Fleischweihe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Osterspeisensegnung)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Typischer Korbinhalt für eine „Fleischweihe“

Die Fleischweihe (eigentlich Speisensegnung) ist ein Brauch in Österreich, Deutschland und Südtirol. In einem Ritus kurz vor dem Osterfest – am Gründonnerstag oder am Karsamstag segnet ein Priester Speisen, oft Osterbrot (Osterpinze), Fleisch, Ostereier und Meerrettich, die dann zu Ostern im Familienkreis verspeist werden (regional „Weihfleischessen“ genannt).

Geschichte und Bedeutung[Bearbeiten]

Im bairischen Sprachraum ist die Segnung der Osterspeisen seit dem 7. Jahrhundert belegt; im Volksglauben gewannen die Nahrungsmittel durch die Segnung nahe dem Osterfest Fastenzeit besondere Kräfte.[1] Auch an die Tischgemeinschaft Jesu mit den Aposteln soll dabei erinnert werden.

Besonders gepflegt wird der Brauch in Kärnten[2] und der Steiermark, wo man die Speisensegnung auch ironisch das „achte steirische Sakrament“ nennt, da viele Menschen daran teilnehmen, die sonst keine regelmäßigen Gottesdienstbesucher sind; man schätzt, dass jeder vierte bis fünfte Steirer am Karsamstag an einer Fleischweihe teilnimmt.[3]

Ablauf[Bearbeiten]

Im Gegensatz zum ähnlichen polnischen Brauch der Święconka, der historisch später entstanden ist, findet die Speisensegnung im Alpenraum meist nicht im Rahmen einer Heiligen Messe statt, sondern bei einer kurzen Andacht, die meist am Mittag oder Nachmittag des Karsamstag unter freiem Himmel bei Kapellen, Bildstöcken oder Wegkreuzen abgehalten wird. Die zu segnenden Speisen in Körben mit weißen, bestickten Tüchern verhüllt. Nach dem Segensgebet werden die geöffneten Körbe mit Weihwasser besprengt. Nach einem kurzen Gebet (meist dem Vater unser) endet die Andacht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kleine Zeitung, 17. März 2010: Osterei und Osterhase sind Jahrtausende alt
  2. Kleine Zeitung, 8. April 2009: Fleischweihe: Pflichttermin für Kärntner
  3. Robert Pauritsch/Norbert Adam: Brauchtum in der Steiermark. Feste – Bräuche – Rezepte. Verlag Styria, Graz-Wien-Köln 2007 ISBN 978-3-222-13228-5 S. 96f.