Oscar Wilde

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Dieser Artikel beschreibt den Schriftsteller Oscar Wilde. Zum gleichnamigen Schiff siehe Oscar Wilde (Schiff).
Oscar Wilde 1882, Aufnahme von Napoleon Sarony
Unterschrift Oscar Wilde

Oscar Fingal O' Flahertie Wills Wilde (* 16. Oktober 1854 in Dublin; † 30. November 1900 in Paris) war ein irischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Jugend und Studium[Bearbeiten]

Oscar Wilde 1889, Aufnahme von Downey
Karikatur der Wasp (San Francisco) anlässlich Wildes Besuch in der Stadt 1882

Aufgrund der Berufe seiner Eltern kam Oscar Wilde frühzeitig mit der Schriftstellerei in Kontakt. Sein Vater William Wilde war Irlands führender Ohren- und Augenarzt und schrieb Bücher über Archäologie, Folklore und den Satiriker Jonathan Swift. Seine Mutter Jane war von Beruf Übersetzerin, engagierte sich im Young Ireland Movement unter dem Pseudonym „Speranza“ („Hoffnung“) und galt als revolutionäre Lyrikerin. Die Wildes hatten drei Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen. Der Älteste, William Charles Kingsbury Wilde, wurde 1852 geboren. 1854 kam Oscar in der Westland Row 21 zur Welt. 1858 bekam Jane ihr drittes Kind, Isola Francesca, die nur zehn Jahre alt wurde.

Von 1864 bis 1871 besuchte Oscar Wilde als Internatsschüler die Portora Royal School in Enniskillen. Anschließend, von 1871 bis 1874, studierte er mit glänzendem Erfolg klassische Literatur am Trinity College in Dublin. Im Sommer reiste Oscar Wilde zusammen mit William Goulding und Reverend John Pentland Mahaffy, seinem Freund und Lehrer für Altphilologie am Trinity College, nach Norditalien, wo er beispielsweise Mailand, Venedig, Padua und Verona besuchte. Nachdem Wilde ein jährliches Stipendium von £95 gewonnen hatte, studierte er von 1874 bis 1878 am Magdalen College in Oxford.

Während dieser Zeit trat er in die Freimaurerloge Apollo University Lodge no. 357 ein.[1] Bereits sein Vater war aktiver Freimaurer in Dublin gewesen.

In Oxford fiel Oscar Wilde schnell durch seinen Humor auf: Als er bei der Aufnahmeprüfung eines Studentenclubs einen Teil der Passionsgeschichte aus dem Griechischen übersetzen sollte, erklärte Wilde, er wolle unbedingt das Ende erfahren und übersetzte weiter, nachdem er die Aufgabe bereits mit Bravour gelöst hatte. Während des Studiums begeisterten ihn gleichermaßen die in Richtung der L'art pour l'art weisenden ästhetischen Ideale von Walter Horatio Pater und die tief moralisch, religiös und sozial engagierte Kunstauffassung von John Ruskin, obwohl sie auf sehr unterschiedliche, beinahe entgegengesetzte Weise den neuen Ästhetizismus vertraten.

Am 28. November 1878 fand Oscar Wilde seine erste literarische Anerkennung, als sein Gedicht "Ravenna", in dem die Impressionen seiner zweiten Italienreise künstlerische Gestalt angenommen hatten, mit dem Newdigate-Preis ausgezeichnet wurde. Nach Abschluss des Studiums übersiedelte er 1879 sogleich nach London und teilte sich dort bis 1881 mit dem Künstler Frank Miles, der beste Beziehungen zur Londoner Gesellschaft hatte, eine Wohnung in der heute nicht mehr bestehenden Salisbury Street zwischen Strand und Themse, die Wilde „Thames House“ nannte.[2]

Die Jahre als Erfolgsschriftsteller[Bearbeiten]

Wilde wurde zu seiner Zeit als Schriftsteller bewundert und war im prüden viktorianischen England zugleich als Skandalautor und Dandy verschrien. Er war berühmt für seine Sprachgewandtheit und extravagantes Auftreten. In den Jahren nach 1882 hielt er Vorlesungen in den USA und Kanada. Er wurde von der Kritik lächerlich gemacht, die er wiederum als philisterhaft bezeichnet. 1884 heiratete er Constance Lloyd, mit der er zwei Söhne hatte, Cyril (1885–1915) und Vyvyan (1886–1967).

Aubrey Beardsley: Die Apotheose, Illustration zu Salome, veröffentlicht in The Studio, Vol. 1, Nr. 1, 1893

Wilde arbeitete von 1887 bis 1889 für die Pall Mall Gazette und danach als Herausgeber der Zeitschrift Woman’s World. Während dieser Jahre veröffentlichte er die für seine Söhne geschriebene Märchensammlung Der glückliche Prinz und andere Märchen (1888, klassische Vertreter der Gattung Kunstmärchen) und den Roman Das Bildnis des Dorian Gray (The Picture of Dorian Gray) (1891). Das letztere Werk, das sein einziger Roman bleiben sollte, finden Kritiker einerseits autobiographische Elemente, andererseits ist es eine direkte Antwort auf den französischen Symbolismus, insbesondere auf Gegen den Strich von Joris-Karl Huysmans.

In den folgenden Jahren schrieb Oscar Wilde etwa jährlich ein neues Werk, vor allem Gesellschaftskomödien. Am bekanntesten sind Lady Windermere’s Fan (1892), A Woman of No Importance (1893), An Ideal Husband (1895) und The Importance of Being Earnest (1895), das die Oberklasse satirisch darstellt und als eines seiner besten Werke gilt.

Sein Stück Salome aus dem Jahr 1891 nach der biblischen Salome-Legende (mit berühmten, zum Teil sehr freizügigen Jugendstil-Illustrationen von Aubrey Beardsley) wurde vom Zensor abgelehnt und fand daher keinen Verleger in England. 1894 wurde es von und mit Sarah Bernhardt in Paris uraufgeführt. Der Komponist Richard Strauss nahm Wildes Drama als Literaturvorlage und vertonte die deutsche Übersetzung in seiner weltweit erfolgreichen Oper Salome, die am 9. Dezember 1905 an der Dresdner Hofoper uraufgeführt wurde.

Oscar Wilde schrieb auch eine Kriminalerzählung: Lord Arthur Saviles Verbrechen (1887), eine „Studie über die Pflicht“, wie der Untertitel der Erzählung lautet. Dem Titelhelden wird geweissagt, er werde einen Mord begehen. Entsprechend seinem Leitspruch „Was du tun musst, das tue gleich“, beschließt Lord Arthur, das vorhergesagte Verbrechen noch vor seiner Eheschließung zu begehen.

Skandal, Zuchthaus und Isolation[Bearbeiten]

Alfred Douglas, 1903.

Der Familienvater Oscar ging – für die damalige Zeit – relativ offen mit seiner Homosexualität um. Seine homosexuellen Partnerschaften, z. B. mit seinem Freund und Lektor Robert Baldwin Ross, waren nicht unbekannt. Wildes langjähriges Verhältnis zu Lord Alfred Douglas (genannt Bosie) führte schließlich durch eine gezielte Provokation durch dessen Vater John Sholto Douglas, den 9. Marquess von Queensberry, zu einem gesellschaftlichen Skandal, drei Gerichtsprozessen (einer Privatklage Wildes gegen Queensberry und darauf folgend zwei Strafprozessen gegen Wilde) und Wildes Niedergang.[3]

Am 18. Februar 1895 hinterließ Queensberry im Albemarle Club, den Oscar Wilde regelmäßig besuchte, seine Visitenkarte mit dem handschriftlichen Zusatz: „For Oscar Wilde posing Somdomite [sic!]“ („für Oscar Wilde, posierender Sodomit“).[4] Oscar Wilde erhob deswegen, nachdem ihm Alfred Douglas moralische und finanzielle Rückendeckung zugesichert hatte, Verleumdungsklage gegen den Marquis, der zu seiner Verteidigung den Wahrheitsbeweis für seine Beschuldigung antrat.

Lippincott’s Monthly Magazine mit der Erstfassung des Romans

Wilde wurde vom Kläger zum Angeklagten, als zu Tage kam, dass er mit jungen Männern aus der Unterschicht sexuellen Umgang hatte, darunter auch männlichen Prostituierten. Im Kreuzverhör wurde Oscar Wilde von Edward Carson, einem ehemaligen Studienkollegen vom Trinity College, auch zu verschiedenen seiner Schriften befragt, hauptsächlich über den Roman Das Bildnis des Dorian Gray, der als „anrüchig“ gerügt wurde. Wildes rhetorische Brillanz konnte aber nicht verhindern, dass die Geschworenen Queensberry für „nicht schuldig“ befanden.

Oscar Wilde wurde daraufhin selbst verhaftet, wegen Unzucht angeklagt und am 25. Mai 1895 zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt. Ausschlaggebend war nicht sein Verhältnis zu Lord Douglas, sondern sein Umgang mit männlichen Prostituierten, von denen einige als Zeugen gehört wurden. Der Skandal führte zu Angriffen gegen das Magazin The Yellow Book und seinen Illustrator Aubrey Beardsley, obwohl Yellow Book nie etwas von Wilde veröffentlicht hatte.

Auch in dieser Situation verlor Wilde zunächst nicht seinen Humor. Als er z. B. während der Haft gezwungen war, gefesselt im Freien zu warten, soll er folgenden Ausspruch gemacht haben: „Wenn Ihre Majestät Ihre Gefangenen so behandelt, dann verdient sie keine.“ Die folgenden zwei Jahre harter Arbeit ruinierten jedoch Wildes Gesundheit.

Zunächst wurde Wilde in das Zuchthaus im Londoner Stadtteil Wandsworth gebracht, wo er mehrere Monate in der Krankenabteilung verbringen musste. Im Zuchthaus in Reading schrieb Wilde einen Brief von 50.000 Wörtern an Alfred Douglas, den er Robert Ross nach seiner Entlassung aus der Haft zukommen ließ, damit er nicht vernichtet würde. Lord Douglas bestritt später stets, diesen Brief je erhalten zu haben. Unter dem Titel De Profundis wurde er postum (1905) unter Auslassung eventuell anstößiger Abschnitte veröffentlicht; 1949 publizierte Vyvyan Holland, Wildes Sohn, den Brief in einer längeren, aber fehlerhaften Version, da Ross' Abschrift als Quelle verwendet wurde. 1962 erstellten Literaturwissenschaftler nach dem Originalmanuskript, das im British Museum verwahrt wird, eine korrekte und vollständige Druckversion, die in der Anthologie The Letters of Oscar Wilde veröffentlicht wurde. Darin geht es neben einer Aufarbeitung der Beziehung zu Douglas unter anderem auch um die unmenschlichen Zustände im Zuchthaus (Kindergefangene, Kinderzwangsarbeit). Diese Themen hatte er nach seiner Haftentlassung bereits in zwei Leserbriefen an die Zeitung Daily Chronicle dargelegt.

Gesundheitlich schwer angeschlagen wurde Wilde 1897 aus der Haft entlassen und floh vor der gesellschaftlichen Ächtung nach Paris. Die letzten drei Lebensjahre verbrachte er unter dem Namen Sebastian Melmoth (nach dem Roman Melmoth the Wanderer seines Großonkels Charles Robert Maturin) auf dem europäischen Festland in Armut und Isolation.

Grabmal Oscar Wildes auf dem Père Lachaise

Wilde traf sich im selben Jahr mit Lord Douglas in Neapel. Er wollte den Freund noch einmal wiedersehen und die Beziehung damit zugleich beenden: „Ich weiß, es ist besser, wenn ich ihn nie wiedersehe“. Zudem starb auch seine Frau Constance kurz nach seiner Haftentlassung. Sie hatte mit den Kindern England verlassen, unter anderem in der Gegend von Heidelberg gelebt und ihren Namen in Constance Holland geändert. Trotz der offensichtlichen Affären ihres Mannes hatte sie jedoch nie die Scheidung eingereicht.

Am 30. November 1900 starb Oscar Wilde im Pariser „Hotel d’ Alsace“. Obwohl völlig mittellos, wurde er vom Besitzer des Hotels im besten Zimmer untergebracht und bekam das beste Essen und den besten Wein. Sein angeblicher Kommentar: „Ich sterbe über meine Verhältnisse.“ bzw. seine letzten Worte: „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.“ Er starb an den Folgen einer Hirnhautentzündung, die aus einer chronischen Mittelohrentzündung resultierte. Schon vor dem Gefängnisaufenthalt hatte er wegen Taubheitsgefühlen einen Ohrenspezialisten kontaktiert.

Lippenstiftabdrücke am Grabmal Oscar Wildes

Nach Meinung der südafrikanischen Wissenschaftler Ashley Robins und Sean Sellars handelt es sich um einen Mythos, dass Wilde an der damals unheilbaren Syphilis gelitten habe.[5] Dem steht die Aussage von Wildes Freund Robert Ross gegenüber: Oscar habe sich schon als Student mit der Krankheit infiziert und vor seiner Ehe einer Quecksilberbehandlung unterziehen müssen. Auf dem Sterbebett trat Wilde zur römisch-katholischen Kirche über. Er wurde zunächst auf dem Cimetière parisien de Bagneux beigesetzt, im Jahre 1909 jedoch auf den Cimetière du Père Lachaise in Paris umgebettet. Seine letzte Ruhestätte ziert ein Grabmal von Jacob Epstein. Sein Grab war lange Zeit mit tausenden Lippenstift-Küssen von Verehrerinnen und Verehrern verziert. Zu seinem 111. Todestag wurde das Grab renoviert, mit einer Glasplatte geschützt und absolutes Kussverbot verhängt.

Robert Baldwin Ross hatte ihm treue Freundschaft bewiesen; seine Asche wurde später in Wildes Grab beigesetzt.

Politik[Bearbeiten]

Wilde bekannte sich nach der Lektüre von Kropotkins Werken zum Anarchismus.[6] Explizit ausformuliert hat er diese Einstellung unter anderem in Interviews ("Früher war ich Poet und Tyrann, heute bin ich Künstler und Anarchist"[7]) und in seinem Essay "Der Sozialismus und die Seele des Menschen" ("The Soul of Man Under Socialism"). Dort tritt Wilde für die Abschaffung des Privateigentums und einen individualistischen Sozialismus ein. Er schreibt: "the recognition of private property has really harmed Individualism and obscured it, by confusing a man with what he possesses." ("Die Anerkennung des Privateigentums hat dem Individualismus schweren Schaden zugefügt, indem sie den Menschen verwechselt mit dem, was er besitzt").[8] Gleichzeitig mit dem Privateigentum müsse jedoch auch die Idee des Herrschens über Menschen überhaupt aufgegeben werden.[9] Wilde war der einzige Literat, der die Petition Bernhard Shaws zur Begnadigung der Anarchisten der Haymarket Riots in Chicago 1886 unterzeichnete.[10]

Wirkung[Bearbeiten]

Gedenkplakette im Saint Patrick’s Park, Dublin

1913 veröffentlichte Wildes Neffe Fabian Lloyd alias Arthur Cravan in Paris einen Artikel, in dem er behauptete, sein Onkel sei noch am Leben und habe ihn in Paris besucht. Oscar Wilde habe sich seit 1901 in Indien und Indonesien aufgehalten und sei wieder dorthin zurückgekehrt. Der Pariser Korrespondent der New York Times fiel auf dieses Gerücht herein und recherchierte – erfolglos – nach Zeugen, die jemals den toten Wilde gesehen hätten. Cravan ging noch einen Schritt weiter und wettete 5000 Dollar, dass sich im Sarg des Dichters auf dem Friedhof Père-Lachaise kein Leichnam, sondern zwei unveröffentlichte Manuskripte befänden. Die französische Regierung ging auf dieses Wettangebot sowie auf die damit verbundene Forderung nach einer Exhumierung jedoch nicht ein.

Seit 1995 steht eine Gedenktafel zu Oscar Wilde im Poets’ Corner der Westminster Abbey. Anfang 2007 nahm der Vatikan in einer Anthologie Provokationen: Aphorismen für ein anti-konformistisches Christentum Oscar Wilde in die Ehrenliste von Autoren auf.[11]

Persönlichkeit[Bearbeiten]

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Oscar Wilde hat seinerzeit viele Menschen vor Rätsel gestellt. Die Öffentlichkeit kannte ihn als wortgewandten, geistreichen Unterhalter und Dandy. Er verhielt sich oft überheblich und überlegen. Mit seinem scharfsinnigen Humor legte er häufig Kehrseiten und Vorurteile, das Verhalten und unbequeme Wahrheiten der Gesellschaft offen. Auch haben viele seiner Aussagen einen philosophischen Hintergrund. Wilde verschrieb sich schon während seiner Studienzeit dem Ästhetizismus, also der Kunst und einem Leben nur um der Schönheit willen. Einmal sagt er, sein Leben sei das wahre Kunstwerk und die Literatur, die er verfasst habe, nur ein Hauch seines Talents. Zum Beispiel soll er zu André Gide gesagt haben:

“… my plays are not good, I know, and I don't trouble about that … They are nearly all the result of a bet. So was Dorian Gray—I wrote that in a few days because a friend of mine declared that I could not write a novel. Writing bores me so.”[12] (dt.: „… meine Stücke sind nicht gut, ich weiß, und das kümmert mich nicht … Sie sind fast alle das Ergebnis einer Wette. Auch Dorian Gray – Ich schrieb das in ein paar Tagen, weil ein Freund von mir meinte, ich könne keinen Roman schreiben. Schreiben langweilt mich so sehr.“)

Man weiß, dass Oscar Wilde in Wirklichkeit ein Perfektionist war und seine eigenen Werke immer wieder intensiv überarbeitete, bis er damit zufrieden war. Auch die Anzahl von Werken, die er geschrieben hat, straft seine Aussage Lügen. Er tat allerdings so, als ob ihm Vergnügen und Dandytum wichtiger seien als seine Werke.[13] Vielleicht war das, was er der Öffentlichkeit als Persönlichkeit zeigte, nur eine Maske.

“To the world I seem, by intention on my part, a dilettante and dandy merely – it is not wise to show one’s heart to the world – and as seriousness of manner is the disguise of the fool, folly in its exquisite modes of triviality and indifference and lack of care is the robe of the wise man. In so vulgar an age as this we all need masks.”[14](dt.: „Der Welt erscheine ich, von meiner Seite absichtlich, bloß wie ein Dilettant und Dandy – es ist nicht klug, der Welt das eigene Herz zu zeigen – und wie ernsthaftes Verhalten die Tarnung des Trottels ist, ist Narrheit in ihren exquisiten Arten von Belanglosigkeit und Gleichgültigkeit und Mangel an Sorge das Gewand des schlauen Mannes. In solch einem geschmacklosen Zeitalter wie diesem brauchen wir alle Masken.“)

Auch wenn er der Öffentlichkeit das Gegenteil weismachen wollte, war er, wie aus manchen Briefen hervorgeht, von der scharfen Kritik an seinen Werken oft tief verletzt. Wahrscheinlich wollte er in seinem Leben am meisten die Anerkennung seiner Arbeit, aber auch bei all seiner Andersartigkeit und Exzentrik vor allem akzeptiert werden als das, was er war: ein Ire, ein Künstler und ein Mensch.

Homosexualität im Großbritannien des Viktorianischen Zeitalters[Bearbeiten]

Der „Criminal Law Amendment Act“, eine Ergänzung des britischen Strafgesetzes, die sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, war erst 1885 in Kraft getreten. Solche Handlungen kamen allerdings in Jungeninternaten und unter den damals nur männlichen Schülern der Colleges häufiger vor und wurden vom Lehrpersonal weitgehend ignoriert.[15] Erwachsene Männer hingegen, die eine sehr enge Freundschaft unterhielten, waren durch den „Criminal Law Amendment Act“ der Gefahr der Erpressung ausgesetzt.

Oscar Wilde, als Homosexueller gebrandmarkt, beeinflusste das Bild von Schwulen in der Öffentlichkeit und die Herausbildung eines (noch heute gültigen) Stereotyps von homosexuellen Männern gravierend. So wurden z. B. Männer, die einen extravaganten Stil pflegten, spöttisch als „Oscar“ bezeichnet. Ausgeprägter Humor und Wortgewandtheit, Begeisterung für Schönes, wie etwa Inneneinrichtung und Kleidung, und Wildes öffentliche exzentrische Persönlichkeit sollten als Beweis und Inbegriff von Homosexualität gelten.

Werke[Bearbeiten]

Gedichte[Bearbeiten]

Erzählungen[Bearbeiten]

Roman[Bearbeiten]

  • Das Bildnis des Dorian Gray (The Picture of Dorian Gray, Roman, 1890) in Lippincott’s Monthly Magazine, 1891 bei Lock, Ward and Co., London, als Buchausgabe

Märchensammlungen[Bearbeiten]

Bühnenstücke[Bearbeiten]

  • Vera oder die Nihilisten (Vera, or the Nihilists, 1880)
  • Lady Windermeres Fächer (Lady Windermere's Fan, 1892), u.a.: S. Fischer Verlag, 2012, dt. von Peter Torberg
  • Die Herzogin von Padua (The Duchess of Padua, 1893), u.a.: S. Fischer Verlag, 2004, dt. von Peter Torberg
  • Eine Frau ohne Bedeutung, auch: Nur eine Frau, S. Fischer Verlag, Frankfurt, 2003, dt. von Peter Torberg (A Woman of No Importance, 1893)
  • Ein idealer Gatte, u. a.: S. Fischer Verlag, Frankfurt, 2000. dt. von Peter Torberg (An Ideal Husband, 1894)
  • Salomé. u. a.: S. Fischer Verlag, Frankfurt, 2001. dt. von Peter Torberg (Drama, 1891)
  • Ernst sein ist alles/Bunbury oder die Bedeutung, Ernst zu sein, auch: Bunbury, oder Ernst sein ist alles, S. Fischer Verlag, Frankfurt, 1999. dt. von Peter Torberg (The Importance of Being Earnest, etwa 1895),

Essays[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Oscar-Wilde-Skulptur im Dubliner Merrion Square

Die einzigen Werke Wildes mit eindeutig homosexuellen Inhalten waren:

  • Gespräch über Freundschaft, zwei Freunde unterhalten sich über einen Dialog Platons
  • Das Bildnis des Mr. W. H., zwei junge Männer erfinden einen Geliebten für William Shakespeare

Die Autorenschaft der beiden Werke

  • Teleny, Roman (1895, erschien zunächst anonym)
  • Der Priester und der Messnerknabe, Erzählung („The Priest and the Acolyte“, 1894)

wird Wilde zwar zugeschrieben, ist aber nicht nachgewiesen. Man geht heute davon aus, dass Der Priester und der Messnerknabe von dem Oxford-Studenten John Bloxam (1873–1928) verfasst wurde.

Im Jahr 1927 wurde im Berliner Globus Verlag die angeblich „einzige autorisierte deutsche Ausgabe“ von Oscar Wildes Im Banne der Liebe. Ein birmanisches Maskenspiel veröffentlicht. Das Werk ist allerdings eine Fälschung der vorgeblichen Übersetzerin Fanny Weiß.[16]

Literatur[Bearbeiten]

Filmbiographien[Bearbeiten]

1960 erschienen zwei britische Filme, die das Leben Oscar Wildes, insbesondere seine Gerichtsprozesse zum Thema haben: Oscar Wilde von Gregory Ratoff mit Robert Morley als Oscar Wilde und Der Mann mit der grünen Nelke (The Trials of Oscar Wilde) von Ken Hughes mit Peter Finch in der Hauptrolle.

Der Film Wilde des britischen Regisseurs Brian Gilbert aus dem Jahr 1997, in dem Oscar Wilde von Stephen Fry gespielt wird, umfasst Wildes Jahre als erfolgreicher Literat in London, die Zeit der Prozesse und deren Folgen. Der Film basiert auf der Wilde-Biographie von Richard Ellmann, für die er 1989 den Pulitzer-Preis gewann.

Theaterstücke über Oscar Wilde[Bearbeiten]

  • Moisés Kaufman: Unzucht – Die drei Prozesse des Oscar Wilde (Gross Indecency: The Trials of Oscar Wilde), 1997 in New York uraufgeführt. Dt. von Peter Torberg, Felix Bloch Erben, Berlin, 1998.
  • Inken Kautter/Kay Link: Ein langer, süßer Selbstmord – Der Fall Oscar Wilde, Uraufführung am 28. April 2011 am Freien Werkstatt-Theater, Köln

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Apollo University Lodge no. 357: History 1870–1914.
  2. "Salisbury Street from the river": british-history.ac.uk. Das Gelände wurde bereits ab 1890 mit dem Hotel Cecil überbaut, welches 1930 bis auf die Fassade 80 Strand dem noch heute bestehenden Shell Mex House weichen musste. Vgl. Ed Glinert: Literary London. A Street by Street Exploration of the Capital's Literary Heritage (2000)
  3. Vgl. zu den Prozessen: Glanz und Elend des Dichters Oscar Wilde. In: Walther Skaupy, Große Prozesse der Weltgeschichte, Emil Vollmer Verlag, Essen, ISBN 3-88851-277-8, S. 188–218.
  4. http://www.nationalarchives.gov.uk/museum/item.asp?item_id=41
  5. Sandra Standhartinger: "Oscar Wilde starb an Ohreninfektion – Todesursache Syphilis höchst unwahrscheinlich", Pressetext Austria, 24. November 2000.
  6. George Woodcock. Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements. 1962. (S. 447)
  7. http://www.schattenblick.de/infopool/medien/altern/gras1353.html
  8. Foreman, J. B. (Hg.): The Complete Works of Oscar Wilde, 2001, Harper Collins, S. 1083
  9. Foreman, J. B. (Hg.): The Complete Works of Oscar Wilde, 2001, Harper Collins, S. 1087
  10. Ellmann, Richard (1988): Oscar Wilde. New York: Vintage Books. S. 273
  11. Welt Online: Die katholische Kirche rehabilitiert Oscar Wilde.
  12. Oscar Wilde: A Study … op. cit. S. 48 f 3, Letters, S. 353.
  13. siehe dazu auch Hans-Dieter Gelfert: Madam I'm Adam – Eine Kulturgeschichte des englischen Humors, S. 185 ff.
  14. Letters, S. 353.
  15. Ergebnis einer Untersuchung britischer Jungeninternate und Colleges, siehe: Lambert, Royston and S. Milham. The Hothouse Society, London: Weidenfeld & Nicolson 1968.
  16. Fuld, Werner. Das Lexikon der Fälschungen, München/Zürich: Piper 2000, S. 346 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oscar Wilde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Oscar Wilde – Quellen und Volltexte