Ostjiddische Dialekte

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Frühere Verbreitung ostjiddischer Dialekte (dunkleres gelb) mit dem polnischen (im Westen), litauisch-weißrussischen (Nordosten) und ukrainischen Dialekt und dem kurländischen Unterdialekt (grüne Strichlinie an der Ostsee). Daneben westjiddische Dialekte (helleres grün). Karte des Linguarium-Projektes der Lomonossow-Universität (russisch).
Jiddische Dialekte mit Isoglossen, schraffiert die Übergangsgebiete. Die ostjiddischen Dialekte werden hier als Zentral-, Nordost- und Südostdialekt bezeichnet. Linguarium-Karte (russisch).

Die ostjiddischen Dialekte gehören zur jiddischen Sprache und wurden von den meisten Juden in Ostmitteleuropa und Osteuropa gesprochen. Auf der Basis der ostjiddischen Dialekte wurde von den jiddischen Schriftstellern, sonstigen Kulturschaffenden und Philologen die jiddische Standardsprache geschaffen.

Klassifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Es wurden verschiedene Klassifizierungen der ostjiddischen Dialekte entwickelt.

Die beiden Hauptdialektgruppen des Jiddischen sind Ostjiddisch und Westjiddisch.[1][2][3][4][5][6] Im Ostjiddischen gibt es zwei klare Gruppen: o- und u-Dialekte.[7][8][9] Zu den ersteren gehören die zwei verbreitetsten Dialekte: Zentralostjiddisch (das polnische Jiddisch) und Südostjiddisch (das ukrainische oder ostgalizische Jiddisch). Es gibt Unterschiede im Plural in den meisten Gebieten. Die nordöstliche Gruppe (das litauische Jiddisch, litwisch) weist auch einen Unterschied auf: Das nicht weiter markierte Litwisch wird ßtam-litwisch „gewöhnliches Litwisch“ genannt und bezeichnet den Dialekt, den man meint, wenn von litwisch oder nordostjiddisch ohne weitere Einzelheiten die Rede ist. Deutliche Abweichungen kennzeichnen das (früher) in Kurland gesprochene Jiddisch, das Kurländer Jiddisch.[10][11][12][13]

Diese Methode reicht jedoch für das Südostjiddische mit beschriebenen Zwischen- und Mischdialekten nicht aus.[14][15][16] Auch das Südostjiddische allein weist etliche Merkmale einer Mischung zwischen zentralostjiddisch und nordostjiddisch auf.[17]

Merkmale jiddischer Dialekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verschiedenheit der Formen der Sprache berührt verschiedene Aspekte: Wortschatz, Phonetik, Morphologie und Syntax. Der deutlichste Unterschied zwischen Ost- und Westjiddisch sind die Anteile der Herkunftssprachen: eine stark slawische Komponente in den östlichen Dialekten, die in den westlichen Dialekten fast fehlt, und die beträchtlich höhere Zahl Wörter, die aus dem Lateinischen stammen, im Westen. Der Hauptteil der Klassifizierung von Dialekten aber sind phonetische Unterschiede von Vokalen und zum Teil auch Konsonanten.

Vokalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vokalismus der jiddischen Dialekte weist in allen Dialekten eine gesetzmäßige Alternation auf. Die konkrete Realisation eines Vokals variiert von Dialekt zu Dialekt. Heute wird ein früherer Vokalismus rekonstruiert. Max Weinreich, der ein diachrones System entwickelt hat, hat zwei Hauptparameter definiert, um die Vokale (A, E, I, O, U) zu teilen: [18]:

  • 1: Vokale, die kurz gewesen und geblieben sind;
  • 2: Vokale, die lang gewesen und geblieben sind (in Dialekten mit Langdifferenzierung);
  • 3: zunächst kurze Vokale, Vokale, die verlängert wurden;
  • 4: Historische Diphthonge;
  • 5: spezielle Gruppe.

Der a-Vokal wird in allen jiddischen Dialekten außer dem Südostjiddischen wie "A1" nach dem Weinreichschen System realisiert.

Das andere System Bezeichnungen (vorgeschlagen von Mikhl Herzog) stimmt im Allgemeinen mit dem Ersteren überein, aber die Vokalqualität wird durch Ziffern bezeichnet: A = 1, E = 2, I = 3, O = 4, U = 5. a11 Die konkrete Diaphonemrealisation werden in kleinen Buchstaben mit den zwei Ziffern im Index geschrieben, z. B. a11 in allen Dialekten außer dem Südosten, wo es ɔ11[19][20] ist.

Die Realisierung von Diaphonemen in jiddischen Dialekten sind folgende[21][22][23][24][25]:

Vokalbezeichnungen Westjidddisch Ostjiddisch Beispiele
Herzogs Weinreichs Süd- zentral־ Nord־ zentral- Süd- allg. litwisch Kurländer Standardjiddisch* Bühnenaussprache* semitische deutsche
11 A1 a a a a ɔ a a a a חזיר, ים, כּלה אַלט, גאַסט, זאַלץ
21 E1 ɛ ɛ ɛ ɛ ɛ ɛ ɛ ɛ ɛ אמת, אפֿשר, גט געלט, העלפֿן, נעמען
31 I1 i i i/ɛ i ɨ/i i i i ɨ טיפּש, כּישוף, מידבר דין, זילבער, פֿיש
41 O1 ɔ ɔ ɔ ɔ ɔ ɔ ɔ ɔ ɔ חגא, חכמה, יום־טובֿ װאָך, װאָלף, אָקס
51 U1 u u o i ɨ/i u u u ɨ חוצפּה, שותּפֿות, שטות הונט, פֿרום, קומען
12 A2 oː/ɔu oː/uː uː/u u ɔ ɔ u סכּנה, פּנים, פּרנסה בלאָזן, יאָר, נאָדל
22 E2 ɛj ɛj aj ej ej ej ej ej חלק, ספֿר, שדים אײביק, אײזל, װײטיק
32 I2 i i i i בקיאות, מיאוס, נביאים בריװ, גיסן, זיס
42 O2 ɔu ɔu ɔj ɔj ej øj ɔj ɔj סוחר, שוטה, שׂונא ברױט, גרױס, װױנען
52 U2 uː/y/yː i u u i בושה, נבֿואה, רפֿואה בוך, ברודער, שול
13 A3 u ɔ ɔ u קיין באָרד, באָרװעס, פֿאָרן
24 E4 aj ej ej ej ej ej קיין אײנס, גלײבן, פֿלײש
34 I4 aj əj ɛj a aj aj aj aj מעשה, מאכל בײַטן, פֿײַן, צײַטן
44 O4 ɔj ɔj ej øj ɔj ɔj קיין בױם, דערלױבט, קױפֿן
54 U4 ɔu əu ɔu oː/ou u ɔj au ɔj ɔj קיין בױך, בױען, פֿױל
25 E5 eː/ɛj eː/iː ej ej/ɨ/i ɛ ɛ ej טבע, פּלא, רגע זען, מער, קעז

"*" kultivierte Sprache

Weitere Merkmale des litwischen Dialekts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es existiert kein neutrales Genus.
  • Statt standard- und südjiddisch dich und mich wird dir und mir gesagt.
  • Statt des standard- und südjiddischen Präfix ze- wird zu- verwendet, zum Beispiel zumischt statt standardsprachlich zemischt (gemischt)

Weitere Merkmale des polnischen Dialekts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neben dem auch im Standard-, Nordost- und Südostjiddischen bekannten Personalpronomen ir, ajch werden die ursprünglich dualischen Formen ez, enk gebraucht.

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Baumgarten (2002) Les recherches sur la dialectologie yiddish et leurs répercussions sur le champ linguistique. Revue Germanique Internationale 17: 65–79
  2. A. Beider (2010): Yiddish proto-vowels and German dialects. Journal of Germanic Linguistics 22: 23–92
  3. J. Bin-Nun (1973) Jiddisch und die deutschen Mundarten. Niemeyer, Tübingen, xii+402 S
  4. N. G. Jacobs (2005) Yiddish: a Linguistic Introduction. Cambridge University Press, xx+327 ff
  5. D. Katz (1983) Zur Dialektologie des Jiddischen. In: W. Besch u. a. (eds) Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung: 1018–1041
  6. M. Weinreich (2008) History of the Yiddish Language, Yale University Press געשיכטע פֿון דער ייִדישער שפּראַך: באַגריפֿן, פֿאַקטן, מעטאָדן. (1973) געשיכטע פֿון דער ייִדישער שפּראַך: באַגריפֿן, פֿאַקטן, מעטאָדן. Yivo, New York, in vier Bänden
  7. S. A. Birnbaum (1979) Yiddish: a Survey and a Grammar. University of Toronto Press, 400 ff
  8. N. G. Jacobs (2005) Yiddish: a Linguistic Introduction. Cambridge University Press, xx+327 ff
  9. D. Katz (1983) Zur Dialektologie des Jiddischen. In: W. Besch u. a. (eds) Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung: 1018–1041
  10. S. A. Birnbaum (1979) Yiddish: a Survey and a Grammar. University of Toronto Press, 400 ff
  11. N. Jacobs (1994) Structure, standardization and diglossia: the case of Courland Yiddish. In: D. C. G. Lorenz und G. Weinberger (eds) Insiders and Outsiders: Jewish and Gentile Culture in Germany and Austria: 89–99
  12. D. Katz (1983) Zur Dialektologie des Jiddischen. In: W. Besch u. a. (eds) Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung: 1018–1041
  13. M. Weinreich (1923) שטאַפּלען. פיר עטיודן צו דער יידישער שפּראַכוויסנשאַפט און ליטעראַטורגעשיכטע. פֿאַרלאַג "װאָסטאָק", בערלין, 260 זז׳
  14. S. A. Birnbaum (1979) Yiddish: a Survey and a Grammar. University of Toronto Press, 400 ff
  15. D. Katz (1983) Zur Dialektologie des Jiddischen. In: W. Besch u. a. (eds) Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung: 1018–1041
  16. D. Katz (1988) Origins of Yiddish dialectology. Language & Communication 8: 39–55
  17. P. Glasser (2008): Regional variation in Southeastern Yiddish. Historical inferences. In: M. Herzog, U. Kiefer, R. Neumann, W. Putschke, A. Sunshine (eds): EYDES (Evidence of Yiddish Documented in European Societies): 71–82
  18. M. Weinreich (2008) History of the Yiddish Language, Yale University Press געשיכטע פֿון דער ייִדישער שפּראַך: באַגריפֿן, פֿאַקטן, מעטאָדן. (1973) געשיכטע פֿון דער ייִדישער שפּראַך: באַגריפֿן, פֿאַקטן, מעטאָדן. Yivo, New York, in vier Bänden
  19. N. G. Jacobs (2005) Yiddish: a Linguistic Introduction. Cambridge University Press, xx+327 ff
  20. D. Katz (1983) Zur Dialektologie des Jiddischen. In: W. Besch u. a. (eds) Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung: 1018–1041
  21. S. A. Birnbaum (1979) Yiddish: a Survey and a Grammar. University of Toronto Press, 400 ff
  22. N. Jacobs (1994) Structure, standardization and diglossia: the case of Courland Yiddish. In: D. C. G. Lorenz und G. Weinberger (eds) Insiders and Outsiders: Jewish and Gentile Culture in Germany and Austria: 89–99
  23. N. G. Jacobs (2005) Yiddish: a Linguistic Introduction. Cambridge University Press, xx+327 ff
  24. D. Katz (1983) Zur Dialektologie des Jiddischen. In: W. Besch u. a. (eds) Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung: 1018–1041
  25. D. Katz (1979) די אינעװײניקסטע קלאסיפיקאציע פון די מערב יידישע דיאלעקטן. 53סטע יערלעכע ייװאָ קאָנפערענץ 10.-13. November 1979