Orphische Hymnen

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Als orphische Hymnen werden hymnische Texte aus dem Bereich der orphischen Dichtung bezeichnet. Von Texten dieser Art sind einige Fragmente überliefert. Dazu gehören:

Schließlich erwähnt Pausanias, dass bei den Mysterienfeiern von Phlya in Attika die Priester aus dem Geschlecht der Lykomidai kurze hymnische Lieder sangen, als deren Verfasser Orpheus galt und die nach Pausanias den Vergleich mit den Homerischen Hymnen nicht zu scheuen brauchten.[3]

Von diesen Einzelüberlieferungen zu unterscheiden ist ein als Orphische Hymnen bezeichnetes Corpus von 87 Hymnen, das zusammen mit den Homerischen Hymnen und den Hymnen des Kallimachos und des Proklos überliefert wurde. Möglicherweise handelt es sich um ein aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. stammendes Werk eines einzelnen Verfassers, das für eine (vielleicht kleinasiatische) Kultgemeinde zusammengestellt wurde. Die relativ kurzen Texte von sechs bis dreißig Versen haben ausgeprägt anrufenden Charakter, wobei die angerufenen Gottheiten des orphischen Pantheons (Nyx, Kronos, Eros, Zeus, Dionysos, Kureten, Themis, Dike etc.) häufig miteinander identifiziert werden. Gewidmet ist die Sammlung dem Musaios, dem sagenhaften Schüler des Orpheus.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Apostolos N. Athanassakis (Hrsg.): The Orphic hymns. Text, translation and notes. Scholars Press, Missoula (Montana) 1988, ISBN 0-89130-119-4
  • Joseph O. Plassmann: Orpheus. Altgriechische Mysterien. Diederichs, München 1992, ISBN 3-424-00740-4 (mit Übersetzung der orphischen Hymnen; Erstausgabe Jena 1928)
  • Marie-Christine Fayant (Hrsg.): Hymnes orphiques. Les Belles Lettres, Paris 2014, ISBN 978-2-251-00593-5 (kritische Edition mit französischer Übersetzung)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alberto Bernabé: Orphei hymnorum concordantia. Olms-Weidmann, Hildesheim 1988, ISBN 3-487-07872-4.
  • Claude Calame: Orphik, Orphische Dichtung II C). In: Der Neue Pauly (DNP). Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 58–69..
  • Anne-France Morand: Études sur les Hymnes Orphiques. Brill, Leiden u. a. 2001, ISBN 90-04-12030-0.
  • Jean Rudhardt: Opera inedita. Essai sur la religion grecque & Recherches sur les Hymnes orphiques (= Kernos. Supplément 19). Centre International d'Étude de la Religion Grecque Antique, Liège 2008, ISBN 978-2-9600717-2-6, S. 157–325, 335–346

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OF verweist auf die entsprechende Nummer in Orphicorum Fragmenta, hrsg. von Otto Kern.

  1. Platon, Nomoi 715e = OF 21; Aristoteles, De mundo 401a 25-b 7 = OF 21a; J. v. Arnim (Hrsg.): Stoicorum veterum fragmenta, Bd. 2, S. 1078, 1081 = OF test. 233, OF 30.
  2. Macrobius, Saturnalia 1.23.21; 18.12.17; 18.12.22 = OF 236-239; vgl. 307.
  3. Pausanias, Beschreibung Griechenlands 9.27.2, 30.12 = OF 304-305.