Orneta

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Orneta
Wappen von Orneta
Orneta (Polen)
Orneta
Orneta
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Lidzbark Warmiński
Fläche: 9,63 km²
Geographische Lage: 54° 6′ N, 20° 8′ OKoordinaten: 54° 6′ 0″ N, 20° 8′ 0″ O
Einwohner: 9035
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 14-510
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NLI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 507: BraniewoDobre Miasto
DW 513: PasłękWozławki
DW 528: MorągMiłakowo – Orneta
Schienenweg: PKP-Linie 221: BraniewoGutkowo (-Olsztyn)
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 24 Ortschaften
18 Schulzenämter
Fläche: 244,13 km²
Einwohner: 12.369
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2809053
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Andrzej Ołtuszewski
Adresse: pl. Wolności 26
11-130 Orneta
Webpräsenz: www.orneta.pl



Orneta [ɔrˈnɛta] (deutsch Wormditt) ist eine polnische Kleinstadt in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Bis 1945 gehörte Wormditt zur preußischen Provinz Ostpreußen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die prußische Siedlung und die Etymologie des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln der Stadt gehen auf eine pogesanische Burg namens Orneta zurück, zu deren Füßen sich die prußische Siedlung Wurmedythin befand.[2] Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus einer Urkunde vom 12. August 1308. Der Name geht auf prußisch „wors – median“: alte Siedlung im Wald zurück. Bei den polnischen Bezeichnungen des 17. Jahrhunderts „Horneta/Orneta“ ging das anlautende W verloren.[3] Der Name „Wurmedythin“ ist auch Grundlage für die Sage vom Lindwurm, daher wurde dieser auch in das spätere Stadtwappen aufgenommen. In nachfolgenden Urkunden wurden bis 1343 auch die Ortsnamen „Wormenyt“, „Wormditen“, „Warmediten“ und „Wormendith“ verwendet.

Die Gründung der Stadt und ihr Aufschwung im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Kolonisierung durch den Deutschen Orden entstand auf Veranlassung des ermländischen Bischofs Eberhard von Neiße anstelle der Prußensiedlung ein neuer Ort, der mit schlesischen Zuwanderern besiedelt wurde. Zwischen 1312 und 1313 verlieh Bischof Eberhard dem Ort die Handfeste nach Kulmischen Recht.[4] Er überließ der Neugründung 121 Hufen Acker und über 100 Hufen Wald. Lokator wurde ein aus Neiße stammender vermutlicher Verwandter des Bischofs namens Willus oder Wilhelm.[5] Durch den Zuzug deutschsprachiger Siedler entstand die Ortsbezeichnung Wormditt.

Um 1320 errichtete der Orden als Ersatz für die ehemalige Pogesamenfestung eine neue steinerne Burg.[6] Bischof Hermann von Prag machte sie 1341 anstelle von Braunsberg zur Bischofsresidenz des Ermlandes.[7] Sein Nachfolger Bischof Johann I. von Meißen bestimmte jedoch schon 1351 Heilsberg zum ermländischen Bischofssitz. Wormditt wurde jedoch zum Kammeramt erhoben und erlebte dank seiner Lage am Schnittpunkt zweier Handelsstraßen und umgeben von fruchtbaren Böden einen wirtschaftlichen Aufschwung. Von der frühen Wirtschaftskraft zeugen das 1373 vollendete gotische Rathaus und die zwischen 1338 und 1349 errichtete Pfarrkirche St. Johann. Während des Dreizehnjährigen Krieges (1454–1466) schloss sich die Stadt zeitweise dem Preußischen Bund an.[8]

Im „Preußen königlichen Anteils“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Frieden von Thorn kam Wormditt 1466 mit dem weitgehend autonomen Ermland als Teil Polnisch-Preußens zu Polen.[9] Die Bevölkerung der Stadt blieb jedoch überwiegend deutsch. 1565 wurde erstmals eine Schule in Wormditt erwähnt. Während des Polnisch-Schwedischen Krieges besetzten die Schweden unter Gustav Adolf 1627 vorübergehend die Stadt.[10] Im Juli 1676 zerstörte ein Großbrand in der Stadt 34 Gebäude.

Im Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Ersten Teilung Polens 1772 kam die Stadt, die zu diesem Zeitpunkt 1978 Einwohner hatte, zum Königreich Preußen.[11] Während der napoleonischen Kriege erlitt Wormditt schwere Schäden. Allein 1807 starben 643 Menschen, ein Viertel der Stadtbevölkerung. 78 Häuser wurden zerstört, der Gesamtschaden betrug mehr als 270.000 Taler. Nach der 1810 abgeschlossenen Säkularisation des Fürstbistums und der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Wormditt 1819 in den neu gebildeten Kreis Braunsberg eingegliedert. Mit dem Beginn der Industrialisierung begann die Stadt sich stetig fortzuentwickeln. Im Handwerk dominierten die Tuchmacher und Orgelbauer. Der Wormditter Orgelbauer Johann Wulff schuf bereits 1788 im Kloster Oliva Polens berühmteste Orgel. Nachdem 1884 als erste Eisenbahnlinie die Strecke von Guttstadt nach Allenstein durch Wormditt führte, wurde die Stadt zu einem wichtigen Bahnknotenpunkt, wo sich 1926 schließlich fünf Bahnlinien trafen.[12] 1868 erfolgte der Anschluss an das Telegrafennetz, und ebenfalls 1884 ließ sich der ermländische Bauernverein in Wormditt nieder. Bis 1911 waren die Elektrifizierung und die zentrale Wasserversorgung abgeschlossen.

Wormditt, östlich von Elbing und südwestlich von Königsberg i. Pr. auf einer Landkarte von 1910.

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erste Weltkrieg verschonte die Stadt weitgehend, obwohl die russische Njemenarmee im September 1914 nahe an die Stadt herangerückt war, sich aber nach der verlorenen Schlacht an den Masurischen Seen wieder zurückzog. Die Einwohnerzahl stieg von 5.559 im Jahr 1910 auf 7.816 im Jahr 1939, wobei die Katholiken eindeutig in der Mehrheit waren. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren in Wormditt eine Tuchfabrik, eine Schnupftabakfabrik, eine Zeugweberei, eine Zeugdruckerei, eine Dampfsägemühle und eine Bierbrauerei angesiedelt. Von 1940 bis 1945 befand sich nordwestlich von Wormditt der Fliegerhorst Wormditt. Am 11. Februar 1945 wurde Wormditt von der Roten Armee eingenommen. Im Vergleich zu anderen ostpreußischen Städten wurde die Stadt geringer zerstört, das Stadtbild blieb fast unversehrt. Am 23. Mai 1945 wurde die Stadt vom sowjetischen Kommandanten an die polnische Verwaltung übergeben und erhielt den Namen der einstigen pogesanischen Burg.

Gegenwärtig zählt die Stadt etwa 9.000 Einwohner, insgesamt wohnen in der Gmina Orneta 12.369 Einwohner (30. Juni 2015). Die Gmina gehört zum Powiat Lidzbarski.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1772: 1.978
  • 1875: 4.673
  • 1910: 5.559
  • 1939: 7.816
  • 2004: 9.837

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 wurde ein Städtepartnerschaftsvertrag mit der thüringischen Stadt Bleicherode im Südharz unterzeichnet. Seit 2006 besteht eine Partnerschaft mit der Samtgemeinde Herzlake.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Wormditt ein katholisches und ein evangelisches Kirchspiel.

Die Geschichte des katholischen Kirchspiels, das sich aus einer Stadt- und Landgemeinde zusammensetzte, geht auf den Anfang des 14. Jahrhunderts zurück. Einem Kirchenbuch zufolge war 1312 ein Henricus Pfarrherr in Wormditt, 1406 wird ein Pfarrer namens Katti erwähnt. Von 1715 bis zum Frühjahr 1738 wirkte Erzpriester Johann Michael Braun als Seelsorger, der der Gemeinde ein bedeutendes Vermögen hinterließ, um 1823 hatte Erzpriester Sigmanski das Amt inne.[13]

Das evangelische Kirchspiel in Wormditt verfügte seit Ende 1830 über ein neues Kirchengebäude.[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Johannis-Kirche
Rathaus
  • Johanniskirche, 14. Jahrhundert, nach dem Frauenburger Dom die älteste Kirche Ermlands, chorlose dreischiffige Backsteinbasilika, architekturgeschichtlich bedeutsam, wertvolle Ausstattung
  • Rathaus, gotisch, mit Treppengiebel, teilweise von Hakenbuden (Markthäuser) umgeben
  • Marktplatz mit zahlreichen Laubenhäusern
  • Jerusalemskapelle, 19. Jahrhundert, mit wertvoller Ausstattung
  • Speicher aus dem 18. Jahrhundert in der ulica Browarna (Brauereistraße)
  • Reste der Stadtmauer
  • Fundamente und Keller der Bischofsburg unter den Bauten der städtischen Volksschule.
  • Evangelische Kirche aus dem Umkreis von Karl Friedrich Schinkel, Mitte des 19. Jhs., heute orthodox.
  • Neue Synagoge (Wormditt)

Gmina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Orneta besteht aus folgenden Ortschaften:[15]

polnischer Name deutscher Name (bis 1945) polnischer Name deutscher Name (bis 1945)
Augustyny Agstein Krzykały Krickhausen
Bażyny Basien Kumajny Komainen
Biały Dwór Karlshof Lejławki Małe Klein Grünheide
Bogatyńskie Tüngen Lejławki Wielkie Groß Grünheide
Chwalęcin Stegmannsdorf Miłkowo Millenberg
Dąbrówka Klein Damerau Mingajny Migehnen
Drwęczno Wagten Nowy Dwór Neuhof
Gieduty Gedauten Opin Open
Henrykowo Heinrikau Orneta Wormditt
Karbowo Groß Karben Osetnik Wusen
Karkajmy Korbsdorf Ostry Kamień Scharfenstein
Klusajny Klutshagen Wojciechowo Albrechtsdorf
Krosno Krossen Wola Lipecka Lindmannsdorf
Wallfahrtskirche in Krossen
Gutshaus Tüngen

Die Gutsbezirke Korbsdorf und Tüngen wurden am 30. September 1928 in die Landgemeinde Tüngen eingegliedert.[16]

Baudenkmale in Krosno und Bogatyńskie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Krosno (deutsch Krossen)
  • Gutshaus des Ritterguts Tüngen (heute Bogatyńskie).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Orten der Gmina verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Joseph Blell (1827–1902), Reichstagsabgeordneter (Zentrum), wuchs in Tüngen auf und lebte von 1855 bis 1882 auf dem Rittergut Tüngen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Buchholz: Aus sechs Jahrhunderten. Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Kommissionsverlag von Arnold Dargel Nachfolger, Wormditt 1912.
    • 2., vermehrte und verbesserte Auflage unter dem Titel: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931.
  • Georg Hermanowski, Heinz Georg Podehl: Ostpreußen-Lexikon. Geographie, Geschichte, Kultur. Lizenzausgabe. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-186-4.
  • Gerhard Reifferscheid: Die St. Johannis-Basilika in Wormditt, 1379–1979. Kirchspiel, Stadt und Dekanat. Königswinter 1979.
  • Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Ost- und Westpreußen. Unveränderter Neudruck der 1. Auflage 1966. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X (Kröners Taschenausgabe 317).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Orneta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 2.
  3. Rozalia Przybytek: Ortsnamen baltischer Herkunft im südlichen Teil Ostpreußens (= Hydronymia Europaea, Sonderband 1). Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06449-4, S. 198.
  4. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 5.
  5. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 4.
  6. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 37.
  7. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 6.
  8. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 145.
  9. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 149.
  10. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 163–166.
  11. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 172.
  12. Franz Buchholz: Bilder aus Wormditts Vergangenheit. Verlag Bruno Kraft, Wormditt 1931, S. 195.
  13. Sigmanski: Verzeichnis der im katholische Kirchspiel Wormditt Geborenen, Getrauten und Gestorbenen in den nachstehenden Jahren. In: Preußische Provinzial-Blätter, Band 14, Königsberg 1835, S. 68–70.
  14. Nachricht von der Einweihungs-Feierlichkeit der neuen Kirche zu Wormditt am 19. Dezember 1830. In: Preussische Provinzial-Blätter, 5. Band, Königsberg 1831, S. 143–146.
  15. Deutsche Namen gemäß: Margarete Kaemmerer (Bearb.): Ortsnamenverzeichnis der Ortschaften jenseits von Oder und Neiße. Verlag Gerhard Rautenberg, Leer, 3., erweiterte Aufl. 1988, ISBN 3-7921-0368-0, S. 181 ff.
  16. Genealogisches Ortsverzeichnis: Tüngen