Osterfeuer

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Osterfeuer in Berlin-Frohnau, 2017

Osterfeuer werden zu Ostern in der Liturgie der Kirche und vielerorts aufgrund verschiedener Bräuche entfacht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als weltliche Volkssitte ist das Osterfeuer seit 1559 bezeugt. Vorchristliche Traditionen sind nicht belegt. Die seit 1906 entdeckten Plätze sind meist Brandgruben oder Gargruben, eine Beziehung des Brauchtums zum Osterfest kann nicht hergestellt werden. Die Forschung bezeichnet sie als Kultfeuer-[1] oder Feuerstellenplätze.

Liturgie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereitung der Osterkerze am Osterfeuer

Zum Beginn der Liturgie der Osternacht in der katholischen Kirche wird ein kleines Feuer entfacht, das Osterfeuer. Nachdem sich die Gemeinde um das Osterfeuer versammelt hat, entzündet der Priester am Feuer die Osterkerze, die nach der Weihe als Licht in die dunkle Kirche getragen wird.[2] Die brennende Kerze versinnbildlicht dabei Christus als Licht der Welt. Wie einst die Israeliten der Feuersäule durch die Wüste folgte, so folgen die Gläubigen Jesus Christus auf dem Weg vom Tod zum Leben. Im Osterfeuer werden oft die Reste der heiligen Öle aus dem Vorjahr verbrannt.

Brauchtum in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Videoclip vom Osterfeuer in Hamburg-Horn am 26. März 2016
Osterfeuer in der Seestermüher Marsch mit Strohpuppe
Für das Osterfeuer aufgestapeltes Brennmaterial am Elbstrand von Hamburg-Blankenese

Osterfeuer werden teils am Karsamstag entzündet, mancherorts, vor allem in Westfalen, auch erst am Abend des Ostersonntags, vgl. als Beispiel für diese Tradition Osterfeuer in Attendorn. Im Sauerland werden sie oft erst am Ostermontagabend abgebrannt. Im Brauchtum einiger Regionen wird im Osterfeuer eine Puppe oder ein Baumstamm verbrannt, der Judas Iskariot darstellt (→ Judasverbrennen).

Es handelt sich um möglichst hoch aufgetürmte Holzstöße aus Baum- und Strauchschnitt. Mancherorts befindet sich zuoberst des Stapels eine Hexenpuppe aus Stroh. Die Holzstöße werden auf Feldern oder auf dem Kamm eines Berges so errichtet, dass sie weithin sichtbar sind. Der Brauch ist vor allem in ländlichen Gegenden üblich, wo die Dörfer einen Wettstreit um das höchste Feuer durchführen und die Holzstapel in den Nächten vor Ostern bewachen. Am Karsamstag trifft man sich dann gesellig zu Bier bzw. Glühwein und einer Köstlichkeit vom Grill. Bei dieser geselligen Runde entbrennt auch noch in einigen Gegenden Brandenburgs ein Wettstreit, mit Geldeinsätzen für den öffentlichen Zweck z. B. die Feuerwehrkasse, über den Zeitpunkt des Verbrennens bzw. Umknickens einer im Holzstapel aufgestellten Birke. Die Osterfeuer entlang der Unterelbe locken viele Schaulustige an.

Im Harz heißen die Feuer Ostermeiler, sie sind aus Reisig und Fichtengrün aufgeschichtet, obenauf steht eine große Fichte. In Nordfriesland, vor allem auf den Nordfriesischen Inseln kennt man den Brauch des Biikebrennens am 21. Februar. Im Fuldaer Land gibt es einen ähnlichen Brauch des Hutzelfeuers am Sonntag nach Aschermittwoch.

In Bayern sind die sogenannten Osterbrände üblich. Dort wird mit dem Osterfeuer die Kerze angezündet und die Glut für das Weihrauchfass erzeugt. Die Kinder kohlen frische, armdicke, angespitzte und einen Meter lange Birkenhölzer im Feuer zu Hälfte an. Dann werden sie aus dem Feuer gezogen und in Wasser abgelöscht. Diese Osterbrände sollen auf den Dachboden gelegt werden und, laut altem Volksglauben, vor Blitzschlag bewahren. War kein Kind im entsprechenden Alter vorhanden, wurde gegen Entgelt in Form von Schinken und Eiern eines der Nachbarkinder beauftragt. Vor 80 Jahren war es üblich, dass jeder den Osternachgottesdienst besuchte. Deshalb waren meist nur die beauftragten Kinder beim Osterfeuer zugegen, die einen Osterbrand zu besorgen hatten.[3]

Da die Holzstapel über viele Wochen angesammelt werden, verkriechen sich dort häufig Kleintiere, die vor dem Anzünden verjagt werden müssen. Naturschützer warnen deshalb vor Osterfeuern. Eine gute Lösung ist es, den Holzstapel vor dem Entzünden umzuschichten. In vielen Orten sind Osterfeuer heute genehmigungspflichtig. Teilweise wird auch Baumschnitt verbrannt, der wegen Insektenbefalls nicht kompostiert werden kann. Hier ist Verbrennen sogar die umweltfreundlichere Entsorgung dieses Materials. Auch werden in Westfalen häufig nach dem Dreikönigstag die Weihnachtsbäume von verschiedenen Jugendverbänden gesammelt und ebenfalls verbrannt.

Zuweilen werden die bereits für das Osterfeuer aufgebauten Holzstapel vorzeitig durch Unbefugte entzündet. Dies führte 1982 dazu, dass fünf Jugendliche in Hohnstedt, die sich im Osterfeuerstapel eine Schlafhöhle eingerichtet hatten, verbrannten.[4] Um solche Vorkommnisse zu verhindern, werden viele Feuerstellen bewacht oder abgesperrt.

Brauchtum in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ganz Österreich gilt das Osterfeuer in der Osternacht als beliebter Brauch. Vor allem im Alpenraum gilt das Osterfeuer seit langer Zeit als fixer Bestandteil der Osternacht. An den Berghängen oder auch im Tal werden teils meterhohe Holzfeuer entzündet. Meist bestehen diese aus Gartenschnitt, und so manchem Christbaum, aber auch kunstvoll aufgestapelte Feuer sind zu beobachten. Die Feuer werden meist nach dem Besuch der Auferstehungsmesse bzw. nach der familiären Osterfeier in geselliger Runde entzündet.

Da im Ostalpenraum die Dichte der Osterfeuer oft sehr hoch ist – sind doch in kleinen Ortschaften 10 Osterfeuer keine Seltenheit –, liegt am Ostersonntag meist eine dicke Smog-Wolke über den Tälern. Für Aufregung sorgte die Ankündigung, in der feinstaubgeplagten Landeshauptstadt Graz und Umgebung ab 2007 ein Osterfeuer nur noch zu genehmigen, wenn es als Brauchtumsveranstaltung angemeldet wurde.

Im April 2011 wurde diesbezüglich ein neues Gesetz verabschiedet. Dieses besagt, dass Brauchtumsfeuer jeglicher Art in Graz ausnahmslos und ganzjährig verboten sind. Gemeinden im näheren Umkreis von Graz ist jeweils ein Brauchtumsfeuer pro Ort erlaubt, sofern dieses rechtzeitig behördlich gemeldet und genehmigt wurde. In der übrigen Steiermark dürfen auch Privatpersonen Brauchtumsfeuer entzünden; auch Feuer für kleine regionale Bräuche sind erlaubt. Allerdings müssen auch diese Feuer bei der zuständigen Behörde gemeldet werden.[5] In vielen Orten Kärntens wurden aufgrund von starker Trockenheit 2012 Osterfeuer verboten.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Osterfeuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sigrid Heidelk-Schacht: Jungbronzezeitliche und früheisenzeitliche Kultfeuerplätze im Norden der DDR, 1989
  2. http://www.erzabtei-beuron.de/schott/register/osterzeit/schott_anz/index.html?file=osterzeit%2Fostersonntag%2FNacht_1.htm
  3. Heimbach: Besonderer Brauch in Heimbach Erst zum Glockenklang wird Kirche erleuchtet. In: donaukurier.de. (donaukurier.de [abgerufen am 18. April 2017]).
  4. http://www.suehnekreuz.de/nieder/hohnstedt.htm.
  5. Verbot bzw. Einschränkung von Brauchtumsfeuern in der Steiermark
  6. Verbot von Osterfeuern in Kärnten aufgrund von Trockenheit