Otto Bollhagen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Friedrich Ferdinand Otto Bollhagen, genannt Otto Bollhagen sen. (* 16. September 1861 in Wesenberg (Mecklenburg); † 5. September 1924 in Bremen) war ein Stuben- und Dekorationsmaler. Bekannt wurde er als Maler von Industrielandschaften.

O. Bollhagen, Ehrenurkunde für die Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrieausstellung Bremen 1890, Farbdruck.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Bollhagen sen. wurde als zweiter Sohn von insgesamt 15 Kindern des Schneidermeisters Johann Carl Christian Bollhagen aus Mecklenburg-Strelitz und dessen Frau Georgine Sophia Dorothea, geb. Knuth, geboren. Seine Kindheit verbrachte Bollhagen relativ abgeschlossen. Er besuchte die Wesenberger Volks- und Bürgerschule. Für eine Ausbildung am Neustrelitzer Gymnasium reichte das Geld der Familie aber nicht. Schon früh zeigt sich sein zeichnerisches Talent. 1875 kam er nach Berlin, wo er, bei einer Tante wohnend, eine Handwerkslehre als Stuben- und Dekorationsmaler absolvierte. Auch hier fielen seine künstlerische Fähigkeiten bald auf, die sich u. a. in der Auszeichnung als bester Lehrling manifestierten. Da ein Studium an der Kunstakademie aus finanziellen Gründen nicht möglich war, besuchte Bollhagen nebenher Kurse der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin.

Nach Abschluss der Lehre nahm er zwischen 1879 und 1883 verschiedene Gelegenheitsarbeiten an, wie den Entwurf von Teppich- und Tapetenmustern. 1883 ging er nach Hamburg, kehrte jedoch bald darauf nach Berlin zurück und diente von 1883 bis 1885 als Soldat in Ratzeburg. Es folgten weitere Aufenthalte in Berlin und Hamburg, bis er 1886 schließlich nach Bremen zog. Hier arbeitete er zunächst im Malerbetrieb J. Neumark für den er die dekorative Ausgestaltung von Schiffen des Norddeutschen Lloyd übernahm – in dieser Zeit machte u. a. er Bekanntschaft mit dem prominenten Architekten Johann Georg Poppe. 1892 gründete er sein eigenes Atelier und arbeitet mit zeitweise 50–70 Angestellten als Dekorationsmaler für zahlreiche öffentliche Gebäude in Bremen, wie dem Städtischen Museum, dem Landgericht und dem Neuen Rathaus. Nebenher erstellte er immer wieder auch Karikaturen, Postkarten, Plakate und andere Gebrauchsgrafiken.

Das große Erwachen auf Bremer Seite kam Anfang der 1980er-Jahre: Das Vertrauen in ­Hapag-Lloyd sei erschüttert, äußerte sich damals der Bremer Senat. Im WESER-KURIER war die Rede von einer „Anti-Bremen-­Entscheidung“ des Aufsichtsrates. „Lieber lassen wir uns den Roland klauen, als dass wir auf den Michel schauen“, reimten protestierende Arbeitnehmervertreter. Als der Aufsichtsrat am 17. Juni 1982 im Parkhotel tagte, wehte die Lloyd-Flagge mit Trauerflor auf halbmast über dem Hapag-Lloyd-Gebäude am Gustav-Deetjen-Tunnel. Auch ein dreizehnseitiger Brief von Bürgermeister Hans Koschnick und Handelskammer-Vize Carl Erling konnte die Abkehr von Bremen nicht verhindern. Dass der Hapag-Lloyd-Vorstand am 21. Juni eine großformatige Anzeige im WESER-KURIER mit einem Bekenntnis zu den Grundlagen der Fusion und damit zum Standort Bremen schaltete, war am Ende nichts wert. Von gleichberechtigten Partnern konnte längst nicht mehr die Rede sein. Hapag-Lloyd verabschiedete sich Stück für Stück aus Bremen, bis 2005 schließlich auch der nur noch formal bestehende zweite Firmensitz gelöscht wurde.

1903–1904 lässt Bollhagen nach Entwurf von Fritz Dunkel eine Villa an der Parkallee 205 errichten. Ein dahinter bereits bestehendes Gebäude wir zum Atelier umgebaut. Ab 1904 leitete der Maler Fritz Jacobsen das Atelier in der Parkallee und wurde 1911 Teilhaber, machte sich aber 1921 selbstständig.

In der Zeit um den Ersten Weltkrieg, die mit einem deutlichen Auftragsrückgang einherging, widmete Bollhagen sich zusehends der Industriemalerei und schuf für Firmen wie Krupp, Bayer, die AG Weser aber auch für das Preußische Eisenbahnmuseum in Berlin und die Weltausstellung in Brüssel 1910 Gemälde und Illustrationen. Nach dem Krieg führte er seinen Betrieb in geringeren Umfang weiter. Ab 1924 leitete sein Sohn Otto Bollhagen jun. das Geschäft, das bis heute Bestand hat und inzwischen von einem Urenkel Otto Bollhagens geführt wird.

Bayer-Werk Leverkusen, 1912–1921, Villa Römer

Ein Teil des künstlerischen Nachlasses von Otto Bollhagen wird im Bremer Focke-Museum aufbewahrt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Bollhagen, Bremen, zum Gedenken, Köln: Beyer & Schmeisser, 1925.
  • Lars U. Scholl: Der Industriemaler Otto Bollhagen : 1861–1924, Herford: Koehler, 1992.
  • Herbert Schwarzwälder: Denkmalsphantasien des Bremer Malers und Zeichners Otto Bollhagen für den Bürgerpark 1898. In: Bremisches Jahrbuch 82, 2003, S. 187–204.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Otto Bollhagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien