Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand

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Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand
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Schulform Gymnasium
Gründung 1946
Adresse

Am Kuhlbrook

Ort Timmendorfer Strand
Land Schleswig-Holstein
Staat Deutschland
Koordinaten 54° 0′ 26,8″ N, 10° 46′ 11,2″ OKoordinaten: 54° 0′ 26,8″ N, 10° 46′ 11,2″ O
Träger Gemeinde Timmendorfer Strand[1]
Schüler 778[1] (Stand: Schuljahr 2014/2015)
Lehrkräfte 59
Leitung Michael Bartolf
Website ostsee-gymnasium.de

Das Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand (OGT) ist ein staatliches Gymnasium in Timmendorfer Strand im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein.

Blick von der Dachterrasse auf den Nordhof

Die Schule befindet sich am Nordende des Ostseebades Timmendorfer Strand unweit der Ostsee. Im Schuljahr 2014/2015 werden 778 Schüler im Alter von 10 bis 19 Jahren von insgesamt 59 Lehrern unterrichtet. Die Schule bietet den achtjährigen gymnasialen Bildungsweg (G8) an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende und dem damit unmittelbar verbundenen Zerfall des Schulsystems wurde in Timmendorfer Strand eine Oberschule mit Internat für Flüchtlingskinder[2] eingerichtet. Im Gegensatz zur staatlichen Schule wurde das Internat durch das Hilfswerk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holstein und später durch die Landeskirche selbst betrieben.[3] Mit Zustimmung der britischen Militärregierung konnte der Unterricht am 26. November 1946 beginnen; demnach kann dies als Geburtsdatum der Oberschule betrachtet werden. Untergebracht im Dünenhaus, welches zuvor das ausgelagerte Landeskirchenamt beherbergte[4], sowie im angemieteten Hotel Waldesruh und dem ehemaligen Hotel zur Kammer konnte der Unterricht unter einfachen Bedingungen beginnen.[5]

Bis 1953 wuchs die Schülerzahl schnell an. Sie war mittlerweile Bildungsort für 620 Schüler, von denen 195 im Bugenhagen-Internat beherbergt wurden. Diese große Menge von Schülern führte zu Raumnot, nicht zuletzt durch den Wegfall eines Gebäudes. Als 1951 auch das Dünenhaus an die Landeskirche zurückgegeben werden musste, konnte der Unterricht nur noch mit großer Mühe aufrechterhalten werden. Die 1950 fertiggestellten Unterkünfte für Mädchen und Jungen konnten im Keller als Unterrichtsräume genutzt und einige Klassen auch nachmittags unterrichtet werden. Mit starker Unterstützung US-amerikanischer Vereinigungen wurde vor dem Hotel zur Kammer ein fünfklassiges Schulhaus mit Glockentürmchen erbaut, das auch heute noch existiert. Der Kauf des Strandhotels 1953 erlaubte es, auf den Nachmittagsunterricht zu verzichten.

Das erste Gebäude des Ostsee-Gymnasiums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbst in den 1950er Jahren hatte vieles noch einen provisorischen Charakter. In einer Rede des Schulgründers Dr. Rasch heißt es: „Unsere Schule hat kein stolzes Gebäude, sie hat auch keine Tradition, sie ist eine Schöpfung des Augenblicks und in ihren Formen etwas völlig Unnormales. Aber das Wesentliche sollte nicht die äußere Form sein, das Gebäude und die restlose Vollständigkeit der Unterrichtsmittel, sondern der Geist, der sie belebt. Pflicht und verantwortungsbewusste Arbeit werden stets das Entscheidende sein. Unser Dank soll immer denen gelten, die aus dem Nichts etwas schufen, das heute als Ostsee-Gymnasium neue Gestalt gewonnen hat.“

Nachdem die Schule die ersten Jahre überstanden hatte und sich ihres Kurses bewusst geworden war, mangelte es immer noch an einem „richtigen“ Gebäude. 1954 wurde ein Schülerparlament eingeführt, das selbst über die Gelder der Förderbeiträge („Kulturmark“) verfügen konnte. Am 6. Januar 1956 erfolgte die Umbenennung und Trennung von Schule und Internat. Die Schule heißt seither Ostsee-Gymnasium. Im folgenden Jahr bekam die Schule ihr erstes eigenes Gebäude, die Turn- und Festhalle. Im selben Jahre fand der erste Schüleraustausch nach Großbritannien statt.

Wie lange zuvor schon versprochen, wurde im August 1961 der Grundstein zum neuen Ostsee-Gymnasium durch Kultusminister Edo Osterloh gelegt. Das von dem Architekten Wilhelm Neveling entworfene Schulgebäude wurde auf einer Anhöhe oberhalb des Ortes errichtet, rund 200 Meter von der Küste entfernt.[6] Am 31. August 1962 gerichtet, dauerte es jedoch noch ein weiteres halbes Jahr, bis die Räume des in direkter Nachbarschaft zu dem Internat gelegenen Gebäudekomplexes bezugsfertig waren.[7] Mit dem Neubau der Schule hatte das abgewohnte Hotel zur Kammer ausgedient und wurde abgerissen. Nach 17 Jahren endete der Schichtunterricht im Hotel.[7] Die Trennung von Schule und Internat wurde 1964 auch rechtlich untermauert. Fast alle Schüler des Internats besuchten jedoch weiterhin das Ostsee-Gymnasium und stellten dort rund ein Drittel der Schüler.

Pavillons und Südhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1967 wurde der neue Sportplatz am Kuhlbrook fertiggestellt. Gezwungen durch Raummangel errichtete man 1971 angrenzend an den Südhof vier Pavillons Im selben Jahr nahm das Ostsee-Gymnasium eine Vorreiterrolle bei der Einführung der Orientierungsstufe und der Fünf-Tage-Woche ein.

Blick vom Südhof auf das Hauptgebäude

Das Bugenhagen-Internat schloss 1978, da der Betrieb unwirtschaftlich geworden war, und beendete damit einen besonderen Abschnitt für die Schule. Was zu Zeiten des Neubaus aus Kostengründen nicht fertiggestellt werden konnte, holte das Land vor der Übergabe an den Kreis nach: 1979 erhielt die Schule eine Aula und ein Sprachlabor.

Im Vorfeld des Trägerschaftswechsels zu der Gemeinde Timmendorfer Strand im Jahre 2009 wurde die Fassade der Schule grundlegend überarbeitet und mit neuem Dämmmaterial versehen. Der neue Farbton ist heller als das frühere Rot der Ziegel. Ferner wurden die Blitzableiter der Schule erneuert. Im selbigen Jahr folgte nach der Übergabe eine Erweiterung der Räumlichkeiten um drei Container-Klassenräume auf dem Südhof. Ebenfalls hat das Ostsee-Gymnasium seit dem Schuljahr 2009/2010 mit Thomas Müller einen neuen Schulleiter.

Seit 2011 wird statt der bis dahin üblichen 45-Minuten-Stunden nur noch in 90-Minuten-Blöcken unterrichtet. Auch wurde das neue Lernlabor gebaut. Dort befindet sich nun die Schülerbibliothek und das Büro der Schulsozialarbeiterin. Im November 2012 wurde das neue, modern ausgestattete Atrium eingeweiht, in dem Experimente durchgeführt werden können. In dem vom Lions Club gesponserten Raum können nun Kurse sowie die AnNA (angewandte Naturwissenschaften) unterrichtet werden.

Im Frühjahr 2015 erfolgte der Rückbau der Südhof-Pavillons, deren Lebensdauer ursprünglich auf zehn Jahre begrenzt sein sollte. Diese wurden durch modern ausgestattete Container-Klassenräume sowie einen Kiosk ersetzt. Im selbigen Zeitraum wurde der Nordhof mit zwei neuen Spielgerüsten ausgestattet. Seit Beginn des Schuljahres 2015/16 leitet Michael Bartolf das Ostsee-Gymnasium.

In den ehemaligen Internatsgebäuden neben der Schule findet sich heute das Bugenhagen Berufsbildungswerk. Die Schüler des Ostsee-Gymnasiums können in der Mittagspause in dieser Einrichtung eine warme Mahlzeit bekommen.

Fächer und Profile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ostsee-Gymnasium werden verschiedene Profile für die Oberstufe angeboten. Regulär werden das sprachliche, das gesellschaftswissenschaftliche sowie das naturwissenschaftliche Profil angeboten. Der aus der Umstellung von G9 auf G8 resultierende „Doppeljahrgang“ konnte aus insgesamt fünf verschiedenen Profilen wählen. Die Profileinteilung wird bei Eintritt in die Oberstufe vorgenommen.

  • Das sprachliche Profil bietet den Schülern die Möglichkeit ihren Schwerpunkt auf die Sprachen zu setzen. Die Schüler haben dann drei Sprachen und nicht, wie in den anderen Profilen, nur zwei. Seit 2014 können die Schüler zwischen Französisch, Englisch, Latein und Spanisch wählen.
  • Das Profil der Gesellschaftswissenschaften legt den Schwerpunkt auf Geschichte, WiPo und Erdkunde, wobei in jedem Profil auch mindestens eine Sprache und eine Naturwissenschaft mit ins Abitur einfließen müssen.
  • Das Naturwissenschaftsprofil setzt auf die Naturwissenschaften. Es müssen alle drei Naturwissenschaften als Kurse belegt werden (Chemie, Physik und Biologie).
  • Auch wurden zwei neue Profile im Zuge des Doppeljahrgangs (s. o.) eingeführt, das Sportprofil und das ästhetische Profil. Im Sportprofil wird der Schwerpunkt auf den Sportunterricht und den theoretischen Unterricht zu diesem Fach gelegt. Im ästhetischen/musikalischen Profil wird der Schwerpunkt auf Musik, Kunst und Philosophie bzw. Religion gelegt.
Atrium der Naturwissenschaften

Allerdings gibt es auch in der Mittelstufe neue Fächer. In den angewandten Naturwissenschaften (AnNa) und Gesellschaftswissenschaften (AnGe) werden den Schülern praktisch die jeweiligen Fächer näher gebracht. In der achten Klasse werden diese Fächer erstmals unterrichtet. Die Schüler können zwischen diesen beiden Fächern und einer dritten Sprache (Latein/Französisch) wählen.

Schulnahe Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schüler der Segelgilde des Ostsee-Gymnasiums

Arbeitsgemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, zum Beispiel die Computer-AG, eine Leichtathletik-AG, die Schulband „Big Band“, die Schülerbibliothek und eine Segelgilde.

Die Big Band wird von einem Musikfachlehrer ausgebildet und geleitet und spielt neben regionalen Auftritten auch im Ausland. Die Segelgilde wird von einem Sportfachlehrer geleitet, der den Schülern die Grundlagen des Segelns beibringt sowie sich mit den Schülern um die Pflege der Boote kümmert. Die genutzten Bootstypen sind Laser, Katamaran, 420er Jolle und Team8-Boot.

Auslandsfahrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es finden jährlich ein Schüleraustausch mit einer italienischen und einer französischen Schule statt. Ebenfalls findet eine Fahrt nach Kaliningrad in Russland statt.

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ostsee-Gymnasium unterstützt seit 1994 die Finanzierung eines Waisenhauses in Sri Lanka. Das von einer Lehrerin der Schule gegründete Projekt zur Unterstützung des dortigen Good Shepherd Convents wird mittels eines Sponsorenlaufs und des jährlichen Weihnachtsbasars finanziert.

Bekannte Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein (Hrsg.): Verzeichnis der allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein. Schuljahr 2014/2015. Februar 2015, ISSN 0586-5646, S. 46 (PDF-Datei; 1,6 MB [abgerufen am 21. März 2015]).
  2. Heiner Herde: Timmendorfer Strand (= Archivbilder). Sutton, Erfurt 2006, ISBN 3-89702-985-5, S. 107 (online [abgerufen am 13. Juli 2014]).
  3. Heiner Herde: Timmendorfer Strand (= Archivbilder). Sutton, Erfurt 2006, ISBN 3-89702-985-5, S. 116 (online [abgerufen am 15. Juli 2014]).
  4. Ulrich Stenzel: Geschichte des Landeskirchenamts 1924–1976. In: Nordelbisches Kirchenarchiv (Hrsg.): Mitteilungen zum Archivwesen in der Nordelbischen Ev.-Luth.Kirche. Nr. 29. Kiel Dezember 2003 (online [PDF; abgerufen am 13. Juli 2014]).
  5. Johannes Schröder: Diakonie im Lande zwischen Nord- und Ostsee. Ein Beitrag zu ihrer Geschichte von 1918 bis zur Bildung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Hrsg.: Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte. Wachholtz, Neumünster 1986, ISBN 3-529-02835-5, S. 48.
  6. Wer baut, hat Vertrauen zur Zukunft. Kultusminister Osterloh legte Grundstein für neues Ostsee-Gymnasium. In: Ostholsteiner Anzeiger. Nr. 196, 24. August 1961, DNB 024434213, S. 4.
  7. a b Ostsee-Gymnasium gestern gerichtet. Der 18. Gymnasiums-Neubau in Schleswig-Holstein – Kein Schichtunterricht mehr. In: Ostholsteiner Anzeiger. Nr. 204, 1. September 1962, DNB 024434213, S. 4.