Oststadt (Göttingen)

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Die Oststadt ist ein östlicher Stadtbezirk der niedersächsischen Universitätsstadt Göttingen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Göttinger Stadtbezirke

Die Göttinger Oststadt liegt östlich der Kernstadt am Westhang des Hainberges. Angrenzende Stadtbezirke sind die Nordstadt im Nordwesten, Innenstadt im Westen und Südstadt im Südwesten. Im Norden grenzt die Oststadt an den Stadtteil Weende, im Osten an Herberhausen und im Süden an Geismar. Der östliche Teil der Oststadt ist bewaldet, dort befinden sich der Klausberg, der Warteberg, der Mittelberg und der Kleperberg. In der Oststadt entspringen der Reinsgraben, der Hainholzgraben und der Eberbach, die durch die Oststadt nach Westen zur Leine fließen. Der Stadtbezirk endet im Osten kurz vor dem Kerstlingeröder Feld.

Siehe auch: Göttinger Stadtbezirke und Ortschaften

Besiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet außerhalb des Göttinger Walles in der Amtszeit des Oberbürgermeisters Georg Merkel besiedelt. Die östliche Hanglage der Göttinger Stadt war dabei weniger für industrielle Nutzungen geeignet und daher eher eine ruhige und beliebte Gegend mit viel grüner Landschaft. In dieser bevorzugten Lage ließen sich überwiegend Professoren und Ärzte sowie berühmte und prominente Persönlichkeiten der Göttinger Bevölkerung nieder. So entstand ab etwa 1890 das „Ostviertel“, das als Stadtviertel einen großen Teil des Stadtbezirks Oststadt ausmacht. Auch heute noch hat das Ostviertel den Ruf, der gut situierten und bessergestellten Göttinger Bevölkerung vorbehalten zu sein. Von 128.617 Göttinger Einwohnern leben 16.374 Menschen in der Oststadt (Stand 2014).[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hainberg und Göttinger Wald

Der Hainberg und die angrenzenden Waldgebiete im Göttinger Wald wurden seit 1871 als Erholungsgebiet für die wachsende Bevölkerung der Stadt angelegt und aufgeforstet.

  • Kleiner Reinsbrunnen

Der Kleine Reinsbrunnen ist ein historischer Brunnen im Hainberg. In der Quellegrotte befindet sich eine Bronzeplastik, die eine aus dem Wasser auftauchende Wasserfrau darstellt, welche ein Kind in ihren Armen hält um es seiner Mutter zu reichen. Dabei wird an eine Sage erinnert, die an diesen Brunnen anknüpft, in der man seine ungeborenen Geschwister im Quellwasser erblicken kann.

  • Sternwarte

Eine kleinere Beobachtungsstation der Sternwarte Göttingen wurde 1929 auf dem Hainberg in Betrieb genommen, die größere Sternwarte lag in der Göttinger Geismar Landstraße nahe der Innenstadt. Die Sternwarte auf dem Hainberg wurde ebenso wie das benachbarte, 1942–44 errichtete Sonnenobservatorium 2009 von der Amateurastronomischen Vereinigung Göttingen übernommen.

  • Goethe-Institut

Um 1900 ließ der wohlhabende Tuchfabrikant Ferdinand Levin in der Merkelstraße 4 ein repräsentatives Wohnhaus mit Gärtnerhaus und Remise mit Kutscherwohnung errichten, die Levin'sche Villa. Das Gebäude, in dessen Räumen heute das Goethe-Institut beheimatet ist, wird seit dem Kriegsende auch als Fridtjof-Nansen-Haus bezeichnet.

  • Schillerwiese
Die Schillerwiese

Im Jahre 1871 wurde mit der Aufforstung des Hainbergs begonnen. Ziel war es, das Gelände unterhalb des Hainbergs parkartig zu gestalten, wobei 1880 mit der Anlage einer Kastanienallee (Kaiserallee) entlang der Reinsrinne begonnen wurde. Zum 100. Todestag von Friedrich Schiller wurde im Jahre 1905 eine Linde gepflanzt, dabei wurde der Name „Schillerwiese“ für die Grünanlage festgelegt. Auf der 81.000 m² großen Schillerwiese trifft man eine Vielzahl von Spaziergängern, Joggern und Hundebesitzern. Seit 2002 wurde die Schillerwiese um einen „Kletterwald“-Abenteuerspielplatz bereichert, der Kinder zum Spielen und Toben einlädt.[2]

  • "Rohns"

Der Bauunternehmer Christian Friedrich Andreas Rohns eröffnete am 5. Juni 1830 das von ihm im Stile des Klassizismus errichtete Gasthaus oberhalb von Göttingen auf dem Hainberg.[3] Dieses Gasthaus war bis zum Zweiten Weltkrieg ein beliebtes Ausflugs- und Tanzlokal. Nach dem Kriegsende wurde die Ausflugsgaststätte Rohns behelfsmäßig als Krankenhaus für Flüchtlinge genutzt. Oberhalb des Gebäudes entstanden Anfang der 1970er Jahre die sogenannten Rohnsterrassen, welche aus mehreren aneinandergebauten Wohnblöcken bestehen. Mitte der 1970er Jahre wurde unterhalb des Rohns-Gebäudes ein Wohnpark in Betonbauweise, bestehend aus einem langgezogenen Gebäude sowie einem kleineren einzelnen Hochhaus, errichtet.[4][5]

  • Hainholzhof

Das ehemalige landwirtschaftliche Gehöft mit Ausflugsgastwirtschaft ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Nach einem früheren Inhaber wird es auch „Kehr“ genannt. Die landwirtschaftlichen Gebäude beherbergen heute den Reitverein Hainholzhof Göttingen und Herberhausen e.V.[6], nördlich der Gebäude befinden sich außer den Reitplätzen des Vereins noch je ein Wildgehege für Schwarzwild und Damwild. Unterhalb des Hainholzhofs befindet sich die Gastwirtschaft „Jägerhaus am Kehr“.

  • Eulenturm

Der Eulenturm ist ein ca. 4 m hoher Rundturm mit Aussichtsplattform aus Kalk- und Sandstein, der in den Hang des Hainberges gebaut wurde. Der Eingang im Frontbereich wurde aus Sicherheitsgründen zugemauert. Am 12. April 1876 wurde auf Veranlassung des Göttinger Oberbürgermeisters Merkel der Göttinger Verschönerungsverein (GVV) gegründet. Dieser hat insbesondere dafür Sorge getragen, dass im Göttinger Wald viele Bänke aufgestellt und Aussichtspunkte geschaffen wurden.

  • Bismarckstein

Otto von Bismarck hatte von 1832 bis 1833 an der Georgia Augusta Universität in Göttingen studiert. Ihm zu Ehren wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Bismarckstein errichtet, im Volksmund respektlos "Elefantenklo" genannt. (Adresse: Auf dem Toppe)

  • Hainberg-Gymnasium

Das Hainberg-Gymnasium ist ein im Jahre 1866[7] gegründetes Gymnasium in Göttingen mit über 1.000 Schülern. Das ehemalige Mädchengymnasium ist seit 1993 eine UNESCO-Projektschule.

  • Hainberg-Klinik

Die Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen betreibt seit 2013 in einem teils modernen, teils historischen Gebäude der ehemaligen Parkklinik am Hainberg eine Außenstelle für Operationen und stationäre Behandlungen.[8]

Straßen der Oststadt (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theaterplatz, Herzberger Landstraße, Planckstraße, Wilhelm-Weber-Straße, Düstere Eichenweg, Merkelstraße, Brüder-Grimm-Allee, Dahlmannstraße, Ewaldstraße, Rohnsweg, Hainbundstraße, Konrad-Adenauer-Straße, Nonnenstieg, Hainholzweg, Hermann-Föge-Weg, Grotefendstraße, Beethovenstraße, Breslauer Straße, Calsowstraße.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Göttinger Verschönerungsverein (GVV) e.V. ist seit 1875 um die Naturschönheiten der Göttinger Umgebung bemüht.[9]
  • Studentische Musikvereinigung Blaue Sänger ist seit 1860 eine musizierende, gemischte Studentenverbindung in Göttingen.[10]
  • Tennis- und Ski-Club Göttingen e.V., gegründet 1898, ist der älteste Tennisverein in Göttingen.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.goesis.goettingen.de, Stadt Göttingen – Fachdienst Statistik und Wahlen
  2. http://www.goettingen.de/pics/medien/1_1194001015/Schillerwiese.pdf, Die Schillerwiese
  3. http://www.stadtarchiv.goettingen.de/texte/stadtgeschichte_stationen_1830.htm, 1830 – Gasthaus Rohns wird eröffnet
  4. http://www.berndschwartz.de/Bilder/Goettingen/P3050022.jpg Foto des Wohnparks "Am Rohns"
  5. http://www.giak-licon.de/Gottingen__Unterm_Rohns.640x514.jpg Foto der Wohnanlage "Unter dem Rohns"
  6. http://www.reitverein-hainholzhof.de/index.html, Reitverein Hainholzhof e.V.
  7. http://www.hg.goe.ni.schule.de/hgflyer.htm, Schulprospekt (Flyer) des Hainberg-Gymnasium
  8. Augenklinik Göttingen, abgerufen am 30. Juni 2014
  9. Göttinger Verschönerungsverein e.V.
  10. http://www.blauesaenger.de/, Studentische Musikvereinigung Blauen Sänger Göttingen im SV
  11. http://www.tsc-goettingen.com/ TSC-Göttingen