Oswalt Kolle: Das Wunder der Liebe

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Filmdaten
OriginaltitelOswalt Kolle: Das Wunder der Liebe – Sexualität in der Ehe
ProduktionslandBundesrepublik Deutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1968
Länge81 Minuten
AltersfreigabeFSK 18
Stab
RegieFranz Josef Gottlieb
DrehbuchOswalt Kolle
ProduktionArca-Filmproduktion (Gero Wecker)
MusikJohannes Rediske
KameraWerner M. Lenz
Besetzung

Oswalt Kolle: Das Wunder der Liebe – Sexualität in der Ehe, meist unter dem Kurztitel Das Wunder der Liebe bekannt, ist der erste und richtungweisende einer Reihe von acht deutschen Aufklärungsfilmen von Oswalt Kolle. Der Film, ein Wegbereiter der Sexwelle, wurde 1967 gedreht, Uraufführung war am 1. Februar 1968 in Hamburg. Kolle war bereits zuvor durch Veröffentlichungen in den Illustrierten Quick und Neue Revue als Sexualaufklärer hervorgetreten.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film beginnt mit einer betont seriösen Diskussion zwischen Kolle, dem Sexualforscher Hans Giese und dem Psychologen Wolfgang Hochheimer. Danach folgen die ersten Spielszenen. In einer heiteren Gesprächsrunde werden zwei Modellfälle von sexuellen Schwierigkeiten in der Ehe sowie deren Ursachen besprochen. Ein jung verheiratetes Ehepaar einerseits und ein bereits sieben Jahre verheiratetes Paar diskutieren über ihre Probleme. Die Worte werden durch Spielszenen illustriert, dazwischen werden häufig kurze Kommentare eingestreut, die auf die Folgen mangelnder sexueller Aufklärung hinweisen.

Bei den Jungverheirateten bereitet der frühzeitige Orgasmus des Manns seiner Frau Kummer, da sie das liebevolle Vor- und Nachspiel vermisst. Der zweite Ehemann hingegen, ein Architekt, der inzwischen Vater von zwei Kindern ist, vernachlässigt seine Ehefrau zugunsten seines Berufes.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serie Das Wunder der Liebe erschien 1967 in der Zeitschrift Neue Revue. Diese Serie, die 1968 bei Bertelsmann als Buch erschien, hatte Kolles Namen trotz ständiger Schwierigkeiten mit der Zensurbehörde bekannt gemacht.

Das Angebot, die Serie verfilmen zu lassen, führte erst recht zu einem ständigen Verhandeln mit den Zensurbehörden, darunter die FSK. Der Arbeitsausschuss der FSK prüfte den Film im Januar 1968 in einer fünfstündigen Sitzung. Die Mehrheit war von der zu Tage gelegten Wissenschaftlichkeit und Kolles lauteren Absichten beeindruckt. In seinem Prüfbericht vom 23. Januar 1968 befand der Arbeitsausschuss, die FSK stehe vor der Notwendigkeit, andere Maßstäbe an einen solchen Film anzuwenden. Allerdings sollten die prekärsten Bilder entfernt werden, um das Werk tragbar zu machen.[1]

Immer wenn die Aufklärung zu direkt wurde, musste Kolle lange Kommentare einschieben, in denen er zu erklären bemüht war, dass es sich nur um Wissenschaft und nicht um Pornografie handelt.[2] Der Untertitel Sexualität in der Ehe war ein Zugeständnis, und aus demselben Grund wurde der Film auch in Schwarzweiß und nicht in Farbe gedreht.

Eigentlich sollte der deutsche Filmkomponist Martin Böttcher die Musik zu dem Film schreiben.[3] Er schrieb auch schon einige Musiktitel, die dann aber vom wissenschaftlichen Berater Hans Giese als „nicht unterkühlt genug“ und aus Befürchtung von unzüchtigen Handlungen des männlichen Publikums während der Filmvorführung abgelehnt wurde. Nach der Aufführung des Films kamen jedoch Kritiken, die am Film insbesondere die neue Musik bemängelten. Die von Böttcher komponierte Musik ging dennoch nicht verloren. Oswalt Kolle nahm sie als Hintergrundmusik zu der von ihm eingespielten Hörplatte „Das Wunder der Liebe“, Teldec, SLP 14 900-P. Der Haupttitel Wonderland of Love wurde ein Klassiker auf vielen Samplern mit der Musik von Martin Böttcher.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Filmverleih betonte in seinem Pressematerial, der Film wolle „durch Aufklärung über sexuelle Fragen unzähligen Menschen helfen […], ein reicheres Eheleben zu führen und dadurch die Ehe zu erhalten.“[4]

Der Film erregte bei seinem Erscheinen außerordentliches Aufsehen und sorgte für Diskussionsstoff. Dabei ging es weniger um die Inhalte als um die Frage, ob man es hier mit legitimer Aufklärung oder Pornografie zu tun habe. Besonders konservative Kreise und die katholische Kirche kritisierten den Film.

In den Niederlanden wurde er von der Steuer befreit und mit dem Prädikat „Wichtig für die Volksgesundheit“ belegt, in Belgien und in einigen Schweizer Kantonen gab es dagegen zunächst ein Verbot. In der Schweiz organisierte man Pendlerbusse zum Nachbarkanton, wo man Das Wunder der Liebe ansehen konnte.

In der Bundesrepublik Deutschland hatte der Film etwa sechs Millionen Zuschauer.[5] Oswalt Kolle wurde durch ihn allbekannt, während die Schauspieler ignoriert wurden.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein in jeder Hinsicht oberflächlicher und bedenklich vereinfachender "Aufklärungsfilm".“

„Auf hohem ästhetischen Niveau notwendig scheiternd an der Unvereinbarkeit wissenschaftlicher und künstlerischer Prinzipien im öffentlichen Schauspiel, kann man dem Streifen trotzdem seine Anerkennung nicht versagen, da er, wie nur wenige Vertreter seiner Gattung, mit spürbarem Ernst und Verantwortungsgefühl an seine schwierige Aufgabe herangeht.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Kniep: „Keine Jugendfreigabe!“. Filmzensur in Westdeutschland 1949-1990, Wallstein Verlag Göttingen 2010 ISBN 978-3-8353-0638-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Kniep: Keine Jugendfreigabe!, S. 230
  2. http://oswaldkolle.logicinmotion.eu/static-front.html
  3. Reiner Boller: Winnetou-Melodie, Martin Böttcher - Die Biografie, Verlagsallianz 2007, ISBN 978-3-938109-16-8, Seite 30
  4. Jürgen Kniep: Keine Jugendfreigabe!, S. 229 aufgrund von Presseunterlagen der Inter-Verleih
  5. http://www.insidekino.com/DJahr/DAlltimeDeutsch50.htm
  6. Oswalt Kolle: Das Wunder der Liebe. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 17. Juli 2017.
  7. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 74/1968