Ostwestfälisch

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Deutsche und niederländische Dialekte 1910

Ostwestfälisch (nicht zu verwechseln mit Ostfälisch) ist eine Dialektgruppe des Westfälischen, die im Osnabrücker Land, im Tecklenburger Land und in Ostwestfalen-Lippe gesprochen wird.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unterscheidung zwischen dem ursprünglich langen a wie in Rot (Rat) und dem später gedehnten a wie in Water (Wasser),
  • Diphthongierung der Langvokale wie in Braut (Brot), Fout (Fuß), Kaise (Käse), däipe (tief) neben der für das ganze Westfälische charakteristischen Diphthongierung der Kurzvokale ("Westfälische Brechung"),
  • Hiattilgung wie in teggen (zehn), maggen (mähen), friggen (freien), bowwen (bauen), bruwwen (brauen),
  • Laute wie "sch" oder "ch" werden betonender ausgesprochen, was so wie lautes Nuscheln klingt.
  • Verwandlung der niederdeutschen Silbe al- zu ol- wie in ol (schon) und olle (alle) und die Verwandlung der niederdeutschen Silbe -ol- zu -aul- wie in ault (alt) und kault (kalt),
  • die Ausdrücke Lüüt (Mädchen), wacker (schön), Saut (Brunnen), ninn(e) (kein(e)).

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lippisch für Anfänger

Der Begriff Ostwestfälisch wurde von der germanistischen Dialektologie geprägt und fasst eine Reihe westfälischer Mundarten zusammen, deren sprachlicher Aufbau weitgehend übereinstimmt. In der Region selbst unterscheidet man zwischen mehreren Mundarten, wobei die mitunter erheblichen Unterschiede in der Aussprache sowie die Grenzen der alten Territorien Orientierungspunkte sind:

  • Osnabrücker Mundart (südlicher Kreis Osnabrück, Tecklenburger Land, Region Damme)
  • Lübbecker Mundart
  • Ravensberger Mundart (nördliche Hälfte des Kreises Gütersloh, Kreis Herford, Riemsloh und Neuenkirchen im Kreis Osnabrück, kreisfreie Stadt Bielefeld)
  • Wiedenbrücker Mundart (südlicher Kreis Gütersloh), die wiederum in eine Reihe sich deutlich unterscheidender Ortsmundarten unterteilt werden kann
  • Lippisch (Kreis Lippe)
  • Paderbornisch (Kreis Paderborn und Teile des Kreises Höxter)
  • Waldecker Mundart (im nördlichen Hessen)

Das Lippische kennzeichnet sich durch das Fehlen der westfälischen Brechung und bildet in mancher Hinsicht den Übergang zum Ostfälischen.

Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sprachwechsel zum Hochdeutschen ist mehr oder weniger vollendet. Nur im ganz ländlichen Milieu fungiert das Ostwestfälische noch als Umgangssprache. Als Kulturgut erfreut sich das Ostwestfälische jedoch einer gewissen Beliebtheit. In der Region finden z. B. mehrmals im Jahr niederdeutsche Gottesdienste statt. Auch gibt es in der Gegend einige Theatergruppen, die ihre Stücke auf Ostwestfälisch aufführen.

Nur an einigen wenigen Schulen in der Region wird das Ostwestfälische Kindern vermittelt. Außerdem gibt es Angebote in der Erwachsenenbildung.

Sprachbeispiel (Lübbecker Mundart)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dat ostwestfäilische Platt is ’n Däil von dat Westfäilische Platt un wett in Ostwestfaulen küert. Et giff sierben Formen: Dat Usenbrückske, dat Lübker, dat Rauwensbierger, dat Wiedenbrücksker, dat Lippsche, dat Paderbuorner un dat Waldecker Platt.

Wat besondret sinn däi Ünnerschäidung tüsken dänn ursprünglich langen a wie in Rot (Rat) un dänn later däihnten a wie in Water (Wasser), däi Diphthongierung van däi langen Vokale wie in Braut (Brot) orre Fout (Fuß), däi Hiattilgung wie in teggen (ziehen) orre maggen (mähen) un tou gouter lesst nau däi Wörter Lüüt (Mädchen), wacker (schön), Saut (Brunnen) un ninn(e) (kein(e)).

Bit nauen twäiten Weltkriech was dat ostwestfäilische Platt däi Sprauk, däi däi mäißten Kinner in Huse touierße lernt hebbet, later hebbet däi Kinner dann Houchdüütsk lernt. Van Dage lernt däi Kinner fast gohr käin Platt mehr, aber manche lernt 'n lütket bierden inne Schoule.

Regionales Hochdeutsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die hochdeutsche Umgangssprache der Region ist sehr stark von der niederdeutschen Phonetik beeinflusst. Auch wurden niederdeutsche Ausdrücke in das Hochdeutsche übernommen. Mit der Erosion des Niederdeutschen ist eine Verwässerung der regionalen Umgangssprache einhergegangen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederdeutsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Peters, Valentina Djatlowa: Wörterbuch des Verler Platt. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-495-8.
  • Erwin Möller: Segg et up Platt: niederdeutsches Wörterbuch in der Ravensberger Mundart. 2. überarb. und erg. Auflage. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2005, ISBN 3-89534-534-2.
  • Lippischer Heimatbund (Hrsg.): Wörterbuch Hochdeutsch - Lippisches Plattdeutsch. bearbeitet von Sabine Schierholz nach der Vorlage von Fritz Platenau. Lippischer Heimatbund, Detmold 2003, ISBN 3-926311-90-8. (online auf: kinder-lippe.de)
  • Fritz Platenau: Plattdeutsches Wörterbuch in Istruper Mundart. im Auftrag des Lippischen Heimatbundes ges. und bearbeitet. Lippischer Heimatbund, Detmold 1978, DNB 800922905.
  • Helmut Hackstätte, Karl Jürgenvathauer: Ossenbrügger Platt: nix os Wöere; een lüttket Wöerebouk ton Naukieken un Arbeeten. In Zusammenarbeit mit Alfred Möllers. Fromm, Osnabrück 1994, ISBN 3-7729-3106-5.
  • Johan Gilges Rosemann genannt Klöntrup: Niederdeutsch-westphälisches Wörterbuch. Bearb. von Wolfgang Kramer; Hermann Niebaum; Ulrich Scheuermann. Lax, Hildesheim 1982-1984, 2 Bände, ISBN 3-8269-3646-9, ISBN 3-8269-3647-7 (Erstausgabe der Handschrift aus dem 19. Jd.)
  • Hermann Jellinghaus: Westfälische Grammatik: die Laute und Flexionen der Ravensbergischen Mundart mit einem Wörterbuche. Sändig Reprint Verlag Wohlwend, Vaduz/Liechtenstein: 2001, ISBN 3-253-02411-3. Neudruck der Ausgabe von 1877 (online auf: archive.org)

Regionales Hochdeutsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias E. Borner: Pölter, Plörre und Pinöckel – Grundwortschatz zum Überleben im Kreis Gütersloh. Verlagsunion Vox Rindvieh, Gütersloh 2004, ISBN 3-00-014249-5.
  • Matthias E. Borner: Pölter, Plörre und Pinöckel 2 – Aufbauwortschatz für wissbegierige Neubürger in Gütersloh. Verlagsunion Vox Rindvieh, Gütersloh 2006, ISBN 3-00-018120-2.
  • Margret Gromann: Da fällt man sich ja über! – Bielefelder Sprachlehre und ausgewählte Lektionen. Westfalen Verlag, 1979, ISBN 3-88918-007-8.
  • Dieter Meyer-Gieseking: Ostwestfalen-Lippe und seine Mundart: Kleiner Streifzug durch Gütersloher Redensarten. Flöttmann-Verlag, Gütersloh, 2012, ISBN 978-3-87231-092-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]