Otto Nicolai

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Lithographie von Josef Kriehuber (1842), mit Widmung des Hofopern-(Philharmonischen) Orchesters

Carl Otto Ehrenfried Nicolai (* 9. Juni 1810 in Königsberg-Steindamm; † 11. Mai 1849 in Berlin) war ein deutscher Komponist. Bekannt wurde vor allem seine Oper Die lustigen Weiber von Windsor; außerdem gründete er die Wiener Philharmoniker.

Leben

Otto Nicolai wurde unweit der Steindammer Kirche geboren und am 21. Juni 1810 in dieser Kirche getauft. Er war das erstgeborene Kind von Carl Ernst Daniel Nicolai (1785–1857) und Christiane Wilhelmine Lauber (1782–1854). Nach der frühen Trennung der Eltern kam Otto zunächst zu Pflegeeltern, einer Klavierbauerfamilie; zeitweise lebte er auch bei seinem Onkel Ehrenfried. Der Vater heiratete dann zum zweiten Mal und nahm seinen Sohn in die neue Familie wieder auf, die sich 1826 durch die Geburt von Nicolais Stiefschwester Cassandra vergrößerte.

Seit dem 6. August 1819 besuchte Nicolai das renommierte Königsberger Gymnasium, Collegium Friedericianum. Von seinem despotischen Vater erhielt Otto Nicolai den ersten Musikunterricht. Der Vater bemühte sich mit großer Strenge und auch körperlicher Züchtigung, aus seinem hochtalentierten Sohn ein musikalisches Wunderkind zu machen, um ihn ausnutzend selbst zu Ruhm und Geld zu gelangen. Anfang 1826 entfloh Otto Nicolai nach einigen vergeblichen Versuchen erfolgreich seinem Elternhaus und fand zunächst Zuflucht in Stargard bei dem Divisions-Auditeur August Adler, der ihn wie einen Sohn aufnahm und im Alter von 17 Jahren nach Berlin zum Studium schickte.[1] Als Zwanzigjähriger trat er in die Sing-Akademie zu Berlin (in der dortigen Aufführung von Bachs Matthäus-Passion am 27. März 1831 sang er die Bass-Partie des Jesus), in die Jüngere und Ältere Liedertafel sowie in den „Lieder-Verein Berlin 1829“ (von Februar bis Oktober 1830) ein. Diese Mitgliedschaften wirkten sehr prägend auf sein weiteres Leben. Hieraus erwuchsen für ihn wertvolle Bekanntschaften wie u. a. mit Friedrich Schleiermacher, August Hoffmann von Fallersleben, Karl von Bunsen (Königlich-preußischer Gesandter am Heiligen Stuhl), Georg Poelchau und der Familie Bartholdy. Nach seinem Studium, von 1827 bis 1830 am Königlichen Institut für Kirchenmusik unter Carl Friedrich Zelter, bei Bernhard Klein (Komposition), Emil Fischer (Gesang), Ludwig Berger (Klavier) wurde ihm 1833 auf Empfehlung durch Carl Friedrich Rungenhagen und nach entsprechender Willenlenkung seitens Karl von Bunsen die Organistenstelle an der Preußischen Gesandtschaftskapelle in Rom übertragen. Hier knüpfte er Kontakt zu Fortunato Santini und Giuseppe Baini, bei dem er ab Juni 1835 auch regelmäßigen Unterricht genoss. Zu dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit den Werken Palestrinas und anderen altitalienischen Klassikern.

1837 wechselte Otto Nicolai als Kapellmeister an das Wiener Kärntnertortheater unter Conradin Kreutzer, ging aber 1838 neuerlich nach Rom und begann mit der Komposition von Opern. 1841 kehrte er nach Wien zurück, wo er die Stelle des 1. Kapellmeisters an der Wiener Hofoper übernahm. Er begründete mit dem Orchester des Kärntnertortheaters die Philharmonischen Konzerte und zugleich die Wiener Philharmoniker.

Das König Friedrich Wilhelm IV. gewidmete Pater noster und die Festouvertüre Ein feste Burg zur 300-Jahrfeier der Universität Königsberg bahnten allmählich wieder Beziehungen zu Berlin an. Als nach einem Streit mit dem Hofopern-Pächter Carlo Balochino Nicolais Vertrag als Kapellmeister in Wien nicht verlängert wurde, folgte er 1847 dem Ruf in die preußische Hauptstadt, wo er als Dirigent des Königlichen Domchores und als Kapellmeister der Königlichen Oper berufen wurde.

Otto Nicolai komponierte neben Opern auch zahlreiche Lieder, geistliche und weltliche Chorwerke.

Sein bekanntestes Werk blieb die Oper Die lustigen Weiber von Windsor, die am 9. März 1849 in Berlin uraufgeführt wurde. Acht Wochen später verstarb er in Berlin an einem Schlaganfall und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof II in der Liesenstraße beerdigt. Seine Grabstelle befindet sich, als Ehrengrab der Stadt Berlin, im Feld E, G1.

Auszeichnungen

  • 1833 Berlin: Schenkung eines Brilliantringes an Otto Nicolai seitens des Königs Friedrich Wilhelm III. als Zeichen der Anerkennung des Musikschaffens
  • 1836 Rom: Ehrenmitglied der Accademia Nazionale di Santa Cecilia
  • 1836 Berlin: Ernennung zum Königlich Preußischen Musikdirektor
  • 1836 Bologna: Aufnahme in die Accademia Filarmonica
  • 1839 Wien: Schenkung eines kostbaren Diamantringes seitens des Großfürsten von Russland für die Widmung dreier Militärmärsche (persönlich vierhändig mit einem Musikfreund vorgespielt)
  • 1840 Mailand: Nach der Aufführung seiner Oper Templario im Teatro alla Scala (stürmische Ausbrüche der Begeisterung) galt er als „neunter“ in der Reihe der größten italienischen Opern-Komponisten – nach Rossini, Bellini, Donizetti, Mercandante, Ricci, Pacini, Coccia und Coppolo. Man nannte ihn nun scherzhaft „Nicolino“
  • 1842 Salzburg: Ehrenmitglied des Mozarteums, Salzburg[2]
  • 1843 Berlin: Große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft
  • 1844 Berlin: Roter Adlerorden vierter Klasse
  • 1845 Königsberg: Schenkung eines prächtigen, silbernen Dirigentenstabes (mit entsprechender Eingravierung) seitens der Stadt Königsberg (Geburtsort Nicolais) als Dank und Anerkennung für seinen musikalischen Einsatz anlässlich der 300-Jahrfeier der Universität Königsberg vom 27.–31. August 1844. Am 27. August 1844 eine Soiree mit einem Zyklus von Musikstücken aus der Oper Der Tempelritter, gegeben von Nicolai im Stadttheater Königsberg, er selbst am Piano – als Ersatz für die ausgefallene Aufführung des besagten Musikwerkes, das zu seinen Ehren von der Theaterdirektion geplant, aber wegen zu geringer Probezeit nicht umsetzbar war; am 28. August 1844 seine Festouvertüre über den Choral Ein feste Burg ist unser Gott; am 2. September 1844 gleicher Musikvortrag in der Schlosskirche – hier auf Wunsch des Königs, da er aus Gesundheitsgründen am Konzert im Dom nicht teilnehmen konnte
  • 1845 Königsberg: Schenkung einer goldenen Dose und Gedenkmünze als Dank seitens der Universität Königsberg für seine persönliche Mitwirkung bei der 300-Jahrfeier der Universität Königsberg[3]
  • 1846 Berlin: Schenkung einer „goldenen Tabaksdose“ seitens König Friedrich Wilhelm IV. für sein Pater noster op. 33[4]
  • 1849 Berlin: Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Künste
  • 1851 Berlin: Stiftung der Grabplatte durch den Berliner Tonkünstler-Verein
  • 1910 Berlin: Anbringung der „Otto Nicolai-Gedenktafel“ (zurzeit (2015) nicht vorhanden) – anlässlich seines 100. Geburtstages: Hier wohnte in seiner letzten Zeit Otto Nicolai, Komponist, Hof-Kapellmeister – Der Magistrat von Berlin 1910
  • 1910 Königsberg: Anbringung einer Otto Nicolai-Gedenktafel an seinem Geburtshaus, seinerzeit Königsberg, Steindamm 277, anlässlich der 100. Geburtstagsfeier
  • 1910 Königsberg: Schaffung einer lebensgroßen Büste vom Berliner Bildhauer Albert Manthe anlässlich des 100. Geburtstages des Komponisten
  • 1932 Königsberg: Schaffung einer feuervergoldeten, lebensgroßen Otto-Nicolai-Bronze-Büste vom Bildhauer Franz Andreas Threyne (Professor der Kunsthochschule Königsberg); 1936 feierlich im Umgang des ersten Ranges im Königsberger Opernhaus enthüllt; 1944 in einer Bombennacht vernichtet
  • 1942 Wien: Anbringung der „Otto Nicolai-Gedenktafel“ – anlässlich der 100-Jahrfeier der Wiener Philharmoniker – am Stadtpalais des Erzherzoges Karl in Wien, Seilerstätte 30 (Haus der Musik/Klankmuseum)
  • 1942 Wien: Stiftung der Nicolai-Medaille der Wiener Philharmoniker
  • 1992 Wien: Emission der Österreichischen „Otto Nicolai-Gedenkmünze“, 100 Schilling in Silber – anlässlich des 150. Gedenkjahres der Gründung der „Wiener Philharmoniker“
  • 2000 Wien: Das Haus der Musik in Wien mit einer lebensgroßen Wachsfigur des Komponisten wird in Nicolais ehemaligem Wohnhaus eröffnet
  • 2010 Wien: Einsetzung des „Otto Nicolai-Gedenksterns“ in den Bürgersteig vor dem Haus der Musik in Wien
  • 2010 Königsberg/Kaliningrad: Anbringung der „Otto Nicolai-Gedenktafel“ (Stiftung der Wiener Philharmoniker) – anlässlich seines 200. Geburtstages – am Königsberger Dom (Portalbereich) im Rahmen eines großen Festkonzertes der Wiener Philharmoniker im Dom (Musik-Ausschnitt, gespielt vom Domorganisten Artjom Chatschaturow, aus der kirchlichen Festouvertüre über den Choral Ein’ feste Burg ist unser Gott op. 31)

Werke

Opern

  • La figlia abbandonata (Die verlassene Tochter); Libretto: Stummel, Fragment; Mailand 1837; daraus konzertante Teilaufführung des Quintetts, Mailand 1837
  • Enrico secondo (Heinrich II), Melodram, 2 Akte; Libretto: Felice Romani; 1837/38, UA: 26. November 1839 in Triest, Theatro Grande; ursprünglich Rosamonda d’Inghilterra (Rosamund aus England)
  • Il Templario (Der Templer), Melodram, 3 Akte; Libretto: Girolamo Maria Marini, nach Walter Scotts Roman Ivanhoe, 1839/40; UA: 11. Februar 1840 in Turin, Teatro Regio, als Teodosia; UA: 1843 in Neapel; deutsche Übersetzung 1845 von Siegfried Kapper, als Tempelritter, tragische Oper, 3 Akte, EA: 20. Dezember 1845 in Wien, Theater am Kärntnertor; bearbeitet 1940 von Wilhelm Hanke und Max Loy als Die Sarazenerin; UA: 1940 in Berlin, Hofoper
  • Gildippe ed Odoardo (Gildippe ist die Gemahlin von Baron Eduard), Melodram, 3 Akte; Libretto: Temistocle Solera; UA: 26. Dezember 1840 in Genua, Teatro Regio
  • Il Proscritto (Der Geächtete), 1841, melodramma tragico, 3 Akte, Libretto: Gaetano Rossi; UA: 13. März 1841, Mailand, Teatro alla Scala, revidiert 1843 von Siegfried Kapper am 3. Februar 1844, EA in Wien als Die Heimkehr des Verbannten, tragische Oper, aufgeführt nach Bearbeitung von Willi Hanke und Max Loy 1941 als Marianna, UA 1943 in Berlin, Staatsoper Unter den Linden
  • Die lustigen Weiber von Windsor, komisch-phantastische Oper, 3 Akte, 1845/46; Libretto: Salomon Hermann Mosenthal nach William Shakespeare; UA: 9. März 1849 in Berlin, Hofoper

Sinfonien

  • 0. Sinfonie in c-Moll (1833)
  • 1. Sinfonie in D-Dur (1835, entstanden für ein Preisausschreiben in Wien, 1845 überarbeitet)

Orchesterwerke

  • Weihnachtsouvertüre über den Choral „Vom Himmel hoch“ (1833)
  • Phantasie mit Bravourvariationen über Norma (Vincenco Bellini) für Klavier und Orchester op. 25
  • Variations brilliantes über Themen aus der Oper „La Sonnambula“ von Bellini in der Bearbeitung für Klarinette und Orchester op. 26
  • Kirchliche Festouvertüre über den Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ für Orchester, Chor und Orgel op. 31, 1844, UA 1844 im Königsberger Dom unter seiner Leitung, anlässlich des 300. Gedenkjahres der Königsberger Universität.

Geistliche Chorwerke

  • Te Deum (1832)
  • Messe Nr. 1 D-Dur (1832/44)
  • Psalmus 54 (1834)
  • Hymnus „Benedicta et venerabilis es virgo Maria“ (1834)
  • Hymnus in Urbis laudem „O Roma nobilis“ (1835)
  • Pater noster op. 33 (1836)
  • Assumpta est Maria op. 38 (1846)
  • Der 13. Psalm (1846)
  • Der 98. Psalm (1847)
  • Liturgie Nr. 1 (1847)
  • Liturgie Nr. 2 (1847)
  • Der 100. Psalm (1848)
  • Der 84. Psalm (1848)
  • Spruch „Herr, ich habe lieb“ (1848)
  • Der 97. Psalm (1848)
  • Der 31. Psalm (1849)
  • Ehre sei Gott in der Höhe für achtstimmigen gemischten Chor a cappella (Lukas 2,14; aus der Liturgie Nr. 1; F-Dur),
  • Die Strafe liegt auf ihm für achtstimmigen gemischten Chor a cappella (Jesaja 52,5; Schluss des 31. Psalm mit neuem Text; Es-Dur)
  • Ecce enim Deus für achtstimmigen gemischten Chor a cappella (Fragment aus dem Psalmus 54; zuvor auch in einer Bearbeitung für acht Solostimmen erschienen; B-Dur)

Lieder und Duette (Auswahl)

  • Wenn sanft des Abends, op. 2a
  • Der Schäfer im Mai / Männersinn, op. 3
  • Abschied, op. 13
  • Auf ewig dein, op. 14
  • Wie der Tag mir schleicht / Willkommen du Gottes Sonne / Die Schwalbe, op. 15
  • Lebewohl / An die Entfernte / Randino / Das treue Mädchen, op. 16
  • Schlafendes Herzenssöhnchen, op. 19
  • Rastlose Liebe, op. 23
  • Il duolo d'amore / Se tranquillo a te d'accanto / Il desiderio al lido op. 24
  • Die Träne, op. 30
  • Die Beruhigung / Der getreue Bub / Stürm, stürm, du Winterwind, op. 34
  • Der Kuckuck / Flohjammer / Du bist zu klein, mein Hänselein, op. 35
  • Herbstlied, op. 37

Klavierwerke (Auswahl)

  • Six danses brillantes
  • Rondo capriccioso
  • Sonate in d-Moll op. 27
  • Mondwalzer
  • Etude „Adieu à Liszt“ op. 28
  • 3 Études op. 40

Rezeption

Film

Literatur

  • Siegfried Kapper: Otto Nicolai. In: Westermann’s Illustrierte Deutsche Monatshefte. 1857, S. 682–689.
  • Hermann Mendel: Otto Nicolai: Eine Biographie. Berlin 1866 und 1868 (online als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum).
  • Georg Richard Kruse: Otto Nicolai als Sinfoniker. In: Allgemeine Musik-Zeitung. 35. Jahrgang, 1908, Nr. 24–26, S. 475–477, 491–493 und 507–509.
  • Georg Richard Kruse: Otto Nicolai. Ein Künstlerleben. Berlin 1911 (online als Digitalisat im Internet Archive).
  • Georg Richard Kruse: Otto Nicolais „Lustige Weiber“. In: Die Musik. 28. Jahrgang, 2. Halbjahr, 1936, S. 886–894 (online als Digitalisat im Internet Archive).
  • Wilhelm Matull: Otto Nicolai, 1810–1849. In: Große Deutsche aus Ostpreußen. Gräfe & Unzer, München 1968, S. 139–147.
  • Ulrich Konrad: Otto Nicolai (1810–1849). Studien zu Leben und Werk. Dissertation 1983, Uni Bonn. Koerner, Baden-Baden 1986.
  • Klaus Rettinghaus: Studien zum geistlichen Werk Otto Nicolais. Dissertation 2014, TU Berlin (online).
  • Ulrich Konrad: Nicolai, Carl Otto Ehrenfried. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 205 f. (Digitalisat).
  • Hans Michael SchlettererNicolai, Otto. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 23, Duncker & Humblot, Leipzig 1886, S. 598–607.

Weblinks

 Commons: Otto Nicolai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Georg Richard Kruse: Otto Nicolai in Stargard. In: Unser Pommerland, Heft 11/12 1927, S. 495–497.
  2. Allgemeine Wiener Musik-Zeitung 2 (1842), S. 556.
  3. Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst 2 (1845), S. 64
  4. Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst 3 (1846), S. 952