Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei

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Aktie über 600 RM der Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei vom 28. Januar 1928

Die Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei[1] (kurz OAB), auch Osnabrücker Aktien-Brauerei genannt, war eine Brauerei in Osnabrück. Sie wurde im Jahr 1860 gegründet und der Standort 1987 geschlossen. Heute firmiert unter dieser Bezeichnung und Nutzung des Firmenmantels die „OAB Osnabrücker Anlagen- und Beteiligungs-AG“ mit mehrfach geändertem Geschäftszweck.

Gründerjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon seit langer Zeit braute man in Osnabrück Bier und betrieb auch auf lokaler Ebene Handel damit. Man unterschied das Bier zwischen dem Koit (ein dünnes und hopfenloses Bier) und dem Grüsing (ein Kräuterbier). Das Bier war aber nicht gut genug, um es exportieren zu können.

Johann Carl Immeyer begann auf dem Kalkhügel, dem heutigen Westerberg, seinen Brauereibetrieb und verbesserte den Geschmack des Bieres. Im Jahr 1860 konnte der Braubetrieb mit obrigkeitlicher Genehmigung beginnen. Johann Carl Immeyer musste den Brauereibetrieb nach einigen Jahren aufgeben und wanderte nach Amerika aus.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elf Personen hatten den Mut, Grundstück und Betrieb anzukaufen und eine Aktiengesellschaft zu gründen. Zu den elf Aktionären trat bald der als Brauereidirektor vorgesehene Wilhelm Runde aus Braunschweig. Der Gesellschaftsvertrag wurde am 16. Oktober 1870 notariell beurkundet. Nach der Umbenennung in Bayerische Dampf-Bierbrauerei AG im Jahr 1870 ging die Brauerei in die Actien-Bierbrauerei über.[2] Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde mit den außerordentlichen Erfolgen in Wirtschaft und Verkehr auch das Bier in großem Umfang zum Handelsobjekt. Mit dem „Apostelbier“, wie man wegen der zwölf Aktionäre das Gebräu scherzhaft nannte, hatte eine neue Epoche im Osnabrücker Brauereiwesen begonnen.

Im Jahr 1886 wurde eine Dampfmaschine der Maschinen-Fabrik Augsburg in Betrieb genommen.[3] Man hatte Anschluss an die Technik der Zeit gefunden und hielt Schritt mit der weiteren Entwicklung. Die Brauerei gewann Heimatrecht in der Stadt, da immer mehr Gaststätten ihr Bier auszuschenken begannen. Bald drang das Bier auch über die Stadtgrenzen hinaus. Das sich ausdehnende Werk auf dem Westerberg wuchs in das Stadtbild hinein. Um 1900 benutzte die Osnabrücker Aktien-Brauerei die Höhlen unter dem Kloster auf dem Gertrudenberg als Bierkeller.[4] Lange gehörte der Betrieb mit Wasserturm und Schornstein zum Bild des Berges, wie die ochsenbespannten Fuhrwerke der Brauerei bis zum Ersten Weltkrieg zum Straßenbild.

Nachkriegsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb Rudolf August Oetker aus Bielefeld Aktien der OAB. Später wurde in der Brauerei auf dem Westerberg in der Bergstraße 35 neben dem Haupterzeugnis Bergquell-Pilsener, Osnabrücker Edel-Export und Malzbier auch Pepsi-Cola, Mirinda und Florida Boy Orange hergestellt. Im Jahr 1967 gehörte die OAB Osnabrücker Aktien-Brauerei mit 161.000 hl produziertem Bier zu den 100 größten Brauereien in Westdeutschland (Platz 99 auf der Liste der Produzenten in Deutschland [5]). Anfang der 1970er-Jahre hatte Oetker seine Beteiligung zu einer Mehrheit ausgebaut.

Die Osnabrücker Aktien-Brauerei war Mitinitiator der heutigen Osnabrücker Maiwoche. Im Mai 1972 wurde durch einen Fassanstich im Beisein von Oberbürgermeister Ernst Weber die erste Maiwoche eröffnet.[6]

1983 übertrug Oetker den Geschäftsbetrieb auf die zu seinen Brauerei-Interessen gehörende Dortmunder Actien-Brauerei. Die Brauerei in Osnabrück wurde 1987 geschlossen. Die Dortmunder Actien-Brauerei AG (DAB) kaufte die Brauereirechte unter dem Firmennamen Dortmunder Actien-Brauerei AG BS Osnabrück. Fortan wurde Osnabrücker Bergquell Pils in Dortmund gebraut. Zur Begründung hieß es damals, am Standort Osnabrück koste die Herstellung 17 DM pro Hektoliter, in Dortmund nur 9 DM. Zunächst wurde das Bier noch in Flaschen abgefüllt und auch an Endverbraucher verkauft, später nur noch fassweise an die Osnabrücker Gastronomie abgegeben. Als die DAB zwischenzeitlich darüber nachdachte, die Produktion einzustellen, erlaubte die Stadt Osnabrück der Brauerei auf Betreiben des damaligen Oberbürgermeisters Hans-Jürgen Fip, künftig das Osnabrücker Stadtwappen und ein Bild des Rathauses im Logo des Bieres zu verwenden.

Im Oktober 2018 bestätigte die Radeberger Gruppe, zu der die DAB gehört, auf Nachfrage der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass die Produktion des Bieres zum Jahresende eingestellt wird. Zur Begründung hieß es, dass dieses nur noch in einigen wenigen Osnabrücker Gastronomien vertreten sei.[7]

Umfirmierung, Änderung des Geschäftszwecks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 wurde die Firma in „OAB Osnabrücker Anlagen- und Beteiligungs-AG“ im Rahmen einer Börsenmanteltransaktion umfirmiert, nachdem die STEUCON Grundbesitz- und Beteiligungs-AG aus Delmenhorst die immer noch in Hannover börsennotierte AG übernommen hatte.[8] Sie war zunächst im Bereich Kauf und Verkauf von eigenen Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen tätig. Ab Juli 2000 war sie dann nach einer Übernahme von 80 Prozent der OAB-Aktien durch die Saarbrücker Metrotainment AG im Bereich Beteiligung an Unterhaltungsunternehmen tätig.[9][10] Nachdem ihre Tochterfirma Tricon Grundbesitzgesellschaft Dornbusch GmbH & Co. KG zahlungsunfähig geworden war, ist am 2. September 2004 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der OAB AG eröffnet worden.[11] Am 25. Juni 2010 ist das Insolvenzverfahren nach Bestätigung des Insolvenzplans durch das Amtsgericht Osnabrück aufgehoben worden.[12] Aktuell befindet sich die OAB AG als Börsenmantel mit Notiz an der Börse Hamburg in der Neuausrichtung, nachdem auf der Außerordentlichen Hauptversammlung am 20. April 2015 die Fortführung der Gesellschaft beschlossen worden ist.[13] Seitdem ist die Gesellschaft auch wieder auf ihrer alten Internetadresse www.oab-ag.de mit einer neuen Homepage im Internet vertreten.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historische Aktien der Osnabrücker Aktien-Bierbrauerei
  2. Homepage von Klaus Ehm
  3. Kraft- und Dampfmaschinen
  4. Kloster auf dem Gertrudenberg
  5. Homepage der „Aktion Gutes Bier“
  6. http://www.osnabrueck.de/maiwoche Offizielle Seite der Osnabrücker Maiwoche
  7. Rainer Lahmann-Lammert: Dortmunder stellen Produktion ein – Das Osnabrücker Bier wird nicht mehr gebraut. (noz.de [abgerufen am 7. Oktober 2018]).
  8. Auktionshaus Gutowski (PDF; 1,9 MB)
  9. Neue Osnabrücker Zeitung: OAB verkauft Immobilien. 22. Mai 2000, abgerufen am 7. September 2015.
  10. Welt.de: Steucon verkauft 80 Prozent an die Metrotainment AG. 24. Dezember 1999, abgerufen am 7. September 2015.
  11. Finanztreff.de: OAB OSNABR.ANLAGEN-U.BET.AG INHABER-AKTIEN O.N. - Unternehmensprofil. 2014, abgerufen am 7. September 2015.
  12. handelsregisterbekanntmachungen.de: Registerbekanntmachung 02.08.2010. Abgerufen am 27. November 2015.
  13. handelsregisterbekanntmachungen.de: Registerbekanntmachung 27.11.2015. 2015, abgerufen am 27. November 2015.
  14. oab-ag.de: Homepage OAB AG. 2015, abgerufen am 2. Dezember 2015.