posaune 8′

Westliche Vierungsorgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgeln des Salzburger Domes
Allgemeines
Alternativer Name Westliche Vierungsorgeln
Ort Salzburger Dom
Orgelerbauer * Franz Zanin aus Camino al Tagliamento, Venezianische Orgel
* Francesco Zanin aus Codroipo, Renaissance-Orgel und Continuo-Orgel
Baujahr 1995
Epoche 20. Jahrhundert
Technische Daten
Anzahl der Pfeifen 1123 + 50 (Venezianische Orgel)
779 (Renaissanceorgel)
141 (Continuowerk)
Anzahl der Register 27 + 1 (Venezianische Orgel)
11 (Renaissanceorgel)
3 (Continuowerk)
Tontraktur mechanisch
Registertraktur mechanisch

Weil die italienische Kunst und Kunstschaffende aus Italien eine große Bedeutung für die Architektur und die Ausstattung des Salzburger Domes haben, entschied man sich, auf den beiden westlichen Kuppelemporen italienische Orgeln zu installieren und dafür auch einen italienischen Orgelbauer, Francesco Zanin aus Friaul, zu beauftragen.

Zusatzregister sorgen in beiden Orgeln für besondere klangliche Effekte: Usignolo (Vogelgesang) in der Renaissanceorgel sowie Campanelli (Glockenspiel) und Tamburo (Trommelwirbel) in der Venezianischen Orgel. Zudem ist auf beiden Instrumenten gemeinsam die Teilung mehrerer Register bei c1/cis1 möglich. Dadurch ist es möglich, in zwei unterschiedlichen Klangfarben auf nur einem Manual zu spielen, was die authentische Interpretation der alten italienischen und spanischen Orgelmusik ermöglicht.

„Stimmart beider italienischer Orgeln ist die terzenreine Mitteltönigkeit, wie sie in Renaissance und Frühbarock (...) bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch war. Die Zahl der verfügbaren Tonarten ist gegenüber der ursprünglichen mitteltönigen Temperatur durch die Einrichtung von Doppeltasten vergrößert.“

Heribert Metzger: Die Orgeln im Dom zu Salzburg[1]

Die Renaissance-Orgel am südwestlichen Kuppelpfeiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Renaissance-Orgel

Die Renaissanceorgel wurde nach dem Vorbild toskanischer Renaissanceorgeln, mit dem System der Springlade, erbaut.

„Die Klaviatur reicht in der Tiefe bis zum Kontra-F (12'). Zu den für Italien typisch aufgeteilten Ripieno mit Verdopplung und Verdreifachung des Principale im Diskant treten die Register Flauto in ottava, Cornamuse (Regal), Voce umana (Schwebung) und Tremulant. Das Pedal hat kein eigenes Register; die Koppelung an die tiefe Lage des Manuals bringt aber den Effekt eines Spiels in 16'-Lage.“

Heribert Metzger: Die Orgeln im Dom zu Salzburg[1]
Manual FF–c3 (kurze Oktave)
Principale I–III
Ottava
Quinta Decima
Decima Nona
Vigesima Seconda
Vigesima Sesta
Vigesima Nona
Trigesima Terza e Sesta
Voce umana
Flauto in VIII
Cornamuse

Angehängtes Pedal FF–d0 (kurze Oktave)

Die Continuo-Orgel am südwestlichen Kuppelpfeiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gehäuse des Continuo-Werks ist an das der Renaissance-Orgel optisch ident angebaut, die Spielanlange befindet sich ein paar Schritte südlich der Renaissance-Orgel.

Manual C–c3
Bordone 8′
Flauta a camino 4′
Principale 2′

Angehängtes Pedal C–H

Die Venezianische Orgel am nordwestlichen Kuppelpfeiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Venezianische Orgel

Die Orgel am nordwestlichen Kuppelpfeiler wurde im venezianischen Stil des 18. Jahrhunderts erbaut.

„Grand´Organo (Hauptwerk), Positivo und Pedal stehen auf Schleifladen. Das Positiv im Untergehäuse, zu linker Hand des Organisten, spricht ins Langschiff des Domes; es ist verschließbar und somit auch als Echowerk einzusetzen. Neben dem aufgeteilten Ripieno finden sich in der Disposition Flöten in den Intervallen von Oktav und Duodezim über dem Principale und eine Terz über die halbe Klaviatur, dazu als Register Voce umana; das Pedal hat drei eigene Register; in beiden Manualen und im Pedal gibt es Zungenregister (Violoncelli, Tromboncini, Tromboni).“

Heribert Metzger: Die Orgeln im Dom zu Salzburg[1]
I Positivo C–f3
Principale
Ottava
Quinta Decima
Decima Nona
Vigesima Seconda
Flauto
Cornetta
Tromboncini
II Grand' Organo C–f3
Principale
Ottava
Quinta Decima
Decima Nona
Vigesima Seconda
Vigesima Sesta
Vigesima Nona
Trigesima Terza e Sesta
Voce umana (ab cis1)
Flauto in VIII
Flauto in XII
Cornetta
Violoncelli
Pedal C–h0
Contrabassi 16′
Tromboni 8′
Ottava di Contrab.
  • Continuo-Register: Copula 8′
  • Nebenregister: Tamburo (Trommel), Campanelli (Glockenspiel)
  • Nebenzüge: Koppelausschaltung II/P, Schiebekoppel I/II, Ripinieno (Kurbel)

Truhenorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgeln des Salzburger Domes
Allgemeines
Alternativer Name Truhenorgel / Truhenpositiv
Ort Salzburger Dom
Orgelerbauer Johann Pirchner
Baujahr 1989
Epoche 20. Jahrhundert
Abbildungen
Die Truhenorgel, auf dem Bild bespielt vom Organisten Heribert Metzger

Die Truhenorgel, auf dem Bild bespielt vom Organisten Heribert Metzger

Technische Daten
Anzahl der Pfeifen 224
Anzahl der Register 4
Tontraktur mechanisch
Registertraktur mechanisch

Eine sogenannte "Truhenorgel" oder Truhenpositiv wird je nach Erfordernis an verschiedenen Stellen des großen Kirchenraumes und auch außerhalb des Domes, zum Beispiel bei Prozessionen eingesetzt.

Das Exemplar des Salzburger Domes wurde 1989 vom Orgelbaumeister Johann Pircher erbaut. Sie steht auf Rädern und verfügt über 224 Pfeifen.[1]

Truhenorgel C–g3
Copl 8′
Rohrflöte 4′
Prinzipal 2′
Nasard 1 1/3′

Kapellmeister und Organisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domkapellmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aktuelle Domorganist Heribert Metzger (2018)

Domorganisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heribert Metzger: Die Orgeln im Dom zu Salzburg. Hrsg.: Metropolitankapitel zu Salzburg. Salzburg 2011.
  • Johann Baptist Samber: Continuatio ad manuductionem organicam. Salzburg 1707.
  • Hermann Spies: Die Salzburger großen Domorgeln. Augsburg 1929.
  • Peter Tenhaef: Neue Hinweise zu den Salzburger Domorgeln und -emporen im 17. Jahrhundert. In: Alfred Reichling (Hrsg.): Acta organologica. Band 23. Berlin 1993, S. 113–122.
  • Gerhard Walterskirchen: Die Kirchenmusikpraxis der Mozart-Zeit am Dom zu Salzburg. In: Domkapitel Salzburg (Hrsg.): Die Vierungsorgeln im Dom zu Salzburg, Wiederherstellung 1991. Salzburg 1991.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pipe organs of Salzburg Cathedral – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Heribert Metzger: Die Orgeln im Dom zu Salzburg. Hrsg.: Metropolitankapitel zu Salzburg in Verbindung mit dem Archiv der Erzdiözese Salzburg. Salzburg.
  2. Heribert Metzger: Die Orgeln im Dom zu Salzburg, Salzburg 2011, S. 7.
  3. Leopold Mozart: Nachricht von dem gegenwärtigen Zustande der Musik Sr. Hochfürstlichen Gnaden des Erzbischoffs zu Salzburg im Jahr 1757. In: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik, hg. von Friedrich Wilhelm Marpurg, Bd. 3, St. 3 (1757), [183]–198. Zitiert nach: Gerhard Walterskirchen: Die Kirchenmusikpraxis der Mozart-Zeit am Dom zu Salzburg. In: Die Vierungsorgeln im Dom zu Salzburg, Wiederherstellung 1991, hg. vom Domkapitel Salzburg, o.p.
  4. Zur Disposition auf der Website der Orgelbaufirma
  5. fho: Landesbibliothek Teßmann -unsere Sammlungen - Herbert Paulmichl - Kirchenmusiker, Komponist : mit Werkverzeichnis. Abgerufen am 7. November 2018 (deutsch).
  6. Ernst Hintermaier: Die Organisten am Salzburger Dom von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: Metropolitankapitel von Salzburg (Hrsg.): Festschrift zur Weihe der neuen großen Orgel im Salzburger Dom 1988. Salzburg 1988, S. 44.