Ottilie Roederstein

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Selbstporträt mit weißem Hut, 1904

Ottilie Wilhelmine Roederstein (* 22. April 1859 in Zürich; † 26. November 1937 in Hofheim am Taunus) war eine deutsch-schweizerische Malerin zwischen Tradition und Moderne.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roederstein wurde als zweite Tochter des in Zürich ansässigen Kaufmanns Reinhard Roederstein und seiner Frau Alwina Roederstein geboren. Die Roedersteins stammten aus dem Rheinland. Sie waren 1857 nach Zürich übersiedelt, da Reinhard Roederstein dort die Vertretung einer Barmer Textilfirma übernahm.

Durch den heute in Vergessenheit geratenen Schweizer Maler Eduard Pfyffer (1836–1899), der 1869/1869 Porträts der Familie malte, und gemeinsame Besuche mit den Eltern in Münchener Museen fühlte sich Roederstein schon früh zur Malerei hingezogen. Eine Ausbildung zur Malerin schien jedoch aufgrund der gesellschaftlichen Konventionen der Zeit in Bezug auf weibliche Berufsausbildung für Roederstein nicht möglich. Insbesondere die Mutter widersetzte sich dem Wunsch der Tochter, so dass Roederstein nach eigener Aussage „schwere Kämpfe“ austragen musste, bis der Vater schließlich doch einer Ausbildung zustimmte. Roederstein wurde 1876 in Pfyffers Atelier in Zürich aufgenommen, so konnte sie unter der elterlichen Obhut bleiben.

Die angehende Malerin machte schnell Fortschritte in ihrer Ausbildung, besonders ihre Fähigkeit als Porträtistin zeigte sich bald. Da die Möglichkeiten ihres Ausbildungsateliers für Roederstein bald nicht mehr ausreichten, suchte sie nach Weiterbildung an anderen Orten. Die Heirat ihrer Schwester Johanna mit dem Berliner Geschäftsmann Voos gab Roederstein die Möglichkeit, dort im Haus der Schwester zu leben. Ende 1879 trat sie ins Damenatelier des zu dieser Zeit in Berlin bekannten Malers Karl Gussow (1843–1907) ein. Hier lernte sie ihre Freundin Anni Hopf (1861–1918) kennen, die ebenfalls bei Gussow ausgebildet wurde. 1882 hatte Roederstein ihre erste Ausstellung in einer Zürcher Kunsthandlung, die eine positive Kritik in der Presse fand.

Foto von Ottilie Roederstein im Atelier der Städelschen Kunstschule in Frankfurt am Main, etwa 1887

Anni Hopf siedelte im Jahr 1882 nach Paris über. Roederstein erhielt die Erlaubnis ihrer Eltern, ebenfalls dorthin zu wechseln, um eine weitere Ausbildung zu absolvieren, die sie in Berlin so nicht bekommen konnte. Dies bot ihr die Möglichkeit, sich aus der familiären Bindung zu lösen. Bis zum Ende ihrer Zeit in Paris 1887 schaffte Roederstein es, ihren Lebensunterhalt mit Auftragsarbeiten und dem Verkauf ihrer Bilder zu verdienen und vom Elternhaus finanziell unabhängig zu werden. Auf der Pariser Weltausstellung 1889, ebenso wie auf der Pariser Weltausstellung 1900 wurde ihr eine Silbermedaille verliehen. Seit 1891 lebte sie mit ihrer Lebensgefährtin Elisabeth Winterhalter, der ersten deutschen Chirurgin, in Frankfurt a. M., ab 1907 in Hofheim im Taunus. Sie beteiligte sich erfolgreich an deutschen, Schweizer und französischen Kunstausstellungen. Ihre Werke verkauften sich gut. Sie bot in ihrem Atelier in Hofheim angehenden Künstlerinnen eine Ausbildung an.[1][2] Ottilie Roederstein war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[3] 1929 wurde sie mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hofheim ausgezeichnet.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Autobiografie (1928), in: Elga Kern (Hrsg.): Führende Frauen Europas, München 1999 [1928], S. 34–40

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clara Tobler: Ottilie W. Roederstein. Rascher & Cie, Zürich 1929.
  • Hermann Haindl: Ottilie W. Roederstein, eine Malerin in Hofheim. Magistrat und Kunstverein, Hofheim 1980. Ausstellungskatalog.
  • Barbara Rök: Ottilie W. Roederstein (1859–1937). Eine Künstlerin zwischen Tradition und Moderne. Jonas, Marburg 1999 (Diss. Philipps-Universität Marburg, FB 09, 1997).
  • Roederstein, Ottilie Wilhelmine in: Thieme-Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Bd. 35 (Ro-Rz) zusammen mit Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. E. A. Seemann (CD-ROM), Leipzig 2008. ISBN 978-3-86502-177-9 (S. 66)
  • Roederstein, Ottilie Wilhelmine in: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Vierter Band (Q-U), E. A. Seemann, Leipzig 1999 (Studienausgabe). ISBN 3-363-00730-2 (S. 87)
  • Barbara Rök: „Ich arbeitete mit rastlosem Eifer“ - Ottilie Wilhelmine Roedersteins langer Weg zu einem eigenen Stil. In: Ausstellungskatalog Ida Gerhardi – Deutsche Künstlerinnen in Paris um 1900. Städtische Galerie Lüdenscheid, 2012.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hofheim: Biografie Ottilie Roederstein, abgerufen am 18. März 2016
  2. Tapan Bhattacharya: Ottilie Roederstein. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 18. März 2016.
  3. kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903 / Roederstein, Ottilie Wilhelmine (abgerufen am 21. Dezember 2015)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]