Oskar Becker (Attentäter)

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Der gescheiterte Attentäter: Oskar Becker.
Am 14. Juli 1861 wurde auf den preußischen König, Wilhelm I. in der Lichtenthaler Allee in Baden-Baden ein Attentat verübt.

Oskar Wilhelm Becker (russisch Оскар Вильгельм Беккер) (* 18. Juni 1839 in Odessa; † 16. Juli 1868 in Alexandria) wurde bekannt durch sein Attentat auf König Wilhelm von Preußen.

Becker wurde in Odessa geboren, wo sein Vater Paul Adam von Becker Direktor des Lyceums war. Dessen erste Ehefrau und Oskar Beckers Mutter war die Elise Wilhelmine Becker, geborene Dörstling (* 10. Februar 1818 Chemnitz; † 16. Januar 1844 Odessa). Man ehrte Paul Adam von Becker mit dem Titel „Wirklicher Kaiserlich Russischer Staatsrat“ (russisch действительный статский советник) und erhob ihn in den Adelstand.[1][2]

Mit vierzehn Jahren wurde er auf ein Gymnasium in Kiew ge­schickt, später besuchte er von 1856 bis 1859 das Evangelische Kreuzgymnasium in Dresden.[3] Oskar Becker studierte seit 1859 in Leipzig unter anderem Staatswissenschaften, Mathematik und orientalische Sprachen. Oskar Becker war der Bruder von Carl Woldemar Becker (* 31. Januar 1841, Odessa; † 30. November 1901, Bremen) und somit der Onkel der Malerin Paula Modersohn-Becker.[4]

Im Sommer 1861 fasste er für sich als Einzeltäter den Entschluss, den König von Preußen zu ermorden, in dessen Persönlichkeit er ein Hindernis der Einigung Deutschlands erblickte. Zu diesem Zweck begab er sich am 12. Juli nach Baden-Baden, wo der König sich zur Kur aufhielt. Becker feuerte am Vormittag des 14. Juli in der Lichtenthaler Allee beide Läufe seines Terzerols auf den König ab, der sich auf einem Spaziergang in Begleitung des preußischen Gesandten in Karlsruhe, Graf Flemming, befand. Beckers Schuss streifte den König am Hals, verursachte dort jedoch nur eine unbedeutende Quetschung, die vom König selbst zunächst gar nicht bemerkt wurde.[5] Becker ließ sich widerstandslos vom Grafen Flemming festnehmen.

In seinem Bekennerschreiben, das er bei sich trug, äußerte Becker sich zu den politischen Motiven seiner Tat wie folgt:

Baden, 13. Juli 1861.
Das Motiv, weshalb ich Se. Maj. den König von Preußen erschießen werde, ist, daß derselbe die Einigkeit Deutschlands nicht herbeiführen kann und die Umstände überwältigen, daß die Einheit stattfindet; dieserhalb muß er sterben, daß ein anderer es vollbringt. Man wird mich um der That willen lächerlich machen oder für überspannt halten; ich aber muß die That vollziehen, um das deutsche Vaterland glücklich zu machen.
Oskar Becker, stud. jur. aus Leipzig.

Wäre das Attentat erfolgreich gewesen, hätte Becker paradoxerweise gerade denjenigen Mann getötet, der zehn Jahre später die deutsche Einheit tatsächlich herbeiführte.

Becker wurde vom Schwurgericht in Bruchsal zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, aber schon im Oktober 1866 auf König Wilhelms Fürsprache hin begnadigt. Becker ging dann nach Nordamerika (Vereinigte Staaten (USA)), kehrte aber 1868 nach Europa zurück. Er wanderte erneut aus, diesmal in Richtung Orient, und starb 1868 im Alter von 29 Jahren in Alexandria.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein e.V., (504.) Protokoll über die Arbeitssitzung am 19. November 2010 [3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sein Großvater Friedrich Wilhelm Becker (* 4. Januar 1773 in Oberlichtenau; † 21. Oktober 1847 in Kiew) stammte ursprünglich aus Sachsen von wo aus er als Lehrer, Koll. Rat, Oberlehrer der deutschen Sprache am Litauischen Gouvermentsgymnasium lehrte und späterhin Professor für römische Literatur und Hofrat war. Er zog zunächst in das Baltikum und später in die Ukraine. Seine Ehefrau war die Anna Margarethe Friederike Becker, geborene von Hueck (* 4. Juli 1788 in Tallinn; † 30. Oktober 1847 in Kiew).
  2. Erik-Amburger-Datenbank. Institut für Ost- und Südosteuropaforschung.[1]
  3. Archivalie im Bestand 10736 Ministerium des Innern Archivalnummer 00465 Datierung 1861 Attentat des Leipziger Studenten Oskar Becker aus Odessa auf König Wilhelm von Preußen in Karlsruhe[2]
  4. Dresden - Bremen - Worpswede – Biografie Paula Modersohn-Becker (Memento vom 21. Dezember 2007 im Internet Archive)
  5. vgl. Beilage zur Illustrirten Zeitung, Nr. 942 (Bd. 37), Leipzig, den 20. Juli 1861.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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