Otto Müller (Computer-Pionier)

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Otto Müller, Januar 1989

Otto Müller (* 30. Juli 1934 in Heilbronn) ist ein deutscher Computer-Pionier und Unternehmer. Er gründete zusammen mit seiner Frau Ilse Müller die Unternehmen Computertechnik Müller (1972) und Hyperstone (1990). Die Gründungen beruhten jeweils auf seinen Eigenentwicklungen, zum einen einem 16-Bit-Rechner für die Mittlere Datentechnik und zum anderen einem RISC-Mikroprozessor für Controller-Aufgaben.

Jugend und Tätigkeiten als Angestellter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müller besuchte ein Gymnasium in Heilbronn bis zur Mittleren Reife, machte anschließend eine Rundfunkelektriker-Lehre in Backnang und studierte Elektrotechnik an der Fachhochschule Konstanz.

Als er 1958 seine spätere Frau kennenlernte, war er in Backnang als Entwicklungsingenieur bei Telefunken angestellt. In dieser Firma wurde später der Großrechner TR 4 entwickelt. 1961 bot er den Entwurf seines ersten eigenen Rechners seinem Arbeitgeber an. Ein Jahr darauf war daraus der fast fertige Rechner „TR 10“ geworden. Er und seine Frau boten den „TR 10“ Telefunken an, sie fanden aber kein Interesse, weil der Rechner als zu klein eingeschätzt wurde. Es wurden nur einige Prototypen gebaut.

1963 zogen die Müllers mit der Abteilung „Elektronische Rechengeräte“, in der er bei Telefunken arbeitete, von Backnang nach Konstanz. Noch im selben Jahr nahm er eine Anstellung beim IBM Research Center an. Seine Frau folgte ihm in die USA. 1964 warb die Firma Nixdorf Computer aus Paderborn die Müllers zurück nach Deutschland.

Nixdorf 820[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Nixdorf entwickelt Otto Müller seinen ersten kommerziell erfolgreichen Computer, die Wanderer Logatronic, aus der später das Nixdorf System 820 hervorging.

CTM[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: CTM Computer

1969 kündigte Otto Müller bei Nixdorf und die Familie Müller machte sich mit der Gründung des „Ingenieurbüros für Computertechnik Otto Müller“[1] in Konstanz selbständig. Ende 1969, Anfang 1970 zog das Ingenieurbüro einschließlich aller Angestellten nach Palo Alto in die USA, um für Dura/Itel einen Rechner zu entwickeln. Dieses Engagement dauerte zwar nur einige Monate, brachte die junge Firma aber ein deutliches Stück weiter auf dem Weg zum eigenen Rechner. Zurück in Deutschland gelang es nach ein paar Wochen Ende 1970 einen entsprechenden Auftrag von der Firma Triumph-Adler zu erhalten.

TA 1000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: TA 1000
Datenstation TA 1069, DB Museum Nürnberg

Im Januar 1972 schloss das Ingenieurbüro die Arbeiten für diesen Auftrag ab mit der Fertigstellung des Prototyps des Rechners TA 1000, einem 8-Bit System.[2] Dieser Rechner wurde u. a.

  • eingesetzt bei der Bundesbahn als Frontend zum konzerneigenen Buchungssystem
  • Steuerberater Taylorix erfassten die Buchungssätze ihrer Kunden auf Magnetbandkassette und übermittelte dies per Modem an die Datev

CTM 70[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Hannover Messe 1972 präsentierte die neu gegründete Firma Computer Technik Müller CTM den Prototyp eines eigenen 16-Bit-Rechners, des CTM70. An diesem Rechner arbeitete auch der Designer Hartmut Esslinger mit, der dafür im selben Jahr einen Preis des iF, International Forum Design erhielt.[3] In den darauf folgenden Jahren baute CTM seine Produktpalette aus von z.B. dem Bildschirmarbeitsplatz BAP70 oder dem Small Business System SBS bis hin z.B. zum Client-Server System CTM 9032 mit BAP90 Arbeitsplätzen.

1974/75 übernahm Diehl die Kapitalmehrheit an der Firma CTM.

Hyperstone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1989 funktionierte der Prototyp eines 32-Bit Hyperstone-Prozessors, den die Müllers entwickelt hatten, und sie beauftragten Siemens mit der Fertigung des gelieferten Layouts in Silizium. 1990 gründeten die Müllers das Unternehmen Hyperstone in Konstanz. 1996 kam der unter der Leitung von Otto Müller entwickelte Mikroprozessor E1 auf den Markt, eine Kombination aus einem RISC und einem DSP.

2001 erwirtschaftete Hyperstone mit 16 Mitarbeitern 4 Mio. Euro Jahresumsatz. Im Juli 2003 verkaufte das Ehepaar Müller Hyperstone an die britische CML-Gruppe.[4]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 1994 erhielt Otto Müller vom Fachbereich Informatik der Universität Tübingen die Ehrendoktorwürde verliehen. Es war die erste Ehrendoktorwürde, die dieser Fachbereich vergab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ilse Müller: Glanz und Elend der Deutschen Computerindustrie. Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1995, ISBN 3-593-35220-6. Seiten: 58, 65, 74, 86, 87, 88, 110, 111, 120, 125, 135, 251.
  • Gabi Visintin: Zur Person Otto Müller. Computer Zeitung, 1998, Heft: 36, ISSN=0341-5406.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Computerwoche: Zwei Ex-Commodore-Manager kaufen CTM 7. Juli 1989
  2. Zeit online: Die Perle braucht eine neue Fassung 27. Februar 1981
  3. iF online exhibition: Computer System CTM 70
  4. CML Acquires Hyperstone AG