Otto-Brenner-Stiftung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Otto Brenner Stiftung

(OBS)

Logo der Otto-Brenner-Stiftung
Rechtsform: Stiftung des bürgerlichen Rechts [1]
Zweck: Förderung von Wissenschaft und Forschung
Vorsitz: Detlef Wetzel[2]
Geschäftsführung: Jupp Legrand [1]
Bestehen: seit 3. August 1972 [1]
Stifter: IG Metall[1]
Stiftungskapital:  ?
Mitarbeiterzahl:  ?
Sitz: Frankfurt am Main[1]
Website: www.otto-brenner-stiftung.de

Die Otto-Brenner-Stiftung (OBS) (in eigener Schreibweise: Otto Brenner Stiftung) ist eine Stiftung des bürgerlichen Rechts[1] der Gewerkschaft IG Metall. Ihr Sitz ist in Frankfurt am Main, in Berlin hat sie eine Außenstelle.

Geschichte[Bearbeiten]

Otto Brenner

Die nach dem ehemaligen 1. Vorsitzenden der IG Metall benannte OBS wurde kurz nach dem Tod Otto Brenners 1972 gegründet. In den Anfangsjahren sollte sie vor allem arbeitsrechtliche Publikationen fördern. Durch die deutsche Einheit flossen ihr 1997 Mittel aus dem Liquidationserlös der IG Metall der DDR zu, deshalb wurde der Stiftungszweck erweitert und es konnten neue Arbeitsschwerpunkte entwickelt werden. Nach 1997 wurden verstärkt Projekte zu ostdeutschen Fragestellungen entwickelt und umgesetzt. Seit 2004 konnten die Themenfelder der Stiftungsarbeit ausgeweitet werden.[3]

Die OBS heute[Bearbeiten]

Die Stiftung versteht sich als „kritisches gesellschaftspolitisches Forum, das sich mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und Europas auseinandersetzt“ und sieht sich als Wissenschaftsstiftung.[4] Ein Schwerpunkt soll dabei die Analyse Ostdeutschlands sowie der Länder Mittel- und Osteuropas sein. Anspruch der OBS ist es, im Rahmen „gezielter Projektförderung Arbeit und Wirken Otto Brenners fortzuführen“.

Das Ziel ihrer Arbeit ist es, die „Kluft zwischen den neuen Herausforderungen und dem notwendigen Handlungswissen zu schließen“.[5] Themenschwerpunkte sind heute[6]:

Stiftung Neue Länder (SNL)[Bearbeiten]

Die SNL ist eine nichtrechtsfähige Stiftung in Verwaltung der OBS. Stiftungszweck ist die Förderung arbeitsmarktpolitischer Vorhaben in den neuen Bundesländern.[7]

Hugo Sinzheimer Institut für Arbeitsrecht[Bearbeiten]

Das Hugo Sinzheimer Institut für Arbeitsrecht (HSI) wurde am 29. April 2010 in Frankfurt am Main eröffnet. Es steht in der Tradition Hugo Sinzheimers, der als Rechtswissenschaftler, Rechtspraktiker, Rechtspolitiker und Soziologe unterschiedlichste Perspektiven auf das Arbeitsrecht vereinte. Im Sinne Sinzheimers pflegt das HSI ein Verständnis arbeits- und sozialrechtlicher Forschung, das unterschiedliche Aspekte integriert und dabei soziologische, rechtspolitische, internationale sowie auch rechtsvergleichende Elemente erfasst. Das Institut will nicht nur grundlegenden Fragestellungen nachgehen und arbeits-/sozialrechtliche Forschung betreiben, sondern allgemein für Arbeitnehmer, Gewerkschaften sowie Betriebs- und Personalräte aktuelle und praktisch wichtige Themen behandeln. Arbeitsfelder sind u.a. Fragen eines angemessenen Arbeitnehmerdatenschutzes, des arbeitsrechtlichen Kündigungsschutzes, der Stärkung der Tarifvertragsparteien, der Tarifbindung und der betrieblichen Mitbestimmung.[8]

Preise[Bearbeiten]

Hugo-Sinzheimer-Preis[Bearbeiten]

Von 1996 bis 2003 wurde der Hugo-Sinzheimer-Preis von der OBS vergeben. Seit der Gründung des HSI wird der Preis von dem Institut vergeben. Er ist Hugo Sinzheimer gewidmet, der die Arbeitsverfassung in Deutschland entscheidend geprägt hat. Der mit 3.000 € dotierte Preis wird für an einer deutschsprachigen Universität abgeschlossene, arbeitsrechtliche Dissertationen vergeben, die nach Ansicht der OBS herausragend sind.[9]

Otto-Brenner-Preis[Bearbeiten]

Der Otto-Brenner-Preis wird seit 2005 jährlich von der OBS vergeben. Im Rahmen des Otto-Brenner-Preises werden zudem in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Recherche drei mit jeweils 5.000 Euro dotierte Recherche-Stipendien vergeben.[10]

Kritik an Studien der OBS[Bearbeiten]

Studie zu SWR und NDR[Bearbeiten]

Im September 2013 veröffentlichte die OBS eine Studie, welche die Fernsehprogramme des SWR und des NDR untersuchte. Im Vorwort der Studie - welches vom Geschäftsführer der OBS verfasst wurde - wird die Behauptung aufgestellt, dass diese eine „Boulevardisierung“ der Rundfunkanstalten feststelle, welche ein „Ausmaß erreicht, das in etwa dem der privaten Konkurrenz“ entspreche. So würde etwa der Sendebetrieb nur durch hohe Wiederholungsraten aufrechterhalten werden, während die Informationsanteile tatsächlich deutlich niedriger als angegeben ausfallen würden.[11][12]

SWR und NDR übten an dieser Darstellung Kritik. Die Bewertungen im Vorwort der Otto-Brenner-Studie würden keine Belege in der von Joachim Trebbe verfassten Studie selbst haben. Tatsächlich würde sie dem SWR bescheinigen, dass über „70 Prozent der Sendungen Informationsendungen seien“. Bei den fernsehpublizistischen Informationen würde der Sender „deutlich über den Anteilswerten für die nationalen öffentlich-rechtlichen und privaten Programme“ liegen.[13][14] Der NDR wies zudem darauf hin, dass die norddeutsche Bevölkerung das Programm in repräsentativen Umfragen als informativ (88 Prozent), aktuell, verständlich, im Norden präsent und sachlich (zwischen 87 und 91 Prozent) empfinde.[15]

Die Stiftung wies in einer Pressemitteilung den Vorwurf einer einseitigen Interpretation zurück.[16]

Studie zu ARD und dpa[Bearbeiten]

Im März 2010 veröffentlichte die OBS eine Studie, welche die Berichterstattung der Medien über die Finanzkrise ab 2007 untersuchte.[17] In dieser attestierten die Autoren der ARD und der dpa ein „eklatantes journalistisches Versagen“. Die dpa würde bei der Finanzmarktpolitik der Interpretationslinie der Regierung derart folgen, „wie der Autofahrer im Nebel dem weißen Mittelstreifen“. Sie hätten zudem „selten und wenn, dann nur unzureichend Zusammenhänge hergestellt“.[18]

Die Chefredaktion der dpa kritisierte die Studie; sie würde „zahlreiche falsche und irreführende Behauptungen“ enthalten. So seien „Korrespondentenberichte, dpa-Gespräche, Hintergründe oder Chronologien […] ausdrücklich nicht untersucht“ worden. Stattdessen stütze sich die „gesamte Untersuchung nur auf so genannte ‚Zusammenfassungen‘“. Hinzu komme noch, dass sich die Untersuchung auf „einem Kanon von […] 212 Meldungen“ in einem Zeitraum von 10 Jahren stützen würde. Der dpa-Basisdienst bestehe jedoch aus „etwa 800 Meldungen am Tag, im Untersuchungszeitraum also aus mehr als 2,5 Millionen Meldungen“. Es würden nur die Passagen zitiert, die gerade „passen“ würden.[19]

Die Autoren der Studie, Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz, reagierten auf die DPA-Meldung mit einer Stellungnahme.[20]

Studie zur Wikipedia[Bearbeiten]

Im Januar 2014 veröffentlichte die OBS eine Studie des Journalisten Marvin Oppong, welche zu dem Ergebnis kam, dass „PR und Manipulation“ in Wikipedia „allgegenwärtig“ seien. Insbesondere „Unternehmen, [...] Verbände, Parteien und Einzelpersonen“ würden versuchen „auf die verschiedensten Arten und Wege, ihr Bild in der Öffentlichkeit durch Eingreifen in die Artikel der Online-Enzyklopädie zu schönen“. Als Fazit beschreibt Oppong, dass die „Wikipedia-Community [...] des Problems nicht selbst Herr zu werden“ vermag. Zudem beschreibt er 10 Lösungsvorschläge.[21]

Im Februar 2014 untersuchte eine Arbeitsstelle der Europa-Universität Viadrina die Aussagefähigkeit der Studie. Sie kam zu dem Fazit, dass sie „wilde Spekulationen, gezielte Auslassungen und wenig Neues“ biete. Oppong scheine sich „bewusst dafür entschieden zu haben, es nicht allzu genau zu nehmen und das Thema Verdeckte PR in Wikipedia zu skandalisieren“. So seien beispielsweise bestimmte Forderungen wie „verifizierte Benutzer“ seit Jahren umgesetzt. Auch der Vorwurf gegen einen bekannten Wikipedia-Benutzer, er würde bezahlt und/oder im eigenen Interesse editieren, sei „reine Spekulation“. Die Änderungen gingen „nicht über das hinaus, was jeder andere Autor in Wikipedia auch tut“. Kritisiert wird des Weiteren, dass „in den meisten Medien [...] die Ergebnisse der Studie nahezu kritiklos übernommen [wurden], ohne sie im Einzelnen zu hinterfragen“. Auch die Wikipedia-Community selbst würde die Studie sehr kritisch sehen: „Oppong gehe es allein darum, einen Skandal herbeizuschreiben. Die Studie leide an zahlreichen sachlichen Fehlern. Die Recherche sei auf dem Stand von vor 2 oder 3 Jahren. Vor allem sei die Studie aber eins – tendenziös.“[22]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f "Otto Brenner Stiftung" Öffentliches Stiftungsverzeichnis Regierungspräsidium Darmstadt, abgerufen am 30. Januar 2014
  2. Verwaltungsrat der Otto Brenner Stiftung OBS, abgerufen am 2. Februar 2014
  3. http://www.otto-brenner-stiftung.de/themen-projekte/projekte.html
  4. Internetseite des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (Zugriff: 29. Januar 2014)
  5. http://www.otto-brenner-stiftung.de/otto-brenner-stiftung/das-leitbild-der-otto-brenner-stiftung.html
  6. http://www.otto-brenner-kompakt.de/
  7. http://www.otto-brenner-stiftung.de/stiftung-neue-laender-snl.html
  8. http://www.hugo-sinzheimer-institut.de/
  9. http://www.hugo-sinzheimer-institut.de/fileadmin/user_data_hsi/Dokumente/Hugo_Sinzheimer_Preis/Ausschreibung%20Sinzheimer%20Preis_endg.pdf
  10. Otto Brenner Preis 2011 – Die Preisträger im Blog der Otto Brenner Stiftung; abgerufen am 6. Dezember 2011.
  11. Der Spiegel: Dritte TV-Programme: Menschelndes statt Informationen, vom 29. September 2013
  12. OBS: Zwischen Boulevard und Ratgeber-TV. Eine vergleichende Programmanalyse von SWR und NDR. Abgerufen am 28. Januar 2013
  13. SWR: Studie bestätigt dem SWR Fernsehen hohen Informationsanteil, vom 1. Oktober 2013
  14. Horizont: Studie: NDR und SWR widersprechen Vorwurf der Boulevardisierung, vom 2. Oktober 2013
  15. NDR: Studie der Otto-Brenner-Stiftung bescheinigt NDR Fernsehen hohen journalistischen Programmanteil, vom 1. Oktober 2013
  16. OBS: Senderangaben zum Informationsanteil irreführend. Otto Brenner Stiftung weist einseitige Interpretation zurück, vom 8. Oktober 2013
  17. OBS: Wirtschaftsjournalismus in der Krise, abgerufen am 29. Januar 2013
  18. Frankfurter Rundschau: Sensationell schlecht, vom 9. März 2010
  19. dpa: Forschen nach Belieben: dpa erläutert Berichterstattung zur Finanzkrise, vom 8. März 2010
  20. OBS: Stellungnahme der Autoren der Studie zur DPA-Meldung, vom 11. März 2010
  21. Marvin Oppong: Verdeckte PR in Wikipedia. Das Weltwissen im Visier von Unternehmen, S. 93
  22. Europa-Universität Viadrina, Arbeitsstelle Wiki-Watch der Juristischen Fakultät: “Verdeckte PR in Wikipedia” – die Studie im Faktencheck, veröffentlicht am 14. Februar 2014

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Becker und Harald Jentsch: Otto Brenner. Eine Biografie; Briefe 1933–1945; Ausgewählte Reden 1946–1971. 3 Bände, Göttingen: Steidl Verlag, 2007