Ost+Front

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Ost+Front
Ost+Front auf dem Blackfield Festival 2013
Ost+Front auf dem Blackfield Festival 2013
Allgemeine Informationen
Herkunft Berlin, Deutschland
Genre(s) Neue Deutsche Härte, Gothic Metal
Gründung 2008
Website www.ostfront.tv
Gründungsmitglieder
Patrick „Okusa“ Lange
Aktuelle Besetzung
Gesang
Herrmann Ostfront
Gitarre
Siegfried Helm
Gitarre
Otto Schmalzmann (seit 2015)
Bass
Wilhelm Rotlauf
Tasten, Trommeln
Eva Edelweiß
Schlagzeug
Fritz Knacker
Ehemalige Mitglieder
Gesang
Chris L. (Agonoize) (2011)
Gitarre
Gernhardt von Brüh (2011–2015)

Ost+Front ist eine Neue-Deutsche-Härte-Band aus Berlin. Waren die anfänglichen Lieder durch einen brachialen Musikstil und eintönige Rhythmen bestimmt, beeinflusst durch das musikalische und textliche Vorbild Rammstein,[1] kamen im Laufe der Zeit Einflüsse aus Industrial, Metal und Gothic dazu.[1] Ost+Front gehört der sogenannten schwarzen Szene an.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde Ost+Front 2008 von Patrick Lange (Herrmann Ostfront), der bis zu diesem Zeitpunkt bei Corvus Corax, Tanzwut und Schelmish gespielt hatte.

2011 wurde Ost+Front einer breiteren Öffentlichkeit auf dem M’era Luna Festival zugänglich, das sie mit Chris L. (Agonoize) als Frontmann bestritten.[3] Keine zwei Wochen später verließ Chris die Band, sein Platz wurde von Patrick Lange unter dem Pseudonym „Herrmann Ostfront“ eingenommen, welcher bisher die Gitarre und den Backgroundgesang übernahm.[4] Dies behinderte die zeitnahe Veröffentlichung des Debütalbums.

Am 10. August 2012 wurde das Debütalbum Ave Maria veröffentlicht. Dem Album ging das Musikvideo Ich liebe es voraus, das nicht nur in der Musikpresse auf kritische Reaktionen stieß, sondern wegen expliziten sexuellen Darstellungen die „ab 18“ - Freigabe von der FSK verweigert bekam.[5][6] Nach einer Änderung erhielt das Album die Freigabe „ab 16“.[7] Trotz dieser Einschränkung stieg das Album am 28. August für eine Woche auf Platz 68 der deutschen Albumcharts ein.[8] Das Album selbst stieß auf gemischte Reaktionen, Metal.de kritisierte, dass Ost+Front „ziemlich hemmungslos die Herrschaften von Rammstein“ kopieren würden, Legacy.de urteilte, dass „trotz der teils gewöhnungsbedürftigen Texte [...] und der eher amüsanten Optik [...] das Provokationspotential – das der Band anscheinend so wichtig ist – eher gering“ bleiben würde. Gleichwohl wurde die Musikqualität und Kurzweiligkeit gelobt.[9][10] Ende 2012 folgten Clubkonzerte in mehreren deutschen Städten, im März 2013 folgten erstmals zwei ausländische Gastspiele. Von April bis August desselben Jahres traten Ost+Front auf mehreren großen Festivals der Schwarzen Szene, wie dem Blackfield Festival und dem M’era Luna Festival auf.

Ende September 2013 veröffentlichten Ost+Front die EP Bitte schlag mich, die auch eine Coverversion von Falcos Hit „Out of the Dark“ enthielt.[11]

Am 24. Januar 2014 erschien das zweite Album Olympia, das auf Platz 25 der Media-Control-Albumcharts einstieg.[8] Musikreviews.de bezeichnete das Album als eine stellenweise bewundernswert perfekte Kopie von Rammstein, die jedoch qualitativ weit hinter diesen zurückbliebe und dessen Texte nicht zum Nachdenken, sondern zum Fremdschämen anregen würden.[12] Die Szenemagazine Tombstone und Mindbreed lobten dagegen die tiefgründigen Texte und die Liebe zum Detail. Ost+Front hätten sich im Vergleich zu ihrem Debüt musikalisch weiterentwickelt und ein „brachiale(s) Gesamtpaket für Freude des schwarzen Humors“ abgeliefert.[13][14] Auch das englischsprachige Onlinemagazin Reflections of Darkness beurteile das Album positiv, kam jedoch zu dem Schluss, dass all diejenigen, die nicht gerade Fans der Band und ihrer Musik seien, dem Album schwerlich etwas abgewinnen könnten (On the other hand if such kind of music can’t be called as one of your preferences, it will be hardly possible to find something really great for you on the release).[15]

Am 30. Oktober 2015 wurde die Single Sternenkinder veröffentlicht, die auf 999 Exemplare limitiert wurde. Zeitgleich erschien das dazugehörige Musikvideo. Neben dem Originalsong Sternenkinder sind auf der Single zwei Remixe zu dem Lied zu finden. Einer ist von Blutengel, der Zweite von Rob Dust. Als viertes Lied lässt sich die Orchester-Version von Moldau finden. Dem Lied liegt Die Moldau des böhmischen Komponisten Bedřich Smetana zu Grunde.[2]

Am 22. Januar 2016 wurde das dritte Studioalbum Ultra als CD, Doppel-CD mit sechs zusätzlichen Liedern und in einer limitierten Box veröffentlicht. Zuvor erschien das Musikvideo zu Bruderherz auf YouTube. Das Lied Fiesta De Sexo wird gemeinsam mit Erk Aicrag, Sänger der Band Hocico auf Spanisch gesungen. Bei Suizid erhält Ost+Front musikalische Unterstützung von B. Deutung. Auf der zweiten Disk findet sich unter anderem eine Coverversion von Bitte schlag mich von Stimmgewalt. Ultra besticht laut metal.de durch „besonders schwarzen Humor OST+FRONTs, welcher nicht jedem gefallen wird“ und gilt als „ein rundum stimmiges und gereiftes Album.“

Musikstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikalisch sind Ost+Front der Neuen Deutschen Härte zuzuordnen. Ihre Musik erinnert inhaltlich wie musikalisch stark an Rammstein.[9]

„OST+FRONT klingen nicht nur wie RAMMSTEIN, sie adaptieren auch deren Songs. Das eklatanteste Beispiel hierfür ist "Ost+Front 2014", das sich aus "Moskau" (Musik) sowie "Links 2 3 4" und "Rammlied" (Text) zusammensetzt.“

Philipp Walter: Musikreviews.de[12]

„[Rammstein] könnten sich fragen: Wann haben wir das denn aufgenommen? Oder auch: Verdammt, wieso haben wir es nicht aufgenommen?“

Kym Gnuch: Sonic Seducer[16]

Teilweise werden textliche Muster Eins zu Eins übernommen:

„Wenn ich ihre Haut verließ – Der Frühling blutet in Paris – In Paris“

– Rammstein Frühling in Paris

„Du bist mein Paradies – Ich hab noch einen Koffer in Paris – In Paris“

– Ost+Front Harte Welt

„Ich hab ihr einen Kuss gestohlen – Sie wollte sich ihn wiederholen“

– Rammstein Zwitter

„Ich hab Dir einen Traum gestohlen – Er hat sich mir im Schlaf empfohlen“

– Ost+Front Blitzkrieg

Oder bestimmte Wörter sind teilweise so dominant, dass eine Verbindung zu Rammstein beim Hörer erzwungen wird. Beispielsweise die mehrmalige Nennung und Betonung des Worts putas im Lied Fiesta de Sexo schlägt automatisch eine Brücke zu Rammsteins Te quiero puta!.

Dennoch wird der Band von Kritikern eine deutlich erkennbare Weiterentwicklung attestiert und loben dessen eigenen Stil und auch die tiefgründigen Texte. Songs sind oftmals gesellschaftskritisch oder beschäftigen sich mit den Abgründen von menschlicher Psyche und Verhalten.[13][14]

„Was an “Ultra” besonders auffällt, ist, dass OST+FRONT gereift sind. Textliche Totalausfälle der Marke “Perfekt” finden sich auf dem jüngsten Werk der Berliner nahezu keine.“

Matthias Weise: Metal.de[17]

„Ich finde diese Scheibe – ja, provokant, aber eben auch sehr gut gemacht, gut hörbare Neue Deutsche Härte, die in die Ohren geht und begeistern kann.“

Sascha: Polyprisma.de[18]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Name der Band zunächst „Ostfront“ lautete, kam es zu Assoziationen mit rechtsextremem Gedankengut, zumal eine rechtsextreme Band aus Thüringen unter ähnlichem Namen auftritt.[19][20] Die Band änderte daraufhin ihren Namen, und distanzierte sich von Rechtsextremismus.[21][22]

Ende September 2013 untersagte der Bürgermeister der Gemeinde Windeck, Hans-Christian Lehmann, ein Konzert der Band in der Kulturhalle Kabelmetal, nachdem sich Einwohner und die Bürgerkulturstiftung des Ortes beschwerten, Ost+Front würden Gewalt verherrlichen, und der Band aufgrund des Namens eine politische Motivation unterstellten.[23] Die Band widersprach den Vorwürfen.[24][25]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[8]
Ave Maria
  DE 68 03.09.2012 (1 Wo.)
Olympia
  DE 25 07.02.2014 (1 Wo.)
Ultra
  DE 22 29.01.2016 (1 Wo.)

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

EPs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2013: Bitte schlag mich (Out of Line, Rough Trade Distribution)
  • 2014: Freundschaft (Out of Line, Rough Trade Distribution)

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstige Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2013: Out in the Rain (Solitary Experiments-Cover), erschienen auf deren Album Phenomena
  • 2013: Rabia Sorda - Indestructible (Ost+Front Remix), erschienen auf deren Album Hotel Suicide
  • 2014: Lord of the Lost - Eure Siege (Ost+Front Version), erschienen auf deren Album From the Flame into the Fire
  • 2014: Sara Noxx & Goethes Erben - Weg Zurück (Ost+Front Remix), erschienen auf der gleichnamigen EP
  • 2015: Heldmaschine - Wer einmal lügt (Ost+Front Remix), erschienen auf der gleichnamigen Download-Single
  • 2015: Habgier und Tod (Saltatio Mortis-Cover mit Ulrike Goldmann), erschienen auf deren Album Zirkus Zeitgeist (Beilage 15 Jahre - 15 Bands)
  • 2015: Hocico - Relentless (Ost+Front Remix), erschienen auf deren Album Ofensor
  • 2017: Blutengel - Leitbild (Ost+Front Remix), erschienen auf dem gleichnamigen Album

Musikvideos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2012: Ich liebe es (Regie: Ulrik Bruchholz)
  • 2012: Denkelied (Regie: Ulrik Bruchholz)
  • 2013: Bitte schlag mich (Regie: Patrick Herrmann Ostfront)
  • 2014: Mensch (Regie: Chris Creepy)
  • 2014: Freundschaft (Regie: Silvan Büge)
  • 2015: Sternenkinder (Regie: Carlos Toro)
  • 2016: Bruderherz (Regie: Carlos Toro)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Facebook: OST+FRONT auf facebook, Abschnitt Impressum
  2. a b Ost+Front "Ultra", metal.de, abgerufen am 15. Januar 2016.
  3. Daniel Buff: Festivalbericht: M’era Luna 2011 – Samstag. Mindbreed Onlinemagazin, 2. September 2011, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).
  4. Chris L. (Agonoize) verlässt Ostfront. Zillo.de, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).
  5. Neuigkeiten zum FSK-Konflikt. Ostfront, 31. Juli 2012, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).
  6. FSK Suchergebnis: Ich Liebe Es. FSK, 26. Juli 2012, abgerufen am 2. April 2014 (deutsch).
  7. FSK Suchergebnis: Ave Maria. FSK, 20. Juli 2012, abgerufen am 2. April 2014 (deutsch).
  8. a b c Ost+Front, Ave Maria. charts.de, abgerufen am 5. Februar 2014 (deutsch).
  9. a b Alex Frodl: CD-Review: Ost+Front - "Ave Maria". Metal.de, 11. August 2012, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).
  10. Dieter Hübing: OST+FRONT „Ave Maria“. Legacy.de, 5. Juli 2012, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).
  11. Nils Macher: Review: OST+FRONT - BITTE SCHLAG MICH - Neuer Deutscher Härtefall. Powermetal.de, 21. Oktober 2013, abgerufen am 5. Februar 2014 (deutsch).
  12. a b Philipp Walter: Ost+Front: Olympia (Review). Musikreviews.de, 24. Januar 2014, abgerufen am 5. Februar 2014 (deutsch).
  13. a b Ost+Front – Olympia (CD-Review). Tombstone Webzine, 1. Januar 2014, abgerufen am 5. Februar 2014 (deutsch).
  14. a b Matthias Irrgang: Rezension: Ost+Front - Olympia. Mindbreed Onlinemagazin, 2. Februar 2014, abgerufen am 5. Februar 2014 (deutsch).
  15. Nataly Night: CD Review: Ost+Front - Olympia. Reflections of Darkness, 3. Februar 2014, abgerufen am 5. Februar 2014 (englisch).
  16. Kym Gnuch: Ostfront „Ave Maria“. Sonic Seducer, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).
  17. Ost+Front Ultra, metal.de vom 15. Januar 2016, abgerufen am 30. September 2016.
  18. [1]
  19. Konzert der rechtsextremen Gruppe „Ostfront“ und weitere Veranstaltung in Leipzig verboten. Endstation Rechts, 19. Dezember 2012, abgerufen am 4. Februar 2014 (deutsch).
  20. Horst Freires: Gründungsfeier mit Rechtsrock. Blick nach Rechts, 15. April 2013, abgerufen am 4. Februar 2014 (deutsch).
  21. Skandalöser Auftritt der Band Ost+Front abgesagt. Windeck24.info, 1. Oktober 2013, abgerufen am 4. Februar 2014 (deutsch).
  22. Interview mit OST + Front. Rock n Metal, 3. November 2013, abgerufen am 4. Februar 2014 (deutsch).
  23. Stephan Propach: Kulturhalle kabelmetal in Schladern - Skandal um umstrittene Band. Rhein-Sieg-Anzeiger, 30. September 2013, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).
  24. Katja Hinnemann, Peter Freitag: Ost+Front in der Kulturhalle "kabelmetal" - Band pocht auf bestehenden Vertrag. Rhein-Sieg-Anzeiger, 4. Oktober 2013, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).
  25. Stellungnahme zum Auftritt in der Kulturhalle kabelmetal. Ost+Front, 3. Oktober 2013, abgerufen am 18. Oktober 2013 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ost+Front – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien