Ottersberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ottersberg
Ottersberg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ottersberg hervorgehoben
Koordinaten: 53° 7′ N, 9° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Verden
Höhe: 14 m ü. NHN
Fläche: 99,03 km²
Einwohner: 12.332 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 125 Einwohner je km²
Postleitzahl: 28870
Vorwahlen: 04205, 04293 (Fischerhude, Quelkhorn), 04297 (Posthausen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: VER
Gemeindeschlüssel: 03 3 61 008
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Grüne Straße 24
28870 Ottersberg
Webpräsenz: www.ottersberg.de
Bürgermeister: Horst Hofmann (CDU)
Lage der Gemeinde Ottersberg im Landkreis Verden
Emtinghausen Riede Dörverden Blender Ottersberg Oyten Achim Bremen Langwedel Thedinghausen Verden (Aller) Kirchlinteln Landkreis Verden Niedersachsen Landkreis Diepholz Landkreis Nienburg/Weser Landkreis Heidekreis Landkreis Osterholz Landkreis Rotenburg (Wümme)Karte
Über dieses Bild

Ottersberg (Plattdeutsch Otterbarg) ist ein Ort im Norden des Landkreises Verden, Niedersachsen, und Namensgeber für die Einheitsgemeinde Flecken Ottersberg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ottersberg und Fischerhude liegen in der Wümmeniederung, Quelkhorn und Otterstedt auf dem Geestrücken der Zevener Geest (Endmoränen) und Posthausen ist der Zusammenschluss der Straßendörfer von Ottersberg im kultivierten Moor. Es sind die Findorffstrukturen, die nach Jürgen Christian Findorff benannt sind, der vor etwa 250 Jahren die Besiedlung des Teufelsmoores geplant hat. Sie heißen unter anderem Allerdorf, Grasdorf, Hintzendorf, Schanzendorf, Stellenfelde, Mitteldorf, Giersdorf.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der kommunalen Verwaltungs- und Gebietsreform im Jahre 1972 besteht die Einheitsgemeinde Flecken Ottersberg aus den Ortschaften Flecken Ottersberg und Flecken Fischerhude sowie Otterstedt, Posthausen und Narthauen.[2] Weitere Orte in der Einheitsgemeinde sind Benkel, Eckstever, Grasdorf, Ottersberg-Bahnhof sowie Quelkhorn.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ottersberg grenzt im Westen an die Stadt Bremen (Bundesland Freie Hansestadt Bremen), im Südwesten an Oyten, im Süden an Langwedel, im Osten an die Samtgemeinde Sottrum (Landkreis Rotenburg (Wümme)), im Norden an die Samtgemeinde Tarmstedt (Landkreis Rotenburg (Wümme)) und im Norden an Grasberg und Lilienthal (Landkreis Osterholz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg von 1675 bis 1676 wurde das schwedische Ottersberg in einem Feldzug durch mehrere Staaten des Heiligen Römischen Reiches und Dänemark erobert und blieb bis zum Kriegsende 1679 alliierter Besitz.

Im Zuge des Friedens von Saint-Germain im Jahre 1679 fiel Ottersberg wieder an Schweden. Im weiteren Verlauf gelangte Ottersberg an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, an das Königreich Westfalen, unter Napoléon Bonaparte an das Département des Bouches-du-Weser des Französischen Kaiserreiches. Bis 1866 war Ottersberg Teil des Königreiches Hannover. Nach dessen Annexion durch Preußen befand es sich in der preußischen Provinz Hannover, aus der nach dem Zweiten Weltkrieg das Land Hannover und schließlich das Land Niedersachsen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich, insbesondere durch die Ansiedlung vieler Flüchtlinge und Heimatvertriebener, der Ortsteil Ottersberg-Bahnhof südlich der Bahnlinie entwickelt. Dieser Ortsteil besitzt seinerseits ein eigenes Ortszentrum entlang der Verdener Straße.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Fischerhude (Flecken), Narthauen, Otterstedt und Posthausen mit dem Flecken Ottersberg zur Einheitsgemeinde Flecken Ottersberg zusammengefasst.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat der Gemeinde Ottersberg besteht aus 28 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 11.001 und 12.000 Einwohnern.[4] Die 28 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011 und endet am 31. Oktober 2016.

Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Horst Hofmann (CDU).

Die letzte Kommunalwahl vom 11. September 2011 ergab das folgende Ergebnis:

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Ottersberg ist Horst Hofmann (CDU). Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 wurde er als Amtsinhaber mit 51,5 % der Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,5 %.[5] Hofmann trat seine weitere Amtszeit am 1. November 2014 an.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde zeigt einen aus dem Wasser empor steigenden Fischotter mit Fisch im Maul auf blauem Grund (Wümme). Der Fischotter ist nicht naturalistisch dargestellt, sondern heraldisch verändert mit Löwenkopf und Adlerkrallen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtshof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt in Ottersberg befindet sich der schlossähnliche Amtshof, welcher früher eine Burg war. Hier sind auch Reste des Wall- und Burggrabens (Graft bzw. Gräfte) erhalten. Umfassend restauriert beherbergt das Baudenkmal seit 1946 die Freie-Rudolf-Steiner-Schule.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde als Kapelle der Kirchengemeinde Otterstedt von den Schweden (Dreißigjähriger Krieg) gebaut. Deshalb wird sie auch Schwedenkapelle genannt. Heute ist sie die Kirche der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ottersberg.

Künstlertradition Fischerhude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Fischerhude finden sich noch die Unterkünfte von Künstlern wie Otto Modersohn. Otto Modersohn wohnte in dem Haus von Frese Bodderweg/Wilhelmshauser Str. in Quelkhorn. Beerdigt ist er auf dem Friedhof in Quelkhorn.

Ebenfalls in Ottersberg wohnt und arbeitet der Künstler Martin Voßwinkel.

Jüdischer Friedhof Otterstedt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Jüdischen Friedhof, der an der Straße zwischen Otterstedt und Ottersberg liegt, befinden sich 27 Mazewas (Grabsteine) für Juden aus Ottersberg und Umgebung, die in den Jahren 1835 (vermutlich ab 1810) bis 1920 verstorben sind. Der Friedhof ist ein geschütztes Kulturdenkmal.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Posthausen entwickelte sich mit dem Kaufhaus dodenhof ein kleiner Familienbetrieb zu einem der größten Einkaufszentren Norddeutschlands. Von Bedeutung ist außerdem der Nahrungsmittelindustriebetrieb Buss.

Ottersberg besitzt Geschäftsstellen der Volksbank Wümme-Wieste eG und der Kreissparkasse Verden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nächstgelegene Krankenhäuser sind die Aller-Weser-Klinik in Achim, das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, die Krankenhäuser in Bremen und die Residenz-Klinik in Lilienthal.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ottersberg ist Sitz der Fachhochschule Ottersberg mit den Bachelor-Studiengängen Kunst im Sozialen, Kunsttherapie, Theater im Sozialen und Freie Bildende Kunst; außerdem der Freien Rudolf Steiner-Schule Ottersberg, eine Waldorfschule, der Wümmeschule (Haupt- und Realschule) und des Gymnasiums Ottersbergs (Sekundarstufe I) sowie der Grundschulen Fischerhude mit Außenstelle Otterstedt und Posthausen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt an der A 1 zwischen Bremen und Hamburg sowie an Landesstraßen nach Bremen und Verden. Nach Ottersberg gelangt man über die Abfahrten Posthausen und Stuckenborstel.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg, an dem im Rahmen des Hanse-Netzes verkehrende Züge der metronom Eisenbahngesellschaft auf der Verbindung Hamburg–Bremen halten. Die Eisenbahnlinie wurde beim Bau südlich am Dorf vorbeigeführt. Der Bahnhof heißt bei der Deutschen Bahn immer noch Ottersberg (Hannover), weil er im historischen Land Hannover liegt. Das Bahnhofsgebäude beherbergt seit 1991 den Kulturverein Bahnhof e. V. - Initiative für neues Wohnen, der es auch verwaltet. Studenten kauften das Bauwerk damals, bauten es zum Wohnheim um und bewahren die Bausubstanz des denkmalgeschützten Gebäudes so vor dem Verfall.

Fahrradtourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort führt der Radfernweg Hamburg–Bremen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Töchter und Söhne des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Minna Heineman, geb. Hertz (1847–1927), Namensgeberin der Minna-James-Heineman-Stiftung
  • Hermann Kunst (1907–1999), evangelischer Militärbischof, EKD-Bevollmächtigter bei der Bundesregierung
  • Harald Vogel (* 1941), Organist, Organologe

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Mohr (1828–1876), Afrikaforscher, wohnte von 1870 bis 1871 in Ottersberg.
  • Hans Bohnenkamp (1893–1977), Mitglied der SA und der NSDAP, Offizier, Pädagoge, Hochschullehrer und Hochschuldirektor, starb in Ottersberg.
  • Martin Lüttge, deutscher Schauspieler und Regisseur, ging bis Ende der 1950er Jahre in Ottersberg zur Waldorfschule.
  • Moritz Rinke, deutscher Dramatiker und Romanautor, besuchte die Ottersberger Waldorfschule.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heidelore Kluge: Wir haben immer gut zusammengelebt! Die Juden in Ottersberg. Bremen 1994, 93 S. mit 13 Zeichnungen von Gundula Dangschat
  • Meike Boist, Ingrid Brandt und Cornelia Wolf-Becker (Hrsg.): Erinnerungen an Mägde. Dokumentation einer Ausstellung. Ottersberg 2001, 63 S. mit zahlreichen Abbildungen
  • Jürgen Bohmbach: Ottersberg. In: Herbert Obenaus (Hrsg. in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Band 1 und 2 (1668 S.), Göttingen 2005, Seite 1238–1241; ISBN 3-89244-753-5
  • Ute Fetkenhauer (Hrsg.): „Wir tun flüchten“ – Fluchterlebnisse von Frauen und Kindern aus Ottersberg. Ottersberg 2005, 203 Seiten mit Fotos und Zeitdokumenten.
  • Hans-Cord Sarnighausen: Hannoversche Richter und Amtsjuristen von 1715 bis 1859 in Ottersberg (Wümme). In: Rolf Allerheiligen (Hrsg.): Heimatkalender für den Landkreis Verden 2014, ebd. 2013, S. 119–137.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ottersberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Flecken Ottersberg – Unsere Gemeinde, abgerufen am 6. April 2016
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 247.
  4. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 2. Dezember 2014
  5. Einzelergebnisse der Direktwahlen am 25. Mai 2014 in Niedersachsen, abgerufen am 14. November 2014