Orso Ipato

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Wappen des nach der venezianischen Tradition dritten, nach derzeitigem Kenntnisstand wohl ersten Dogen

Orso Ipato (* in Eraclea; † 737?), eigentlich Ursus, gelegentlich auch Orleo genannt, war etwa von 726 bis zu seinem Tod Doge von Venedig. Er gilt der venezianischen Tradition nach als dritter Doge, doch jüngere Arbeiten sehen ihn als den ersten wirklichen Dogen. Unter ihm eroberte, folgt man der venezianischen Überlieferung ab der Mitte des 14. Jahrhunderts, eine Flotte das oströmisch-byzantinische Ravenna von den Langobarden zurück, womit Venedig erstmals militärisch außerhalb seines Territoriums eingriff und Handelsprivilegien erwarb. Schließlich kam Ursus im Zuge von Kämpfen innerhalb der Lagune von Venedig ums Leben, doch lassen sich die dahinter stehenden Auseinandersetzungen nicht sicher in den größeren politischen Zusammenhang einordnen.

Nach heutigem Kenntnisstand fand die Rückeroberung Ravennas erst zwei Jahre nach Orsos mutmaßlichem Todesdatum statt, nämlich im Herbst des Jahres 739. Dies legte schon die Reihenfolge der in der zeitlich nächsten Quelle geschilderten Ereignisse nahe, der Langobardengeschichte des Paulus Diaconus aus dem späten 8. Jahrhundert. Doch wird die Datierung dieses Ereignisses seit mehr als einem Jahrhundert diskutiert. Auf Ursus folgten fünf Magistri militum, die je ein Jahr regierten, darunter sein Sohn Deodato, der zudem von 742 bis 755 Doge war.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursus oder Orso (‚der Bär‘) erhielt, so die bis Ende des 19. Jahrhunderts unumstrittene Darstellung, als Belohnung für die Rückeroberung von Ravenna, das die Langobarden unter Hildeprand[1] besetzt hatten, vom byzantinischen Kaiser den Ehrentitel ipato (griechisch: ὕπατος, bzx. hypatos, lat. Übersetzung: Consul). Diesen Titel verstanden spätere Chronisten und Geschichtsschreiber als seinen Eigennamen.

Francesco Sansovino nennt in seinem Werk Delle cose notabili della citta di Venetia als Namensalternative zu „Orso“ auch „Orleo“,[2] eine Variante, die 1581 auch Girolamo Bardi nennt[3]. Jakob von Sandrart nennt den Dogen in seinem 1687 erschienenen Opus Kurtze und vermehrte Beschreibung Von Dem Ursprung / Aufnehmen / Gebiete / und Regierung der Weltberühmten Republick Venedig „Horleus Ursus Hypatus“.[4]

Kernereignisse entsprechend der venezianischen Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod seines (angeblichen) Vorgängers Tegallianus, der in den frühen Quellen ausschließlich als Magister militum genannt wird, nicht als Doge, wurde Ursus durch Akklamation zum Dogen gewählt. Wie seine beiden Vorgänger stammte Ursus aus Eraclea. Seine Regierungszeit fiel in eine unruhige Phase, denn in Italien waren die Auswirkungen des byzantinischen Bilderstreits spürbar, der durch einen Erlass von Kaiser Leo III. ausgelöst worden war. Die italienischen Gebiete setzten sich gegen die vom Kaiser in Konstantinopel bereits begonnene Zerstörung der Bilder zur Wehr.

Andererseits erschienen Kaperflotten der als Sarazenen bezeichneten muslimischen Eroberer auch in Oberitalien und Dalmatien. Zudem begann eine neue Phase der langobardischen Expansion in Festlandsitalien unter König Liutprand (712–744), dessen Absicht es war, die byzantinischen Gebiete einschließlich Rom und Ravenna zu erobern. Er verbündete sich mit dem fränkischen Hausmeier Karl Martell, den er gegen die vordringenden Sarazenen unterstützte, was wiederum eine Unterstützung des Papstes durch die Franken verhinderte, denn der Papst lag im Krieg mit Liutprand.

728, ein Jahr nach seinem Regierungsantritt, fiel der Langobardenkönig in byzantinisches Gebiet um Ravenna ein, eroberte die Stadt und vertrieb den kaiserlichen Exarchen aus der Stadt. Dieser floh in die venezianische Lagune. Zu einem nicht näher spezifizierten Zeitpunkt schickten die Venezianer auf Ersuchen des Papstes ihre Kriegsflotte unter Führung Orsos, vertrieben die Eindringlinge und setzten den byzantinischen Exarchen wieder in sein Amt ein.

737 wurde Orso ermordet, als er sich zu einseitig zugunsten seiner Geburtsstadt in einen langjährigen Streit innerhalb der Lagune eimischte, oder einfach, weil er als zu hochmütig galt. Sein Sohn Diodato Ipato wurde aus Venedig vertrieben, wurde aber fünf Jahre später selbst zum Dogen gewählt. Nach Orso und vor Diodato wurde Venedig jeweils für ein Jahr durch einen magister militum beherrscht, ein Amt, das Diodato in dieser Zeit auch einmal selbst übernahm.

Rezeption und Einbettung in die Historiographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulus Diaconus schreibt in seiner Langobardengeschichte, dass nach dem Tod des dux Marcellus, der 18 Jahre und 20 Tage „apud Civitatem novam Venecie ducatum“ geherrscht habe, „Ursus dux“ gefolgt sei, der 11 Jahre und 5 Monate geherrscht habe (‚rexerat‘).[5] Auch lieferte Paulus die epischen Bilder, die in den späteren Schilderungen immer wieder auftauchten, etwa, wenn er von Kaiser Leo III. berichtet, wie er alle Bewohner der Reichshauptstadt zwang, sämtliche Bilder des Erlösers, seiner Mutter und aller Heiligen mitten in der Stadt im Feuer zu verbrennen (VI, 49).[6]

Von Paulus Diaconus bis Andrea Dandolo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Provinzen Italiens nach Paulus Diaconus, Karte von 1880

Da sich einige der einflussreichsten Familien Venedigs als Nachfahren von Orso oder von seinen Wählern sahen, kam der Darstellung der Vorgänge bis in die feinsten Verästelungen der Wortwahl im Rahmen der ab der Mitte des 14. Jahrhunderts staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung größte Bedeutung zu. Den Traditionsbestand verdrängte dabei weitgehend die Chronik des Dogen Andrea Dandolo,[7] die wie durch einen Flaschenhals die Legenden- und Mythenbildungen aus der frühen Zeit Venedigs nicht nur bündelte, sondern auch zum Grundstock venezianischer Mythenentfaltung dauerhaft hinzufügte. Darin entfaltete sich eine von der Staatsspitze gesteuerte Geschichtsschreibung, an der bis 1797 festgehalten wurde. Folgerichtig verschwanden die meisten Werke der Zeit vor Andrea Dandolo, wie bereits Marco Foscarini feststellte.[8] Auf der anderen Seite gab die Chronik, die zwischen 1342 und mindestens 1352 entstand, der Geschichtsschreibung starke Impulse. Sie zitierte mindestens 280 Dokumente vollständig oder in Regestenform, eine Arbeit, die nur durch unmittelbaren Zugang zum Archiv im Dogenpalast zu bewältigen war. Im Zentrum dieser Bemühungen standen die Kanzler Benintendi de’ Ravignani (Großkanzler ab 1352) und Raffaino de’ Caresini, ersterer ein Freund des Dogen, letzterer der Fortsetzer der Chronica Brevis für die Jahre 1343 bis 1388, die gleichfalls dem Dogen zugeschrieben wurde.

In Dandolos Werk erscheinen nun endgültig die Dogen beinahe als einzige Herren der Geschichte, während die in der Zeit Orsos überaus einflussreichen Institutionen der Volksversammlung (arengo) oder des Tribunats umgedeutet oder beinahe vergessen wurden.[9] Je nach Auffassung agierte für die späteren Autoren der „Pöbel“ oder das „Volk“. Moralische Fragen oder solche der Legitimitität, aber auch Analogien zur eigenen Epoche vermischt mit wenig kritisch durchdachten Spekulationen herrschten vor, was angesichts des weitgehenden Unverständnisses für frühere Verfassungszustände, insbesondere aber der dürftigen Überlieferung, kaum überraschen kann. Neben der Datierungsfrage beschäftigte spätere Historiker das Verhältnis zum Papst und zu Byzanz im Rahmen des Bilderstreites, die Frage der erstmals fassbaren marinen Expansion, in deren Zentrum die Eroberung Ravennas stand, und der mit der Rückgabe der Stadt in engem Zusammenhang stehenden frühen Handelsprivilegien durch Byzanz, aber auch der räumlichen und politischen Binnenstrukturen in der Lagune. Literarisch wurde um 1800, auf der Grundlage bereits durch stetes Neuerzählen verfestiger Vorstellungen von der „Anmaßung“ Orsos sogar die Frage des Tyrannenmords am Beispiel seiner Ermordung auf die Bühne gebracht.

Solidus mit dem Bildnis von Leo III. (717–741) und seinem Sohn Konstantin V. (741–775), beide mit Krone, Reichsapfel und Akakia, eine zylindrische Seidenrolle, gefüllt mit Staub, als Symbol für die sterbliche Natur des Menschen (wohl um 737 bis 741)

Dabei galt der Bilderstreit bei vielen Autoren durchgängig als oberste Handlungsrichtlinie der Päpste, der angeblich alles politische Denken untergeordnet wurde. Um dies zu belegen, musste allerdings die Abfolge der Ereignisse, mithin die gesamte Chronologie insbesondere der Kämpfe um Ravenna angepasst werden. Paulus Diaconus beschreibt in seiner Langobardengeschichte (VI, 54), nachdem er vom erfolgreichen Bündnis Liutprands mit Karl Martell (739) berichtet, wie der regis nepus, der Neffe des Langobardenkönigs, die demütigende Vertreibung aus dem gerade erst eroberten Ravenna hinnehmen musste, bei der er auch noch in venezianische Gefangenschaft geriet.[10] Dieser Bericht erschien im 10. Jahrhundert bei Johannes Diaconus, der offenbar Einblick in einen Brief Papst Gregors III. an Antoninus, den Patriarchen von Grado genommen hatte. In diesem Brief hatte der Papst um Hilfe bei der Rückgewinnung von Ravenna für die Kaiser Leo und Constantin ersucht. Johannes gab den Wortlaut des Briefes wieder, allerdings ohne Datum und Ort, platzierte ihn jedenfalls in die Tage des Magister militum Iovianus hypatus, was nach traditioneller venezianischer Chronologie der Zeit um 740 entsprach. Einen sehr ähnlichen Bericht lieferte Mitte des 14. Jahrhunderts der besagte Doge Andrea Dandolo, doch war der Adressat des päpstlichen Briefes in seiner Fassung nun der Dux Ursus, was den Brief in die Zeit zwischen etwa 727 und 736 platzierte. Damit verlegte er den Kampf um Ravenna nicht nur um mehr als ein Jahrzehnt vor, sondern er verwechselte dabei auch Papst Gregor III. (731–741) mit Gregor II. (715–731), womit die Kämpfe in die Zeit zwischen 727 und Anfang 731 fielen. Dies ist das bis heute meist genannte Datum für die Kampfhandlungen.

Vom 16. Jahrhundert bis zum Ende der Republik (1797)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang einer humanistischen Handschrift der Historia Langobardorum des Paulus Diaconus aus dem 15. Jahrhundert, Biblioteca Apostolica Vaticana, Urbinas Lat. 984, fol. 2r

Die Historiographie, die ganz überwiegend auf dem Werk des Dogen Andrea Dandolo aufbaute, sah den Kampf um Ravenna vor dem Hintergrund des als ausgesprochen fundamental wahrgenommenen Bilderstreits und des „nationalen Widerstands“ der Italiener gegen die byzantinische Fremdherrschaft als zentral wahr. Dies machte aus dem Flotteneinsatz unter Führung Orsos einen Wendepunkt in der Geschichte. Einerseits konnte Venedig als Retterin von Byzanz und zugleich des Papstes herausgehoben werden, andererseits erhielt die Stadt damit im Byzantinischen Reich erstmals wirtschaftliche Privilegien und die Herrschaft über die Adria. Die venezianische Historiographie konnte darüber hinaus zeigen, dass die später eingeschlagenen Wege der Vorherrschaft der Serenissima schon sehr weit zurückreichten, aber auch, dass nur interne Streitigkeiten Venedig aufhalten konnten, jene Streitigkeiten, die zum Tod Orsos geführt hatten.

Bernardo Giustiniani, der in seiner 1545 gedruckten Historia[11] die Rede des vor den Langobarden aus Ravenna geflohenen Exarchen vor der Volksversammlung in Venedig wiedergibt (S. CXLI – CXLIIII), schließt mit den Worten: „Tutto il consiglio fu del parere del Doge Orso“, die Volksversammlung war also einhellig der Meinung des Dogen. Daher fuhr eine Flotte von 80 Schiffen, davon 20 großen, Richtung Ravenna, wobei man vortäuschte, den Kaiser gegen die Sarazenen zu unterstützen (S. CXLIIII). Die Masten der großen Schiffe waren so hoch, dass die Belagerer die Stadtmauern überwinden konnten. Giustiniani bezieht sich bei dieser Schilderung explizit auf die Historia des Langobarden „Paolo Diacono“ (CXLV). Doch konstruiert er einen gänzlich anderen Zusammenhang, indem er zeitlich relativ weit auseinander liegende Ereignisse zusammenzieht. Kaiser Leo, „huomo di nessuna virtu, ma ben di notabile perfidia, & avaritia“ (‚Mann ohne jede Tugend, aber von bemerkenswerter Durchtriebenheit und Gier‘), bemühte sich demnach weiterhin, wie Giustiniani schreibt, das Imperium zu ruinieren. Denn nach der zweijährigen Belagerung von Konstantinopel durch die Sarazenen (717–718), bei der laut Giustiniani zwei mal 300.000 Menschen zu Tode kamen, plünderte der Kaiser die Kirchen. Als sich der Papst gegen die Bilderzerstörung sträubte, versuchte der Kaiser ihn ermorden zu lassen. In Ravenna, wo sich Orso noch mit der Flotte aufhielt, die die Stadt erobert hatte, kam es nun gleichfalls zu Tumulten. In Orsos Lager zeigten sich nach Giustiniani Ansichten, wie etwa die, der Kaiser sei „peggiore di tutti i barbari, & di Macometto anchora“, der Kaiser sei also schlimmer als die Barbaren, womit wohl die Langobarden gemeint waren, und sogar schlimmer als der Prophet Mohammed. Die Christen bräuchten also einen neuen Kaiser, manche dachten an Karl Martell, den Frankenkönig (CXLVI f.). Doch der Papst zog es vor, mit Briefen an alle Potentaten für seine Sache zu werben. Die Venezianer brachten die Reliquien der Märtyrer des Bildersturms in ihre Kirchen, wie den Hl. Theodor nach San Giorgio Maggiore (dieser avancierte zum Stadtpatron Venedigs). Eine Bischofsversammlung exkommunizierte den Kaiser. Doch dann stritten sich Heraclea und Equilo zwei Jahre lang um die Grenzen, bis beide Städte beinahe ruiniert waren. Gleichsam als „authore“ aller innervenezianischen Übel wurde Orso in einem Tumult getötet (CXLVIII). Giustinianis Wertungen sind, vor allem was den Bilderstreit und Leos Rolle dabei betrifft, lange aufrechterhalten worden, gelten allerdings heute als widerlegt. Zu sehr kaprizierten sich die Bilderverehrer, deren Quellen überliefert sind, auf die Person des Kaisers; zugleich übertrieben sie die Radikalität der Zerstörung.[12]

Dabei war schon die zeitliche Einordnung des ersten gesicherten, der staatlich geförderten Legendenbildung zufolge jedoch dritten Dogen äußerst problematisch. Wie bei seinen Vorgängern, so wichen auch bei Ursus lange die Angaben über seine Regierungszeit stark voneinander ab. Marco Guazzo gibt 1553 in seiner Cronica an, „Orso Ipato terzo doge di Venezia“ sei im Jahr 721 zum Dogen gemacht worden. Danach sei er neun Jahre im Amt gewesen, also bis 730. Er sei „huomo di mala natura“ gewesen und habe die Heraclianer in den bewaffneten Kampf getrieben. Die wenigen Überlebenden hätten sich schließlich gegen „den Mann von schlechter Natur“ gewandt und ihn umgebracht. Danach sei Venedig sechs Jahre lang (also von 730 bis 736) ohne Dogen gewesen „reggendosi per altri magistrati,& uffici“. Die Lagune habe sich also selbst durch andere Magistrate und Ämter regiert,[13] womit wohl die jeweils ein Jahr herrschenden Magistri militum gemeint waren. Implizit wird hier also eine Unabhängigkeit vom Oströmisch-Byzantinischen Reich suggeriert.

Francesco Sansovino schreibt hingegen 1580 in seiner Cronologia del mondo unter dem Jahr 726 (damit den Beginn seiner Herrschaft einordnend): „O r s o Ipato, cioè Cōsolo imperiale“ ... „è morto dal popolo“, Orso, kaiserlicher Konsul, sei also durch das Volk ums Leben gekommen.[14] Nach fünf Jahren erst sei man zum Dogat zurückgekehrt, indem man seinen Sohn Deodato zum Dogen gemacht habe. Michele Zappullo setzt im Jahr 1609 in seinem Sommario istorico das Wahljahr hingegen auf 724 fest, das Todesjahr auf 729.[15] 1630 nennt der Wahlmodus wiederum das Jahr 726 für Orso als Wahljahr, dazu eine Herrschaftsdauer von elf Jahren und fünf Monaten,[16] also bis etwa 737.

Doch die Unsicherheit war viel größer, als diese vergleichsweise nahe beieinander liegenden Angaben erweisen. So schrieb 1687 Jakob von Sandrart in seinem Werk Kurtze und vermehrte Beschreibung Von Dem Ursprung / Aufnehmen / Gebiete / und Regierung der Weltberühmten Republick Venedig zwar, dass „Horleus Ursus Hypatus“ 726 „erwehlet“ worden sei. Doch ergänzt er: Der Doge „verjagte zwar den Exarchum zu Ravenna, ward aber dabey so herrisch / daß das Volck in dem elfften Jahr seiner Regierung sich wider ihn empörete / und ihn umbs Leben brachte. Dieses wird von andern in das 680. Jahr gesetzet.“[17] Diese Unsicherheit in der Datierung – und in der Frage, wer eigentlich vertrieben worden sei – setzte sich fort. Noch in Band 23 der von Lodovico Antonio Muratori herausgegebenen Quellenreihe Rerum Italicarum Scriptores wird berichtet, Orso sei 711 gewählt worden. Nach der Schilderung des Kampfes um Ravenna verweist der Verfasser auf die Abgaben, die der Doge „Gesulo“ aufzwingen wollte, und wie es daraufhin zum Bürgerkrieg gekommen sei. Die zweitägige Seeschlacht im Canal d'Arco, dem späteren Canal Aquiliana, erwähnt er gleichfalls, jedoch erwähnt er mit keinem Wort den Bilderstreit.[18]

Offenbar war ab dem späten 18. Jahrhundert, obwohl keine neue Quelle auftauchte, die Annahme, Orso habe ab 726 regiert, Konsens. Schon Samuel von Pufendorf (1632–1694), der den Dogen „Ursus Ippatus“ nennt,[19] erwähnt bereits die Jahre 726 und 737 als Beginn und Ende seiner Herrschaft.[20]

Doch nicht nur über die Regierungsdaten wurde über Jahrhunderte immer wieder spekuliert. Auch die Herkunft der Familie, auf die sich ja eine Reihe von Adelsfamilien Venedigs zurückführte, war unklar. Pietro Antonio Pacifico fügt 1751 im ersten Band seiner Cronaca veneta sacra e profana hinzu, „einige wollten“, dass die Familie des Dogen aus Dalmatien nach Eraclea umgesiedelt sei, das er auch „Alt Malamocco“ (Malamocco vecchio) nennt. Doch „behaupteten andere“, Orsos Familie stamme ursprünglich aus Padua. Pacifico selbst bleibt in dieser Frage neutral. Der Doge habe gegen die Langobarden gekämpft, und, wie Pacifico ergänzt, eine griechische Flotte sei vernichtet worden, „Ildebrando, Nipote del Re“ gefangengenommen, „Daredo, Duca di Vicenza“ getötet. Doch zwei Jahre und zwei Monate nachdem er die Republik gerettet habe, sei er ermordet worden.[21]

Im selben Jahr wie Pacifico veröffentlichte Gianfrancesco Pivati den 10. Band seines Nuovo dizionario scientifico e curioso sacro-profano. Auch für ihn ist das Jahr 726 gesichert, die beiden Herkunftsorte Dalmatien und Padua werden nur von vielen „behauptet“. Die Wortwahl, in der der Verfasser die Vorgänge knapp und ausgesprochen ähnlich schildert, wirkt geradezu genormt.[22]

Augustinus Valiero behauptete 1787, Orso habe die venezianische Jugend für die Flotte gewonnen, so dass binnen weniger Jahre nicht nur die Piraten besiegt werden konnten, sondern auch die griechische Flotte, und dass der venezianischen Seestreitmacht so die Eroberung Ravennas gelang.[23] Der Exarch Paulus habe Venedig von der Gefährlichkeit der Langobarden und von ihrer Hinterlist überzeugt, und auch der Papst habe auf einen Gegenschlag gegen die Barbaren gedrungen. So wurde Ravenna zurückerobert. Als ein Gesandter des Kaisers jedoch die Zerstörung der Bilder in den Kirchen der Lagune verlangte, verwies der Doge auf die Eroberung und Rückgabe Ravennas und die jederzeitige Unterstützung Konstantinopels gegen die Langobarden. Aber in Angelegenheiten der Kirche würden die Venezianer ausschließlich dem Papst folgen.

Später warf man Orso vor, er sei zu einseitig für Eraclea eingetreten, so dass es im Verlauf der Kämpfe zur Ermordung des Dogen kam, nachdem er sein Amt elf Jahre und fünf Monate ausgefüllt hatte. Er habe zwar großen Geist und Mut bewiesen, doch sei er hochmütig gewesen und habe zur Tyrannei geneigt.[24] Vincentius Briemle formulierte diese Vorstellung 1727 in seiner Pilgerfahrt drastischer: Nach ihm war es so, dass Ursus, „durch Stolz und Hochmuth aufgeblasen, gewaltig zu tyrannisieren begunte, so stunde der Pövel wider ihm auf, und schluge ihm Anno 737.todt.“[25] Knapper, aber mit der gleichen Intention hatte bereits 1699 Ferdinand Ludwig von Bressler und Aschenburg formuliert: „Ursus Hypatus mißbrauchte diese Hertzogliche Gewalt / dahero ihn das Volck A .737. ermordete“.[26]

Französische Revolution, Risorgimento[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der französischen Revolution und der Hinrichtung des Königs rückte ein anderer Aspekt in den Mittelpunkt der Rezeptionsgeschichte, nämlich die Frage des Tyrannenmordes. Giovanni Pindelmonte verfasste binnen weniger Tage ein jakobinisches Drama[27] mit dem Titel Orso Ipato, das am 11. September 1797 aufgeführt wurde.[28] Das Stück hatte einen überraschenden Erfolg.[29]

Im folgenden Jahr brachte Carlo Antonio Marin den ersten Band seiner Storia civile e politica del commercio de' veniziani heraus. Für ihn machten die Venezianer unter Orso zum ersten Mal die Erfahrung, dass sie nicht nur ihre Inseln verteidigen und unter der Oberherrschaft des Kaisers Handel treiben konnten, sondern dass sie in der Lage waren, mit ihrer Flotte auch außerhalb ihres Herrschaftsgebiets Krieg zu führen. Marin bezieht sich auf Bernardo Giustiniano, wenn er erklärt, Orso habe Schulen eingerichtet, um die jungen Männer an die Erfordernisse des Seekrieges zu gewöhnen. Doch habe er nicht den Zugriff auf die von Giustiniano sicherlich zitierten Chroniken, um dies belegen zu können.[30] Zur Belagerung von Ravenna – Marin unterstellt hier explizit Gewinnabsichten, ohne die die Venezianer ihre Freiheit nicht aufs Spiel gesetzt hätten – wurden 60 Schiffe ausgerüstet. Um die Langobarden über ihre Absichten im Unklaren zu lassen, täuschte man einen Kriegszug gegen die Sarazenen vor.[31] Nach der Eroberung waren die Venezianer, so glaubt Marin, die wirtschaftlichen Herren der Adria, Ravennas und des Ostens, ja er war sich „sicher“, dass der Exarch die Kriegskosten übernommen hat, die Venezianer Handelshäuser einrichten durften und bei den Abgaben bevorzugt behandelt wurden.

Für Antonio Quadri war Orso, den er, wie inzwischen gängig, ab 726 ansetzt, mutig und waffenerfahren („coraggioso e armigero“), wie er in seinen Otto giorni a Venezia von 1824 schreibt. Nach großen Erfolgen gegen Piraten, der Durchsetzung der Herrschaft über Dalmatien und die Slawen, dem Sieg über die Langobarden im Kampf um Ravenna, kam es nach seiner Darstellung zur besagten Auszeichnung durch den Kaiser mit dem Titel eines Ipato. Dies alles führte jedoch zu Hass und Fraktionierungen, dann zu Kämpfen, in deren Verlauf der Doge ums Leben kam. Die Gemüter seien so aufgepeitscht („esasperato“) gewesen, dass die „nazione“, statt einen neuen Dogen zu wählen, auf die Magistri militum zurückgriff.[32] Marin hatte dies noch für einen klugen Schachzug der Volksversammlung zur Beendigung der Anarchie gehalten, denn so gelangte die Macht an einen einzigen Magister militum, wenn auch nur jeweils auf ein Jahr.[33]

Schon Jacopo Filiasi hatte 1812 in seinen Memorie storiche de' Veneti eine breitere Darstellung versucht, die beinahe 30 Seiten füllte. Filiasi bezog sich dabei schon sehr viel stärker auf die älteren Quellen, allen voran auf die Chronik des Dogen Andrea Dandolo aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Der Autor bezog zudem stärker das politische Umfeld mit ein, das durch den Ikonoklasmus des Ostens bestimmt war, gegen das sich alle „Itali“ wehrten, und gegen den sich auch Venedig erhob. Nachdem ein Mordanschlag auf den Papst misslungen war, versuchte es der Kaiser mit Gewalt, der die Venezianer aber widerstanden. Sogar von einem Gegenkaiser, den man nach Konstantinopel habe bringen wollen, ist die Rede, ein Unternehmen, von dem der Papst die Venezianer abhielt. Wie Filiasi vermerkt, halten sich die venezianischen Quellen jedoch im Unklaren, wenn sie auch Andeutungen machten. Kaiser Leo gelang es, eine pro-byzantinische Partei aufzubauen, die Ravenna in Zwietracht stürzte („pazza discordia“), eine Gelegenheit, die die Langobarden zur Eroberung der Stadt nutzten. Nach Filiasi floh der neue Exarch Eutychios nach Venedig und unterstellte sich dem Schutz Orsos, unter dessen Führung Ravenna zurückerobert wurde. Filiasi glaubte, die Gefahr, zur „Beute der Barbaren“ zu werden, hätte genügen müssen, einig zu sein, doch „nur das Volk ziehe guten Glaubens voran, aber die Führer haben völlig andere Ziele“ – und am Ende zögen nur diese Vorteile aus den Kämpfen. Der Kaiser, der immer noch den Ikonoklasmus gegen den Papst durchsetzen wollte, versuchte mehrfach Ravenna zu erobern, doch schließlich besiegte Venedig seine Flotte vor der Stadt. Filiasi, der neben allgemeinen Gründen, wie den Charakter der Italiener, anführt, dass die Auseinandersetzungen zwar unter dem „Numa“ Venedigs – gemeint ist Marcellus, dem die Legende den Rang eines Dogen zusprach – beruhigt worden seien, dass sie jedoch umso schärfer unter Ursus wieder losbrachen. Er sei zu hart gegen die Equilianer vorgegangen, habe ihnen sogar Tribut abverlangt, es kam zu Kämpfen, die sich zu einem Bürgerkrieg ausweiteten, wie bereits Dandolo vermerkt hatte, den Filiasi zitiert („Civilibus bellis exortis, nequiter occisus est“), ohne jedoch die genaue Fundstelle anzugeben. Filiasi mutmaßt, dass sich zudem das Volk möglicherweise gegen eine absolute Herrschaft des Dogen erhob, und das Amt daher abgeschafft wurde.[34]

Für den Verfasser eines knappen Heftes, das im Revolutionsjahr 1848 die vierzehn Herrschaftsformen und ihre Protagonisten aufführt, die seit der legendären Gründung Venedigs im Jahr 421 die Geschichte der Stadt bis hin zur „Diktatur Manins“ im Jahr 1848, und bis zum „Decemvirato“ geprägt haben, war ausschließlich der innere Streit („zuffa“) und die mögliche Verbindung mit dem byzantinischen Kaiser bedeutend genug, um erwähnt zu werden. Die Herrschaftsform war für den Anonymus eine „Repubblica democratica“, repräsentiert durch den Dogen und durch „Notabeln“.[35]

Giovanni Bellomo hielt hingegen den Kampf Orsos um Ravenna in seiner anekdotischen Mittelalterdarstellung für ein breites Publikum, seinen Lezioni di storia del medio evo, für so bedeutend, dass er Eingang in sein 1852 erschienenes Werk fand. Orso war für ihn „erfüllt von kriegerischen Geistern“ (‚pieno di spiriti marziali‘). Den Überraschungsangriff auf Ravenna datierte er souverän ins Jahr 729, auch wusste er, dass die Flotte 80 Schiffe umfasste. Wie seine Vorgänger erwähnt er die Auszeichnung durch den Konsulstitel, den ihm Leo III. übertrug. Auch erwähnt er den Kampf zwischen Eraclea und „Equilio oder Giesolo“; zudem erläutert er in einer Fußnote, dass es sich um „Cavallino“ handelte, das seinerzeit zwischen dem Hafen an der Piave und dem von Tre Porti lag.[36]

Samuele Romanin räumte den Vorgängen in großer Detailfreude einen breiten Raum in seinem zehnbändigen Opus Storia documentata di Venezia ein.[37] Das gewaltige Geschichtswerk hat einen Umfang von etwa 4000 Seiten, und Orso Ipato füllt in Band 1 immerhin die Seiten 109 bis 115. Romanins Ausgangspunkt war jedoch genau das, was die meisten anderen Historiker seiner Zeit ausließen, nämlich der Bilderstreit und die Rolle von Kaiser und Papst. So berichtet er von Attentatsversuchen auf den Papst, von der Rolle des in seinen Augen vor allem ruhmsüchtigen Langobardenkönigs, von der Überheblichkeit des Kaisers, um dann innezuhalten und einzuräumen, dass die Überlieferung widersprüchlich, konfus, verworren („imbrogliato“) sei, dass die Historiker zudem „mangelhaft“ und „nachlässig“ gearbeitet hätten, wodurch es sehr schwierig und manchmal gar unmöglich sei, die Vorgänge zu rekonstruieren.[38] So kann Romanin etwa das widersprüchliche Handeln des Papstes, der sich mit den Langobarden verbündete und den Exarchen exkommunizierte, aber dennoch für die Rückeroberung Ravennas warb, der versuchte Leo III. mit Briefen zu überzeugen und gleichzeitig die Langobarden diskreditierte, im Rahmen seiner moralischen Geschichtsschreibung kaum miteinander in Einklang bringen. Er datiert die Eroberung Ravennas in die Zeit von 727 bis Anfang 728,[39] berichtet von den Kämpfen zwischen den Verbündeten und den Gegnern des Kaisers in Ravenna, vom Tod des Exarchen Paulus und dessen Ersetzung durch Eutyches im Jahr 728. Gregor gelang es nach Romanin mit bloßen Worten den Exarchen und die Langobarden von der Eroberung Roms abzuhalten. Gegen Ende und beinahe nur am Rande schildert der Verfasser den Streit zwischen den bedeutendsten Lagunenstädten und erwähnt lapidar, dass Orso „grausam ermordet“ wurde (‚crudelmente assassinato‘).[40]

Deutlich prosaischer sah man außerhalb Italiens, wenn man sich überhaupt damit befasste, die Rolle Orsos. Adalbert Müller vermerkte 1869 nur lapidar zum 3. Dogen, den er in die Zeit von 726 bis 737 datiert: „Setzt den Exarchen von Ravenna, welchen Luitprand verjagt hatte, wieder in sein Reich ein. Kommt bei einem Aufruhr ums Leben.“[41]

Nationalstaat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langobardenreich und byzantinische Gebiete nach einer Karte von 1903

Noch stärker wurde Orso im Rahmen des Nationalstaates umgedeutet. So meinte Giuseppe Cappelletti in seinem der Volksbildung gewidmeten Breve corso di storia di Venezia von 1872, der Doge habe Ravenna „befreit“, der geflohene Exarch Paulus sei „ehrenvoll“ in Eraclea aufgenommen worden, und die Volksversammlung habe ihm auf sein Bitten Unterstützung zugesagt. Zum Vorgehen gegen die Langobarden entschloss man sich, da ihre Nähe die venezianische „Freiheit“ und die „nationalen Reichtümer“ (‚nazionali ricchezze‘) bedroht habe. Dazu sei Orso im Schutz der Nacht überraschend mit 80 Schiffen im Morgengrauen aufgetaucht, während der Exarch in Imola war, um von dort mit einem Landheer anzugreifen. Doch die Byzantiner wären beinahe besiegt worden, wäre es den Venezianern nicht gelungen, die Mauern zu überwinden. Bei der zeitlichen Einordnung räumt Cappelletti ein, dass die Rückeroberung irgendwann zwischen 726 und 735 stattgefunden habe. Doch nun hätten Neid und Hass, der zwischen den Inseln der Lagune geherrscht habe, ebenso wie die privaten Animositäten zwischen den tribunizischen Familien, aber auch die Konkurrenz zwischen Eraclea und Equilio zum Bürgerkrieg geführt. Der Autor wusste sogar, dass sich die Gegner im Canale dell'Arco, dem späteren Canale Orfano, zwei Tage und zwei Nächte eine Schlacht lieferten, an der sich zahlreiche andere Inselbewohner beteiligten – eine Annahme, die schon Filiasi, wenn auch weniger detailreich, vertreten hatte. Im Jahr 737 ermordeten die Lagunenbewohner schließlich, da sie keinen Dogen über sich dulden wollten, den um Ruhm und Ehre der Nation so verdienten Orso.[42]

Ähnliches gilt auch für die Storia popolare di Venezia dalle origini sino ai tempi nostri von Gianjacopo Fontana aus dem Jahr 1870. Zunächst bezieht er sich auf den 1751 erschienenen Diedo (Bd. 1, S. 49),[43] der zeigen konnte, dass der Doge Orleo hieß, und dass Orso ihm nur ein beigelegter Name war.[44] Für ihn war der von Kaiser Leo III. begonnene Bilderstreit ein Sturm („tempesta“[45]), den der Kaiser ausgelöst hatte, dem Tausende zum Opfer fielen, die sich in Kämpfen gegen die Entfernung der Heiligenbilder wehrten. Für ihn führte Orso die Flotte persönlich gegen Ravenna, er war es, der Marineschulen gründete, ja, er versuchte eine Verbindung zu den Bersagli herzustellen, den Scharfschützen. Fontana ist wohl der erste Historiker, der sich Gedanken über mögliche archäologische Quellen gemacht hat. In einem Absatz bezieht er sich auf Filiasi, der bei Arbeiten am neuen Flussbett für den Sile, nämlich in den Valli di Cavallino, große Mengen von Lanzen und Pfeilen gefunden worden seien, sowie Überreste weiterer „alter Waffen“, die vielleicht, wenn sie näher untersucht worden wären, den Kämpfen gegen Ende der Regierungszeit Orsos hätten zugewiesen werden können.[46]

J. Billitzer sah die Rolle Venedigs gleichfalls bescheidener. In seiner 1871 erschienenen Geschichte Venedigs von seiner Gründung bis auf die neueste Zeit geht auch er vom Bilderverbot Leos III. aus. Damit „fachte [...] er einen großen Brand fast in ganz Europa an“, verursachte das Bündnis zwischen Papst und Langobardenkönig, die Besetzung von Ravenna und der Pentapolis. Dem Exarchen gelang es mit der „mächtigen Hilfe an Schiffen und Leuten“ der Venezianer, die Stadt zurückzuerobern. Nach Billitzer wurde der Doge gestürzt, da er sich Rechte angemaßt hatte, „die ihm nicht zustanden“. Heraclea wurde angegriffen, „der Doge selbst wurde in einem Aufstande getödtet.“[47]

Auch August Friedrich Gfrörer († 1861) akzeptierte in seiner 1872 posthum erschienenen Geschichte Venedigs von seiner Gründung bis zum Jahre 1084 die Einordnung der Eroberung Ravennas in das Jahr 729, doch waren die Ursachen für ihn ganz andere.[48] Nach ihm habe Liutprand erkannt, dass „er für sich allein nicht stark genug sei, die Griechen zu erdrücken.“ So bot er dem Exarchen die Wiedereinsetzung in Ravenna an, um dann gemeinsame Sache gegen Byzanz zu machen. „Auch mit dem Veneter-Herzog Orso knüpfte Liutprand zu gleichem Zwecke Unterhandlungen an; er stellte demselben vor, daß, wenn Orso ein Bündnis mit Lombardien schließe, keine Macht ihn hindern könne die unabhängige Herrschaft über See-Venetien, frei von jeder griechischen Hoheit, zu erlangen. Beide Eutychius und Orso müssen gewonnen worden sein, und die Befreiung Ravenna's, von welcher Dandolo spricht, war meines Erachtens, viel weniger ein Werk der Waffengewalt, als geheimer Einverständnisse.“ (S. 54). Um Leo ins Boot zu holen, versuchte Liutprand den Zug nach Rom zusammen mit dem Exarchen, doch entwickelte der Papst „unter 4 Augen eine solche Ueberlegenheit des Geistes, daß Liutprand sich bewogen fand, auf seinen Plan zu verzichten.“ (S. 55). Dann setzt Gfrörer fort: „Fest steht: Herzog Orso ist als Opfer byzantinischer Rache gefallen. Um unter den schwierigen Zeitläuften seine Hoheit über Venetien sicher zu stellen, schaffte der Basileus am Bosporus, nachdem Orso durch angezettelte Verschwörung beseitigt worden, die bürgerliche Verwaltung der Herzoge ab, und führte eine rein militärische Regierung ein.“ (S. 57.). Konsequenterweise galten Gfrörer die Magistri militum, die auf Ursus folgten, als bloße „vom kaiserlichen Hofe zu Constantinopel eingesetzte Kriegsoberste“. Dominicus Leo herrschte demnach bis 738, auf ihn folgte Felix Cornicula, der Deusdedit zurückholte. Andrea Dandolo glaubte, dies sei zur Aussöhnung geschehen, und aus diesem Grunde, und um das Unrecht am Vater wiedergutzumachen, wurde Deusdedit selbst zum Magister erhoben. Wie Gfrörer annimmt auf byzantinische Initiative folgte ihm nun wiederum Jovianus – Indiz ist wiederum der Titel hypatus –, auf den 741 Johannes Febriciacus, der 742 geblendet wurde, folgte. Deusdedit wurde nun zum Dogen erwählt (S. 59).

Nachdem der posthume Herausgeber Dr. Johann Baptist von Weiß dem Übersetzer ins Italienische, Pietro Pinton, untersagt hatte, die Aussagen Gfrörers in der Übersetzung zu annotieren, erschien Pintons italienische Fassung im Archivio Veneto in den Jahresbänden XII bis XVI. Allerdings hatte Pinton durchgesetzt, dass er eine eigene Darstellung im Archivio Veneto publizieren dürfe, die jedoch erst 1883 erschien. Pinton gelangte in seiner Untersuchung zu gänzlich anderen, weniger spekulativen Ergebnissen, als Gfrörer.[49] Dabei hielt er Gfrörer vor, er komme durch eine falsche Chronologie zu unzutreffenden Schlüssen über die Motivationen der Beteiligten. Dies erweise sich etwa daran, dass er zwar geschrieben habe, dass Andrea Dandolo von Paulus Diaconus abgeschrieben habe, doch danach folge er nur noch dem Werk des Dogen, ohne dass Gfrörer die Unterschiede zwischen den beiden Autoren wahrgenommen habe. Hätte er diesen und die anderen zugehörigen Quellen gelesen, wäre ihm aufgefallen, so Pinton, dass Liutprand um 728 zwar den Hafen von Classis, aber keineswegs Ravenna erobert habe.[50] Der Brief an den Patriarchen von Grado, an Antoninus, sei auch nicht von Gregor II. sondern von Gregor III. als Ersuchen um Hilfe zur Rückeroberung verschickt worden, womit er den Fehler Andrea Dandolos nur wiederhole. Auch habe sich Eutychius alles andere als unterwürfig gegenüber dem Langobarden gezeigt. Orso sei, da die Chronologie Gfrörers im Widerspruch zu den Quellen stehe, nicht durch byzantinische Intrigen, sondern durch einen innervenezianischen Bürgerkrieg gestürzt worden, so, wie es das Chronicon breve Andrea Dandolos beschreibe. Pinton selbst nahm an, dass die Rückeroberung Ravennas um 740 stattgefunden habe (S. 40–42).

Jüngere Forschung, Neudatierung des Kampfes um Ravenna (vor 735 oder 739/740)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ernüchterung über die wenigen Aussagen, die man über Orsos Regierungszeit treffen konnte, fasste Heinrich Kretschmayr zusammen, einer der besten Kenner der venezianischen Quellen seiner Zeit. Er schrieb 1905 im ersten Band seiner Geschichte von Venedig: „So wenig uns unmittelbar über seine Amtszeit bekannt ist – man hat auch ihn darum zu einem Fabelwesen machen wollen – so lebhaft scheint es während derselben […] zugegangen zu sein.“[51]

Dies gilt bis heute, denn bis in die jüngste Zeit ging die Forschung von einem Aufstand der venezianischen Führungsschicht im Jahr 726/727 aus, die jedoch am Ende nicht mehr länger bereit war, sich einem Dux zu unterstellen, der über keine nennenswerte Unterstützung des Exarchen mehr verfügte. Dementsprechend könnte man die jährlich wechselnden Magistri militum als Ergebnis der wachsenden Ambitionen der in Venedig vorherrschenden Gruppen deuten, die Wiederherstellung des Dogats hingegen als Zugewinn der byzantinischen Zentralmacht zu Lasten der lokalen Führungsschicht. So argumentierte 1964 etwa Agostino Pertusi.[52] Da jedoch Deusdedit als Exponent von Malamocco und nicht mehr der alten Zentrale Heraclea zu gelten hat, so wurde im Gegensatz dazu angenommen, habe sich einfach die Gruppe der in Malamocco herrschenden Familien gegen die von Heraclea durchgesetzt. Dementsprechend kehrte mit dem Mord an Ursus im Gegenteil zunächst die byzantinische Zentralgewalt in Form der Magistri militum zurück, gegen die sich dann Malamocco wehrte, wie Gherardo Ortalli argumentierte.[53] Der Beilegung des Beinamens oder Titels des Iubianus als Hypatus könne daher eine Nähe zur byzantinischen Macht zugrundeliegen. Unklar ist dabei, ob die besagten Magistri zwischen Orso und Deusdedit venezianische Wurzeln hatten. So bleibt bis heute die Frage offen, auf welcher Seite Orso zu sehen ist, auf der byzantinischen oder der autonomistischen.

Paulus Diaconus im Gespräch mit Papst Gregor, dessen Vita er verfasste (karolingisches Fresko in der St.-Benediktskirche im Südtiroler Mals, um 825)

Die angedeutete Konfusion hinsichtlich der Datierung der Kämpfe um Ravenna fand Eingang in die moderne Geschichtsschreibung, und zwar wegen eines einzigen Wortes in der Beschreibung der Vorgänge durch Paulus Diaconus, nämlich der Bezeichnung des langobardischen Königssohnes im Zusammenhang mit dem Kampf um Ravenna als regis nepus. Dies konstatierte 2005 Constantin Zuckerman.[54] Ludo Moritz Hartmann habe die Ansicht vertreten, dass der Sohn des Langobardenkönigs, Hildeprand, kaum als nepos angesprochen worden wäre, wäre er zur Zeit des Kampfes um Ravenna bereits König gewesen. Da sich aus langobardischen Quellen erschließen lässt, dass Hildeprand im Sommer 735 König wurde, musste nach Hartmann Ravenna vor der Krönung, also vor 735, erobert worden sein. Alle Berichte von der ersten Eroberung Ravennas durch die Langobarden – 750/51 erfolgte eine zweite – gehen letztlich auf die kargen Angaben im Geschichtswerk des langobardischen Geschichtsschreibers Paulus Diaconus zurück. Damit aber hängt auch die Schilderung des Andrea Dandolo von Paulus ab. Letzterer platzierte die Krönung Liutprands in die Zeit, als die Krönungsbetreiber glaubten, König Hildeprand (der aber erst 744 starb) liege im Sterben (VI, 55). Paulus Diaconus aber räumte dem Neugekrönten keinen großen Anteil an der königlichen Macht ein, kontrastierte zudem im Zusammenhang mit dem Verlust Ravennas dessen Gefangennahme mit dem mannhaften (viriliter) Tod eines anderen Verteidigers der Stadt. Folgt man dieser Logik, so kann aus der Bezeichnung als bloßer nepos keine chronologische Schlussfolgerung mehr gezogen werden. Ottorino Bertolini,[55] der die besagte chronikalische Abhängigkeit von Paulus zwar verdeutlichte, hielt dennoch gleichfalls an der Nepos-Chronologie fest und konnte auf diese Weise sogar eine zeitliche Nähe zur Entsendung einer Flotte Leos III. gegen die italienischen Aufständischen konstruieren, von der wiederum Theophanes berichtet. Bertolini argumentierte, dieser Flotteneinsatz, dessen genaues Ziel nicht bekannt ist, habe sich gegen die Langobarden gerichtet.

Thomas Hodgkin führte als Gegenargument zugunsten der Datierung des Kampfes um Ravenna in die späten 730er Jahre die Positionierung im Textverlauf des Paulus Diaconus an (VI, 54). Sie folgt auf das Hilfeersuchen des Papstes an Karl Martell, das sich auf 739 datieren lässt. Hinzu kommt die Datierung durch Johannes Diaconus in die Zeit um 740. Tatsächlich kommt, wenn man die traditionelle venezianische Chronologie in Zweifel zieht, doch ein Argument für diese zeitliche Platzierung durch den zweiten Brief Papst Gregors III. an Karl Martell zum tragen. Beide Briefe des Papstes an den fränkischen Hausmeier finden sich im Codex Carolinus, allerdings ohne Datum. Der erste Brief lässt sich jedoch in den Sommer des Jahres 739 datieren, so dass man üblicherweise eine Datierung des besagten zweiten Briefes in die Zeit um die Jahreswende 739 auf 740 annimmt. Im zweiten Brief klagt der Papst über den Verlust des Wenigen, das noch übrig sei in Ravenna, um die Armen in Rom zu versorgen, und für die Kirchenbeleuchtung im Ravennatischen („id, quod modicum remanserat preterito anno pro subsidio et alimento pauperum Christi seu luminariorum con-cinnatione in partibus Ravennacium“). Dies alles sei, mit Bezug auf das Vorjahr, nun durch „Schwert und Feuer zerstört worden“ (‚nunc gladio et igni cuncta consumi‘), nämlich durch die langobardischen Könige Liutprand und Hildeprand.[56] Die Bezugnahme auf das vorhergehende Jahr platziert den Brief kurz nach dem 1. September 739. Da es keinen Hinweis darauf gibt, dass die Langobarden Ravenna in diesen Jahren zwei mal erobert haben, muss entsprechend dieser zeitnahen Quelle die langobardische Eroberung Ravennas in den Herbst 739 fallen. Damit ist der Brief des Papstes an Antoninus von Grado, in dem er die Venezianer um Hilfe ersucht, gleichzeitig mit dem zweiten Brief an Karl Martell entstanden.

Gegen die frühere Datierung spricht zudem, dass es für Gregor III. keinen Grund gab, sich gegen die seinerzeit verbündeten Langobarden so erzürnt auszusprechen, die seinen Vorgänger ja gerade vor einem Angriff durch Handlanger des byzantinischen Kaisers wenige Jahre zuvor gerettet hatten. Außerdem drückt Gregor in seinem Brief eine starke Loyalitätsbekundung gegenüber den Kaisern aus, was in der zerfahrenen Situation um 732 äußerst unwahrscheinlich gewesen wäre („ut zelo et amore sancte fidei nostre in statu rei publice et imperiali servicio firmi persistere“). Zu jener Zeit mied der Papst sogar die Datierung nach kaiserlichen Regierungsjahren, und seine Gesandten saßen in byzantinischer Haft. Doch auch noch Anfang 739 wäre eine solche Formulierung überraschend, wenn man, dem Chronicon Moissiacense folgend annimmt, dass die päpstlichen Gesandten Karl Martell um Hilfe ersuchten „relicto imperatore Graecorum et dominatione, ad praedicti principis defensionem et invictam eius clementiam convertere cum voluissent“, als man sich also vom griechischen Kaiser und dessen Herrschaft gelöst hatte.[57] Die Ablehnung der Bitte durch den Franken dürfte den Papst dazu gezwungen haben, nach einer Möglichkeit zur Beendigung der offenen Rebellion gegen den Kaiser, die ihren Anfang in den späten 720er Jahren genommen hatte, zu suchen. Darauf deutet auch hin, dass der Papst in einem Brief an Bonifatius vom 29. Oktober 739 nach langen Jahren die kaiserliche Datierungsformel wieder aufnahm. Diese loyalere Linie verfolgte auch Gregors Nachfolger trotz des weiterschwelenden Streites um die Bilderverehrung. Der offene Konflikt mit dem Kaiser endete also im Verlauf des Jahres 739, das Jahr, in dem auch die Rückeroberung Ravennas gelang.

Eine spätere Datierung des Kampfes um Ravenna auf das Jahr 740 hatte schon Pietro Pinton 1883 (s.o.) und erneut 1893 vorgeschlagen.[58] Er sah die Abfolge der Berichte des Paulus Diaconus als zeitlich korrekt an. Übernommen wurde diese Datierung 1963 von Roberto Cessi[59], 1991 von Jadran Ferluga[60] und 1997 von Pierandrea Moro[61] Constantin Zuckerman ordnete die Vorgänge um Ravenna in den größeren Zusammenhang der „dunklen Jahrhunderte“ von Byzanz ein und kam 2005 zu dem Ergebnis, dass die Eroberung durch die Venezianer im Herbst 739 stattgefunden haben müsse.[62]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Órso, Dizionario Biografico degli Italiani.
  • Andrea Da Mosto: I dogi di Venezia, Mailand 2003 (Allgemeines zu den Dogen)

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefano Gasparri: Hildeprand. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 5, Artemis & Winkler, München/Zürich 1991, ISBN 3-7608-8905-0, Sp. 16.
  2. Francesco Sansovino: Delle cose notabili della citta di Venetia libri II, Spineda, 1602, f. 35v.
  3. Girolamo Bardi: Chronologia universale, Bd. 1, Giunti, Venedig 1581, S. 35.
  4. Jakob von Sandrart: Kurtze und vermehrte Beschreibung Von Dem Ursprung / Aufnehmen / Gebiete / und Regierung der Weltberühmten Republick Venedig, Nürnberg 1687.
  5. „Eodem quoque tempore prelibato Marcello duce mortuo, qui apud Civitatem novam Venecie ducatum annis decem et octo et diebus viginti gubernaverat, cui successit Ursus dux, qui etiam in eadem civitate sepedictum ducatum rexerat annis XI et mensibus V“ (Joh. Diac., Chronicon, II, 11, Ed. Berto, S. 98).
  6. „Per idem tempus Leo augustus ad peiora progressus est, ita ut conpelleret omnes Constantinopolim habitantes tam vi quam blandimentis, ut deponerent ubicumque haberentes imagines tam Salvatoris quamque eius sanctae genetricis vel omnium sanctorum, easque in medium civitatis incendio concremari fecit.“ (Paulus Diaconus, Historia gentis Langobardorum, Hrsg. Ludwig Bethmann, Georg Waitz, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX. Hahn, Hannover 1878, S. 182 (6, 49) (Digitalisat)).
  7. Ester Pastorello (Hrsg.): Andreae Danduli Ducis Venetiarum Chronica per extensum descripta aa. 46-1280 (= Rerum Italicarum Scriptores XII,1), Nicola Zanichelli, Bologna 1938.
  8. Marco Foscarini: Della letteratura veneziana, con aggiunte inedite dedicata al principe Andrea Giovanelli, Nachdruck der Ausgabe von 1732, Venedig 1854, S. 105.
  9. Dabei ist die venezianische Überlieferung ungemein komplex. Zudem gibt es keinen Gesamtüberblick über die zahlreichen Manuskripte. Solche Überblicke existieren nur für einzelne Sammlungen, wie etwa Tommaso Gar: I codici storici della collezione Foscarini conservata nella Imperiale Biblioteca di Vienna, in: Archivio Storico Italiano 5 (1843) 281-505 oder Antonio Ceruti: Inventario Ceruti dei manoscritti della Biblioteca Ambrosiana, Milano-Trezzano sul Naviglio (1973-1979), Bd. I-V; oder für einzelne Länder: Cesare Foligno: Codici di materia veneta nelle biblioteche inglesi, in: Nuovo Archivio Veneto, n. s. IX (1906), parte I, S. 89–128, dann Giuseppe Mazzatinti: Inventari dei manoscritti italiani delle biblioteche di Francia, pubblicato dal Ministero della Pubblica Istruzione, Indici e Cataloghi V, 3 Bde, Rom 1886-1888. Naturgemäß ist die Situation in Italien noch komplizierter: Joseph Alentinelli: Biblioteca Manuscripta ad S. Marci Venetiarum. Codices manuscripti latini, Venedig 1868-1873, Bd. I–VI (Bd. IV, Digitalisat); Pietro Zorzanello: Catalogo dei codici latini della Biblioteca Nazionale Marciana di Venezia non compresi nel catalogo di G. Valentinelli, Milano-Trezzano sul Naviglio 1980–1985, Bd. 1–III; Carlo Frati, Arnaldo Segarizzi: Catalogo dei codici marciani italiani, Modena 1909–1911, Bd. I-II (Bd. 2, Digitalisat); Carlo Campana: Cronache di Venezia in volgare della Biblioteca Nazionale Marciana, Padua/Venedig 2011.
  10. Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, Hrsg. Ludwig Bethmann, Georg Waitz, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX. Hahn, Hannover 1878, S. 183 f. (6, 54) (Digitalisat)
  11. Bernardo Giustiniani: Historia di M. Bernardo Giustiniano gentilhuomo vinitiano dell'origine di Vinegia, & delle cose fatte da Vinitiani. Nella quale anchora ampiamente si contengono le guerre de' Gotthi, de Longobardi, & de' Saraceni. Nuouamente tradotta da M. Lodouico Domenichi, Venedig 1545 (Digitalisat).
  12. Leslie Brubaker, John F. Haldon: Byzantium in the Iconoclast era. c. 680–850. A History, Cambridge University Press, 2011, insbes. S. 151–155.
  13. Marco Guazzo: Cronica di M. Marco Guazzo dal principio del mondo sino a questi nostri tempi ne la quale ordinatatamente contiensi l'essere de gli huomini illustri antiqui, & moderni, le cose, & i fatti di eterna memoria degni, occorsi dal principio del mondo fino à questi nostri tempi, Francesco Bindoni, Venedig 1553, f. 167v. (Digitalisat).
  14. Francesco Sansovino: Cronologia del mondo di M. Sansouino Divisa in tre libri, Stamperia della Luna, Venedig 1580, f. 42v, unter dem Jahr 726 bzw. „Anno del Mondo“ 5925.
  15. Michele Zappullo: Sommario istorico, Gio:Giacomo Carlino & Costantino Vitale, Neapel 1609, S. 316.
  16. Modo dell'elettione del serenissimo prencipe di Venetia. Con il nome, e cognome di tutti i prencipi, e con gli anni che ciascuno ha vissuto nel dogato, in Eraclia, in Malamocco, & in Rialto, fino al sereniss. Nicolo Contarini aggiunte alcune dichiarationi, tratte dalle Croniche, che nell'altre impressini non si leggeuano, Francesco Cavalli, Rom 1630, o. S. (Digitalisat).
  17. Jakob von Sandrart: Kurtze und vermehrte Beschreibung Von Dem Ursprung / Aufnehmen / Gebiete / und Regierung der Weltberühmten Republick Venedig, Nürnberg 1687, S. 12 (Digitalisat).
  18. RIS, Bd. 23, Mailand 1733, Sp. 934.
  19. Samuel von Pufendorf: Einleitung in die Historie und Gerechtsamen der besonderen Staaten des Römischen Reichs in Teutschland und Italien, Knoch & Eßlinger, Frankfurt 1748, S. 843.
  20. Samuel von Pufendorf: Introduction à l'histoire générale et politique de l'Univers, Bd. 2, Chaterlain, Amsterdam 1732, S. 67.
  21. Pietro Antonio Pacifico: Cronaca veneta sacra e profana, o sia un compendio di tutte le cose più illustri ed antiche della città di Venezia, Neuauflage, Francesco Pitteri, Venedig 1751, S. 36 f.
  22. Gianfrancesco Pivati: Nuovo dizionario scientifico e curioso sacro-profano, Bd. 10, Milocco, 1751, S. 167.
  23. Augustinus Valiero: Dell'utilità che si può ritrarre dalle cose operate dai veneziani libri XIV, Bettinelli, Padua 1787, S. 17 f.
  24. Augustinus Valiero: Dell'utilità che si può ritrarre dalle cose operate dai veneziani libri XIV, Bettinelli, Padua 1787, S. 20.
  25. Vincentius Briemle, Johann Josef Pock: Die Durch die drey Theile der Welt, Europa, Asia und Africa, Besonders in denselben nach Loreto, Rom, Monte-Cassino, nicht minder Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, Berg Sinai, [et]c. [et]c. und andere heilige Oerter des gelobten Landes angestellte Andächtige Pilgerfahrt, erster Teil: Die Reise von München durch gantz Welschland und wieder zuruck, Georg Christoph Weber, München 1727, S. 188 (Digitalisat).
  26. Ferdinand Ludwig von Bressler und Aschenburg: Die Heutigen Christlichen Souverainen von Europa, Das ist: Ein kurtzer Genealogischer und Politischer Abriß / Darinnen des Heil.Röm.Reiches / aller Königreiche / Staaten und Souverainen Fürsten von Europa Historische Haupt-Periodi ; die jetzt allda lebenden Potentaten und Regenten mit ihren Angehörigen; die in selbigen Orten befindlichen vornehmsten Ertz- und Bistümer; wie auch gar viele bey Höfen / in ansehnlichen Collegiis, in wichtigen Gouvernemens und in höchsten Kriegsdiensten stehende Beamten; Nebst Jeden Landes angehängten berühmten Familien, Ritter-Orden / Societäten und hin und wieder subsistirenden Gesandten nach geographischer Ordnung vorgestellet werden, Bd. 6, Johann Georg Steck, Breslau 1699, S. 1101. (Digitalisat).
  27. Zum Theater in dieser Zeit: C. De Michelis: Teatro e spettacolo durante la Municipalità provvisoria di Venezia, maggio- novembre 1797, S. 263-288.
  28. Pietro Themelly: Il teatro patriottico tra rivoluzione e impero, Bulzoni, 1991, S. 160.
  29. Studi Veneziani (1993), S. 219.
  30. Carlo Antonio Marin: Storia civile e politica del commercio de' veniziani, 8 Bde, Coleti, Venedig 1798-1808, Bd. 1, Venedig 1798, S. 174.
  31. Carlo Antonio Marin: Storia civile e politica del commercio de' veniziani, 8 Bde, Coleti, Venedig 1798-1808, Bd. 1, Venedig 1798, S. 176.
  32. Antonio Quadri: Otto giorni a Venezia, Molinari, 1824, 2. Aufl., Teil II, Francesco Andreola, Venedig 1826, S. 60 f.
  33. Carlo Antonio Marin: Storia civile e politica del commercio de' veniziani, 8 Bde, Coleti, Venedig 1798-1808, Bd. 1, Venedig 1798, S. 182 f.
  34. Jacopo Filiasi: Memorie storiche de' Veneti primi e secondi, Bd. 5: Storia dei Veneti primi sotto il dominio dei Eruli e Goti, 2. Aufl., Padua 1812, S. 213–241.
  35. Quadro sinottico di tutte la mutazioni politiche e governative incontrate dalla citta, dallo stato e dalla provincia di Venezia dall'anno CCCCXXI dell'era volgare a tutto Agosto MDCCCXLVIII compilato ad uso delle persone d'affari ed a comodo degli studiosi da F. D. S. A. P., o. O., [1848], S. 1 f. (Digitalisat).
  36. Giovanni Bellomo: Lezioni di storia del medio evo, G. Antonelli, Venedig 1852, S. 24 (Digitalisat).
  37. Samuele Romanin: Storia documentata di Venezia, 10 Bde, Pietro Naratovich, Venedig 1853-1861, 2. Auflage 1912-1921, Nachdruck Venedig 1972.
  38. Samuele Romanin: Storia documentata di Venezia, Bd. 1, Pietro Naratovich, Venedig 1853, S. 111.
  39. Samuele Romanin: Storia documentata di Venezia, Bd. 1, Pietro Naratovich, Venedig 1853, S. 113.
  40. Samuele Romanin: Storia documentata di Venezia, Bd. 1, Pietro Naratovich, Venedig 1853, S. 115.
  41. Adalbert Müller: Venedig – Seine Kunstschätze und historischen Erinnerungen. Ein Wegweiser in der Stadt und auf den benachbarten Inseln, 1. Aufl., H. F. Münster, Venedig/Triest/Verona 1857, S. 42.
  42. Giuseppe Cappelletti: Breve corso di storia di Venezia condotta sino ai nostri giorni a facile istruzione popolare, Grimaldo, Venedig 1872, S. 21–24.
  43. Gemeint ist Giacomo Diedo: Storia della Repubblica di Venezia dalla sua fondazione sino l'anno MDCCXLVII, Bd. 1, Andrea Poletti, Venedig 1751 (Digitalisat).
  44. Gianjacopo Fontana: Storia popolare di Venezia dalle origini sino ai tempi nostri, Bd. 1, Giovanni Cecchini, Venedig 1870, S. 54.
  45. So hatte ihn schon Paulus Diaconus bezeichnet.
  46. Gianjacopo Fontana: Storia popolare di Venezia dalle origini sino ai tempi nostri, Bd. 1, Giovanni Cecchini, Venedig 1870, S. 59.
  47. J. Billitzer: Geschichte Venedigs von seiner Gründung bis auf die neueste Zeit, Köhler, Triest/Venedig/Mailand 1871, S. 5 f.
  48. August Friedrich Gfrörer: Geschichte Venedigs von seiner Gründung bis zum Jahre 1084. Aus seinem Nachlasse herausgegeben, ergänzt und fortgesetzt von Dr. J. B. Weiß, Graz 1872, (Digitalisat).
  49. Pietro Pinton: La storia di Venezia di A. F. Gfrörer, in: Archivio Veneto (1883) 23–63 (Digitalisat).
  50. Bei Paulus Diaconus (VI, 49) heißt es: „Liutprandus Ravennam obsedit, Classem invasit atque destruxit.“
  51. Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, 3 Bde, Bd. 1, Gotha 1905, S. 44 f.
  52. „Il ritorno di nuovo ai duces ... è da intendere come un ritorno alla normalità, cioè alla sovranità bizantina dell’esarco.“ (Agostino Pertusi: L’impero bizantino e l’evolversi dei suoi interessi nell’alto Adriatico, in: Le origini di Venezia, Florenz 1964, S. 69).
  53. „il trasferimento della sede a Malamocco […] starebbe ad indicare una ripresa del processo autonomistico“ (Gherardo Ortalli: Venezia dalle origini a Pietro II Orseolo, in: Longobardi e Bizantini, Turin 1980, S. 339–428, hier: S. 367).
  54. Dies und das Folgende nach Constantin Zuckerman: Learning from the Enemy and More: Studies in „Dark Centuries“ Byzantium, in: Millennium 2 (2005) 79–135, insbes. S. 85–94.
  55. Ottorino Bertolini: Quale fu il vero obiettivo assegnato in Italia da Leone III “Isaurico” all’armata di Manes, stratego dei Cibyrreoti?, in: Byzantinische Forschungen 2 (1967) 40 f.
  56. Codex Carolinus 2, hgg. von Wilhelm Gundlach, in MGH Epp., III, S. 477.
  57. Chronicon Moissiacense, hgg. von Georg Heinrich Pertz, MGH Scriptores I, Hannover 1826, S. 291 f.
  58. Pietro Pinton: Longobardi e veneziani a Ravenna. Nota critica sulle fonti, Balbi, Rom 1893, S. 30 f. und Ders.: Veneziani e Longobardi a Ravenna in: Archivio Veneto XXXVI11 (1889) 369–383 (Digitalisat).
  59. Roberto Cessi: Venezia ducale, Bd. I: Duca e popolo, Venedig 1963, S. 103.
  60. Jadran Ferluga: L’esarcato, in: Antonio Carile (Hrsg.): Storia di Ravenna, Bd. II/1: Dall’età bizantina all’età ottoniana. Territorio, economia e società, Venedig 1991, S. 351–377, hier: S. 371.
  61. Pierandrea Moro: Venezia e l’occidente nell’alto medioevo. Dal confine longobardo al pactum lotariano, in: S. Gasparri, G. Levi, P. Moro (Hrsg.): Venezia. Itinerari per la città, Il Mulino, Bologna 1997, S. 42.
  62. Constantin Zuckerman: Learning from the Enemy and More: Studies in „Dark Centuries“ Byzantium, in: Millennium 2 (2005) 79–135, insbes. S. 85–94.
Vorgänger Amt Nachfolger
Marcello Tegalliano Doge von Venedig
727–737
Diodato Ipato